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Diskussion:Stephan Eicher

Kategorie:Jenische

Welche Verbindung hat Stephan Eicher zum Jenischen (Musik, Kultur etc.), ausser, dass er aus einer jenischen Familie stammt? Ethnokategorien sind in der deutschsprachigen Wikipedia nicht üblich. --Oberlaender 22:30, 3. Jun. 2008 (CEST)

Nicht üblich? Und was ist mit der "Kategorie: Deutscher, Kategorie: Schweizer", (nicht direkt verlinkt, da der Link nicht im Text sondern als Kategorieneintrag erscheinen würde) usw.? Um ein Gegenargument gleich vorweg zu nehmen: Diese Kategorien bezeichnen, sich überschneidend und unscharf abgrenzend, nicht nur Nationalzugehörigkeiten ("Pässe"), sondern auch kulturelle und ethnografische Zuschreibungen. Es stimmt zwar, dass es keinen "jenischen Pass" gibt, die Kategorie somit nicht "national" deutbar ist. Hingegen ist auch die ethnische Zuschreibung nicht unumstritten, klar ist einzig, dass jenisch eine "(sozio-)kulturelle" Zuschreibung ist. Stephan Eicher bezeichnet sich in Interviews selbst als Jenischen, seine Musik kann daher mit Recht als zeitgenössisches Werk eines Jenischen bezeichnet werden und er selbst als ein jenischer Künstler. Im Gegensatz zu den o.g. Kategorien, die ja aber auch auf eine grössere Zahl von Personen fussen, ist die Kategorie Jenische (zumindest noch) nicht in Unterkategorien wie "Kategorie: Schweizer Künstler" unterteilt, die aktuelle Kategorisierung m.E. deshalb die "richtigste". Wenn es einmal soweit sein sollte, dass auch im Bereich Jenische entsprechende Unterkategorien eingerichtet werden, werde ich das Lemma gerne entsprechend angepasst verlinken, vorderhand besteht aber kein diesbezüglicher Handlungsbedarf. Gruss vom --Fäberer 10:17, 4. Jun. 2008 (CEST)
Doch, Kategorie:Schweizer ist eine explizite Nationalitätenkategorie und bedeutet nicht "Kelto-Alemannischer Abkömmling/Anhänger Schweizerischer Traditionen" oder ähnliches. Wenn Stephan Eicher Musik machen würde, wie sie bei den Jenischen Tradition hätte, wäre diese Kategorie gerechtfertigt. Macht er aber laut Artikel nicht und deine Antwort hat auch keine neuen Erkenntnisse gebracht. NDW, französische Chansons und "World Music" (wie man das auch nennt) sind nicht jenisch und sie werden es auch nicht, wenn ein Jenischer sie macht, wie der Rapper Stress auch keine "estnische Musik" macht. Mario Puzo ist bei uns auch nicht in die Kategorie:Italiener eingeordnet, hingegen in der englischen Wikipedia ist er in die Kategorien Italian-Americans und Italian-American Writers eingeordnet. Das sind Ethnokategorien, die gibt es bei uns nicht und ich weiss nicht, wieso für die Jenischen hier eine Ausnahme gemacht werden sollte. Die Kategorie:Jenische sollte Artikel zusammenführen, in denen man explizit etwas über die Jenischen erfährt. Hier ist das nicht der Fall. --Oberlaender 16:24, 4. Jun. 2008 (CEST)
Das ist ein enges und hier nicht akzeptables Schubladen- und Scheuklappendenken. Möglicherweise wird sich ja Gelegenheit bieten, deine Deutung von "Ethnokategorien" an anderem Ort zur Diskussion zu stellen. Hier jedenfalls ist zunächst einmal klipp und klar zu sagen, daß ein Stephan Eicher (jenisch), ein Bireli Lagrene (Rom), ein Harry Belafonte (Afroamerikaner) sich als Musiker ganz bewußt in einen definierten ethnisch-kulturellen Kontext stellen. Ob und inwieweit ihr Selbstverständnis als Angehörige einer Minderheit in ihre Musik, in ihre Texte, in ihre Perfomance einfließen, Bedingungen dafür sind, dürftest du einer fachlichen Exegese zu unterziehen kaum in der Lage sein. Eine allgemeine Bemerkung zu "world music" führt uns da kaum weiter.
Nein, so wie bei Yul Brynner dessen Haltung zu Roma ein wesentlicher Teil seines Selbstverständnisses war - ohne daß dies in diesem Fall künstlerisch sichtbar zum Ausdruck gekommen wäre, so gilt für Stephan Eicher, daß er sich als "jenisch" sieht. Daß Jurij Brezan ein sorbischer Schriftsteller ist, muß gesagt werden. Und erklärt werden: durch die Zuordnung zu, durch einen Hinweis auf die sorbische Minderheit. In diesem Fall wäre es auch (anders als bei Thomas Mann), notwendig zu sagen, daß er ein deutscher Schriftsteller ist - ohne daß ein entsprechender Nationalitätenlink erforderlich wäre.
Also Verlinkung bzw. Einordnung in ein Kategorienfeld dann, wenn der Leser etwas erfahren kann, was er sich sonst selbst schlecht erklären könnte (insofern Einschränkung, als der Artikel "Jenische" hoch überarbeitungsbedürftig ist. Aber das steht auf einem anderen Blatt). Darum werden Kategorien hier überhaupt gebildet, das ist der Sinn von Links ("Verbindungen", "Verweisen"). Ob "Jenische" eine "Ethnokategorie" ist, das wäre im übrigen auch noch die Frage. M. E. im äußersten Fall in statu nascendi. Ist aber auch egal. Gerade bei kleinen sozio- und ethnisch-kulturellen Gruppen, bei Minderheiten, die aus der mehrheitsgesellschaftlichen Perspektive weitgehend herausfallen, ist es von Bedeutung, ihre kulturellen Beiträge zu betonen und mit ihrer Minderheitsposition in Verbindung zu bringen. Und die zu beschreiben. Schematisch büromäßiges Wegheften in Nationalitätenordner bzw. der Papierkorb für das, was keinen Ordner hat, das wollen wir hier nicht.--Kiwiv 10:33, 5. Jun. 2008 (CEST)
Da stimme ich Dir im grossen und ganzen völlig zu. Nur hat das nichts mit dieser Kategorie zu tun. Ich habe mich mal genauer ins System eingelesen. Wikipedia hatte früher viele "Ethnokategorien", Kategorie:Jude, Kategorie:Afroamerikaner, Kategorie:Italoamerikaner usw., die sich nicht auf die Nationalität bezogen (bzw. nur halb). Die allermeisten wurden gelöscht, andere blieben. Nach welchem System dabei vorgegangen wurde ist für mich nicht nachvollziehbar, aber so oder so, mit der Kategorie:Jenische hat das nichts zu tun, die soll nämlich dazu dienen, Artikel zum Thema Jenische zu versammeln (sonst müsste es Jenischer heissen und bei Person nach Ethnie eingeordnet sein) und nicht Leute "angemessen zu klassifizieren", wie das etwa die Kategorie:Mann oder die Kategorie:Schweizer tut. Und darin ist dieses Artikel einfach falsch aufgehoben, da man nichts über die Jenischen erfährt erstens, und was ein Jenischer tut nicht einfach deswegen zu etwas jenisch-spezifischem wird zweitens. --Oberlaender 15:06, 6. Jun. 2008 (CEST)

