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Leichengift

Als Ptomaine (von gr. ptoma, Leiche, Kadaver), auch Leichengift, Leichenbase oder Leichenalkaloid, werden die bei der Fäulnis von Eiweiß infolge mikrobielle Zersetzung von Lysin und Ornithin durch Decarboxylierung entstehenden relativ ungiftigen biogenen Amine Cadaverin und Putrescin bezeichnet, die ein Grund für den Verwesungsgeruch von Leichen sind. Lediglich das durch Dehydratation von Cholin entstehende Neurin besitzt eine gewisse akute Toxizität. Daneben spielen auch Schwefelverbindungen wie Schwefelwasserstoff eine Rolle, die zwar an sich giftig sind, aber nicht in hoher Konzentration vorliegen.

Obwohl in kriegerischen Auseinandersetzungen auch Leichen zum Vergiften von Brunnen und Gewässern verwendet wurden, gibt es die Substanz "Leichengift" nicht. Je nach Todesursache und Verwesungsgrad der Leiche ist ein bestimmter Krankheitserreger (beispielsweise Pestbakterien) oder ein Bakterientoxin für die krank machende Wirkung verantwortlich.

Im Umgang mit Leichen z. B. in Bestattungsunternehmen gilt, dass eine schädliche Wirkung infolge Hautkontakt oder Einatmung von Leichengift ausgeschlossen ist. Bei oraler Aufnahme oder Übertragung durch Injektion oder Schnittverletzungen (Traumata) sind aber sehr wohl Erkrankungen möglich:

In früheren Zeiten wurden in medizinischen Hörsälen (als die Zusammenhänge noch nicht bekannt waren), auf dem gleichen Tisch sowohl Sektionen von Leichen als auch Operationen durchgeführt, meist zum Nachteil der Patienten, die dann jedoch an Infektionen und nicht durch "Leichengift" verstarben; siehe Ignaz Semmelweis.