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Hachschara

Unter Hachschara (hebräisch הכשרה "Vorbereitung, Tauglichmachung") wurde die systematische Vorbereitung von Juden auf die Alija verstanden, d.h. für die Besiedlung Palästinas vor allem in den 1920er und 1930er Jahren. Ideologische Grundlage für dieses Programm war der Zionismus, getragen und propagiert wurde sie von der jüdischen Jugendbewegung.

Meist fanden Hachschara-Kurse auf landwirtschaftlichen Gütern statt. Eine Gruppe von Auswanderungswilligen (קבוצה, Kəvutza) lernte dort gemeinsam, was für den Aufbau eines Gemeinwesens in Palästina notwendig erschien. Die häufig aus bürgerlichen Umgebungen stammenden jungen Menschen erwarben vor allem gärtnerische, land- und hauswirtschaftliche sowie handwerkliche Fertigkeiten und lernten Iwrit, das moderne Hebräisch. In der weiteren Entwicklung der Hachschara galt zunehmend auch die Schaffung einer jüdischen Identität als wichtige Aufgabe. Dazu gehörte auch, die jüdischen Feste zu feiern, jüdische Geschichte und Literatur kennenzulernen. Leben und Arbeiten im Kollektiv sollten dabei die kulturellen Grundlagen für die neue Existenz in Palästina schaffen. Im späteren Israel setzten sich die Hachschara-Gemeinschaften in den Kibbuzim fort. Seltener lernten auch einzelne Auswanderungswillige bei einem Landwirt oder Handwerker.

Die Hachschara formierte sich am Ende des 19. Jahrhunderts aus der „Chaluzbewegung“ (von חלץ, Chaluz, dt. Pionier) heraus, vor allem unter Juden in den USA und Russland. Im Rahmen des 12. Zionistenkongresses 1921 in Karlsbad bildete sich ein Pionier-Weltverband Hechaluz. 1923 formierte sich ein deutscher Hechaluz-Verband, der 1928 500 Mitglieder und vier Lehrgüter zählte. Insgesamt verbreitete sich die Bewegung unter den stark assimilierten Juden Westeuropas nur langsam. Während der Weltwirtschaftskrise wurde die Auswanderung von vielen als Chance für einen wirtschaftlichen Neuanfang verstanden. Die idealistische Einstellung des frühen Zionismus trat in den Hintergrund.

Die zunehmende Diskriminierung der Juden verschaffte der Hachschara-Bewegung in der Anfangsphase der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland großen Zulauf. Neben der Vorbereitung zur Auswanderung nach Palästina spielte vor allem für junge Jüdinnen und Juden eine Rolle, dass die Hachschara eine der letzten Möglichkeiten für sie war, überhaupt eine Berufsausbildung zu erlangen. 1934 verzeichnete die deutsche Hechaluz rund 15.000 Mitglieder. Rund 3500 Menschen wurden zu dieser Zeit in den Hachschara-Lehreinrichtungen ausgebildet. Diese wurden im Auftrage der Reichsvertretung der Deutschen Juden von Martin Gerson betreut.

Einrichtungen waren unter anderem die Gartenbauschule Ahlem bei Hannover, das Landwerk Neuendorf bei Fürstenwalde, das Landwerk Steckelsdorf bei Rathenow, das Gut Winkel bei Spreenhagen, das Landwerk Ahrensdorf bei Trebbin, der Brüderhof bei Harksheide und Einrichtungen in der Schweiz, in Polen, Russland, Litauen und Holland.

Quellen und Weblinks