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Ulrich von Alemann

Ulrich von Alemann (* 1944 in Seebach, Thüringen) ist ein deutscher Politologe und seit 1998 Professor an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Alemann studierte in Köln sowie in Münster, Bonn und Edmonton (Kanada) Politikwissenschaft, Soziologie, Staatsrecht und Geschichte. Im Jahre 1971 erreichte er den Master of Arts der University of Alberta in Edmonton.

Zwei Jahre später promovierte Alemann an der Universität Bonn, an der er in den Jahren von 1972 bis 1977 als wissenschaftlicher Assistent tätig war. Er lehrte von 1978 bis 1984 Politikwissenschaft an der Pädagogischen Hochschule Rheinland, Abteilung Neuss, sowie an der Universität Gesamthochschule Duisburg.

Im Jahre 1984 übernahm er für die nächsten 14 Jahre die Leitung des Lehrgebiets Allgemeine Politikwissenschaft an der Fernuniversität Hagen.

Er ist Mitgründer und Leiter der 1993 ins Leben gerufenen „Forschungsinitiative Verbände“ (FIVE), deren Arbeiten mittlerweile abgeschlossen wurden.

1998 wechselte er an die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, wo er Leiter des Lehrstuhls Politikwissenschaft II wurde. Ein Jahr später erhielt er die Leitung der „Forschungs-Initiative NRW in Europa“ (FINE), einem Projekt seines Lehrstuhls. Seit 2002 ist er zugleich Prodekan und Vorsitzender des Promotionsausschusses und der Strukturkommission der Philosophischen Fakultät. Weiterhin ist er stellvertretender Direktor des „Instituts für deutsches und europäisches Parteienrecht und Parteiforschung“ (PruF) sowie Leiter der Forschungsgruppe „Projekt Beteiligung in Stadtteilen mit Problempotential“ (PROBiS) und Vertrauensdozent der Hans-Böckler-Stiftung.

Projekte

Alemann ist stellvertretender Direktor des „Institut für deutsches und europäisches Parteienrecht und Parteienforschung“ (PRuF) an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Dieses Institut wurde besonders durch seine führende Rolle bei der Aufarbeitung und Aufklärung der verschiedenen Parteienfinanzierungsskandale national und international bekannt. Die Grundlagenforschung über Parteienrecht und sozialwissenschaftliche Parteienprobleme stellen die wissenschaftliche Basis von PRuF dar. Dazu gehören zum Beispiel die Parteiengeschichte und die Wahlsoziologie. Ein eigener wichtiger Punkt der Forschung stellt die Herausarbeitung der rechtlichen Regulierung der bestehenden europäischen Parteien, die durch Art. 191 EGV auch in Europa eine hervorgehobene Rolle bekommen haben. Ein Beispiel für die angewandte Forschung am Institut ist die Arbeit am ersten Kommentar zum Parteienrecht, der voraussichtlich bald erscheinen wird. Alemann selbst beschäftigt sich hauptsächlich mit der Frage, wozu politische Parteien notwendig sind. Die wichtigste Veröffentlichung zu diesem Thema ist das „Lehrbuch zur politikwissenschaftlichen Parteienforschung“ (Ulrich von Alemann, 2003), das am weitesten verbreitete Lehrbuch zu politischen Parteien derzeit. Seine Antwort auf diese Frage lautet: Es gibt keine Alternative. Denn laut Alemann können keine Interessensverbände oder andere Formen der Repräsentation die Parteien erfolgreich ersetzen.

Alemann ist außerdem Mitglied der Parteienfinanzierungskommission des Bundespräsidenten und hat durch diese Tätigkeit die Reform des Parteiengesetzes im Jahre 2002 wesentlich mitbeeinflusst. Sein Mitwirken in dieser Kommission wurde vornehmlich durch seine Unzufriedenheit mit den nicht ausreichenden Regelungen der Parteifinanzierung verursacht, was in seinem Buch „Parteiensystem in der BRD“ (2005) auch zu erkennen ist. Dieses beschäftigt sich hauptsächlich mit der Entstehung von Parteien, den Parteien als Institution und deren Rolle in der Gesellschaft.

Seit 1999 ist Alemann außerdem Leiter der „Forschungs-Initiative NRW in Europa“ (FINE), ein Projekt seines Lehrstuhls. Mit der Begründung, dass heutzutage die Regionen eine immer wichtiger werdende Rolle in der Politik Europas spielen, wird in diesem Projekt das Augenmerk auf die Regionen und Kommunen Europas gelegt. FINE untersucht die verschiedenen Formen regionaler Vernetzung (Forschung, Kommunikation und Kooperation), die der wichtigen Interessenvermittlung dienen, anhand des Beispiels Nordrhein-Westfalens. FINE geht davon aus, dass es an eindeutiger politikwissenschaftlicher Landesforschung mit europäischen Bezügen mangelt. Das ist die inhaltliche Lücke, die FINE schließen möchte. Dazu wurde 2003 das „Handbuch Europa in NRW“ von Alemann und Claudia Münch herausgegeben, welches u.a. eine Übersicht der Beziehungen zwischen NRW und der Europäischen Union (EU) dargibt. Aktuell erschienen ist das Buch „Landespolitik im europäischen Haus“ (2005) mit verschiedenen Beiträgen von Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen über den neuen Verfassungsvertrag der EU und dessen Einfluss auf die regionale Ebene.

