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Museum Abteiberg

Städtisches Museum Abteiberg
Adresse: Abteistraße 27, 41061 Mönchengladbach
Leitung Susanne Titz
Architekt Hans Hollein
Bauherr Stadt Mönchengladbach
Planung 1972 bis 1975
Bauzeit 1975 bis 1982
Eröffnung 23. Juni 1982
Kosten 31.600.000 DM
Ausstellungsfläche 3500 m²
Baumaterialien Sandstein, Marmor, Titanzink, Aluminium

Das Städtische Museum Abteiberg ist ein Museum in Mönchengladbach.

Ein eindeutiges Gründungsjahr gibt es nicht. Allgemein nennt die Literatur das Jahr 1904, als erstmals ein eigenes Gebäude bezogen wurde. Alternativ wird das Jahr 1901 genannt, da seit diesem Jahr die Bestände systematisch unter museologischen Gesichtspunkten erschlossen wurden. Nach dem Bezug des Museumsneubaus von Hans Hollein im Jahr 1982 löste die neuere Bezeichnung „Städtisches Museum Abteiberg Mönchengladbach“ die ältere Bezeichnung „Städtisches Museum Mönchengladbach“ ab. Es liegt direkt neben dem Gladbacher Münster etwa eine Minute vom Alten Markt entfernt und ist sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Auto zu erreichen.

Das Städtische Museum Abteiberg ist ein Museum für Bildende Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Zwischen 1972 und 1982 erbaut, zeigt das architektonische Gesamtkunstwerk u. a. Arbeiten von Joseph Beuys, Richard Serra, Andy Warhol, Sigmar Polke, Gerhard Richter, Markus Oehlen, Heinz Mack und Ulrich Rückriem.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte der Sammlung

Seit 1887 wurden erste Objekte für eine stadtgeschichtliche Sammlung zusammengetragen. Ab 1901 wurden diese Gegenstände systematisch geordnet, katalogisiert und im Rathaus der Stadt ausgestellt. Der 1902 gegründete Museumsverein unterstützte den weiteren Aufbau und die Präsentation der Sammlung. 1903 umfasst die Sammlung drei Gebiete:

Durch umfangreiche Zukäufe wurde in den Folgejahren die Sammlung deutlich erweitert. 1906 wurde eine textile Gewebesammlung mit circa 4000 Mustern von Dr. Voos erworben. 1907 kamen Teile der Sammlung Kramer hinzu. Dieser Ankauf umfasste mittelalterliche Holzskulpturen, Rüstungen, Gläser, Waffen und Krüge.

Einen entscheidenden neuen Akzent setzte 1922 Dr. Walter Kaesbach, der seiner Heimatstadt ‒ unter der Auflage einer angemessenen Präsentation ‒ zahlreiche Werke der expressionistischen Kunst stiftete. Diese Sammlung bestand aus 97 Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen u. a. von Lyonel Feininger, Erich Heckel, Heinrich Nauen, Emil Nolde und Christian Rohlfs. Für die Präsentation dieser Sammlung in Mönchengladbach gründete sich im selben Jahr der „Kunstverein der Dr.-Walter Kaesbach-Stiftung“. Auf Grund unzureichender Präsentationsmöglichkeiten wurde diese Sammlung auf Initiative Walter Kaesbachs zwischenzeitlich im Krefelder Kaiser-Wilhelm-Museum ausgestellt. Erst ab 1928 konnte die Sammlung expressionistischer Kunst in angemessener Form im neu eröffneten Museum im Karl-Brandts-Haus gezeigt werden. Inzwischen war die Sammlung um Werke von Heinrich Campendonk, Ernst Ludwig Kirchner, Wilhelm Lehmbruck, August Macke, Wilhelm Morgner, Otto Mueller, Hermann Max Pechstein und Karl Schmidt-Rottluff erweitert worden. In diesem Gebäude wurde zudem die Naturhistorische Sammlung und die Sammlung für Vor- und Frühgeschichte gezeigt. Weitere Werke der Bildenden Kunst und des Kunstgewerbes wurden im Oskar-Kühlen-Haus ausgestellt.

