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Caganer

Ein caganer ([kəɣəˈne], katalanisch für Kleiner Scheißer) ist eine eigenwillige Krippenfigur aus dem katalanischen Kulturkreis. Sie stellt eine Person mit heruntergelassenen Hosen dar, die sich im Umfeld der Geburt Jesu erleichtert.

Der Ursprung dieser Tradition wird im 17. Jahrhundert vermutet. Ursprünglich ist der caganer eine Figur in typischer Kleidung katalanischer Bauern mit Schärpe und roter Mütze (barretina). Heute stellt die Figur häufiger auch populäre Persönlichkeiten wie Politiker oder Sportler dar.

Üblicherweise wird der caganer unauffällig und abseits des Stalls mit der Heiligen Familie positioniert. Den Grund, eine Figur, die offensichtlich ihren Darm entleert, in einer „heiligen“ Szenerie aufzunehmen, ist nicht bekannt. Es wird allerdings vermutet, dass das Männchen mit den heruntergelassenen Hosen ein Sinnbild für den Kreislauf der Natur darstellt. Er düngt die Erde und lässt eine gute Ernte für das kommende Jahr erwarten. Außerdem sieht man im caganer ein Symbol für einen gesunden und ausgeglichenen Körper. Vor einem guten Essen ist daher folgender etwas derbe Spruch im vertrauten Umfeld durchaus üblich: "menja bé, caga fort i no tinguis por a la mort!" (Iss gut, scheiße kräftig und fürchte dich nicht vor dem Tod!).

Selbst die spanische Katholische Kirche akzeptiert die Anwesenheit des caganer bei der Geburt Jesu als Glücksbringer.

Erstaunlicherweise ist der Caganer nicht die einzige Weihnachtsfigur, die sich in Katalonien „entleeren“ muss. Eine weitere Tradition ist der „Caga tió“, ein alter Baumstamm, auf den die Kinder an Heiligabend rhythmisch klopfen. Die Schläge und die Lieder der Kinder belohnt der „Tió“ damit, indem er Süßigkeiten und Geschenke „von sich gibt“ oder herausspuckt.