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Alfons Vodosek

Alfons Vodosek (* 8. Mai 1912 in Wien; † 19. Januar 1996 in Linz) war ein österreichischer Musiker und Komponist.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Alfons Vodosek wurde am 8. Mai 1912 als Sohn von Rosa Hanser und des k.u.k. Richters Stephan Vodosek in Wien geboren. Er wuchs in Graz bei seiner Mutter und ihren drei Schwestern auf. Schon früh zeigte sich seine musikalische Begabung. Als er vier Jahre alt war, erhielt er den ersten Violinunterricht. Die fünf Geschwister seiner Mutter pflegten intensiv die Hausmusik, die Schwestern waren teils haupt-, teils nebenberuflich als Musiklehrerinnen tätig. Nach dem Ersten Weltkrieg führten sie in Graz für einige Jahre die Privat-Musikschule Hanser. Ab dem 6. Lebensjahr spielte Alfons Vodosek im Hausquartett der Familie mit. In öffentlichen Konzerten wurde er als Wunderkind präsentiert.

Statt eine öffentliche Volksschule zu besuchen, erhielt er Privatunterricht. 1922 wurde er Schüler des Akademischen Gymnasiums in Graz. Parallel dazu, später ausschließlich, studierte er Musik am Konservatorium in Graz. Zu seinen Lehrern zählten Prof. Karl Krehahn, Violine, Prof. Steps (Klarinette), Prof. Roderich von Mojsisovics (Komposition) und Ludwig Seitz (1876–1957), Dirigieren).

Nach Abschluss des Musikstudiums wurde er 1928 vom Grazer Opernchef Oswald Kabasta in das Orchester des Opernhauses Graz berufen, wo er zunächst bei den Zweiten Violinen, dann bei den Violen und zuletzt bei den Ersten Violinen spielte. Von 1936 bis 1938 unterrichtete er auch am Konservatorium Violine. In diesen Jahren gründete er einen "Grazer Klub", der im privaten Rahmen "Tage der Musikpflege" veranstaltete. Dabei wurden neben den Werken des klassischen Repertoires Werke von Kollegen und anderen zeitgenössischen Komponisten zu Gehör gebracht.

Schon während seines Studiums entstanden erste Kompositionen, insbesondere Lieder, später auch Kammermusik, die in Graz mit beachtlichem Erfolg aufgeführt wurden. Sein "Slawischer Tanz" Klaviertrio für 2 Violinen und Viola op. 1 erschien 1931 im Verlag von Holm Pälz in Würzburg im Druck.

Zusammen mit seinem Studienkollegen und Freund Dr. Rudolf Stejskal (1910–1954) gründete er ein Kammermusikduo. In seinen Konzerten widmete er besonderes Augenmerk den Werken zeitgenössischer Komponisten wie Paul Hindemith, Bela Bartók, Sergei Prokofjew, Igor Strawinski, Olivier Messiaen und anderen. Sehr früh schon erwarb er sich den Ruf eines Spezialisten für moderne Violinliteratur. Er war Gründungsmitglied des Steirischen Tonkünstlerbundes, dessen Schriftführer er einige Jahre war.

Am 26. September 1938 nahm er die Stelle des Ersten Konzertmeisters im Orchester des Landestheaters Linz an (seit 1967 Bruckner Orchester Linz), das damals von Georg Ludwig Jochum geleitet wurde. Diese Position bekleidete er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1977. Zusammen mit Jochum, der auch sein Begleiter bei Kammermusikkonzerten war, brachte er das Orchester auf ein ansehnliches Niveau.

Im Dezember 1938 heiratete er Marianne Kollik. Aus dieser Ehe gingen die Kinder Peter (*1939), Heide (*1941) und Eva (*1945) hervor.

Im Musikleben von Linz übernahm Alfons Vodosek alsbald eine aktive Rolle. Seine Solistentätigkeit mit Rudolf Stejskal führte er fort. Zusätzlich übernahm er in der Nachfolge von Walter Weller sen. als Primgeiger das von diesem gegründete Linzer Kammerquartett, das sich ab diesem Zeitpunkt Linzer Streichquartett nannte (1. Violine: Alfons Vodosek, 2. Violine: Robert Süss, Viola: Anton Bauer, Violoncello: Wilhelm Czerwinka). Seine Konzerttätigkeit erstreckte sich auf Deutschland (unter anderem auf Einladung Otto Jochums (1898–1969) in Augsburg und in Würzburg), Jugoslawien und die Tschechoslowakei.

