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Marienverehrung

Marienverehrung bezeichnet die Verehrung von Maria, der Mutter des Jesus von Nazaret im Christentum, die in den unterschiedlichen Konfessionen eine höchst unterschiedliche Stellung einnimmt.

Inhaltsverzeichnis

Entwicklung und vorchristliche Parallelen

Elemente, die später in den Marienkult eingehen sollten, sind bereits in vorchristlichen Jahrhunderten erkennbar, etwa zur Zeit des Alten Testaments, als die Babylonier die Göttin Ištar verehrt haben. Viele Eigenschaften dieser „Himmelskönigin“ (Jeremia 7,18) sind von anderen Kulturen übernommen und auf viele verschiedene göttliche Figuren aufgeteilt und später wieder zu einer Person zusammengenommen worden. So wechselten von Zeit zu Zeit und von Kulturraum zu Kulturraum die Art und Anzahl der Namen für die Göttin, aber nicht die Wesenzüge und deren Verehrung. Als Beispiele kann man hier die altägyptische Isis oder die altgriechischen Artemis, Demeter und Athene anführen sowie besonders die ursprünglich phrygische „Große Gottesmutter“ Kybele, deren Magna Mater-Kult den (römischen) Erdkreis umspannte und noch Jahrhunderte nach Christus Anhänger fand.

Von Anfang an gab es eine besondere Verehrung der Mutter Jesu, Maria. Das zeigt sich in den Apokryphen der frühchristlichen Zeit, die wegen abweichender Lehren oft im Sinne des Gnostizismus ganz bewusst von der christlichen Kirche nicht in den Kanon der biblischen Schriften aufgenommen worden waren, aber weiterhin überliefert wurden und ihre Wirksamkeit entfalteten; die römisch-katholische Kirche wie die Ostkirchen bezogen die apokryphen Texte zu Maria in ihre Marienlehren mit ein (hier insbesondere das Protevangelium des Jakobus).

Als das Christentum 391 n. Chr. im Römischen Reich zur Staatsreligion ernannt wurde, begann eine Verehrung der Märtyrer und auch Marias. Vierzig Jahre später wird Maria durch das Konzil von Ephesus als „Gottesgebärerin“ (gr. Theotokos bzw. lat. Dei Genetrix) bezeichnet und dogmatisiert; dabei ging es ursprünglich weniger um die Frage, wer Maria ist, sondern vielmehr um die Frage, ob Jesus von Nazareth Gott sei. Der Begriff „Gottesgebärerin“ oder „Gottesmutter“ sollte klarstellen, dass Jesus „nicht nur wahrer Mensch, sondern auch wahrer Gott“ wäre/sei. Nach diesem Konzil entstand eine neue Verehrung Marias, die – wie Kritiker behaupten – der Verehrung der „Himmelskönigin“ aus dem Alten Testament ähnelt.

Im fünften und sechsten Jahrhundert versuchte man versteckte Hinweise auf Maria in der Bibel zu finden, und ein Jahrhundert später entstanden die ersten Marienfeste und Mariengebete, wie das „Ave Maria“. Auch im Volk, genauso wie unter den Gelehrten, vertrat man zu dieser Zeit die Meinung, dass das Beten zu Maria eher eine Erhörung fände, als das Beten zu Jesus.

Die seit dem Konzil von Ephesus „offizielle“ erhabene Stellung Marias begünstigte im Zuge der Missionierung auch die Umdeutung bereits vorhandener Muttergottheiten zur christlichen „Gottesmutter“, sichtbar geblieben in den archaisch-vertrauten Zügen der frühchristlichen Marien-Ikonografie (siehe hierzu auch Schwarze Madonna).

Nach der Reformation begann in der römisch-katholischen Kirche die Gegenreformation, in der die Marienverehrung zwei gegenläufige Tendenzen erfuhr: Einerseits wurde versucht, möglichst viele unbiblische Texte zu verbieten, wodurch die volkstümliche Marienverehrung theoretisch hätte Schaden nehmen müssen. Auf der anderen Seite wurde der Marienkult seit den 1580er Jahren zu einem Instrument insbesondere der jesuitischen Gegenreformation; so wurde beispielsweise in Bayern der Marienkult (Patrona Bavariae) vom Staat und den Jesuiten stark gefördert, zahlreiche Marienwallfahrten nahmen hier ihren Anfang (zum Beispiel zur Wallfahrtskirche Maria im Sand (Dettelbach) und zur Gnadenkapelle (Altötting)).

