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Regenbogenfamilie

Regenbogenfamilien werden Familien genannt, bei denen Kinder bei zwei gleichgeschlechtlichen Partnern als eine Familie leben.[1] Die beiden männlichen bzw. die beiden weiblichen Elternteile können – sofern dies gesetzlich zulässig ist – miteinander verheiratet sein in gleichgeschlechtlicher Ehe; alternative Formen der elterlichen Verbindung sind eingetragene Partnerschaften und formlose Verbindungen von Lebensgefährten.

Inhaltsverzeichnis

Wortherkunft

Der Name leitet sich in diesem Fall von der Regenbogenflagge ab, inzwischen ein weltweites Symbol von selbstbewusst lebenden Lesben, Schwulen und Bisexuellen. Im übertragenen Sinn kann es auch die Community aller LGBTs bezeichnen.

Während der 1960er Jahre, in der gegenkulturellen Hippiebewegung betrachtete man alle symbolisch als Brüder und Schwestern. Durch diese „Massenadoptionen“ entstanden „Stämme“ oder Rainbow-„Famalies“.[2] Eine festgehaltene frühe Verwendung des Begriffs „rainbow family“ geht auf Josephine Baker zurück, welche sich in den 1950er Jahren in der us-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung engagierte und später zwölf Waisenkinder unterschiedlicher Hautfarben und Nationen adoptierte.[3][4][5] In diesem Sinne wird es auch heute auf Deutsch in Übersetzungen verwendet.[6] In den USA wurde 1972 The Rainbow Family of Living Light gegründet, eine unhierarchische Gruppe, welche für den Weltfrieden betet und sich für die Utopie einer kooperativen Gemeinschaft stark macht, die in Harmonie mit der Erde lebt. Sie hat inzwischen weltweit Verbündete.[7]

Herkunft der Kinder in Regenbogenfamilien

Den Angaben des Mikrozensus und den wenigen bisher vorliegenden Studien ist zu entnehmen, dass

Nach Auskunft des Jugendamts in Frankfurt am Main haben dort bereits eine Anzahl lesbischer und schwuler Paare Pflegekinder aufgenommen. Auch Einzeladoptionen sind bekannt. Die Bewertung des Jugendamtes ist positiv; die Erfahrungen unterscheiden sich im Durchschnitt nicht von den mit heterosexuellen Paaren gemachten. Weitere ähnliche Erfahrungen sind aus Berlin und Bayern bekannt.

Problemstellungen für Regenbogenfamilien

Hinweise für Problemlagen gibt die Familienforschung.

Die American Psychological Association unterstützt die Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare in ihrem politischen Statement vom 28. und 30. Juli 2004.[8] Ebenso wird die Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare von folgenden Organisationen in den Vereinigten Staaten unterstützt: Child Welfare League of America, American Bar Association, American Psychiatric Association, National Association of Social Workers, North American Council on Adoptable Children, American Academy of Pediatrics, American Psychoanalytic Association [9] und American Academy of Family Physicians. [10]

Die Familienforschung in Deutschland hat sich in den 1990er Jahren verstärkt den Kindern mit gleichgeschlechtlich-liebendem Elternteil zugewandt. Die deutschen Familien- und Sozialforscher Fthenakis (2000), Berger, Reisbeck & Schwer (2000) und Eggen kommen ebenso wie die amerikanische Zusammenfassung von 21 internationalen Studien durch Stacey und Biblarz über Auswirkungen homosexueller Lebensweisen der Eltern auf Kinder im Wesentlichen zu folgenden Ergebnissen :

Eine von der deutschen Bundesregierung in Auftrag gegebene Studie zu Kindern in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften bestätigt, das bei Kinder, die in lesbischen oder schwulen Partnerschaften aufwachsen, keinerlei Nachteile für die Entwicklung feststellen sind. An der Studie ist das Münchner Institut für Frühpädagogik (IFP) beteilitgt. [11]

Rechtliche Lage der Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare (2008)

Europa

Die rechtliche Lage von Adoptionen durch gleichgeschlechtliche Paare ist in Europa unterschiedlich.

