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Der Räuber Hotzenplotz

Der Räuber Hotzenplotz ist eine Figur des Kinderbuch-Autors Otfried Preußler. Es erschienen drei Erzählungen mit Hotzenplotz:

Alle drei Bücher wurden, wie die meisten Werke Preußlers, von dem Zeichner Franz Josef Tripp illustriert. Die Bücher wurden in 34 Sprachen übersetzt (Beispiele: französisch: Le Brigand Briquambroque, italienisch: Il Brigante Pennastorta, türkisch: Haydut Haytazot) und über sechs Millionen Mal verkauft. Alle drei Werke wurden auch als Kinderhörspiele auf Schallplatten und Compact Cassette veröffentlicht.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

Anfang der Sechzigerjahre hatte sich Otfried Preußler monatelang vergeblich mit den ersten Ansätzen zu „Krabat“ herumgeschlagen. Aus lauter Enttäuschung fasste er den Entschluss, zur Abwechslung etwas Lustiges zu schreiben. Er entschied sich für eine Kasperlgeschichte, in der alle Charaktere vorkommen sollten, die zu einem „richtigen“ Kasperlstück gehören: ein Kasperl, Seppel, die Großmutter, der Räuber (Hotzenplotz), der Polizist (Alois Dimpfelmoser), der Zauberer (Petrosilius Zwackelmann) und Andere.

Der Anfang war schnell geschrieben und da er für seinen Räuber einen schönen Kasperletheaternamen brauchte, bekam dieser den Namen eines Städtchens in Mährisch Schlesien, tschechisch Osoblaha, der Preußler in Erinnerung geblieben war und schon damals einen großen Eindruck auf ihn machte.

Als Otfried Preußler sich die erste Geschichte vom Räuber Hotzenplotz ausdachte, konnte er nicht ahnen, dass sein Buch einen solch positiven Anklang bei seinen Lesern finden würde. Denn ursprünglich wollte er nur ein einziges Buch über den Räuber Hotzenplotz schreiben. Doch nachdem er von tausenden von Kindern Anfragen, Bitten und detaillierte Vorschläge für weitere Hotzenplotz-Bücher bekommen hatte, entschloss er sich, sieben Jahre nach dem ersten Teil, ein weiteres Buch über den Räuber zu schreiben.

Aufgrund der Tatsache, dass der Hund Wasti, den die Witwe Schlotterbeck versehentlich in ein Krokodil verwandelte, am Ende des zweiten Bandes nicht wieder zurückverwandelt wurde, bekam Preußler auch nach dem zweiten Teil wieder eine riesige Flut an Briefen und Postkarten seiner Fans. Daraufhin schrieb Otfried Preußler einen weiteren Band, bei dem er genau darauf achtete, auch ja keinen offenen Handlungsfaden zu übersehen. Zudem erklärte er am Ende des Buches, dass es sich dabei endgültig um die letzte Kasperlgeschichte handle.

Der Räuber Hotzenplotz

Der Räuber Hotzenplotz ist einer der gerissensten Räuber, die es zu seiner Zeit (vermutlich vor dem Ersten Weltkrieg – man fährt schon Automobil, Wachtmeister Dimpfelmoser trägt eine Pickelhaube) gibt. Eines Tages raubt er die Kaffeemühle von Kasperls Großmutter. Das Besondere an dieser von Kasperl und Seppel selbst erfundenen Kaffeemühle ist, dass sie beim Kurbeln Großmutters Lieblingslied „Alles neu macht der Mai“ spielt. Da die Polizei, vertreten durch Wachtmeister Dimpfelmoser, nicht in der Lage ist, den Räuber zu fassen, entschließen sich Kasperl und sein bester Freund Seppel den Räuber aufzuspüren. Doch leider schlägt ihr Versuch fehl und sie werden von dem Räuber gefangen genommen. Sie hatten aber ihre Hüte getauscht und somit denkt der Räuber, dass Kasperl Seppel und Seppel Kasperl sei. Er verkauft den vermeintlichen Seppel (also Kasperl) an den großen und bösen Zauberer Petrosilius Zwackelmann, der ihn zum Kartoffelschälen braucht (denn dieser Zauberer kann alles zaubern, nur nicht das Schälen von Kartoffeln), während Seppel, als Kasperl verkleidet, für den Räuber in der Höhle arbeiten muss.

Als Zwackelmann eines Tages einen Kollegen in Buxtehude besucht, kommt Kasperl hinter das Geheimnis des bösen Zauberers. Dieser hatte einst die gute Fee Amaryllis in eine Unke verwandelt. Doch Kasperl gelingt es, ihr rechtzeitig das Feenkraut zu bringen, das auf der Hohen Heide unter einer alten Wetterfichte wächst, und damit den Zauber aufzuheben und somit die Unke wieder in die Fee Amaryllis zurückzuverwandeln. Vor Schreck fällt der böse Zauberer in den Unkenpfuhl und stirbt. Da der Zauberer zuvor aus Wut den Räuber Hotzenplotz in einen Gimpel verwandelt und in einen Käfig gesteckt hatte, halten Kasperl und Seppel diesen in Gefangenschaft. Die Fee schenkt zum Dank Kasperl und Seppel einen Wunschring, mit dem sie drei Wünsche frei haben. Auf dem Weg nach Hause wünschen sie sich Großmutters Kaffeemühle und eine neue Zipfelmütze für Kasperl (die alte hat Hotzenplotz verbrannt) herbei und verwandeln schließlich im Büro des Wachtmeisters den Räuber Hotzenplotz wieder in einen Menschen zurück, der daraufhin eingesperrt wird.