Die Einstellung gegenüber Maria war gerade während der Gegenreformation eines der offenkundigsten Kriterien, das die Katholiken einerseits von Lutheranern und Calvinisten andererseits unterschied. So gehörte in Verhören die Frage, ob man seine Fürbitten auch an Maria und die Heiligen richte, zu den Mitteln, um heimliche Protestanten zu erkennen (mehr zum Thema: Arno Herzig, Der Zwang zum wahren Glauben. Rekatholisierungspolitik vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, Göttingen 2000).

Eine neue Blüte erlebte der Marienkult in der Romantik.

Sonderstellung Marias

Mutter Jesu

Maria ist die Mutter von Jesus von Nazaret, der im Christentum als der Sohn Gottes angesehen wird. Das dritte Ökumenische Konzil in Ephesos 431 A.D. erklärte, nach einem Streit mit Bischof Nestorius, Maria zur theotokos, zur Gottesgebärerin. Laut Lukas 11,27–28 ist es nicht allein die körperliche Mutterschaft, die Maria auszeichnet, sondern ihr vollkommener Gehorsam gegenüber Gott.

Jungfrau

Die Jungfräulichkeit wird in zwei Ausprägungen gesehen:

  1. Jesus wurde nach der neutestamentlichen Überlieferung durch den Heiligen Geist gezeugt, als Maria Jungfrau war; sie hat vor seiner Geburt mit keinem Mann verkehrt.
  2. Maria blieb, nach dem Verständnis der Katholiken und Orthodoxen, auch während und nach der Geburt Jesu Jungfrau und war mit Josef nur dem Namen nach verheiratet (Josefsehe). Marias Jungfräulichkeit wird, insbesondere in der Katholischen Kirche, als besonders lobenswerte Tugend gewertet. Mit dieser Jungfräulichkeit wird aber noch mehr zum Ausdruck gebracht, dass mit der Geburt Christi eine neue Schöpfung beginnt, die sich nicht an profan irdischen Maßstäben orientiert.
Die Stuppacher Madonna von Matthias Grünewald – die verwendete Symbolsprache betont in besonderer Weise die Jungfräulichkeit Marias

Bezüglich der immerwährenden Jungfrauenschaft Mariens urteilen die Kirchen der Reformation in ihren Bekenntnisschriften unterschiedlich – die meisten haben jedoch eine ablehnende Haltung eingenommen. Die lutherischen Bekenntnisschriften (BSLK) als verbindliche Lehrgrundlage der lutherischen Kirchen sprechen beispielsweise in der Konkordienformel Artikel 8 (Von der Person Christi S. 1024) wie folgt: „Darum sie (Maria) wahrhaftig Gottesmutter und gleichwohl eine Jungfrau geblieben ist.“ Jedoch ist die Konkordienformel nicht Bestandteil aller lutherischen Kirchen.

Andere reformatorische Kirchen sind der Auffassung, die neutestamentliche Erwähnung von vier Brüdern und wenigstens zwei Schwestern Jesu bedeute, dass Josef und Maria nach der Geburt Jesu Geschlechtsgemeinschaft gehabt und noch gemeinsame Kinder bekommen hätten. (u.a. (Matthäus 12, 46), (Matthäus 1, 24)). Argumentationsgrundlage ist dabei das Prinzip Sola scriptura. Die Reformatoren selbst waren allerdings teilweise von der Jungfräulichkeit Marias überzeugt, wobei dies größtenteils auf ihren theologischen Hintergrund bzw. die Vorprägung in der damaligen Zeit zurückzuführen sein dürfte.

Sicht der Konfessionen und Religionen

Orthodoxe Kirche

Die orthodoxen Kirchen verehren Maria als die Mutter Gottes und als Immerjungfrau. Sie sehen sie als heilig und sündlos, aber durch ihre von den Westkirchen unterschiedliche Auffassung von Erbsünde ist die unbefleckte Empfängnis für sie kein Thema. Die Himmelfahrt Marias wird unter dem Namen „Maria Entschlafung“ gefeiert. Grundsätzlich ist die Marienverehrung in der Orthodoxen Kirche immer auf Christus bezogen; beispielsweise wird auf Ikonen Maria fast ausschließlich mit Kind dargestellt.

