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Schloss Kartlow

Schloss Kartlow ist ein Herrenhaus im Landkreis Demmin im Kruckower Ortsteil Kartlow. Woldemar von Heyden gab in der Mitte des 19. Jahrhunderts den Auftrag zum Bau des Herrenhauses nach Plänen Friedrich Hitzigs. Der Entwurf des Landschaftsparks stammt von Peter Joseph Lenné. Bis 1945 blieb das Herrenhaus im Besitz der Familie von Heyden. Nachdem während der DDR-Zeit Wohnungen und ein Konsum eingerichtet worden waren, befindet sich das Schloss heute in Privatbesitz und wird touristisch genutzt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Vorgängerbauten

Bereits zur Zeit der urkundlichen Ersterwähnung 1245 [1] befand sich in Kartlow ein festes Haus der Herzöge von Pommern-Demmin. Barnim I. oder sein Sohn Bogislaw IV. belehnte zwischen 1274 und 1294 die Ritter von Heyden zur Gesamthand mit dieser fürstlichen Burg und dem zugehörigen Landbesitz. Die Burg wurde 1630 im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Noch in den Matrikelkarten der schwedischen Landesaufnahme von 1698[2] [3] ist die Burgruine westlich der im Park gelegenen Teiche eingezeichnet.

Die Familie von Heyden bewohnte bis ins 19. Jahrhundert ein größeres eingeschossiges aus drei Gebäuden bestehendes Wohnhaus in Fachwerkbauweise. Es bildete den östlichen Abschluss des Wirtschaftshofes und befand sich etwa 50 Meter östlich des heutigen Gebäudes. Vor 1852 hatten noch Umbauarbeiten am alten Herrenhaus stattgefunden. Die Zahl der Fenster am Hauptgebäude war vergrößert worden und das südliche Nebengebäude wurde entfernt.

Bau des Herrenhauses

Woldemar von Heyden (1809–1871) ließ in der Mitte des 19. Jahrhunderts das alte Wohngebäude abreißen. Woldemar war Generallandschaftsrat der Provinz Pommern und wirtschaftlich äußerst erfolgreich. Seine Frau Athalie, geborene Fränkel, entstammte einer wohlhabenden bürgerlichen Familie und brachte eine hohe Mitgift in die Ehe. Woldemar erweiterte den Grundbesitz des Gutes, betrieb eine Bank und wollte mit einem eigenen Schiff Getreide nach Großbritannien exportieren. Er hegte den Wunsch, seinen Besitz nach Art einer englischen Grafschaft zu gestalten. So erfolgte zwischen 1853 und 1859 der Bau des neuen Herrenhauses nach Plänen des Schinkel-Schülers Friedrich Hitzig. Nur wenige Einzelheiten über den Bau des Schlosses sind bekannt. So beliefen sich die Kosten für den „Cartlower Hausbau“ auf 43.821 Taler.[4] Zur gleichen Zeit wurde der Park nach Plänen Lennés gestaltet. Am 15. November 1856 wurde das neue Haus bezogen.

Ostseite

Neuere Entwicklungen

Die Familie von Heyden blieb bis 1945 Eigentümer des Gutes, dann ging das Gut Kartlow zusammen mit dem Herrenhaus durch die Bodenreform in den Besitz der Gemeinde über. Nach dem Krieg dienten Schloss und Park zunächst als Erholungseinrichtung für Offiziere der Sowjetarmee. Ab Herbst 1945 wurden zahlreiche Flüchtlinge einquartiert. Später wurden im Haus Wohnungen eingerichtet, die noch bis in die 1990er Jahre bewohnt waren. Weitere Räume beherbergten einen Schulsaal, einen Konsum sowie das Gemeindebüro.

Heute ist Schloss Kartlow in Privatbesitz. Nach der Sanierung der Dächer und Fassaden wurden im Obergeschoss Ferienwohnungen eingerichtet. Die Restaurierung des Erdgeschosses war 2007 noch in Arbeit.

Anlage

Schloss

Im Nachlass des Architekten Friedrich Hitzig fehlen Hinweise auf das Kartlower Schloss. Vergleiche mit anderen Herrenhäusern, wie dem Schloss Bredenfelde, das nachweislich von Hitzig entworfen wurde, zeigen allerdings einen hohen Grad an Übereinstimmung. Der Verleger Alexander Duncker nannte Hitzig als Baumeister Kartlows.[5]

Architektur

Als architektonisches Vorbild gilt Schloss Chambord in Frankreich. Jedoch ist im Unterschied dazu das herausragende Merkmal des im Renaissancestil mit neogotischen Elementen errichteten Herrenhauses seine Asymmetrie. Diese steht auch im Gegensatz zur Symmetrie der überwiegenden Zahl der Gutshäuser, die oft im Stil des Klassizismus gebaut wurden. Interessant ist die Kombination unterschiedlicher Bauteile mit verschiedenen Dekorationselementen, die trotzdem zu einer geschlossenen Gesamtwirkung führen.

