Heim

Kloster Sankt Zeno Reichenhall

Das Kloster Sankt Zeno ist ein ehemaliges Kloster der Augustiner-Chorherren in Bad Reichenhall in Bayern. Es gehört zur Diözese München und Freising.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Ausgangspunkt des Kloster St. Zeno war vermutlich eine um das Jahr 803 durch den Salzburger Erzbischof Arno gegründete Mönchszelle. Der Sage nach wurde sie von Kaiser Karl dem Großen gegründet. Vom achten bis neunten Jahrhundert wird ein Benediktinerkloster vermutet, im elften Jahrhundert war St. Zeno ein Kollegiatstift. 1136 wurde es als Stift der Augustiner-Chorherren von Salzburger Erzbischof Konrad I. von Abensberg neu gegründet, wie aus der auf den 5. April datierten Stiftungsurkunde hervorgeht. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass bereits um 1123 die Regel des Heiligen Augustinus eingeführt wurde. Im Zuge der Säkularisierung wurde das Kloster 1803 aufgelöst. Die Klosterkirche wurde Pfarrkirche, die Klostergebäude gingen zunächst in Privatbesitz über. 1852 übernahm der Orden der Englischen Fräulein die Gebäude und betreibt dort bis heute eine Mädchenrealschule mit Internat. Der gleichnamige Ort, der sich um das Kloster gebildet hat, wurde im Jahre 1906 nach Bad Reichenhall eingemeindet.

Das Münster St. Zeno

Der Reichenhaller Talkessel und damit seine Salzquellen waren von alters her durch Überschwemmungen bedroht. Dies begründet die Wahl des heiligen Zeno als Kirchenpatron, der als Schutzheiliger gegen Überschwemmungen galt. Man kann davon ausgehen, dass bereits um etwa 800 eine erste dem hl. Zeno geweihte Kirche entstanden ist. Diese wurde wegen Baufälligkeit in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts abgerissen und an ihrer Stelle eine romanische Basilika von beachtlicher Größe errichtet, die im Jahr 1228 feierlich geweiht wurde. Daher gilt das Münster St. Zeno als größter romanischer Kirchenbau Oberbayerns. Allerdings wurde dieser Bau im Lauf der folgenden Jahrhunderte verändert, weswegen der romanische Charakter bis auf wenige Indizien verschwunden ist. Die erste große Veränderung erfolgte nach einem Brand am 5. Juli 1512. Die Krypta wurde aufgegeben und das gotische Kreuzrippengewölbe errichtet, das den Obergaden der romanischen Basilika verschwinden und damit den heutigen hallenartigen Raum entstehen ließs. Aus der Zeit des Wiederaufbaus stammen auch das Chorgestühl, die Kanzel und der Taufstein. Die erneute Weihe erfolgte am 15. und 16. Juni 1520. Bei dieser Gelegenheit wurden 15 Altäre geweiht, die ein Jahrhundert später im Rahmen einer barocken Umgestaltung durch wertvolle Barockaltäre ersetzt wurden. Im 18. Jahrhundert wurden die gotischen Rippen des Gewölbes abgeschlagen und durch Stuckverzierungen ersetzt. Nach einem weiteren Brand 1789 und der Säkularisation 1803 wurden die barocken Altäre verkauft und der Stuck wieder abgeschlagen, um die Kirche zu „purifizieren“, beziehungsweise in einen „original mittelalterlichen Zustand“ zu versetzen. Die heutige Ausmalung von Teilen der Kirche mit Fresken und die Ausstattung mit verschiedenen restaurierten oder zurückgekauften Kunstschätzen stammt hauptsächlich aus den Jahren 1933 bis 1942.

Hochaltar

Der Hochaltar stammt aus dem Jahr 1962, die Mensa aus dem 17. Jahrhundert. Im modernen Schrein eine Krönung Mariens, gegen 1520, Inntaler Schule, aus Riedering bei Rosenheim (Fassung original, 1935 restauriert und ergänzt). Der Heilige Geist wurde 1935 dazu geschnitzt. Maria kniet mit gefalteten Händen demütig zwischen Gott Vater und Gott Sohn, die jeweils mit der Rechten der Gottesmutter die Krone reichen; in der Linken tragen sie das Zeichen der Göttlichen Herrschaft (Reichsapfel mit Kreuz). Als Flügel hängen die auf Holz gemalten Tafelbilder von Niclas Horverk, darstellend den Heimgang und die Aufnahme Mariens in den Himmel.