Römisch-Katholische Kirche

Die römisch-katholische Kirche lehrt, dass der Mensch bei der Taufe von der Erbsünde und bei der zweiten Auferstehung am Ende seines Lebens von den Folgen dieser Erbsünde befreit wird und so zu einer vollkommenen Gemeinschaft mit Gott gelangen kann (biblisch: Himmel). Bei Maria habe Gott schon im Moment ihrer eigenen Empfängnis im Leib ihrer Mutter Anna (hebr. Hannah) die Befreiung von der Erbsünde vollzogen. Das heißt, Maria, die Frau, die Gott als Mensch geboren hat, habe zu Lebzeiten an der Erbsünde keinen Anteil gehabt. (sog. Unbefleckte Empfängnis, vgl. das Hochfest am 8. Dezember).

Verwechselt wird diese Thematik fälschlicherweise oft mit der Art und Weise der Zeugung Mariens selbst: Sie hatte einen gewöhnlichen menschlichen Vater, nach der Tradition hieß er Joachim (hebr. Jehojakim). Auch ihre Jungfräulichkeit bei der Geburt Jesu wird manchmal fälschlich mit dem Begriff „Unbefleckte Empfängnis“ in Verbindung gebracht.

In der römisch-katholischen Kirche nimmt die Verehrung Mariens eine wichtige Rolle ein, die Dogmen der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel und der unbefleckten Empfängnis gibt es ausschließlich in der römisch-katholischen Kirche, auch wenn orthodoxe und syrische Kirchen ähnliche Auffassungen vertreten.

Die römische Kirche vertritt den Standpunkt, die Mariendogmen seien in ihrem Kern Aussagen zu Jesus Christus. Sie erklärt damit, dass Maria bereits bei Gott vollendet ist, so wie alle Menschen bei Gott vollendet werden sollen. Maria ist somit der „Prototyp“ des durch Jesus Christus erlösten Menschen.

Maria hat seit dem Konzil von Ephesus 431 deshalb eine Sonderrolle, weil sie Jesus Christus geboren hat („Gottesgebärerin“). Die Verkündigungszene wird häufig auf dem Tabernakel abgebildet: Im Tabernakel ist Jesus Christus, nach katholischer Auffassung, in den Gestalten von Brot und Wein gegenwärtig. Durch die Jungfrau Maria wird Gott in der Gestalt eines Menschen, Jesus Christus, gegenwärtig. Maria wird deshalb in einigen Marienliedern und in der Lauretanischen Litanei als „der Gottheit Tabernakel“ bezeichnet.

Innerhalb der römisch-katholischen Kirche, insbesondere in Deutschland, divergieren die Ansichten über dieses Thema zum Teil erheblich: In der Volksfrömmigkeit wird Maria faktisch als eine Göttin und zum Teil sogar stärker als Gott selbst verehrt.“.[1] Zeitgenössische Betrachtungen betonen gern Marias Stärke, wie sie sich vor allem in ihrem Jubellied, dem Magnificat (Lukas 1,46-55), widerspiegelt.

Manche Gruppen tendieren dahin, Maria auf eine Stufe mit Jesus Christus zu stellen, so z.B. die „Marienkinder“. Die römisch-katholische Kirche hat solche Tendenzen immer abgelehnt. Im Gebet- und Gesangbuch „Gotteslob“ wird Maria als Mutter und Schwester der Glaubenden bezeichnet, die den Weg des Menschen zu Gott bereits gegangen ist. Deshalb kann sie, nach römischer Auffassung, auch Vorbild sein und um Hilfe auf dem Weg zu Gott angerufen werden. Dem entgegen steht die neutestamentliche Aussage, „dass nur ein Mittler zwischen Gott und den Menschen sei, der Mensch Christus Jesus“ (1. Timotheus 2, 5; auch: „Hebräer-Brief“ in den jeweiligen Kapiteln 8, 9, 12). Maria ist daher nach römischer Auffassung keine Mittlerin zwischen Gott und Mensch, sondern kann (näher) zu Jesus Christus führen. Papst Benedikt XVI. bezeichnet Maria jedoch als Mittlerin und Dolmetscherin, die den Menschen, insbesondere den römisch-katholischen Christen, die Evangelien sowie die Heilsgeschichte näher bringen und verständlicher machen kann.

Römisch-Katholische Ausdrucksformen der Marienverehrung sind Marien-Wallfahrtsorte, wie Lourdes, Fátima, Tschenstochau, Kevelaer, ihre Verehrung als Schutzheiliger wie in der Patrona Bavariae, zahlreiche Marienfeste, die Maiandachten, Litaneien (v.a. die lauretanische Litanei) und als zentraler Punkt das Rosenkranzgebet.