Kennzeichnend für das Herrenhaus sind die drei Türme und die verschiedenen Giebel. Besonders der große südwestliche Turm mit achteckigem Grundriss dominiert das Gebäude. Der rechteckige nordöstliche Turm, der oberhalb des Daches ebenfalls einen oktogonalen Grundriss besitzt, enthält eine vom Wirtschaftshof sichtbare Uhr. Der kleinste, nordwestliche Turm besitzt einen kreisförmigen Querschnitt.

Auf der westlichen, zum Park gelegenen Seite befindet sich eine Terrasse, die fast die gesamte Breite einnimmt. Der hier früher vorhandene Wintergarten, der sich vor den westlichen Fenstern des Festsaales befand, existiert nicht mehr.

Inneneinrichtung

Der Haupteingang befindet sich auf der Ostseite zum ehemaligen Wirtschaftshof und wurde in Form einer Portikushalle errichtet, deren obere Etage als Altan begehbar ist. Im Inneren der Eingangshalle sind mehrere Wandgemälde erhalten. Diese waren kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs übertüncht worden. 1986 wurde mit der Freilegung und Restaurierung begonnen. Zu den in Wachsmalerei ausgeführten Gemälden gehören eine Darstellung des Moses mit dem goldenen Kalb zu seinen Füßen und des Bonifatius im Bischofsgewand mit der von ihm gefällten Donareiche. Bei diesen handelt es sich um die Kopien von zwei Bildern des Malers Wilhelm von Kaulbach, deren Originale während des Zweiten Weltkriegs in Berlin zerstört wurden. Ein drittes Bild gegenüber dem Eingang zeigt Martin Luther an einem Schreibtisch sitzend. Das vierte Wandbild ist eine Allegorie der Sage. Auf acht Medaillons sind Porträts bedeutender Personen der Reformationszeit dargestellt. Der Porträtkopf Martin Luthers befindet sich auch auf einem Stuckrelief über dem Eingang zum Herrenzimmer. Über der gegenüberliegenden Tür zum Speisezimmer ist ein zweites Relief mit dem Bildnis des Ulrich von Hutten angebracht. [6]

Von der Inneneinrichtung ist nach 1945 vieles verloren gegangen. So fehlen die hölzernen Wandverkleidungen der meisten Räume der Hauptetage und ein marmorner Kamin. Die Restaurierung der Kassettendecke mit Stuckelementen im Festsaal konnte bereits abgeschlossen werden.

Vom Mobiliar ist nichts mehr vorhanden. Nur mehrere Terrinen aus einem vielteiligen Service, hergestellt in der königlich-preußischen Porzellanmanufaktur, die 1945 in Kartlow vergraben worden waren, befinden sich heute als Leihgabe im Kreisheimatmuseum Demmin. Das Service, ein Geschenk Friedrichs des Großen an den General von Glöden, kam 1803 als Teil der Mitgift in die Familie von Heyden.[7]

Weitere Wandgemälde mit Darstellungen von Frauen in verschiedenen Lebensphasen befinden sich im großen Damenzimmer. Die Szenen mit Literaturinterpretationen gehörten zum Stil der im 19. Jahrhundert beliebten Dichterzimmer. Die Darstellungen sind an Werke der Maler Eduard Bendemann, Moritz von Schwind und Wilhelm von Kaulbach angelehnt. Erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts waren die Bilder unter alten Tapeten wiederentdeckt worden, mit denen sie bereits 1885 überklebt wurden. [6]

Park

Vom Entwurf des Parks durch Lenné ist eine Durchzeichnung erhalten geblieben. Sie stammt von seinem Mitarbeiter Gerhard Koeber und ist auf 1840 [8] datiert. Die Gestaltung des Parks erfolgte in einem Zeitraum von zwei Jahrzehnten. Zu dieser Zeit erhielten auch die im Park gelegenen Teiche ihre heutige Gestalt. Der heute hochgewachsene Buchen- und Ahornbestand westlich der Teiche gehörte nicht zum Entwurf Lennés, er wurde wahrscheinlich in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts angelegt. Auch das südlich des Herrenhauses gelegene Areal, auf dem zu DDR-Zeiten ein Sportplatz errichtet wurde, war zu dieser Zeit bepflanzt worden. Im Gegensatz zu heute blieb das Schloss den Durchreisenden weitgehend verborgen.