Ein weiteres Projekt Alemanns, das er von 2000 bis 2002 zusammen mit Prof. Reuband leitete, war das „Projekt Beteiligung in Stadtteilen mit Problempotential“ (PROBiS). PROBiS war ein interdisziplinär angelegtes Forschungsvorhaben der beiden Lehrstühle Soziologie II und Politikwissenschaft II der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Hier wurde mit Hilfe des Konzepts der kooperativen Demokratie die politische Beteiligung der Bürger in vier Stadtteilen in NRW auf kommunaler Ebene (Wohnort, Stadtteil) untersucht. Das Ergebnis der Forschung, welches in dem Buch “Politische Kultur in der Sozialen Stadt. Eine vergleichende Studie aus Nordrhein-Westfalen“ veröffentlicht wurde, ergab, dass wirkliche politische Beteiligung nur dann funktioniert, wenn die Beteiligten nicht nur mitreden, sondern auch mitentscheiden können. Dies steht jedoch im Widerspruch zum Vertretungsauftrag der Stadtpolitiker. Als Lösung sieht die Studie den kontrollierten Machtverzicht der repräsentativen Politik und kooperative Demokratie in den Städten, da dies zu einer Stärkung der demokratisch legitimierten Politik führt.

Des Weiteren ist Alemann in dem Forschungsprojekt „FIVE – Forschungsinitiative Verbände” tätig. Dieses Forschungsprojekt beschäftigt sich seit 1993 mit auf die Politik Einfluss nehmenden Verbänden in Nordrhein-Westfalen in Form des Lobbyismus. Die Kontakte und Wirkungen dieser Verbände wird in Bezug auf die Kommune, sowie Bund und EU mittels derer Vernetzungen analysiert. Mit diesem Projekt soll die in der Politikwissenschaft angesiedelte Verbändeforschung aktivierend unterstützt werden. Verschiedene Arbeitsfelder dienen dem Austausch vonForschungsergebnissen unter den Verbändeforscher. Sie haben die Sammlung von Informationen, sprich Forschungslektüre und andere Veröffentlichungen, die sich mit Nordrhein-Westfalen beschäftigen zum Inhalt, weiterhin das regelmäßige verfassen und veröffentlichen von Forschungsberichten über die Verbände und die Veranstaltung von Workshops und Tagungen. Außerdem ist FIVE daran interessiert, dass sich die Kommunikation zwischen den Wissenschaftlern aufrecht erhält und Forschungsergebnisse ihren Weg in die Praxis finden.

1994 gründete FIVE das Forschungsprojekt „Organisationsstrukturen und Organisationsreform der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr“ in Kooperation mit der Gewerkschaft ÖTV, an dem bis 1996 gearbeitet wurde. Maßgeblich für dieses Forschungsprojekt waren drei Eingangsvoraussetzungen:

  1. Gewerkschaften sind nicht dem Untergang verdammt, sondern benötigen Transformation.
  2. Eine Gewerkschaft entspricht einer Großorganisation und wird deshalb im Sinne der Organisations- und Verbändeforschung behandelt.
  3. Es handelt sich um eine politische Organisation, die nach außen aktiv ist und ihre innere Organisation von politischen Kriterien bestimmt wird.

Um Ansatzpunkte des Projekts festzumachen, werden ebenfalls drei Leitfragen formuliert, die auf den Umfang der Veränderungen innerhalb der ÖTV abzielen, die die innere Zusammenarbeit und Gliederung der ÖTV erfragen und schließlich die Bewertung des am Gewerkschaftstag 1994 vorgelegten Konzeptes zur Organisationsreform mit einbeziehen. Hauptziel war es zum Einen die Organisationsstrukturen der ÖTV zu erfassen und zum Anderen die Organisationsreform an sich zu analysieren.

Als Ergebnis konnte festgehalten werden, dass sich die ÖTV als Splitterorganisation präsentiert,da die Reform keinesfalls überall gleich effizient umgesetzt wurde. Weiterhin wurde deutlich, dass, abhängig von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, Probleme unterschiedlich wahrgenommen wurden. Damit einher ging die Erkenntnis, dass die Organisationsreform nicht in jeder Ebene der Organisation mit der gleichen Wichtigkeit wahrgenommen wurden und demnach die Umsetzungsmaßnahmen verschieden ausfielen. Außerdem wurde festgestellt, dass die Komplexität des Aufbaus Transparenz verhinderte und dadurch Kommunikation unterdrückt wurde.

Werke

Personendaten
Alemann, Ulrich von
deutscher Politologe
1944
Seebach (Thüringen)