Ich beziehe mich jetzt nur auf diese eine Aussage in meinen Überlegungen:

Ob und inwieweit ihr Selbstverständnis als Angehörige einer Minderheit in ihre Musik, in ihre Texte, in ihre Perfomance einfließen, Bedingungen dafür sind, das bedürfe der fachlichen Exegese, die hier nicht geleistet werden könne.

Um das an einem Beispiel zu veranschaulichen: Marianne Rosenberg ist eine bekannte deutsche Schlagersängerin. Daß sie Sintiza ist, merkt man ihren Texten nicht an. Es sei denn man ist ein Sinto/eine Sintiza. Dann bekommt ein deutscher Text, der die üblichen Beziehungsfragen thematisiert, für diesen Zuhörer eine völlig neue Bedeutung, nachdem er mit Tschabo überschrieben ist. Ein Titel, mit dem Marianne Rosenberg auch sagt: ja, ich gehöre zu dieser Minderheit, ich bin eine von euch, ich bekenne mich dazu. Daß sie Sintiza ist, daß das ein für sie wichtiger Aspekt ihrer Persönlichkeit ist, das zu wissen ist wichtig für jemand, der sich ein Bild von ihr machen möchte. Keine Randinformation, sondern etwas Wesentliches.

Dem Fußballer Rafael Van der Vaart (hoffentlich richtig geschrieben) sieht man nicht an, daß er aus der Gruppe der niederländischen woonwagenbewoners kommt, schon gar nicht, wenn er den Ball über oder ins Tor schießt oder (was hier leider oft fehlt ...) ihn im Spiel eher flach hält. Ist aber ein Teil seines Selbstverständnisses, erklärt möglicherweise etwas von dem sozialen Aufstieg, den er erlebt hat.

Gerade bei Angehörigen sozialer, religiöser, ethnischer usw. Minderheiten ist die minderheitliche Herkunft ein wesentliches Moment ihrer Biografie. Damit das vom Leser verstanden und eingeordnet werden kann, bietet die Kategorie weiterführende Informationen an.

Die von dir so genannte "Ethnokategorie" ist eine Verweismöglichkeit wie andere auch. Bei Angehörigen der Mehrheitsbevölkerung wird es in der Regel nicht sinnvoll sein, sie in einen Artikel zu nehmen. In anderen Fällen eben schon. Der Einzelfall ergibt es. Hier übrigens, das noch zum Schluß, geht deine Bezeichnung daneben, weil "Jenische" keine Ethnie bilden (aber das steht auf einem anderen Blatt). Es geht hier um eine soziokulturelle Zuordnung.--Kiwiv 15:54, 6. Jun. 2008 (CEST)