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Guernsey

Vogtei Guernsey

Bailiwick of Guernsey (engl.)
Guernesey (frz.)
Guernsey

Flagge Wappen
Amtssprache Englisch, Französisch
Hauptstadt St. Peter Port
Staatsform crown dependency
direkt der britischen Krone unterstellter Kronbesitz
Staatsoberhaupt und Regierungschef Elisabeth II. als Herzogin der Normandie
Fläche 78 km²
Einwohnerzahl 65.228 (Stand 2005)
Bevölkerungsdichte 836 Einwohner pro km²
Währung Guernsey-Pfund
Zeitzone GMT
Kfz-Kennzeichen GBG
Internet-TLD .gg
Telefonvorwahl +44-1481

Guernsey [ˈgɜːnzɪ] (amtlich Vogtei Guernsey; engl. Bailiwick of Guernsey, frz. Guernesey) ist die zweitgrößte der britischen Kanalinseln. Die Kanalinseln sind weder ein Teil des Vereinigten Königreiches noch eine Kronkolonie, sondern sind als Kronbesitz (engl. crown dependency) direkt der britischen Krone unterstellt. Sie sind gesonderte Rechtssubjekte und nicht Teil der Europäischen Union.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Zur Vogtei gehören neben der Hauptinsel Guernsey zusätzlich noch die Inseln Alderney, Sark, Herm, Jethou, Brecqhou, Burhou sowie weitere kleine Eilande.

Die Insel ist ein Hügelland mit Steilküsten, besonders im Süden. Betrieben werden vor allem Viehzucht und Gartenbau. Guernsey ist wichtiges Touristenziel für Natur- und Vogelliebhaber.

Klima und Vegetation

Die Insel hat wegen des Einflusses des Golfstroms und aufgrund ihrer geschützten Lage im Golf von Saint Malo ein mildes, fast mediterranes Klima. Temperaturen unter null Grad Celsius sind extrem selten, das Meer erreicht jedoch selbst im Hochsommer nie Temperaturen über 20 Grad.

Wegen des fehlenden Frostes gedeihen auf der Insel Fuchsien, Guernseylilien (die Nationalblume der Insel), aber auch Zypressen, Bananenstauden und Palmen.

Geschichte

Vorgeschichte

Guernsey wurde durch den eustatischen Anstieg des Meeresspiegels nach der letzten Eiszeit um 4000 v. Chr. vom französischen Festland getrennt. Eine Besiedlung ist bereits seit dem Mesolithikum (Jehou) nachgewiesen, altsteinzeitliche Funde, wie auf Jersey, fehlen bisher. Die Insel besitzt keine eigenen Feuersteinvorkommen, jedoch wurden offenbar angespülte Kiesel aus submarinen Vorkommen nördlich von Alderney genutzt. Die bisher älteste neolithische Fundstelle ist Les Fouaillages im Norden der Insel, in den 1790er Jahren durch Ian Kinnes vom British Museum ausgegraben. Die Insel weist zahlreiche Gang- und Galeriegräber aus der Jungsteinzeit sowie teilweise anthropomorphe Menhire auf. Der bedeutendste steht heute auf dem Friedhof der Kirche von Câtel. Auch zahlreiche Funde der Glockenbecherkultur sind bekannt. Trotz der schwierigen Navigationsbedingungen durch einen Tidenhub von fast 12 Meter war der Hafen von St. Peter Port bereits im römischer Zeit ein wichtiges Handelszentrum, wie unter anderem ein Wrack aus dem 2. Jahrhundert in der Hafeneinfahrt belegt.

Mittelalter

Die Inseln wurden durch den Heiligen Samson von Dol (vgl. Dol-de-Bretagne) christianisiert und waren ursprünglich Teil des Herzogtums Bretagne, fielen dann aber an den Herzog der Normandie. Im Jahre 1066 eroberte der Herzog der Normandie Wilhelm der Eroberer England und wurde englischer König. Die Kanalinseln blieben aufgrund der Personalunion in königlichem Besitz, wurden aber nie Teil des Vereinigten Königreiches.

Neuzeit

Im 17. Jahrhundert fanden auf der Insel zahlreiche Hexenprozesse statt. So gestand - unter welchen Umständen auch immer - 1617 Collette du Mond, an einem Sabbath bei dem Chateau de Rocquaine teilgenommen zu haben. Im frühen 18. Jahrhundert wurden zahlreiche Küstenbefestigungen gegen die Gefahr eines französischen Angriffs errichtet (Martello-Türme). Außerdem ließ Sir John Doyle, Vizegouverneur von Guernsey den Kanal, der die beiden Inseln, die Guernsey bildeten, trennte, zuschütten. Auf ihn geht auch Fort Grey zurück, in dem heute ein Schiffswrack-Museum untergebracht ist.

