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Breitspur

Als Breitspur bezeichnet man bei Eisenbahnen eine Spurweite, die größer ist als die 1.435 mm der Normalspur.

Breitspurige Eisenbahnnetze gibt es in Europa in Irland (1.600 mm), Spanien sowie Portugal (1.668 mm) und vor allem die 1.520-mm-Spur in den GUS-Staaten (Russland, Ukraine, Weißrussland), Mittelasien, Finnland und dem Baltikum. Außerhalb Europas findet man Breitspurnetze vor allem in Indien, Australien und Südamerika.

Die Breitspur hat einige Vorteile: Je größer die Spurweite, umso besser die Laufeigenschaften des Zuges und belastungsfähiger die Strecke, besonders bei schlechtem Untergrund. Die Nachteile sind höhere Baukosten, aber hauptsächlich die größeren Kurvenradien. Deshalb wurden in Städten und in den Bergen oder in engen Tälern häufig schmalere Spuren gewählt.

Inhaltsverzeichnis

Russisch-finnische Breitspur

Die russisch-finnische Breitspur entstand im Zarenreich des 19. Jahrhunderts. Die erfolglose Invasion Napoleons und der verlorene Krimkrieg waren noch nicht vergessen. Daher wählte man die seinerzeit in den Südstaaten der USA genutzte Spurweite von exakt fünf englischen Fuß (1.524 mm), um zu verhindern, dass das russische Schienennetz bei einer Eroberung verwendet werden kann. Der "kleine Unterschied" von nur 89 mm erwies sich jedoch mehr als ein wirtschaftlicher und technischer Nachteil und kaum als eine wirklich wirksame Verteidigungsmaßnahme. Zwischenzeitlich wurde das Regelmaß der russisch-finnischen Breitspur zur Verschleißminderung durch Verringerung des Spurspiels auf 1.520 mm reduziert.

Die Züge aus Westeuropa konnten auf Grund der unterschiedlichen Spurweiten zuerst wirklich nicht durchfahren. Inzwischen gibt es jedoch verschiedene technische Systeme, die dieses Problem beheben. Es gibt Systeme an den Übergängen, wo komplette Radsätze oder Drehgestelle gewechselt werden, aber auch Rollmaterial mit veränderlicher Spurweite, das auf Umspuranlagen umgespurt werden kann. Die Fahrgäste können dabei im Wagen sitzen bleiben, der ganze Vorgang dauert nur wenige Minuten, während die Räder auf den Achsen in die neue Position verschoben werden. Für den Grenzübergang zwischen Schweden und Finnland wurden Güterwagen mit auswechselbaren Drehgestellen gebaut.

Spurumstellung in Spanien

Mittlerweile hat sich die Normalspur als guter Kompromiss erwiesen und breitspurige Bahnstrecken werden teilweise sogar (wie in Spanien) auf Normalspur umgebaut, teilweise werden auch vereinfachte Umspureinrichtungen an Übergangsbahnhöfen installiert. Beispiele hierfür sind das System SUW-2000 und das Talgo-System.

Die spanische Regierung hat ein Gutachten in Auftrag gegeben, das Kosten und Nutzen einer landesweiten Spurweitenumstellung von derzeit 1.668 mm auf die europäische Normalspur (1.435 mm) ermitteln soll. Die Zeitung El Pais schätzt, dass die Anpassung des 12.000 km langen Schienennetzes bis etwa 2020 dauern würde.[1]

Ehemalige Breitspurbahnen

In der Eisenbahngeschichte hat es mehrere, größtenteils erfolglose, Experimente mit der Breitspur gegeben, z. B. in Großbritannien Sir Isambard Kingdom Brunels breitspurige Great Western Railway mit einer Spurweite von 2.140 mm, die 1892 auf Normalspur umgestellt wurde. Bis 1855 wurden die Eisenbahnen des Großherzogtums Baden - insbesondere im Oberrheintal - mit der Spurweite von 1.600 mm betrieben, aber wegen der Einzelstellung in Deutschland auf die Normalspur umgespurt.

Breitspur in Deutschland

In Deutschland gibt es die Breitspurbahn in Oberweißbach (Standseilbahn mit 1.800 mm Spurweite) und seit 1986 die noch in der DDR erbaute Umspuranlage von Normalspur auf sowjetische Breitspur im damals neu errichteten Fährhafen Mukran auf der Ostseeinsel Rügen/Prorer Wiek. Die Umspuranlage dient der Beladung der Eisenbahnfährschiffe auf der Fährlinie von Mukran ins litauische Klaipėda (das frühere Memel).

Die Leipziger Straßenbahn fährt auf 1.458 mm, die Dresdener Straßenbahn auf 1.450 mm Spurweite.

Hitlers Dreimeterspur

Siehe Hauptartikel: Breitspurbahn

Im sogenannten Dritten Reich wurde eine (die) Breitspurbahn mit einer Spurweite von 3.000 mm geplant. Man wollte Berlin mit München, Hamburg und Linz neben der Normalspur zusätzlich mit einer Breitspur verbinden, vor allem aber den neu eroberten "Lebensraum im Osten" durch eine Bahn bis nach Rostow erschließen.

Grund hierfür war hauptsächlich Prestigedenken und Gigantomanie. Es lässt sich leicht nachrechnen, dass eine viergleisige normalspurige Strecke, obwohl vergleichbar breit wie eine zweigleisige 3.000-mm-Strecke, bereits in der Lage ist, alle denkbaren Beförderungsanforderungen zu erfüllen. (Auf einem einzigen Gleis können bei 90sekundiger Zugfolge immerhin ca. 50.000 Personen in 40 Doppelstockzügen à 1.250 Fahrgäste oder aber 200.000 Tonnen Güter in 40 5.000-Tonnen-Zügen pro Stunde befördert werden.)

Quellen und Literatur

  1. Verkehrsrundschau, 30. April 2007