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Hamburg-Kirchwerder

Lage des Stadtteils

Kirchwerder

Lage des Bezirks

Bergedorf

Basisdaten
Bundesland: Hamburg
Bezirk: Bergedorf
Fläche: 50,7 km²
Einwohner: 8859 (2004)
Bevölkerungsdichte: 274 Einwohner je km²
Postleitzahl: 21037
Vorwahl: 040
Geografische Lage: 53° 25' 11″ n. Br.
10° 12' 6" ö. L.
Kfz-Kennzeichen: HH

Kirchwerder ist der südlichste Stadtteil von Hamburg und eines von vier Kirchspielen der Vierlande.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Kirchwerder ist durch seine besonders sandigen Böden ein ausnehmend gutes Gemüseanbaugebiet und dadurch besonders dicht besiedelt. Durch seine Lage direkt an der Elbe ist Kirchwerder allerdings in hohem Maß sturmflutgefährdet.

Kirchwerder ist, wie die anderen Vierländer Kirchspiele, mit 800 Jahren eine der ältesten erhaltenen Kulturlandschaften Deutschlands.

Geschichte

Remerswerder, so hieß das Vierländer Dorf ursprünglich. Dass es seit 1217 in Urkunden als Kirchwerder bezeichnet wird, deutet auf den Bau einer Kirche hin. Tatsächlich geht die heutige St.-Severini-Kirche auf einen Feldsteinbau aus dem 12./13. Jahrhundert zurück; Reste der mittelalterlichen Mauern sind an der Nordwand des heutigen Gebäudes noch erhalten. Aus der Ortsgeschichte ist ein dramatischer Vorfall belegt: 1470 sollen „mehrere Eingesessene aus unbekanntem Grund ihren Pfarrer erschlagen haben“ – weshalb der Papst zeitweise den Großen Kirchenbann über das Dorf verhängte.

Viel ist von der mittelalterlichen Kirche nicht mehr zu sehen, denn von 1785 bis 1791 kam es zu einem grundlegenden Umbau – eigentlich ein Neubau, da nur einige Mauerteile des vorherigen Gebäudes wieder verwendet wurden. Erhalten blieb das Brauthaus, ein Fachwerkanbau von 1649/50, in dem die Formalitäten der Eheschließung vor der Einsegnung in der Kirche erledigt wurden. Die jetzige Kirche ist ein einschiffiger Saal mit hölzernem Tonnengewölbe, großem Südflügel und fünfseitigem Chorabschluss; sie verfügt über rund 1.000 Plätze.

Die Ausstattung ist weitgehend klassizistisch. Verzierte Hutständer – typisch für die Vierländer Kirchen – kennzeichnen die Bankreihen der Männer. Kanzel und Taufe wurden 1806 von dem Neuengammer Michael Busch gefertigt. Der von zwei Säulen gerahmte Altar, ein Werk des Bergedorfer Tischlermeister Radefahr, war dagegen schon zur Wiedereinweihung 1785 vorhanden.

Die erste Besiedlung der Elbinseln, die später das Kirchspiel Kirchwerder bildeten, ist nicht nachweisbar. Sicher ist, dass Kirchwerder zu den frühesten Eindeichungen der Vierlande gehörte, da hier eine Fährverbindung über die Elbe zwischen dem Herzogtum Braunschweig-Lüneburg und den neuen Gebieten eingerichtet worden war, die auch heute noch existiert: die Zollenspieker Fähre.

Bis 1217 wurde die Region als Remerswerder bezeichnet, erst dann wurde sie Kercewerder genannt. In dieser Zeit wurde durch die damals in dieser Region herrschenden Dänen die planmäßige Eindeichung der Inseln begonnen. Aus dieser Zeit stammt der Durchdeich, der das neue Dorf Kirchenwerder gegen das benachbarte, damals noch nicht eingedeichte Ochsenwerder schützte. Zwischen 1314 und 1344 wurde einer der Elbarme, die Gose Elbe, durch Deiche in ein festes Bett gezwungen. Zwei kleinere Elbinseln, Ohe und Krauel, wurden dabei zu Festland. West-Krauel wurde Teil Kirchwerders, Ohe wurde zwischen Kirchwerder und dem benachbarten Kirchspiel Neuengamme aufgeteilt. Obwohl dies vor mehr als 650 Jahren geschah, sind bis heute die Lage und Formen beider Inseln durch Orts- und Straßennamen sowie die Form der Gehöfte deutlich erkennbar.