Im Jahre 1815 gab es auf der Insel Guernsey ein Freigeldexperiment. Die Folgen der Napoleonischen Kriege machten sich in ganz Europa bemerkbar, auch auf dieser Insel. Die Inselbewohner produzierten Lebensmittel weit über den Eigenbedarf hinaus, doch die eingetriebenen Steuern und Zinszahlungen an Londoner Banken brachten den Zahlungsverkehr schließlich ganz zum Erliegen. Der in dieser Zeit amtierende Gouverneur von Guernsey, Daniel de Lisle Brock, schlug den Bau einer Markthalle für 4.000 Pfund Sterling vor, die der Wirtschaft neuen Auftrieb geben würde. Diese 4.000 Pfund sollten einfach selber gedruckt und als eine Art Zweitwährung im Umlauf gebracht werden. Nach fünf Jahren hatte sich die Halle voll amortisiert und die 4.000 Pfund wurden wieder verbrannt. Nach diesem Prinzip wurden so nacheinander mehrere Bauvorhaben mit selbstgedrucktem und später wieder vernichtetem Geld verwirklicht. Jedoch kam bis 1835 durch den Eingriff fremder Banken und eine reduzierte Geldmenge die Freigeldwirtschaft wieder zum Erliegen.

Der französische Dichter Victor Hugo wurde 1851 in Frankreich inhaftiert und musste ins Exil. Er ließ sich erst auf der Kanalinsel Jersey und dann auf Guernsey nieder, wo er bis 1871 in St. Peter Port im Hauteville House, das heute als Museum dient und besichtigt werden kann, lebte.

Im Zweiten Weltkrieg, nach der Eroberung Frankreichs, befürchtete man einen deutschen Angriff. Die auf Guernsey ansässigen Deutschen und Österreicher wurden interniert. Am 20. Mai 1940 verließ die SS Biarritz mit 1.000 Soldaten, dem Vizegouverneur und seiner Familie sowie französischen Soldaten und britischem Verwaltungspersonal die Insel, die damit vollständig demilitarisiert war. Zahlreiche Kinder wurden nach England evakuiert. Am 30. Mai 1940 landeten fünf Junkers-Truppentransporter, und die Insel wurde von der deutschen Wehrmacht besetzt. Die nicht auf Guernsey geborenen britischen Staatsangehörigen wurden im Lager Lindele in Biberach an der Riß interniert. Zu Biberach an der Riß besteht heute eine offizielle Partnerschaft. Die Insel wurde von der deutschen Besatzungsmacht mit Befestigungsanlagen versehen und sollte als Ausgangspunkt für die Angriffe gegen England dienen. Auf Alderney wurde als Außenstelle von Neuengamme das Konzentrationslager Aurigny („Lager Sylt“) gebaut, in dem vor allem osteuropäische Zwangsarbeiter gefangen gehalten wurden. Der Befreiungstag am 9. Mai wird jedes Jahr feierlich begangen. Es existiert auch ein Besatzungsmuseum in Les Houards, Forest, das 1966 durch Richard Heaume gegründet wurde.

Politische Gliederung

Politisch gehören zum Bailiwick von Guernsey Alderney, Sark, Brecqhou, Herm und andere noch kleinere Inseln. Der Bailiwick prägt eigene Münzen und gehört weder zum Vereinigten Königreich noch zur EU. Es besteht jedoch eine Zollunion.

Wirtschaft

Etwa 32% des Bruttosozialprodukts werden durch Finanzdienstleister (Banken, Versicherungen, Fondsmanagement) erwirtschaft. Traditionelle Einnahmequellen wie Tourismus, Maschinenbau und Gartenbau, hauptsächlich Tomaten und Schnittblumen, hier insbesondere Freesien, sind eher im Rückggang begriffen. Niedrige Steuern haben Guernsey als Steueroase für Private Equity Fonds populär werden lassen. Obwohl Guernsey kein EU-Mitglied ist, wird es von dieser jedoch gezwungen, sich ihren Regularien zu unterwerfen. Wie auch andere Offshore-Finanzzentren, gerät Guernsey immer mehr unter Druck durch größere Nationen, seine Gesetze an deren Wünsche, insbesondere was die Transparenz von Finanzströmen anbetrifft, anzupassen. Derzeit wird das Steuerrecht reformiert, um die Regularien der EU und der OECD zu erfüllen. Seit dem 01. Januar 2008 gilt ein neues Null-Zehn Körperschaftssteuergesetz, nach dem die meisten Körperschaften keine Körperschaftssteuer zahlen, das Anbieten bestimmter Bankdienstleistungen aber mit 10% besteuert wird. Aufgrund dieses Umstandes entsteht ein Fehlbetrag von ca. 45 Mio. Pfund, der durch wirtschaftliches Wachstum und indirekte Besteuerung ausgeglichen werden soll.

Sonstiges

Literatur

Koordinaten: 49° 27′ 21" N, 2° 34′ 39" W