1934 wurden die Sammlungen aus beiden Häusern im Karl-Brandts-Haus zusammengefasst, das nun „Haus der Kunst“ hieß. Das Oskar-Kühlen-Haus wurde Sitz des neuen „Haus der Heimat“, das sich der Heimatpflege und Familienforschung widmete. 1937 wurde im Zuge der Aktion „Entartete Kunst“ der überwiegende Teil der Walter-Kaesbach-Stiftung beschlagnahmt. Lediglich sieben Werke der Stiftung verblieben in der Sammlung, u. a. ein Blumenstillleben von Heinrich Nauen und drei Pinselzeichnungen Emil Noldes. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges im Jahr 1944 wurden Teile der Sammlung ins Schloss Alme bei Brilon, sowie in die Schlösser Niesen und Borlinghausen bei Willebadessen evakuiert.

Heinrich Dattenberg, der 1945 nach Kriegsende neuer Museumsdirektor wurde, bemühte sich, die dezentral gelagerten Bestände der Sammlung wieder zusammenzuführen. Er versuchte auch den Rückkauf beschlagnahmter expressionistischer Gemälde, bzw. deren Ersatz durch gleichwertige Arbeiten. Ihm gelang 1956 der umstrittene Ankauf von Alexej von Jawlenskys Gemälde „Dame mit blauem Hut“. Auch Walter Kaesbach fand sich nach dem Zweiten Weltkrieg bereit, erneut eine Auswahl expressionistischer Werke dem Städtischen Museum zu stiften. Der niedrige Ankaufsetat und die steigenden Preise expressionistischer Künstler auf dem Kunstmarkt in der Zeit der 1950er und 1960er Jahre führten schließlich zu einer Konzentration auf die Sammlung zeitgenössischer Kunst.

Sein Nachfolger Johannes Cladders setzte ab 1967 diese Sammlungsstrategie konsequent fort. 1970 gelangte die Sammlung Etzold als Dauerleihgabe in den Besitz des Städtischen Museums. Mit der Eröffnung des neuen Museumsgebäudes auf dem Abteiberg kamen weitere Dauerleihgaben hinzu, vor allem die Sammlungen Onnasch und Marx. Die Sammlung Onnasch befindet sich heute in weiten Teilen in der Hamburger Kunsthalle. Die Sammlung Marx befindet sich jetzt in der Neuen Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof in Berlin. Das Städtische Museum verlor in Folge dieser Umzüge ein Hauptwerk seiner Sammlung, „Unschlitt/ Tallow“ von Joseph Beuys, obwohl es der Stadt vom Sammler zum Ankauf angeboten worden war. Neuere Leihgaben stammen aus der Sammlung Manfred Langen und der Sammlung Rheingold.

Ankäufe für die Sammlung des Museums wurden unter anderem durch Gelder des WDR, des Landes Nordrhein-Westfalen, der Stadtsparkasse Mönchengladbach, des Museumsvereins und seines Förderkreises ermöglicht.

Leiter des Museums

Sammlungsschwerpunkte

Die Liste benennt die jeweils bedeutendsten Werke der Sammlung, alphabetisch nach Künstlernamen sortiert. Einige der genannten Arbeiten befinden sich als Dauerleihgaben der Sammlung Etzold und der Mönchengladbacher Sparkassenstiftung für Kunst und Wissenschaft in der Sammlung. Das Museum verfügt in seiner Sammlung über umfangreiche Bestände an Zeichnungen, Aquarellen und Druckgrafiken.

Expressionismus

Konstruktivismus

Dadaismus

Informel

Fotografie

Op-Art

ZERO

Nouveau Réalisme

Pop Art

Minimal Art

Weitere Einrichtungen des Museums

Audiovision, eine Malklasse, die Bibliothek und Führungen durch das Haus unter fachlicher Anleitung. Außerdem eine hauseigene Cafeteria.

