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Eden (Roman)

Eden ist ein 1959 von Stanisław Lem veröffentlichter Science-Fiction-Roman mit dem Untertitel „Roman einer außerirdischen Zivilisation“.

Handlung

Ein irdisches Raumschiff stürzt auf den unerforschten Planeten Eden ab. Die sechsköpfige Crew - bestehend aus je einem Koordinator, Ingenieur, Physiker, Chemiker, Kybernetiker und Arzt - versucht, ihr Raumschiff zu reparieren und unternimmt Erkundungsausflüge in eine von Lem detailliert geschilderte fremdartige Welt. So besichtigen sie z.B. eine vollautomatische Fabrik, in der sich der Produktionskreislauf der Werkstücke kurzgeschlossen hat.

Die intelligenten Bewohner des Planeten werden von den Astronauten wegen ihrer Gestalt „Doppelts“ getauft. Ein zierlicher Oberkörper reitet auf einem kräftigen Unterkörper, in den er sich (etwa nach Art des Kängurubeutels) zurückziehen kann. Die Doppelts verfügen über eine hochentwickelte technische Zivilisation, die Flugmaschinen, elektrische Schrift und eine rätselhafte „Mechanochemie“ umfasst. Die Astronauten werden entdeckt und mittels einer kristallenen Mauer eingeschlossen, die sie jedoch mittels ihrer Atomwerfer zerschneiden, um daraus Material für die Raumschiffreparatur zu gewinnen.

Gegen Ende ihres Aufenthaltes kommt es zu einem ersten „Kontakt“ mit einem Doppelt-Wissenschaftler, der in mehrfacher Hinsicht tragisch verläuft: zum einen ist der Doppelt durch die Passage einer verstrahlten Mauerlücke todgeweiht, zum anderen erfahren die Astronauten bruchstückartig von einer perfiden Diktatur, die ihre eigene Existenz verleugnet und die Bevölkerung genetischen Manipulationen unterzieht. Eine Einmischung ist aussichtslos - und so fliegen sie nach erfolgreicher Reparatur der Rakete wieder ab.

Interpretation

Die Crew konstruiert nach und nach aus ihren Beobachtungen ein Bild der Verhältnisse auf Eden im vollen Bewusstsein ihres hoffnungslos anthropozentrischen Standpunktes, der ein wirkliches Verständnis unweigerlich verhindert. Es geht Lem hier um die Darstellung der emotionalen und intellektuellen Reaktion auf das „Unbekannte“ als einem zentralen Thema der Gattung Science-Fiction. Dies wird auch an den permanent geführten Diskussionen der Wissenschaftler deutlich, die jeweils einen ihrer Funktion entsprechenden Denkansatz repräsentieren.

Das zweite Thema ist ebenfalls zentrales Anliegen der Gattung: die kritische Darstellung irdischer Verhältnisse in der Maske „außerirdischer“ Welten. Lem gelingt hier die beklemmende Vision eines fortgeschrittenen totalitären Systems, in dem sich technische Produktionsabläufe verselbständigt haben und selbst auf die biologische Ebene erstrecken. Damit besitzt der Roman neben versteckter Kritik an kommunistischer Diktatur eine verblüffende Aktualität und zählt nach wie vor zu den wichtigen Werken europäischer Science-Fiction.

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