Heim

Bopparder Hamm

Der Bopparder Hamm ist die größte Schleife des Rheins, vergleichbar mit der Saarschleife von Mettlach. Der Name Hamm leitet sich von dem lateinischen Wort hamus ab, was soviel wie Haken bedeutet und auf die S-Form der Rheinschleife anspielt. Der Name Bopparder Hamm ist jedoch vor allem mit dem dort linksrheinisch befindlichen Weinbaugebiet des Mittelrheins verknüpft.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Der Bopparder Hamm liegt zwischen Boppard und Spay im oberen Mittelrheintal, dem Abschnitt des Rheins, der seit 2002 zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört, etwa 12 km südlich von Koblenz. Unterhalb der linkrheinischen Hänge existierte bis zum Dreißigjährigen Krieg das Dorf Peternach, nach seiner Zerstörung wurde es dauerhaft zur Wüstung.

Klima

Die Flussbiegung sorgt auf den linksrheinischen Hängen für die Südlage der Weinberge, der Hunsrück schirmt diese von den feuchten Westwinden ab. Der Rhein dient hierbei zusätzlich als Wärmespeicher und der Schieferboden reflektiert die Sonnenstrahlen. Dieses trockene und warme Klima eignet sich besonders für den Weinanbau und sorgt für eine in diesen Breiten einzigartige Flora und Fauna.

Nutzung

Die linksrheinischen Hänge bilden die größte zusammenhängende Rebfläche des Weinanbaugebietes Mittelrhein (ca. 75 ha). Hauptrebsorten: Riesling, Rivaner und Spätburgunder. Durch die Steilheit der Weinberge und die klimatischen Bedingungen wachsen hier Weine von hoher Qualität. Der Bopparder Hamm wird von Winzern der benachbarten Gemeinden Boppard und Spay bewirtschaftet. Die Winzerfamilien bebauen ihre eigenen Rebfläche, verarbeiten ihre Trauben selbst zu Wein und vermarkten ihn eigenständig. Der Weinanbau am Steilhang (Neigung bis über 80%) ist überwiegend Handarbeit. Rebschnitt, Laubarbeit und Weinlese werden manuell durchgeführt. Zur Zeit gibt es im Bopparder Hamm 16 Vollerwerbswinzer. Die Jahresproduktion liegt (stark witterungsabhängig) bei ungefähr 600.000 Litern.

Weinlagen innerhalb des Bopparder Hamms

Der Oberbegriff für die hier erzeugten Weine ist Bopparder Hamm. Die Großlage heißt Gedeonseck. Als engere geographische Bezeichnung dienen die Einzellagen:

Geschichte des Weinbaus

Da in Boppard 370 n. Chr. ein römisches Kastell errichtet wurde und Wein dort ein Bestandteil der Truppenverpflegung war, geht man davon aus, das schon zu dieser Zeit Wein im Bopparder Hamm angebaut wurde. Nach dem Abzug der Römer führten die Franken den Weinanbau in ihren Königspfalzen (so auch in Boppard) fort. Erstmals urkundlich erwähnt wird der Weinbau in Boppard 643 n. Chr. . Die Weinberge waren zu dieser Zeit und noch bis ins späte Mittelalter im Besitz von Adligen, der großen Klöster und Stifte (Fulda, Hildesheim) oder gehörten direkt zum Reichsgut und wurden erst von Unfreien, später von freien Lehnsmännern bewirtschaftet. Auf den Reichsbesitz deutet noch heute die Lagenbezeichnung Fässerlay (abgeleitet von fess = Fiskus und lay = Felsen) hin. Das ganze Mittelalter hindurch und bis in die Neuzeit war der Wein das Hauptwirtschaftsgut in Boppard.

Ab dem späten Mittelalter wurde der Weinbau im Bopparder Reich vor allem von kleinen Familienbetrieben getragen. Beinahe jeder Gewerbetreibende in Boppard bearbeitete im Nebenerwerb auch einen kleinen Wingert es gab jedoch nur wenige hauptberufliche Winzer. Neben der Erbleihe hatten diese auch vermehrt eigenen Grundbesitz im Bopparder Hamm. Nach Abschluss jeder Lese wurden vom Bopparder Stadtrat bei einer jährlichen Herbstmahlzeit die Preise festgesetzt. Durch Vererbung entwickelten sich zunehmend viele Klein- und Kleinstparzellen, die kaum noch wirtschaftlich zu bearbeiten waren. Die Folge war ein vor allem auf Quantität ausgerichter Weinbau. Die Traubensorte Elbling wurde sehr populär, der Preis verfiel zusehends., so dass es - ausgelöst durch schlechte Lesen und hohe Pachten und Zehnten - im 16. und 18. Jahrhundert zu regelrechten Hungersnöten kam.

Durch die Säkularisation in der napoleonischen Zeit verbesserte sich zwar die Besitzsituation, dafür fielen mit den Klöstern und dem Erzbistum aber potente Abnehmer weg. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts führte das epidemieartige Auftreten der Reblaus fast zum Komplettverlust der Ernten. Erst mit der Einführung neuer Rebsorten als Unterlagsreben erholte sich der Weinbau langsam wieder und es wurde zunehmend mehr wert auf Qualität gelegt. Riesling wurde der mit Abstand meist angebaute Wein im Bopparder Hamm. Die Zersplitterung und die fast nicht vorhandenen Wege waren jedoch nach wie vor ein Problem. so gab es 1946 allein im Mittelhamm über 2000 Kleinparzellen.

Erst 1966 schaffte eine erste Flurbereinigung im Mittelhamm Abhilfe. Die Parzellenzahl reduzierte sich auf 450 und es wurden über 17 km befestigte und geteerte Wege gebaut. Die Betriebe wurden weniger und größer. Eine zweite Flurbereinigung ordnete 1985 auch den Vorderhamm neu. Die bebaute Fläche sank von weit über 100 ha in der Nachkriegszeit auf heute ca. 75 ha. Seit Anfang der 80er-Jahre wurden auch vermehrt früher eher untypische Rotweinsorten angebaut.

Tourismus

Flora und Fauna

Im Bopparder Hamm befindet sich das weltweit einzige Vorkommen der Iberis boppardensis, der Bopparder Schleifenblume, außerdem eines der nördlichsten Vorkommen der Westlichen Smaragdeidechse in Mitteleuropa.

Gemeinden am Bopparder Hamm

7Koordinaten: 50° 14′ 30″ N, 7° 34′ 45″ O