In den Nachkriegsjahren wurde im Park Brennholz gewonnen und viele Schlossbewohner errichteten sich Schuppen zur Lagerung ihrer Habe. In den 60er Jahren wurde eine Freilichtbühne gebaut, deren Reste im Juni 2007 beseitigt wurden. In der Schlossgärtnerei wurden Kartoffeln gezüchtet. Zu dieser Zeit durchgeführte Meliorationsmaßnahmen verminderten die Frischwasserzufuhr zu den früher auch zur Karpfenzucht genutzten Teichen, so dass diese verschlammten.

Ackerpferdestall, später LPG-Büro

Gutshof

Ein Brand zerstörte 1800 den alten Wirtschaftshof, damals noch westlich zwischen den Teichen und dem alten Herrenhaus gelegen. Bis 1820 wurde er östlich des Hauses neu errichtet. Ende des 19. Jahrhunderts kam ein Sägewerk dazu. Im Ackerpferdestall befanden sich auch die Räume der Gutsverwaltung in denen nach 1945 drei Neubauernfamilien untergebracht waren. Später befand sich hier auch die Gemeindeverwaltung und nach der Gründung der LPG 1955[9] hatte diese dort ihre Büroräume. Eine Scheune wurde zur Baumaterialgewinnung für Neubauernhäuser abgetragen, zwei weitere Gebäude fielen Bränden zum Opfer. Mehrere Stallgebäude sind noch vorhanden, aber zum Teil stark baufällig.

Belege und weiterführende Literatur

Literatur

Einzelnachweise

  1. Rodenberg, Dassow: Cartlow – Kartlow. S. 41: Herzog Wartislaw III. bestätigte am 18. Juni 1245 in Kartlow dem Kloster in Klatzow nach dessen Verlegung auf den Marienwerder bei Verchen die verliehenen Landbesitzungen. 440. (Cod. No. 346) Pommersches Urkundenbuch
  2. Gersonde:Schloß und Park Kartlow. Nach der Vorlage der schwedischen Matrikelkarte von 1698, gezeichnet durch J. Lund, entwarf der Kartlower Pastor Carl Theodor Schmidt (Amtszeit 1850-1886) in seiner Bilderchronik eine Karte Kartlows. Die Bilderchronik befindet sich im Besitz der Kirchgemeinde Kartlow.
  3. Rodenberg, Dassow: Cartlow – Kartlow. S.78. Die Autoren nutzten eine Übersetzung der Beschreibung des Ortes Kartlow aus der schwedischen Landesaufnahme von 1698 aus dem Altschwedischen von Dr. Eginhard Wegner vom Geographischen Institut Greifswald. Darin wird als ehemalige Position des Adelshaus ein mit Lb bezeichnetes Gebiet westlich des großen Kartlower Teiches bezeichnet.
  4. Rodenberg, Dassow: Cartlow – Kartlow. S. 115. Die Autoren zitieren aus der Vermögensbilanz der Familie von Heyden-Cartlow für den Cartlower Hausbau für 1853/54 5.000 Taler, 1854/55 9.700 Taler, 1855/56 12.800 Taler, 1856/57 12.000 Taler, 1857/58 3.750 Taler und 1858/59 als letzte Rate 571 Taler.
  5. Alexander Duncker gab zwischen 1857 und 1883 etwa 960 Ansichten von Schlössern und Herrenhäusern der preußischen Provinzen heraus. Zu Kartlow heißt es bei ihm: „Das Schloss Cartlow ist in den letzten Jahren von dem berühmten Baumeister Hitzig in Berlin und zwar in dem edeln Renaissancestil des Schlosses Chambord erbaut worden.“
  6. a b Beatrix Draeger: Zu Bedeutung und Schicksal der Wandbilder in Schloß Kartlow. In: Landesamt für Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): Denkmalschutz und Denkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern. Bd. 3, Schwerin 1996, S. 51–54
  7. Rodenberg, Dassow: Cartlow – Kartlow. S. 110.: Harald von Heyden in ‚Deutsches Adels-Blatt‘ I/1980
  8. Lenné, Peter Joseph: (Parkplan von Cartlow) gez. v. G. Koeber. – 1840 – 34.4 × 49.6 (Staatliche Schlösser und Gärten Potsdam Sanssouci, Plankammer Inv.-Nr. 3469)
  9. Rodenberg, Dassow: Cartlow – Kartlow. S. 141ff. Bereits Ende Mai 1949 wurde eine sogenannte Dorfgenossenschaft Kartlow gegründet, diese wandelte sich im November 1949 zur VdgB (BHG). Die LPG Typ III „Friedrich Engels“ wurde am 22. November 1955 gegründet. Sie hatte zunächst nur 5 Mitglieder, aber bis März 1960 mussten sich ihr alle Einzelbauern anschließen.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Schloss Kartlow – Bilder, Videos und Audiodateien


Koordinaten: 53° 53′ 35″ N, 13° 16′ 3″ O

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