Der Elbübergang war den Lüneburger Herren, denen das Gebiet unterstand, so wichtig, dass sie eine Befestigung anlegen ließen, die 1296 erstmals als Riepenburg genannt wird und Verwaltungssitz der Vogtei Riepenburg war. Der Name stammte von der herrschenden Familie, den Herren von Ribe. 1420 wurde die Burg Teil des beiderstädtischen Besitzes: Hamburg und Lübeck hatten die Herrschaft gemeinsam den Lüneburgern abgenommen. Durch die Abdämmung und damit der "Zähmung" der Gose- und der Dove Elbe (zweier Elbarme, die die Inseln der Vierlande trennen) wurde die Burg überflüssig. Da sie baufällig war, wurde sie 1512 abgerissen. Der Verwaltungssitz wurde ins Bergedorfer Schloß verlegt. Die Reste des Burghügels sind bis heute am Zusammentreffen des Kirchwerder Mühlendamms und des Hauptdeichs zu erkennen.

1620 versuchten die Lüneburger erfolglos, das Gebiet durch einen militärischen Einfall zurück zu gewinnen; erst Napoleon I. war dort auf seinem Feldzug 1806 siegreich. Doch auch dadurch wurde die Verwaltungsstruktur nicht geändert. 1868 kaufte Hamburg die Hoheitsrechte von Lübeck, so dass die gemeinsame Verwaltung endete und die Vierlande - und damit Kirchwerder - nur noch zu Hamburg gehörte. 1873 wurde die bis dahin selbständige Enklave Ost-Krauel, die im Besitz der Familie von dem Berghe war, als selbständige Gemeinde zur Landherrenschaft Bergedorf zugeschlagen. Erst 1937 wurden die letzten sechs Enklaven, die bis dahin unter hannöverscher bzw. preussischer Herrschaft gestanden hatten, mit dem Groß-Hamburg-Gesetz ebenfalls nach Bergedorf eingegliedert.


Politik

Für die Wahl zur Hamburgischen Bürgerschaft und der Bezirksversammlung gehört Kirchwerder zum Wahlkreis Bergedorf.

Soziale Struktur

Kirchwerder ist, wie alle Vierlander Bezirke, eine ländliche Kultur mit alteingesessenen Bewohnern und den dadurch sehr festen Bindungen. Die Zugehörigkeit zum Hamburger Stadtgebiet ist weder optisch noch im Gefüge der Gemeinschaft zu erkennen. Zur Verdeutlichung einige Zahlen:

(Alle Daten vom Jahr 2004, in Klammern die Vergeichszahl für Hamburg)


Kultur und Sehenswürdigkeiten

St. Severini

Die Kirche St. Severini stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist umgeben von einem großen Friedhof. Sie ist häufig Ort für Lesungen und Konzerte beispielsweise von Chören.

Riepenburger Mühle

Am Kirchwerder Mühlendamm 75a befindet sich die Holländermühle Riepenburger Mühle, welche 2006 auf den Namen Boreas getauft wurde. Die 1828 erbaute Kornwindmühle ist die älteste und größte erhaltene Mühle Hamburgs. Erstmalig erwähnt im Jahre 1318, zählt sie zu den ältesten deutschen Windmühlenstandorten und ist eine der letzten regelmäßig mit Wind arbeitenden Mühlen Deutschlands. Sie ist ein produzierendes technisches Denkmal.[1].