Nach der Proklamation des "Totalen Kriegs" durch Joseph Goebbels und der Schließung der Opernhäuser wurde Vodosek 1944 als Funker zur Wehrmacht einberufen. Das Kriegsende erlebte er in Tschechien und geriet in russische Kriegsgefangenschaft, aus der er aber bereits im September 1945 nach Hause zurückkehren konnte, wo er alsbald seine Arbeit als Konzertmeister wieder aufnahm. Auch seine Konzertaktivitäten setzte er fort. Nach dem frühen Tod von Rudolf Stejskal 1954 gewann er zunächst den Opernchef des Landestheaters in Linz, Siegfried Meik (1951–1958), als Begleiter, dann bis zum Ende seiner Solistenkarriere im Jahre 1963 Detlef Metzner. Nach dem Krieg wurde das Linzer Streichquartett zunächst zum meistbeschäftigten professionellen Streichquartett im Land Oberösterreich. Häufiger Wechsel der Mitwirkenden, bedingt durch Krankheit oder Tod, führte allmählich zum Rückgang der Konzerttätigkeit.

Auch nach dem Krieg sah Vodosek in der Förderung zeitgenössischer Musik eine wichtige Aufgabe. Insbesondere widmete er sich oberösterreichischen und steirischen Komponisten (Johann Nepomuk David, Frida Kern (1891–1988), Franz Xaver Müller, Ludwig Makovsky (1912–1998), Franz Schnopfhagen (*1898), Joseph Marx und Otto Siegl (1896–1978)). Die Aufführung von Werken der jugoslawischen Komponisten Fran Lhotka (1883–1962) und Jakov Gotovac wurde durch Rundfunkaufnahmen in Ljubljana und Zagreb gewürdigt. Eine enge Zusammenarbeit verband ihn auf kirchenmusikalischem Gebiet mit dem Linzer Domkapellmeister Josef Kronsteiner (1910–1988). Die Oberösterreichische Landesregierung bestätigte ihm anlässlich seines 80. Geburtstags, dass er mit seinem intensiven Engagement zugunsten der zeitgenössischen Musik eine Pionierrolle ausgefüllt und in vorbildlicher Weise einen ansehnlichen Abschnitt der Musiziergeschichte des Landes mitgeprägt habe. Zusätzlich erteilte er viele Jahre Violinunterricht am Kollegium Aloisianum.

1964 verlieh ihm der österreichische Bundespräsident Adolf Schärf den Titel Professor. 1978 erhielt er das Silberne Ehrenzeichen des Landes Oberösterreich. 1977 beendete er seine berufliche Laufbahn, wirkte aber noch etliche Jahre bei kirchenmusikalischen Aufführungen mit. Er verstarb am 19. Januar 1996. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof von Bad Leonfelden im oberösterreichischen Mühlviertel.

Quellen

Werkverzeichnis

Von Alfons Vodosek gibt es ein handschriftliches Verzeichnis "Oevres de Alfons Vodosek", das nach Opus-Zahlen geordnet und kurz nach 1932 geschrieben sein muss. Für den Steirischen Tonkünstlerbund Graz/Styrian Tone Arts Association Graz existiert ein maschinenschriftliches "Werke-Verzeichnis: Alfons Vodosek", das vermutlich nach 1932 und vor 1938 (Umzug Vodoseks nach Linz) entstand. Dieses ist nach Werkgruppen geordnet. Beide Verzeichnisse enthalten Werke mit und ohne Opus-Zahlen. Für das nachstehende Verzeichnis wurden die beiden Quellen zusammengeführt und um die nach 1938 entstandenen Kompositionen ergänzt. Das Verzeichnis wird laufend mit während der Nachlassbearbeitung aufgefundenen Werken angereichert.

Mit einem Asterisk (*) gekennzeichnete Werke liegen als Manuskripte vor. Mit ** gekennzeichnete Werke erschienen im Druck. Gekennzeichnete Werke können kostenlos als PDF-Dateien bei den Nachlassverwaltern von Alfons Vodosek angefordert werden. Werke ohne Kennzeichnung sind verschollen.

Nach Werkgruppen

Klavier: 2 händig

Violine solo

2 Violinen

Violine & Klavier

Violine & Orgel

Kammermusik

Lieder

Chor

Melodramen

für eine Sprechstimme und Klavier

für eine Sprechstimme und Viola

Orchester

Unterhaltungsmusik für Feste im Haus Horzeyschy (zwischen 1949 und 1960)

Nach Opuszahlen

Personendaten
Vodosek, Alfons
österreichischer Musiker und Komponist
8. Mai 1912
Wien
19. Januar 1996
Linz