Berichte von Marienerscheinungen, auch dort, wo sie von der Kirche nach kritischer Prüfung als echt anerkannt sind, sind nicht Bestandteil des katholischen Glaubens, da nach römisch-katholischer Auffassung die Offenbarung mit den Aposteln abgeschlossen ist und solche Privatoffenbarungen der Lehre dieser Kirche nichts hinzufügen. Jeder römische Katholik ist darum frei, an Marienerscheinungen zu glauben oder nicht.

In jüngerer Zeit gibt es in der römisch-katholischen Kirche vermehrt Bestrebungen, weitere Mariendogmen zu konstituieren, mit denen die heilsgeschichtliche Rolle Marias stärker hervorgehoben werden soll: Maria als Miterlöserin (Coredemptrix) oder Gnadenvermittlerin (Mediatrix (omnium) gratiarum). Das Lehramt hat sich zu diesen Wünschen noch nicht ausdrücklich positioniert, allerdings hat Papst Benedikt XVI. zu seiner Zeit als Präfekt der Glaubenskongregation sich privat eher ablehnend geäußert.

Die Marienverehrung hat in den letzten Jahrzehnten eine Neubelebung erfahren, insbesondere durch die Neuen Geistlichen Bewegungen, aber auch durch Papst Johannes Paul II., der ein großer Marienverehrer war und bei seinen Auslandsreisen zahlreiche Marienwallfahrtsorte besucht hat.

In der christlichen Kunst wird Maria oft – in Anlehnung an Offb 12 – als die „apokalyptische Frau“ bzw. Herrscherin mit Sternenkranz, Krone, Zepter und/oder auf dem Mond (oder einer Mondsichel) stehend – mit dem (meist ebenfalls mit Krone und Zepter ausgestatteten) Kind auf dem Arm – dargestellt. Maria wird als die „Königin des Himmels und der Erde“ (s. oben: vollendeter Mensch bei Gott) angesehen, die durch ihre Fürbittmacht den zu ihr Betenden helfen kann. In vielen überwiegend römisch-katholischen Gegenden sind an vielen Orten – oft in der Ortsmitte – sogenannte Mariensäulen aufgestellt. Schön zu sehen in München auf dem Marienplatz, wo Maria mit diesen Insignien und komplett in Gold zur Verehrung dargestellt ist.

Lutherische Kirchen

In den lutherischen Kirchen spielt die Marienverehrung in der Praxis kaum eine Rolle. Luther wandte sich entschieden gegen die römisch-katholische Vorstellung von Maria als „Himmelskönigin“ sowie gegen landläufige Vorstellungen von Maria als Mittlerin, die Christus erst gnädig stimmen müsse. Hiergegen betonte Luther, dass durch den Opfertod Christi das Erlösungswerk vollkommen ist und keiner Ergänzung bedürfe. Dabei berief er sich auf die Bibel. Christen brauchten keinerlei Fürsprache und Vermittlung durch Menschen, sei es Maria oder seien es Heilige. Aber Luther hielt auch Marienpredigten und schätzte in seinen Auslegungen (etwa des Magnificats) Maria als Beispiel menschlicher Demut und Reinheit. Darum wird eine gewisse Form von Marienverehrung in manchen lutherischen Kirchen geübt. Maria gilt als Vorbild des Glaubens.

Die Lutherische Kirche kennt traditionell drei Marienfeste (dies gilt zumindest für die SELK), die aber genau genommen Christusfeste sind:

Reformierte Kirche

In der Reformierten Kirche akzeptierte Zwingli die Marienverehrung, so weit sie biblisch begründet ist. Calvin lehnte dann jegliche evangelische Marienverehrung ab, da sie immer in der Gefahr sei, zum Götzendienst zu werden. Mit ihm stimmen auch die Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden überein. Maria ist zwar – wie viele andere biblische Personen auch – ein Vorbild des Glaubens und der Hingabe, kann und darf aber nicht im Gebet angerufen werden. Sie wartet (1. Thessalonicher 4,16f) mit allen in Christus Entschlafenen auf den Tag der sichtbaren Wiederkunft Jesu, an dem die verstorbenen und die zu diesem Zeitpunkt lebenden Christen gemeinsam Jesus Christus „entgegen geführt“ werden. Außerdem ist aus freikirchlicher Sicht nach Deuteronomium 18, 10f die Kontaktaufnahme zu Verstorbenen verboten. Das gilt auch im Blick auf Verstorbene, die im Glauben Außergewöhnliches geleistet haben (siehe dazu 1. Samuel 28)

Andere christliche Glaubensgemeinschaften

Verschiedenste christliche Glaubensgemeinschaften, darunter Evangelikale, die Zeugen Jehovas und die Siebenten-Tags-Adventisten, üben scharfe Kritik an allen Formen der Marienverehrung, lehnen sie als unbiblisch ab und sehen ihre Praktizierung als Götzendienst an.