Zollenspieker Fähre

Der Zollenspieker war eine wichtige Fährverbindung über die Elbe. Bereits 1252 existierte sie, damals als Yslinge bezeichnet, und ist bis heute in Betrieb. Bis 1806, also bis zur Eroberung der Umgebung durch Napoleon I., wurde hier Zoll erhoben (daher auch der Name: „Zollenspieker“ bedeutet svw. „Zollspeicher“, dieser wurde auf kirchwerderaner Seite an einer Stelle errichtet, wo die Elbe eine Biegung macht, da so von hier aus die Elbe und das eigene Ufer in alle Richtungen sehr gut einsehbar ist). Beim Überfall der Lüneburger von 1620 wurde der alte Speicher zerstört, jedoch bereits ein Jahr später schon wieder neu errichtet. Eine Schanze schützt ihn bis heute vor weiteren Angriffen vom Fluss her. Etwa ab 1870 entwickelte sich der Zollenspieker (Synonym auch für die Fähre) zur Sehenswürdigkeit für die Hamburger; der alte Zollspeicher wurde zur Gaststätte mit einem Tanzsaal in einem neuen Anbau umgestaltet. Bis heute ist das Zollenspieker Fährhaus ein beliebtes Ausflugsziel.

Der Zollenspieker liegt am Flusskilometer 598 und kennzeichnet zugleich den südlichsten Punkt der Hansestadt.

Von 1912 bis 1953 hatte Zollenspieker einen Kopfbahnhof, in dem drei Kleinbahnstrecken der BGE zusammenliefen: die Vierländer Eisenbahn nach Bergedorf (seit 1912) sowie die Hamburger Marschbahn nach Billbrook (1928) und nach Geesthacht (1921). Das Bahnhofsgelände wird heute als Fest- bzw. Parkplatz genutzt.

Auf der anderen Elbseite in Niedersachsen liegt der Ort Hoopte.

Wirtschaft und Infrastruktur

Landwirtschaft

Da das Kirchspiel Kirchwerder direkt am Hauptstrom der Elbe liegt, ist es in besonderem Maße durch Sturmfluten getroffen worden. Immer wieder führten Deichbrüche zu weiten Überflutungen und dadurch zur Versandung des Bodens. Zudem ging durch die Entstehung von Bracks (tiefen Ausspülungen, die durch Verwirbelung hinter den Deichbrüchen entstanden) bei diesen Ereignissen immer wieder Land verloren. Die Bauern Kirchwerders, die traditionell in erster Linie Getreide anbauten, das auf sandigen Böden nicht so gut wächst, hatten dadurch niedrigere Einkünfte als die Bauern der angrenzenden Bereiche der Vierlande.

Ab dem Ende des 17. Jahrhunderts änderten die Kirchwerder Bauern deshalb ihre Feldfrüchte und begannen, das wesentlich besser gedeihende Gemüse anzubauen. Da, im Gegensatz zum Bardowicker Gemüse, das bisher für die Hamburger Versorgung über die Elbe geholt wurde, kein Zoll zu zahlen war und zudem der Anfahrweg deutlich kürzer wurde, konnten die Kirchwerder Bauern hohe Gewinne einkassieren. Schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts waren die Preise für die Bauernhöfe deutlich gestiegen, und in den Vierlanden gab es nirgendwo weniger Konkurse von Kätnern, den ärmsten der Bauern, als in Kirchwerder. In der Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Kirchwerder Dörfer Sande (man beachte den Namen!) und Warwisch die am dichtesten besiedelten Siedlungen der Region.

Da die Bauern der anderen Vierländer Kirchspiele ebenfalls über sandige Böden verfügten, wenn auch nicht so ausgeprägt wie in Kirchwerder, wurde auch hier bald der Getreideanbau zugunsten der Gemüsezucht aufgegeben. Die Vierlande wurden zur Gemüsekammer Hamburgs. Als gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Blumenanbau in den Vierlande aufkam, wurde aufgrund der sehr guten Gemüseböden Kirchwerder davon am wenigsten berührt. Bis heute sind hier nur relativ wenige Gewächshäuser anzutreffen.

Schulen

In Hamburg-Kirchwerder gibt es drei Schulen. Die Schule Kirchwerder umfasst sowohl Haupt- und Realschule als auch Grundschule. Bei der Schule Zollenspieker handelt es sich um eine reine Grundschule. Die dritte Schule ist die Grundschule Fünfhausen.

Söhne und Töchter der Stadt

Literatur

Quellen

  1. Riepenburger Mühle
 Commons: Hamburg-Kirchwerder – Bilder, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 53° 25' 11″ N, 10° 12' 6" O