Heim

Europäische Wing Tsun Organisation

Die EWTO (Europäische WingTsun-Organisation) ist die vermutlich größte kommerzielle Wing Chun-Organisation in Europa. Sie ist in über 60 Ländern mit über 2000 Schulen vertreten (2006), an denen 50000 Schüler unterrichtet wurden. Gründer, Leiter und Cheftrainer der Organisation ist der in der Kampfkunstszene umstrittene Keith R. Kernspecht, der auch die Marken Wing Tsun und Leung Ting WingTsun europaweit rechtlich geschützt hat.

Inhaltsverzeichnis

Ausgangspunkt der Kommerzialisierung des Wing Chun

Die EWTO wurde von Kernspecht in Anlehnung an die amerikanische IWTA (International Wing Tsun Association) gegründet, deren Leiter und Gründer Kernspechts Lehrer Leung Ting ist. Die EWTO hat maßgeblich zur starken Kommerzialisierung der Kampfkunst Wing Chun in Europa beigetragen. Mittlerweile gibt es zahlreiche weitere Wing-Chun-Organisationen, die nach dem Vorbild der EWTO und häufig auch von ehemaligen Schülern der EWTO gegründet wurden.

Gemeinsames Merkmal der EWTO und vieler daraus hervorgegangenen Organisationen ist, dass sie nicht gemeinnützig, sondern kommerziell arbeiten und hierarchisch strukturiert sind, häufig als Franchising-Unternehmen. An der Spitze der Hierarchie steht dabei der Gründer, der häufig auch als „Großmeister“ auftritt und sich selbst den höchsten Grad der Kampfkunst verliehen hat oder von einer anderen kommerziell, bzw. organisatorisch verbundenen Person verliehen bekam. Während die niedrigeren Grade auch von den angegliederten Schulen verliehen werden können, können die höheren Grade nur in (oftmals teuren) Prüfungen beim „Großmeister“ selbst erworben werden.

Unterrichtsinhalte

Die Kampfkunst Wing Tsun ist der Kern der EWTO. Das Leung Ting WingTsun ist, zumindest im europäischen Raum, die bekannteste Form des Wing Chun und die EWTO nach eigenen Angaben der größte professionelle Kampfkunstverband der Welt. Wing Tsun unterscheidet sich stark von den anderen Wing-Chun-Linien. Es wird vermittelt, nicht gegen die Kraft des Gegners zu arbeiten, sonden die Angriffe „weich“ aufzunehmen und die Kraft gegen den Gegner einzusetzen. Wing Tsun versteht sich selbst als weicher Stil, im Gegensatz zu den meisten anderen Wing-Chun-Stilen. Das Chi Sao wird in der EWTO in mehreren sogenannten Sektionen (Übungsabläufen) unterrichtet, die nach den verschiedenen Formen geordnet sind.

2000 wurde in der EWTO BlitzDefence eingeführt. BlitzDefence besteht aus Techniken des Wing Tsun, zusätzlich wurde der Ritualkampf und der non-verbale Vorkampf eingebaut. 2003 wurde zum Thema das Buch „Verteidige Dich“ mit speziell auf Frauen abgestimmten Verteidigungsstrategien publiziert.

WT-ChiKung ist die Gesundheitssparte der EWTO. Hierbei geht es hauptsächlich um Dehnungsübungen, mit denen das muskuläre Gleichgewicht wieder hergestellt werden soll. Außerdem wird auf die Ernährung eingegangen, wobei größtenteils Theorien aus dem esoterischen nicht-schulmedizinischen Bereich unterrichtet werden.
WT-ChiKung hat mit traditionellem Qigong nur sehr wenig zu tun.

Seit 1977 wird außerdem das Latosa-Escrima (anfangs PMAS-Escrima genannt) unterrichtet, eine philippinische Kampfkunst, bei der der Fokus auf dem bewaffneten Kampf liegt.
Ursprünglich wurde dieser Zweig von Rene Latosa geleitet, dieser unterrichtet mittlerweile jedoch im konkurrierenden EBMAS-Verband. Aktuell wird dieser Zweig von Bill Newman geleitet.

Ende der 1970er war Muay Thai noch als Angebotspunkt in der Verbandszeitschrift Wing Tsun Welt aufgeführt. Dies lag vor allem an dem Kontakt der EWTO zu Santhas Supastrapong, welcher im EWTO-eigenen Wu-Shu-Verlag auch ein Buch veröffentlichte. Allerdings ist es bei dem Wunsch geblieben, ein ernsthafter Unterricht in Muay Thai fand in der EWTO nie statt.

Geschichte

1967 wurde der „Budo Zirkel Kiel“ als Vorläufer der EWTO am Abendgymnasium Kiel gegründet. Trainiert wurde hier unter anderem Kempo, Wushu, Jiu Jitsu und Ringen. Erst später eröffnete eine Wing-Chun-Abteilung im Budo-Zirkel.

1975 wurde die EWTO von Keith R. Kernspecht mit Sitz in Kiel gegründet.

1980 verlagerte die EWTO ihr Hauptquartier nach Heidelberg, wo sie seit 1982 im Schloss Langenzell ihren Hauptsitz hat. Hier werden Ausbilder unterrichtet und Lehrgänge abgehalten.

Studium

Als einzige Organisation bietet sie in Zusammenarbeit mit der Staatsuniversität Plowdiw (Bulgarien) ein Sportpädagogik-Fernstudium mit Schwerpunkt Wing Tsun an. Nach acht Semestern sollen die Teilnehmer den Abschluss „Magister in Sportpädagogik mit Spezialisierung Wing Tsun“ erreichen.