Gemeinschaftliche Adoptionen sind rechtlich erlaubt in Schweden, in den Niederlanden, in Andorra, in Spanien, in England und Wales, in Schottland, in Belgien, in Island [12], in Finnland[13] und in Norwegen [14] [15]. Die Stiefkindadoption ist in Deutschland, Frankreich und Dänemark erlaubt.

Im Februar 2006 entschied das höchste französische Gericht (Cour de Cassation), dass beide Partner in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft das Elternrecht über die leiblichen Kinder des anderen Partners ausüben dürfen (Stiefkindadoption, siehe Stieffamilie).

durch Einzelperson

In Irland und vielen europäischen Staaten können Einzelpersonen (heterosexuell/homosexuell) für Adoptionen zugelassen werden.

Im Januar 2008 entschied der Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR), dass homosexuellen Personen der Zugang zur Adoption nicht aufgrund ihrer Homosexualität verwehrt werden darf. Das Urteil besagt, dass alle Gesetze und Regelungen in den Mitgliedsstaaten des Europarates, die die Genehmigung einer Adoption aufgrund der homosexuellen Orientierung der Adoptionswilligen ablehnen, gegen den Art. 14 Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) verstoßen. [16] [17]

Vereinigte Staaten

Innerhalb der Vereinigten Staaten ist die Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare in Alaska, Colorado [18], Connecticut, Kalifornien, Illinois, Maryland, Massachusetts, Michigan, Minnesota, New Hampshire[19], New Jersey, New Mexiko, New York, Ohio, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, Tennessee, Vermont, Washington, Wisconsin, Washington D.C. erlaubt.[20] [21]

Kanada

In Kanada ist die Adoption in der Gesetzeskompetenz der einzelnen Bundesstaaten verankert (wie auch in den USA). Die rechtliche Lage ist daher in den einzelnen kanadischen Provinzen und Territorien unterschiedlich. Die Adoption ist erlaubt in den Bundesstaaten British Columbia, Manitoba, Newfoundland und Labrador, Nova Scotia, Ontario, Québec, Saskatchewan, Prinz Edward Island und Nunavut.

Australien/Neuseeland

In Australien ist die gemeinschaftliche Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare im Bundesstaat Westaustralien und der Bundeshauptstadt Canberra (ACT) erlaubt; im Bundesstaat Tasmania ist nur die Stiefkindadoption möglich. In Neuseeland ist die Stiefkindadoption für die dort zugelassenen Eingetragenen Partnerschaften erlaubt.

Südafrika

In Südafrika ist die gemeinschaftliche Adoption mit Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare erlaubt.

Israel

Israels höchstes Gericht entschied im Januar 2005 zugunsten der Stiefkindadoptionen. [22]

Rechtliche Lage bei Zugang zu Samenbanken

Deutschland

In Deutschland entscheiden sich zunehmend lesbische Frauen für ein leibliches Kind dank Samenspende.

Während die Richtlinien der Bundesärztekammer rechtlich unverbindliche Kriterien aufstellen, die aber Teil der Berufsordnung von Ärzten darstellen, ist das Embryonenschutzgesetz zwingend rechtlicherseits als Bundesgesetz von Samenbanken zu beachten.

In Deutschland gibt es bisher einen Rechtsanspruch auf Zugang zu Samenbanken bislang nur für heterosexuelle verheiratete Frauen. Die Samenbanken entscheiden selbst, ob sie an lesbische Frauen Samen abgeben wollen. Ein Arzt macht sich in Deutschland jedoch nicht strafbar, wenn er eine Frau mit Spendersamen befruchtet. Die Bundesärztekammer verbietet zwar standesrechtliche eine solche Unterstützung. Dies ist jedoch für den Arzt juristisch nicht bindend.[23][24] Insbesondere lesbische, standesamtlich verheiratete Paare verlangen den erleichterten Zugang zu künstlicher Befruchtung, wie dies auch in mehreren benachbarten EU-Staaten erlaubt ist. Viele Frauen weichen auf andere Länder wie zum Beispiel Dänemark aus.