Geschichte der Gebäude des Museums

1904 bezogen die Sammlungen der Stadt Mönchengladbach erstmals ein eigenes Gebäude. Es handelte sich um die ehemalige evangelische Volksschule am Fliescherberg, die bis zum Jahr 1925 als Museum diente. Später wurde das Gebäude abgerissen. Zwischen den Jahren 1911 und 1912 plante die Stadt Mönchengladbach einen Neubau des Museums. 1913 wurden für diesen Neubau 200.000 Reichsmark bereitgestellt. Die Eröffnung war für das Jahr 1916 vorgesehen. Dieser Neubauplan scheiterte am Ausbruch des 1. Weltkrieges.

1922 erhielten die Pläne für den Neubau eines Museums einen erneuten Impuls durch die Stiftung expressionistischer Gemälde Walter Kaesbachs an die Stadt Mönchengladbach. Dieser Bau sollte auf der Hohenzollernstraße errichtet werden. 1.000.000 standen für den „Kunstpalast“ zur Verfügung, für den Thorn Prikker bereits Fresken entwarf. In Folge der Hyperinflation von 1923 im Deutschen Reich gingen diese Mittel verloren. Dies beendete das zweite Neubauprojekt. 1924 gelangte das Wohnhaus Oskar Kühlens auf der Bismarckstraße 97 als dessen Vermächtnis in den Besitz des Städtischen Museums. Dieses Gebäude mit einer Fassade im neogotischen Stil war 1896 vom Architekten R. Neuhaus errichtet worden. 1926 kam als weiteres Vermächtnis das Wohnhaus Karl Brandts auf der Kaiserstraße hinzu, das deutlich mehr Platz bot. In diesem Gebäude wurde 1928 die Sammlung des Städtischen Museums eröffnet. 1944 fiel das Gebäude den Bombenangriffen auf Mönchengladbach zum Opfer.

Auf Grund der Zerstörung des Karl-Brandt-Hauses wurde ab 1945 bis 1982 das Oskar-Kühlen-Haus als Museumsgebäude genutzt. 1963 beschloss die Stadt Mönchengladbach erneut einen Museumsneubau und beauftragte den Essener Architekten Horst Loy mit Planungen. 1964 kam es allerdings zum Brand der Kaiser-Friedrich-Halle, deren Wiederaufbau die Mittel für den Neubau des Museums verschlang. Von 1972 bis 1982 gelang schließlich der vierte Versuch für die Planung und Realisation eines Neubaus. 1972 genehmigte der Kulturausschuss der Stadt ein Raumprogramm und Hans Hollein erhielt den Auftrag zu einem Vorentwurf und einer städtebaulichen Studie. Am 29. November 1976 erfolgte der erste Spatenstich. 1977 wurde die Baugenehmigung für das Museum erteilt. Im selben Jahr begannen die Rohbauarbeiten und wurde der Grundstein gelegt (26. August 1977). Das Richtfest erfolgte am 1. September 1978. Ein Jahr später, 1979, wurde der Rohbau abgenommen. Im Dezember 1981 erfolgte die Gebrauchsabnahme und am 23. Juni 1982 schließlich die Eröffnung.

Die realisierten Planungen Hans Holleins gelten als „Bauabschnitt I“ des Museums. Ein „Bauabschnitt II“ war bereits frühzeitig für einen späteren Zeitpunkt geplant. Dieser bis heute nicht realisierte zweite Bauabschnitt soll zwischen Abteistraße und Spatzenberg errichtet werden. Am 6. März 1996 erhielt Hans Hollein den Auftrag der Stadt Mönchengladbach für einen (erneuten) Vorentwurf des zweiten Bauabschnitts, der am 7. Dezember 1998 von der Stadt Mönchengladbach akzeptiert wird. 1999 wurden in Vorbereitung der Erweiterung des Museums die Wohnhäuser zwischen Abteistraße und Spatzenberg abgerissen. 2002 folgte der Abriss des Garagenhofes Abteistraße / Ecke Krichelstraße. Dies ermöglicht einen direkten Durchblick von der Hindenburgstraße zum geplanten neuen Haupteingang. Der Baubeginn wird bislang durch die angespannte Haushaltslage der Stadt Mönchengladbach verzögert.

