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Peter Rück

Peter Rück, (* 6. September 1934 in Trimbach bei Olten, † 9. September 2004 in Olten), war ein Historiker mit Arbeitsschwerpunkt in den Historischen Hilfswissenschaften.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Peter Rück, dessen Vater aus Hessental bei Schwäbisch Hall stammte, wurde am 6. September 1934 in Trimbach (Kanton Solothurn, Schweiz) geboren. Er studierte von 1955 bis 1961 Geschichte und Philosophie mit dem Hauptfach „Historische Hilfswissenschaften" in Basel und Fribourg. Seine Lehrer waren u.a. Wolfram von den Steinen, Werner Kaegi, Karl Jaspers, Heinrich Barth, Oskar Vasella, Paul Wyser OP, Hans Foerster und Heinrich Schmidinger. Er wurde 1961 bei Hans Foerster in Fribourg mit einer Dissertation über „Die Urkunden der Bischöfe von Basel bis 1213“ (Basel 1966) promoviert. Von 1961 bis 1963 Nationalfonds-Assistent bei Heinrich Schmidinger wechselte er 1964 in den Archivdienst des Kantons Freiburg. Als Nachwuchsstipendiat des Schweizerischen Nationalfonds (1968-71) wurde er mit Arbeiten zur Geschichte des mittelalterlichen Archivwesens in der Westschweiz und Savoyen betraut, die 1971 die Grundlage seiner Habilitation bildeten. Als Mitarbeiter des Schweizerischen Bundesarchivs in Bern wertete er in den folgenden zwei Jahren venezianische Dispacci des 17. Jahrhunderts aus, bevor er dann bis 1976 Sekretär des Mediävistischen Instituts der Universität Fribourg unter der Leitung von Pascal Ladner und Carl Pfaff war. Seit 1967 erhielt er Lehraufträge an den Universitäten Fribourg und Bern. Während dieser Jahre war er gleichzeitig Präsident des historischen Vereins des Kantons Freiburg. Am 1. September 1976 wurde er zum außerordentlichen, zum 1. September 1978 zum ordentlichen Professor für allgemeine und schweizerische Geschichte des Mittelalters an der Universität Lausanne ernannt. Im Sommersemester 1978 las er als Gastdozent an der Universität Zürich.

Den Ruf auf den Marburger Lehrstuhl für Historische Hilfswissenschaften und Archivwissenschaft nahm Peter Rück im Wintersemester 1980/81 gerne an. Einen besonderen Anreiz stellte dabei die Verbindung der Professur mit der Leitung des Lichtbildarchivs älterer Originalurkunden bis 1250 dar. Mit dieser qualitativ und quantitativ einmaligen Fotosammlung bot sich ihm die Möglichkeit der Entwicklung einer diplomatischen Semiotik, die zum Zentrum seiner Lehre und Forschung wurde: Den Spuren Mabillons folgend, was nicht nur auf den Gegenstand – die Urkunden – begrenzt blieb, sondern vor allem auf den Gebrauch der probalistisch-statistischen Methode und die Beachtung zeichenhafter Aspekte abzielte, versuchte er, die visuellen und akustischen Zusatzbotschaften sichtbar zu machen. Der lange auf den Textinhalt verkürzten Betrachtungsweise dieser Quellengruppe sollten sinnlich erfahrbare Aspekte hinzugefügt und so die Urkunde als System von Codes für die Kommunikation offengelegt werden.

Die von ihm initiierten „Internationalen Marburger Kolloquien" thematisierten zunächst das in fotografischen Sammlungen zugängliche Urkundenmaterial (Sept. 1986) und den Beschreibstoff Pergament (September 1987). In den folgenden Kolloquien standen mit den Graphischen Symbolen (September 1989) und den Methoden der Schriftbeschreibung (September 1990) wiederum die äußeren Merkmale der Urkunde im Mittelpunkt. Die Aufsatzbände mit den Beiträgen der teilnehmenden Wissenschaftler fanden über die Landesgrenzen hinaus breite Anerkennung und erlangten schnell den Status von Standardwerken. Ein zentrales Anliegen war ihm die Wissenschaftsgeschichte und die Frage nach dem Standort der Hilfswissenschaften in der heutigen Zeit. Die in seine Amtszeit fallende Hundertjahrfeier des Instituts für Historische Hilfswissenschaften der Philipps-Universität Marburg (1894-1994) und den 150. Geburtstag Harry Bresslaus (1848-1926) nahm er zum Anlass, um diesen Themenkreis im Rahmen wissenschaftlicher Kolloquien zu erörtern.

Professor Dr. Peter Rück war seit 1986 Mitglied, seit 1990 Vorstandsmitglied der Commission internationale de diplomatique und seit 1989 Beauftragter der deutschen Redaktion des Vocabulaire international de la diplomatique. Er war Mitglied des Collectif de rédaction der Pariser Gazette du Livre médiéval (1989 bis 1994) und seit 1994 Mitglied des Herausgebergremiums von Signo. Revista de Historia de la Cultura Escrita, Universidad de Alcalá de Henares, Spanien. Des weiteren gab er die Reihen „Historische Hilfswissenschaften" (Verlag Thorbecke) und „elementa diplomatica“ heraus.

Nach dem Sommersemester 1999 wurde Peter Rück in Marburg in den Ruhestand verabschiedet und kehrte wieder in die Schweiz zurück. Im Jahr 2000 musste er erleben, dass sein Marburger Lehrstuhl für Historische Hilfswissenschaften ohne Not abgewickelt wurde. Nach schwerer Krankheit starb er drei Tage nach seinem 70. Geburtstag im Kantonsspital Olten und wurde in Trimbach beigesetzt.

Werke

Literatur

Personendaten
Rück, Peter
deutscher Historiker
6. September 1934
Trimbach
9. September 2004
Olten