Dänemark

1997 wurde in Dänemark ein Gesetz verabschiedet, nach dem sich Ärzte, die alleinstehende oder lesbische Frauen befruchteten, strafbar machten. Dieses Gesetz ist jedoch umgangen worden, da sich zwar Ärzte strafbar machen, Hebammen, die Frauen aus dieser Personengruppe zu einem Kind verhelfen, jedoch nicht. So wurde 1999, die erste von einer Hebamme geführte Fertilitätsklinik ins Leben gerufen. Diese hieß nach der Gründerin Storkklinik. Über die Gründung wurde in der internationalen Presse berichtet. Mittlerweile existiert in Dänemark eine Anzahl weiterer von Hebammen geführten Kliniken. Diese werden unter anderem auch von deutschen lesbischen und alleinstehenden Frauen aufgesucht, die sich dort ihren Kinderwunsch erfüllen.[25][26]

Andere europäische Länder (Auswahl)

Belgien, Finnland, die Niederlande, Norwegen [27] Schweden, das Vereinigte Königreich und Spanien haben lesbischen Paaren den Zugang zu den Dienstleistungen von Samenbanken und Inseminationskliniken ermöglicht.

Literatur

 Wiktionary: Regenbogenfamilie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik

Quelle

  1. Bundeszentrale für politische Bildung, Heft 32, Bonn 2003
  2. Origins of "Rainbow Family" and related terminology, Version: 9. Juni 2008
  3. Langston Hughes, Milton Meltzer: Black Magic: A Pictorial History of the Negro in American Entertainment, Prentice-Hall, 1967, S. 342
  4. Walter Terry: The Compton Yearbook, F. E. Compton Co, 1968
  5. Robert McHenry: Famous American Women, Courier Dover Publications, 1983, ISBN 0-486-24523-3, S. 17
  6. Adoptionen - Madonna will Regenbogen-Familie, focus.de, 2. November 2006
  7. Michael I. Niman: People of the Rainbow; A Nomadic Utopia; 1997, 1999, 2003 University of Tennessee Press, ISBN 0-87049-989-0; (Abstract); siehe auch en:Rainbow Famaly
  8. http://www.apa.org/pi/parent.html Haltung der American Psychological Association
  9. Queer:US-Psychoanalytiker für Ehe-Öffnung
  10. Humain Rights Campaign Foundation Frequently Asked Questions about Adoption by Gay and Lesbian Parents
  11. Studie untermauert Forderung nach vollem Adoptionsrecht für Lesben und Schwule
  12. Samtokin78
  13. Queer:Finnland für Homo-Adoption
  14. Pinknews:Norway legalises gay marriage
  15. Pinknews:Norway's gay marriage law also grants new parental rights
  16. EMRK:EMRK bestätigt Adoptionsrecht von Lesben und Schwulen
  17. Euronews:Gleichgeschlechtliche Adoptiveltern - Gerichtshof rügt Frankreich
  18. 365gay.com Colorado Gay Adoption Bill Passes
  19. queer:New Hampshire:Parlament pro Adoption
  20. Psych.org
  21. Human Rights Campaign Foundation Frequently Asked Questions about Adoption by Gay and Lesbian Parents
  22. http://www.365gay.com/newscon05/01/011005isAdopt.htm
  23. Lesben- und Schwulenverband in Deutschland: "Insemination – Ein neuer Weg für lesbische Paare und Queerfamilys?" [1]
  24. Elke Jansen (Lesben- und Schwulenverband in Deutschland): "Eltern werden ist nicht schwer. Wege ins Familienleben - leibliche Kinder" [2]
  25. Heike Haarhoff: "Die Kinder-Frau" TAZ vom 16.11.2006 [3]
  26. Storkklink.dk [http://www.storkklinik.dk/?setlang=de
  27. Queer:Norwegen öffnet Ehe