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Ulmensterben

Das Ulmensterben ist eine durch Schlauchpilze der Gattung Ophiostoma (Ophiostoma novo-ulmi/Ophiostoma ulmi syn. Ceratocystis ulmi) verursachte und durch Ulmensplintkäfer verbreitete Krankheit, die die meisten europäischen Ulmen befällt, aber vorwiegend die Berg-Ulme (Ulmus glabra) an den Rand des Aussterbens bringt.

Inhaltsverzeichnis

Ursprung

1918 wurde ein in ostasiatischen Ulmen lebender Pilz, Ophiostoma ulmi, durch den Menschen nach Europa verschleppt und breitete sich von den Niederlanden über Europa aus. Im Gegensatz zu den ostasiatischen Ulmen, die sich über evolutionäre Zeiträume an den Pilz anpassen konnten, fielen der „Holländischen Ulmenkrankheit“ (daher: „Dutch elm disease“) Ulmen in großem Maße zum Opfer.

Aus Europa wurde der Pilz 1928 - wahrscheinlich über Furnierstämme - nach Nordamerika verschleppt, wo er einen Großteil der dort vorkommenden Ulmen vernichtete. Zur Mitte des 20. Jahrhunderts nahm die Intensität der Krankheit ab. Mit dazu beigetragen haben u.a. holländische Züchtungsprogramme von resistenteren Klonen.

Gegen Ende der 1960er Jahre wurde jedoch - erneut durch den Import von Furnierstämmen - ein aggressiverer Stamm des Pilzes aus Amerika zurück importiert, der auch die bis dahin als resistent geltenden Pflanzen befiel. Dieser Stamm wird mittlerweile als eigene Art, (Ophiostoma novo-ulmi), angesehen. Eine weitere aggressive Variante des Pilzes konnte ungefähr zeitgleich über Asien nach Europa eindringen.

In dieser zweiten Welle des Ulmensterbens mussten in Europa starke Einschnitte der Ulmenpopulation hingenommen werden. Allein in England kam es zwischen 1971 und 1978 zu einer Reduktion um ca. 70% des Ulmenbestandes (oder 20 Millionen Bäume) durch den Pilz.

Zum Aussterben der Ulme ist es nicht gekommen, die Prognose für überlebende Ulmen ist jedoch sehr ernst.

Symptome

Befallene Ulmen lassen sich durch plötzliches Welken der Krone - meist einseitig, selten die ganze Krone - erkennen. Dabei verfärben sich die Blätter gelegentlich gelb, manchmal braun, rollen sich ein und vertrocknen schließlich. Meist bleiben die Blätter an den Zweigen hängen. Dabei entstehen die als charakteristisch geltenden hängenden dürren Zweigspitzen mit vertrockneten Blätter („Fähnchen“), die bei spät infizierten Bäumen auch noch im Winter als eindeutiges Indiz für die Krankheit dienen.

Wasserreiser dienen als weiteres Merkmal.

Bei schleichendem Krankheitsverlauf ist die Belaubung dünn und der Blattfall setzt frühzeitig ein.

Außerdem sind in dem Querschnitt befallener Zweige dunkle Gefäßverfärbungen in den jüngsten Jahrringen erkennbar, welche sich beim Abziehen der Zweigrinde durch bräunliche Streifen äußern.

Die Infektion erfolgt meist im Mai durch die Ulmensplintkäfer (s.u.), erste Symptome sind dann im Juni zu beobachten. Bei einer Infektion nach Juli erfolgt der Ausbruch dann meist erst im nächsten Jahr.

Junge Pflanzen können der Krankheit schon nach einigen Monaten erliegen, ansonsten kann sich die Krankheit über mehrere Jahre ziehen.

Verbreitung

Die Verbreitung von O. ulmi und O. novo-ulmi erfolgt hauptsächlich durch den kleinen und großen Ulmensplintkäfer, der zu den Borkenkäfern gehört. Die jungen Käfer (Imagines) kontaminieren sich mit den klebrigen Sporen (Koremien) in den Brutgängen, wo diese besonders stark gebildet werden. Nach Ausflug der jungen Käfer werden dann neue Bäume beim Reifefraß oder Bohren neuer Muttergänge infiziert. Die Sporen keimen und gehen in das Xylem über, von wo aus sie bis in obersten Triebe und Blätter verfrachtet werden können.

Auch ist eine Verbreitung des Pilzes über das Wurzelwachstum möglich, wobei die Mikrokonidien des Pathogens von einem Baum zum anderen übergehen.

Schädigung / Todesursache

Eine befallene Ulme stirbt letztendlich durch Wassermangel. Als Abwehrreaktion auf die Infektion kommt es zur Verthyllung (und Braunfärbung) der Gefäße sowie Gummiablagerungen in lebenden Zellen. Auch kommt es zum mechanischen Verschluss der Gefäße durch Einwuchs des Pilzmycel (Verengung) und hefeartige Verbreitungskörper (Verstopfung). Letztendlich wird der Wassertransport in den Gefäßen unterbunden. Ulmen zählen zu den ringporigen Hölzern und haben relativ wenige dafür aber um so größere Leitgefäße. Dadurch können selbst bei wenigen befallenen Zellen erhebliche Transportverluste eintreten. Die Erkrankung ist eine typische Tracheomykose.

Durch die Verthyllung sind die Leitbündel in Stamm, Ästen und Zweigen erkrankter Bäume im Querschnitt als braune bis braunschwarze Punkte zu erkennen, überwiegend im Frühholz. Dadurch ist auch eine überwundene Krankheit zu erkennen und zu datieren.

Während O. ulmi nur ein Jahr im Baum verbleibt und es einer erneuten Infektion bedarf, um den Baum abzutöten, kann O. novo-ulmi die Jahrringgrenze überwinden und auch ohne erneute Infektion die Schädigung fortsetzen.

In der letzten Zeit wird auch die Beteiligung niedermolekularer, vom Pilz gebildeter Welketoxine diskutiert.

Bekämpfung

Bekämpfungsmaßnahmen beziehen sich überwiegend auf den Vektor. Dazu zählt das frühzeitige Fällen befallener Bäume, und das anschließende Vernichten der Borkenkäfer.

Als Antagonisten der Ulmensplintkäfer gelten die Erzwespen sowie die Raubwanzen. Diese werden durch chemische Signale, die die Ulmen kurz nach Befall freisetzen, angelockt und greifen die Käferbrut an.

Auch bestehen Ansätze für den Einsatz des Bakteriums Pseudomonas syringae, das antimykotische Stoffwechselprodukte bildet und somit als Antagonist des Pilzes gilt.

Züchterisch wurden Einkreuzung resistenter asiatischer Arten erprobt. Wegen ihrer starken genetischer Abweichungen können sie Heimische Ulmen jedoch nicht ersetzen.

Literatur