Heim

Lautlingen

Lautlingen
Stadt Albstadt
Koordinaten: 48° 13′ N, 8° 58′ OKoordinaten: 48° 12′ 55″ N, 8° 57′ 42″ O
Höhe: 680 m ü. NN
Einwohner: 1998 (Juni 2006)
Eingemeindung: 1. Jan. 1975
Postleitzahl: 72459
Vorwahl: 07431

Lautlingen ist ein Stadtteil von Albstadt im Zollernalbkreis, Baden-Württemberg. Es liegt auf der Schwäbischen Alb, etwa auf halbem Weg zwischen Stuttgart und dem Bodensee.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Geographische Lage

Lautlingen liegt im landschaftlich reizvollen Eyachtal, eingebettet zwischen Heersberg, Ochsenberg, Autenwang, Tierberg und Gräbelesberg.

Geschichte

Bereits im Jahre 793 wurde Lautlingen in einer Urkunde des Klosters St. Gallen erstmals urkundlich erwähnt. Schon früh hielt das Christentum hier Einzug, ein Goldblattkreuz und ein Alemannenfriedhof in der Flur Berken geben davon Zeugnis. Der Stadtteil liegt an der alten Römerstraße Sulz - Laiz, die mitten durch den Ort führt. Oberhalb des heutigen Kernortes liegt das römische Kastell Lautlingen, direkt auf der Höhe der Wasserscheide von Donau und Rhein.

Die Herren von Tierberg vereinigten die Orte Margrethausen und Lautlingen im Mittelalter zu einer Herrschaft im Ritterkanton Neckar. Sie waren als Ortsherren Nachfolger, eventuell sogar Nachfahren der Herren von Luttelingen. Ab 1550 gehörte der Ort zur Herrschaft der Herren von Westerstetten und Drackenstein. Auch diese hatten die Ortsherrschaft durch Einheirat ererbt. Das Geschlecht, das auch auf der Burg Straßberg saß, erlosch später im Mannesstamm, so erbten 1625 die Schenken von Stauffenberg, seit 1874 Grafen, die kleine Ritterschaft. Berühmte Familienmitglieder sind unter anderem Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg (1686-1693 Fürstbischof von Bamberg), Johann Franz Schenk von Stauffenberg (1704-1740 Bischof von Konstanz) und Franz Schenk von Stauffenberg (1871-1892 Mitglied des Reichstags).

1805 fiel der Ort durch den Reichsdeputationshauptschluss an Württemberg und gehörte fortan zum Oberamt Balingen, aus dem 1934 der Landkreis Balingen hervorging. 1811 wurden dann die beiden Ortschaften Margrethausen und Lautlingen durch königlichen Erlass endgültig getrennt und separate Ortsverwaltungen eingeführt.

Laut den geschichtlichen Überlieferungen sollen schon die Herren von Tierberg im 15. Jahrhundert ein Schloss in der Ortsmitte gebaut oder erweitert haben. Bereits dieses war mit Ecktürmen und Wallgräben versehen. Nach den Schätzungen anhand der Bausubstanz von Türmen und Mauer ist dieser Teil des Ensembles bis heute im Original erhalten. Als Hans Konrad von Tierberg am 27. August 1518 mit dem Blutbann von Kaiser Maximilian I. (HRR) belehnt wurde, erscheint folgendes Zitat: "… dass er (Hans Konrad von Tierberg) beim Schloss Lautlingen … kein Hochgericht habe." Der Kaiser erlaubt ihm den Bann, "dortselbst das Blut zu richten." Zwischen 1623 und 1625, also in der Zeit, als die Herren von Westerstetten Lautlingen besaßen, kurz vor der Übernahme durch die Stauffenberger, wurde das bewehrte Schloss mit Mauern, Wallgraben und vier Ecktürmen zum Wohnsitz ausgebaut. Das Hauptgebäude wurde in den Jahren 1842 - 1846 von Excellenzherr Franz Ludwig Schenk von Stauffenberg neu erbaut. An dessen Stelle stand zuvor ein Fachwerkbau, dessen Erdgeschoss in Stein ausgeführt war. An der Südseite befand sich ein repräsentativer Treppenturm. Der sehr nüchtern gehaltene Hauptbau von 1842 mit seinem Walmdach prägt auch heute noch das Ensemble, das unter Denkmalschutz steht.