Neues vom Räuber Hotzenplotz

Nach seiner Gefangennahme wird der Räuber Hotzenplotz im Spritzenhaus der Feuerwehr eingesperrt. Es gelingt ihm aber mit einer vorgetäuschten Krankheit (Blinddarmverrenkung), den inzwischen zum Oberwachtmeister beförderten Dimpfelmoser zum Aufsperren des Spritzenhauses zu bewegen und zu entkommen. Eine List, den Räuber mit Hilfe einer fingierten Schatzkarte wieder ins Spritzenhaus zu locken, scheitert. Stattdessen werden Kasperl, Seppel und Dimpfelmoser selbst im Spritzenhaus eingesperrt. Sie können sich zwar befreien, aber in der Zwischenzeit hat Hotzenplotz (der vorgibt, Dimpfelmoser zu sein, weil er dessen Uniform und Dienstfahrrad gestohlen hat) die Großmutter entführt, um Lösegeld zu erpressen. Kasperl und Seppel überreden Oberwachtmeister Dimpfelmoser, einer Lösegeldübergabe zuzustimmen und alles mit Hilfe einer Kristallkugel der Wahrsagerin Witwe Schlotterbeck zu überwachen, die im übrigen auch einen in ein Krokodil verwandelten Langhaardackel namens Wasti besitzt. Bei der Geldübergabe werden Kasperl und Seppel jedoch vom Räuber gefangen und in seine Höhle verschleppt. Dort treffen sie auf die Großmutter, die für den Räuber kochen und putzen muss. Als der Räuber sich kurz darauf eine Schwammerlsuppe zubereiten lässt, reden die drei ihm ein, dass unter den dafür verwendeten Rotkappen auch Knallpilze gewesen sein müssen, die einen unweigerlich von innen zerreißen. Einziges Gegenmittel sei, sich einen dicken Strick um den Bauch zu wickeln. Daraufhin lässt sich Hotzenplotz von den Dreien fesseln und kann dem inzwischen mit Wasti herbeigeeilten Dimpfelmoser übergeben werden.

Hotzenplotz 3

Hotzenplotz wurde wegen guter Führung vorzeitig aus der Haft entlassen. Um sich für seine zurückliegenden Taten zu entschuldigen, sucht er Großmutter auf. Diese glaubt ihm jedoch nicht und sperrt ihn mit einem Trick ein. Als die Polizei eintrifft, kann Hotzenplotz seine rechtmäßige Entlassung jedoch schriftlich belegen und muss auf freien Fuß gesetzt werden. In der Überzeugung, Hotzenplotz plane neue Straftaten, überwachen Kasperl und Seppel ihn mithilfe der Kristallkugel der Wahrsagerin Schlotterbeck. Sie beobachten Hotzenplotz, wie dieser Waffen und Sprengstoff aus seiner Höhle schafft und sehen darin eine Bestätigung ihres Verdachts. Sie begeben sich in den Wald und stellen Hotzenplotz eine Falle, durch ein Versehen jedoch wird statt dessen Seppel verletzt. Hotzenplotz taucht auf und hilft ihm. Anschließend werden beide Zeuge, wie der Räuber seine Schießpulver-Vorräte sprengt und seine Waffen im Moor versenkt. Sie sind nun davon überzeugt, dass er tatsächlich ein ehrlicher Mann werden will und diskutieren mit ihm die Möglichkeiten, seine Zukunft zu gestalten. Hotzenplotz ist pessimistisch, da er außer der Räuberei nichts gelernt hat.

Unterdessen verschwindet die Kristallkugel der Wahrsagerin Schlotterbeck auf mysteriöse Weise. Sofort fällt der Verdacht auf Hotzenplotz, und Dimpfelmoser veranlasst eine steckbriefliche Suche. Kasperl, Seppel und Hotzenplotz entdecken einen Steckbrief. Daraufhin helfen die beiden Freunde dem ehemaligen Räuber, vorübergehend abzutauchen, bis sie dessen Unschuld beweisen können. Am nächsten Tag klären Kasperl und Seppel den Verbleib der gesuchten Kristallkugel: Schlotterbecks (in ein Krokodil verwandelter) Hund Wasti hatte die Kugel für einen Kürbis gehalten und in seine Hundehütte geschafft. Als sie Hotzenplotz, der sich zu dieser Zeit im Keller von Großmutters Haus versteckt hält, die gute Nachricht bringen wollen, stellt sich heraus, dass dieser verschwunden ist. Er hat eine Nachricht hinterlassen, in der er ankündigt, nach Amerika auswandern zu wollen. Kasperl und Seppel folgen ihm und können ihn zum Bleiben überreden. Bei einem gemeinsamen Abendessen bietet Frau Schlotterbeck an, in Hotzenplotzens Zukunft zu sehen: Er eröffnet im Wald das „Gasthaus zur Räuberhöhle“.

Das bemerkenswerte an Hotzenplotz 3 ist, dass Preußler hier das Muster der klassischen Räubergeschichte umkehrt und mit dem zu Unrecht Verdächtigten, der sich vor der Polizei verstecken muss, ein geradezu subversives Motiv einführt.

Verfilmungen

1967 brachte die Augsburger Puppenkiste die Geschichte auf die Marionettenbühne und damit ins Fernsehen. 1974 wurde Der Räuber Hotzenplotz unter der Regie von Gustav Ehmck verfilmt. 1978 wurde der zweite Teil („Neues vom Räuber Hotzenplotz“) - mit komplett neuer Besetzung - für die Leinwand adaptiert. 2006 fand Der Räuber Hotzenplotz unter der Regie von Gernot Roll erneut den Weg auf die Leinwand.

Puppenspiel-Inszenierungen (Auswahl)

Literatur