Portal

Portal Münster St. Zeno


Einer der ältesten erhaltenen Bestandteile der Kirche ist das romanische Portal aus dem 12. Jahrhundert. Das Portal aus rotem und weißem Untersberger Marmor zeigt Maria mit dem Kind, flankiert von den Heiligen Rupertus und Zeno. Die Marmorlöwen zu beiden Seiten des Portals sind Kopien, die Originale stehen im Bayerischen Nationalmusem in München. Das Portal ist heute durch eine später angebaute Vorhalle geschützt. Ein Schaden durch Blitzschlag ist noch zu erkennen.



Chorgestühl

Das in Holz geschnitzte Chorgestühl datiert aus dem Jahr 1520.






Kanzel

Die Kanzel wurde 1520 aus den Adneter Marmor in Frührenaissanceformen geschaffen. In den Feldern der Brüstung sind die Evangelistensymbole Löwe (Markus), Adler (Johannes), darunter das Stifts- und das Propstwappen von Wolfgang Lueger, Stier (Lukas) und Engel (Matthäus) angebracht.

Orgeln

Bis zum Jahr 1899 ist die Orgelgeschichte unklar und aufgrund unvollständiger oder verlorengegangener Akten nicht eindeutig zu erforschen. Um 1653 ließ Propst Bernardus Rottenwalder das Kircheninnere barock umgestalten, es gibt Hinweise aus dem Jahr 1858 (Oberbayern-Archiv) in denen von einer Orgel aus dieser Zeit berichtet wird. Ein 1849 erstellter Bauplan der Kirche zeigt zwei Chororgeln in Altarnähe, jedoch keine Hauptorgel im hinteren Teil der Kirche; andererseits wird um 1899 von einer „250 Jahre alten und nahezu unspielbaren Hauptorgel“ berichtet. Um 1850 wurde ein Orgelgutachten erstellt, auch das weist auf eine Hauptorgel hin, obwohl sie in den Bauplänen der Kirche nicht zu finden ist.

1899 erstellte Franz Borgias Maerz, München, die heute noch vorhandene und 1994 durch Freiburger Orgelbau Hartwig Späth restaurierte Orgel. Dazu wurden vorhandene barocke Gehäuseteile verwendet, die vom Münchener Architekten und Kirchenausstatter Joseph Elsner zu einem neuen Gehäuse zusammengefügt und um ein neu erstelltes Mittelteil erweitert wurden. Die Maerz-Orgel von 1899 (II/23) ist heute die größte noch im Original erhaltene Orgel aus dieser ehemals berühmten Münchner Orgelbauanstalt, wie sie sich damals nannte.

Im Seitenschiff der Münsterkirche steht eine weitere Maerz-Orgel (1890, I/9), diese stammt aus der Pfarrkirche Mitterdarching bei Valley und wurde 1998 nach Bad Reichenhall übertragen. Diese Orgel wurde durch die Firma Orgelbau Frenger&Eder aus Bruckmühl restauriert.

In der sogenannten Werktagskapelle befindet sich ein einmanualiges Orgelpositiv, das privat aus Orgelpfeifen der 1990 abgebrochenen Weise-Orgel der Pfarrkirche St. Nikolaus Bad Reichenhall gebaut wurde.

Maße der Basilika

Klostergebäude

Die Gebäude des Klosters, zum Teil von der Mädchenrealschule genutzt, werden seit 2005 aufwendig restauriert. Hier ist der Kapitelsaal mit romanischem Gewölbe besonders bemerkenswert. Im gesamten Komplex trifft man auf den regionalen roten Untersberger Marmor, sei es als Material für Reliefs oder als Fußbodenbelag.

Kreuzgang

Der Kreuzgang des Klosters wurde Ende des 12. Jahrhunderts im romanischen Stil erbaut. Ursprünglich war er mit einer flachen Holzdecke ausgestattet, die in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts durch ein gotisches Kreuzrippengewölbe mit individuell gestalteten Schlusssteinen ersetzt wurde. Dennoch sind wesentliche Teile des romanischen Kreuzganges erhalten, neben den 60 bis 100 cm starken Mauern unter anderem zweigeteilte Fensterarkaden, Säulen mit Blattwerkkapitellen und Flechtwerkornamentik, zwei Portale aus Untersberger und Adneter Marmor sowie das Tor zum ehemaligen Kapitelsaal. In der Mitte des westlichen Flügels befindet sich an der Ecke eines Fensterpfeilers ein Steinquader, in den ein Relief des Kaisers Barbarossa eingemeißelt ist. Nach der Säkularisation ließ man den Nordflügel des Kreuzgangs verfallen, weswegen dieser Mitte des 19. Jahrhunderts abgerissen werden musste. In den Boden des Kreuzgangs sind zahlreiche Epitaphien eingelassen, größtenteils stammen sie aus der Zeit um 1400.

Der vor wenigen Jahren restaurierte Kreuzgang kann im Zuge von Führungen besichtigt werden.

Literatur

Koordinaten: 47° 43' N, 12° 53' O