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Wirtschaftsgut (Steuerlehre)

In der Steuerlehre bezeichnet der Begriff Wirtschaftsgut Bewertungsobjekte, die das Betriebsvermögen bilden.

Das Steuerrecht kennt keine Legaldefinition des Begriffs Wirtschaftsgut. Die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs hat jedoch Kriterien herausgearbeitet, nach denen sich ein Wirtschaftsgut wie folgt definiert: Wirtschaftsgüter sind alle Sachen und Rechte sowie sonstigen wirtschaftlichen Vorteile, die selbstständig bewertbar und nutzungsfähig sind. Sie müssen über das Wirtschaftsjahr hinaus von Wert sein und den Gesamtwert des Betriebs erhöhen. Die Bewertung des Wirtschaftsguts richtet sich für die Ertragsteuern nach den Ansatz- und Bewertungsvorschriften der Steuerbilanz, für die Substanzsteuern hingegen nach dem Bewertungsgesetz.

Das Äquivalent des Handelsrechts ist der Vermögensgegenstand.

Im Gegensatz zum Handelsrecht, wo die Begriffe Vermögensgegenstand und Schulden vorherrschen, spricht das Steuerrecht von positiven und negativen Wirtschaftsgütern. Während sich die Begriffe negatives Wirtschaftsgut und Schuld weitestgehend entsprechen, lassen sich zwischen Vermögensgegenständen und positiven Wirtschaftsgütern gewisse Unterschiede feststellen.

Zwischen Vermögensgegenstand und aktiven Wirtschaftsgut sind nur insofern Unterschiede feststellbar, als die steuerliche Rechtsprechung bei ihrer Interpretation des Wirtschaftsguts und damit des handelsrechtlichen Begriffs des Vermögensgegenstands zu anderen Ergebnissen kommt als die handelsrechtliche Literatur. Diese nimmt einen Vermögensgegenstand grundsätzlich nur dann an, wenn er nicht nur selbständig bewertbar, sondern auch selbständig verkehrsfähig ist.

Da das Handelsrecht bei der Definition des Vermögensgegenstandes die Bedingung in den Vordergrund stellt, dass es sich um ein einzeln veräußerbares Gut handelt, ist der Begriff des Wirtschaftsgutes umfangreicher als der des Vermögensgegenstandes, da das Steuerrecht diese Bedingung nicht anstellt. Ein Beispiel ist der derivative (entgeltlich erworbene) Geschäfts- oder Firmenwert, der aus Sicht des Handelsrechts grundsätzlich keinen aktivierbaren Vermögensgegenstand darstellt. Aufgrund der Ausnahmeregelung des § 255 Abs. 4 HGB wird dem Kaufmann in der Handelsbilanz ein Aktivierungswahlrecht eingeräumt, während in der Steuerbilanz gemäß § 5 Abs. 2 EStG eine Aktivierungspflicht besteht.

Der Begriff steht seit 1934 im Einkommensteuergesetz.

In der Steuerbilanz werden aktive und passive Wirtschaftsgüter unterschieden. Ausgaben, die zur Schaffung eines aktiven Wirtschaftsgutes führen, stellen somit entweder einen Aktivtausch oder eine Bilanzverlängerung dar und sind in diesem Zeitpunkt erfolgsunwirksam.