Das Lautlinger Schloss ist trotz vieler Umbauten in seiner allgemeinen Bausubstanz gut erhalten. Das Gemäuer besteht aus 60 – 80 cm dicken Bruchsteinmauern, die mit einem Putz versehen sind. Innen finden sich komplett verputzte wuchtige Fachwerkwände und Holzbalkendecken. Im Grundriss misst das Gebäude 12,58 m in der Breite und 21,91 m in der Länge. Bis zur Dachtraufe sind es in der Höhe 11,57 m, die Gesamthöhe beträgt 16,37 m Im Innern des Hauptgebäudes ist die international bekannte musikhistorische Sammlung Jehle untergebracht. Diese Räumlichkeiten wurden 2005/06 einer umfassenden Renovation unterzogen und am 18. Februar 2006 von Landwirtschaftsminister Peter Hauck wiedereröffnet. Im ersten Obergeschoss erinnert das Stauffenberg-Zimmer an die früheren Besitzer. Seit dem 15. November 2007 ist in den ehemaligen Räumen des Ortsamtes eine Stauffenberg-Ausstellung untergebracht, die am 100. Geburtstag von Claus Schenk Graf von Stauffenberg eröffnet wurde. Die Thematik des 20. Juli 1944 und die Familiengeschichte bilden den Schwerpunkt der Gedenkstätte.

Gedenkfeier 2005

Die großen Staatsaktionen deutscher Zeitgeschichte reichen an genau diesem Punkt bis nach Lautlingen. Die Widerstandskämpfer Berthold und Claus Schenk Graf von Stauffenberg machten sich hier im Sommer 1943 Gedanken darüber, wie Deutschland nach einem Attentat auf Hitler aussehen könnte - so entstanden die „Lautlinger Leitsätze“. Mit dem Attentat unternahmen einige Offiziere den letzten Versuch einer Selbstbefreiung des deutschen Volkes. Die Beteiligten wurden in der gleichen Nacht von den Nazischergen umgebracht. Seit 1957 findet jedes Jahr am 20. Juli vor der Gedächtniskapelle bei der Kirche eine Gedenkfeier für die Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus statt. Gleichzeitig wird durch Schüler der Albstädter Schulen mit Projektarbeiten an das Attentat erinnert.

Im Jahr 1275 wurden Kirche und Pfarrei St. Johann Baptist mit Pfarrer Heinrich von Tieringen in einem Steuerverzeichnis des Bischofs von Konstanz erstmals erwähnt. Nach den Unruhen des Dreißigjährigen Kriegs wurde die niedergebrannte Pfarrkirche 1670 von dem Ortsherrn Wolfgang Friedrich Schenk von Stauffenberg und seiner Frau Anna Barbara geborene von Wernau neu erbaut. 1725 erweiterten die Söhne des Ehepaares das kleine Kirchlein und ließen gleichzeitig den heute noch erhaltenen Barockturm erbauen. Nach dem schweren Erdbeben vom 16. November 1911 musste die Kirche abgebrochen werden. Aus Spendengeldern und einer Lotterie wurde die neue Pfarrkirche, der erste sakrale Eisenbetonbau der Diözese Rottenburg, erbaut. Der Turm konnte erhalten werden.

In der 1670 erbauten Kirche war Ignaz Anton Demeter von 1802 bis 1808 Pfarrer. Er wurde am 1. Mai 1836 zum zweiten Erzbischof von Freiburg gewählt. Neben vielen Errungenschaften im Schulwesen gründete er eine Theatergesellschaft und am 7. Mai 1803 auch die heutige Musikkapelle Frohsinn als „Musikgesellschaft“.

Auf dem Tierberg bei Lautlingen befinden sich Reste der Burg Altentierberg, Stammsitz der Tierberger.


Politik

Bürgermeister

siehe: Liste der Bürgermeister von Albstadt

Ortsvorsteher

Wappen

Das Wappen von Lautlingen zeigt in Blau gehalten, auf grünem Dreiberg eine linkshin blickende, goldene Hirschkuh. Das Wappen bezieht sich auf die Herren von Tierberg, die Ortsherren in Spätmittelalter und Frühneuzeit.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Museen

Bauwerke

Wirtschaft und Infrastruktur

Heute ist der Ort ein moderner Stadtteil der Stadt Albstadt mit Gewerbegebieten und vielen Freizeitmöglichkeiten (Wandern, Erlebnisbaden, Sport und Unterhaltung).

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

Caroline Schenk Gräfin von Stauffenberg geb. Üxküll-Gyllenband "Mutter des Dorfes" (1875-1956), Mutter der Widerstandskämpfer Berthold und Claus von Stauffenberg

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben

Literatur