Von Mitte September 2006 bis November 2007 war das Gebäude wegen Sanierungsarbeiten geschlossen. Die Fassadenelemente und die Haustechnik wurden erneuert, die Innenräume renoviert und die Sammlungen neu arrangiert. Dafür hatte die Stadt Mönchengladbach 4,2 Millionen Euro bewilligt. Die Wiedereröffnung des Museums fand am 4. November 2007 statt. Zwischenzeitlich zeigte das von realities:united entwickelte, wenige hundert Meter entfernte „Museum X“ im ehemaligen Schauspielhaus an der Hindenburgstraße ausgesuchte Werke der Sammlung sowie Sonderausstellungen.

Überblick der Gebäude des Museums

Die Architektur des Museums Abteiberg

Das Museumsgebäude entstand im Dialog zwischen dem Architekten Hans Hollein und dem damaligen Museumsdirektor Johannes Cladders. 1972 erhielt der Wiener Architekt den Auftrag zum Vorentwurf und zu einer städtebaulichen Studie. Als Baugrund wurde ein verwaistes Grundstück in Hanglage innerhalb des mittelalterlichen Mönchengladbacher Stadtkerns ausgewiesen. Der realisierte architektonische Entwurf, für dessen Realisation 1976 der erste Spatenstich und 1977 die Grundsteinlegung erfolgte, berücksichtigt drei zentrale Parameter:

  1. die topografische Situation,
  2. die zum Teil historisch tradierte Bebauung der näheren Umgebung und
  3. das kuratorische Konzept, das von Johannes Cladders entwickelt wurde.

Auf die topografische Situation reagiert Hans Holleins Ausgestaltung des Gebäudekomplexes in mehreren Ebenen, wobei südostasiatischen Reisterassen entlehnte Formen den Übergang in den Park bilden. Die Umgebungsbebauung wird aufgegriffen, durch die Wahl der Fassadenverkleidung einerseits (Sandstein in Anlehnung zum romanisch-gotischen Münster und zur gotischen katholischen Hauptpfarrkirche) und der Aufteilung in synthetisch verbundene Einzelbauglieder andererseits (die sich harmonisch zu den umgebenden Baukörpern verhalten). Das kuratorische Konzept findet sich im Inneren ausgeformt durch miteinander kommunizierende Raumeinheiten, mit zum Teil variablen Wänden. Entgegen dem klassischen Kunstmuseum verzichtet Hans Hollein, in Abstimmung mit Johannes Cladders, auf die tradierte monolithische Großform im Außenbau und der regelmäßigen Raumaufteilung im Inneren. Vielmehr erscheint der Bau offen und ist doch funktional durchdacht.

Das Gebäude ist reich an semantischen Anspielungen, in denen sich jenseits eines unmittelbar ablesbaren Traditionsapparates, ein Bewusstsein für Geschichte ablesen lässt, das auch in freien künstlerischen Arbeiten Hans Holleins eine große Rolle spielt. Der Verwaltungsturm des Museums ist ein Echo der Türme des Münsters und der Hauptpfarrkirche, die Sheddächer der obersten Ausstellungsräume referieren auf die Fabrikarchitektur Mönchengladbach-Rheydts, das im 19. Jahrhundert wegen seiner zahlreichen Bauten der Textilindustrie als „rheinisches Manchester“ bezeichnet wurde und der Eingang auf der sogenannten „Plattenebene“ bezieht sich auf die Propyläen der Akropolis.

Außer den rein architektonischen Elementen, die ihren Bezug zur Architektur der frühen Wiener Moderne besitzen, hat Hans Hollein außerdem alle innenarchitektonischen Aspekte ausgestaltet - von den Wandverkleidungen über die Beleuchtung bis hin zu den Möbeln.

Literatur

Zur Sammlung des Städtischen Museums

Zur Architektur des Städtischen Museums

Koordinaten: 51° 11' 34" N 6° 25' 59" O