Die unterschiedliche Sicht am Beispiel

Ein Beispiel für die Unterschiede in der Haltung zur Marienverehrung in römisch-katholischer und evangelischer Tradition bietet die zweite Strophe des Weihnachtsliedes „Es ist ein Ros entsprungen“. Das Lied, dessen Ursprung vermutlich in einem Eifeler Kartäuserorden im 15./16. Jahrhundert liegen und dessen erste beide Strophen erstmals bei Frater Conradus, der von 1582 bis 1588 Prokurator der Mainzer Kartause war, bezeugt sind, findet sich heute im katholischen Gesangbuch „Gotteslob“ und im „Evangelischen Gesangbuch“ in zwei Versionen.

Die ursprüngliche Fassung lautet:

Das Röslein, das ich meine
Alß vns Zacharias beschrebt
Das ist Maria die reine
Die vns das blumlein hat bracht
Der Engel gab ir den radt
Sie solt en kindlein geberen
Vnd bleiben ein reine maigt.
zitiert nach: Martin Rößler: Es ist ein Ros entsprungen; in Liederkunde zum Evangelischen Gesangbuch, Heft 2; Göttingen 2001; Seite 17

In Bezug auf Maria klingt in der im Gotteslob gebotenen Version die gleiche Tendenz an:

Das Röslein, das ich meine,
davon Jesaja sagt,
ist Maria, die Reine,
die uns das Blümlein bracht.
Aus Gottes ewgen Rat
hat sie ein Kind geboren
und blieb doch reine Magd.
zitiert nach Gotteslob. Ausgabe Trier; 26. Auflage, 1997; Nr. 132

Deutlich anders hingegen ist der Text im Evangelischen Gesangbuch, der Michael Praetorius’ im Jahr 1609 veröffentlichter Textfassung im Wesentlichen folgt:

Das Blümlein, das ich meine,
davon Jesaja sagt,
hat uns gebracht alleine
Marie, die reine Magd;
aus Gottes ewgem Rat
hat sie ein Kind geboren,
welches uns selig macht.
zitiert nach Evangelisches Gesangbuch. Ausgabe West; 1997; Nr. 30

Maria wird in der ursprünglichen Textfassung mit dem Rosenstock (lat.: virga) verglichen, aus dem das Blümlein Jesus hervor ging. Das Besondere dieser Geburt ist, dass die Mutter „reine Magd“ war und auch jungfräulich blieb (lat. für Jungfrau: virgo). Dem Theologen und Musiker Michael Praetorius ist dieser Gedanke ob seines lutherischen Schriftverständnisses fremd, er lehnt ihn ab. Er sieht die Gefahr, dass hier Marienverehrung einziehen könnte.

Die Arbeitsgemeinschaft für ökumenisches Liedgut fand für dieses Lied einen Kompromiss, der vielleicht die Richtung für eine akzeptable Mittelposition zur Wertschätzung Mariens für zumindest alle westkirchlichen Konfessionen weist:

Das Röslein, das ich meine,
davon Jesaja sagt,
ist Maria, die Reine,
die uns das Blümlein bracht.
Aus Gottes ewgem Rat
hat sie ein Kind geboren,
welches uns selig macht.
zitiert nach Gotteslob. Ausgabe Trier; 26. Auflage, 1997; Nr. 133

Islam

Auch im Islam wird Maria vielfach als Mutter des Propheten Jesus verehrt, die im Koran äußerst positiv beschrieben wird. So pilgern beispielsweise zum so genannten Haus der Maria (Meryemana) in der Nähe von Ephesos weitaus mehr Muslime als Christen.

Maria (Maryam) ist die einzige Frau, die der Koran namentlich erwähnt und nach der er eine Sure – die 19. – benennt [2].

Kritik

Marianismo ist ein Schlagwort der vorrangig in der femininistischen Literatur verwendeten Kritik am religiösen Konzept der Marienverehrung.

Formen der Marienverehrung

Mariengebete

Marienfeste und Brauchtum

Marienverehrung in der Kunst

Darstellung der Madonna in der Kunst:

Literatur

Referenzen

  1. Die ZEIT vom 19. März 2007
  2. The Holy Qur'an/Maryam: Sure 19 in der Übersetzung von A. Yusuf Ali (engl.)