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Fidula-Verlag

Die Fidula-Verlag Holzmeister GmbH ist ein Musikverlag, der sich auf Publikationen für Musik- und Tanzpädagog(inn)en spezialisiert hat. Sitz des Familienunternehmens ist Boppard. Schwerpunkte des Programms sind Bücher, Noten und CDs mit Kinderliedern, Tänzen für jung und alt, musikpädagogische Fachbücher, Chorliteratur, Schul-Musicals und Klassenmusizieren.

Inhaltsverzeichnis

Kurzbeschreibung

Fidula ist der lateinische Name für die Fidel, einer Verwandten der Violine, die leicht zu bauen und leicht zu spielen ist. Mit der Wahl dieses Namens verband und verbindet sich also ein Programm.

Johannes Holzmeister, der Vater des heutigen Verlegers, gründete den Verlag 1948, also wenige Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges. Damals herrschte in Deutschland neben dem körperlichen ein geistiger Hunger, auch nach neuen Liedern. Diese erschienen – oft mit viel Humor – zur Gründungszeit des Verlages. Es ging um Lebensfreude (oft aus christlicher Sicht – im Gegensatz zu den „völkischen Ideen“ des Nationalsozialismus) und um europäische Völkerverständigung. 1961 begann Fidula mit Schallplattenproduktionen. Meist brachten sie Tänze für Erwachsene, Jugendliche und Kinder, Kinderlieder und geistliche Musik. Seit 1989 erscheinen CDs mit den selben und gleichen Inhalten, ebenso DVDs und Musicals.

Ein besonderer Teil der Verlagstradition ist die Fidula-Tagung, welche seit 1951 jährlich stattfindet. Sie bietet Lehrern und Erziehern Gelegenheit, neue Erfahrungen zu sammeln. Kompetente Referenten geben eine Woche lang in Arbeitskreisen und Vorträgen, bei Chorsingen und geselligem Tanzen Anregungen für die musikalische Erziehung.

Verlagsgeschichte

Die Anfänge in Stuttgart

1948 gründet Johannes Holzmeister (Jahrgang 1923) in Stuttgart-Sillenbuch den Fidula-Verlag. Er wollte an die Musikkultur der Vor-Nazizeit anknüpfen wie z.B. die Wandervogel-Bewegung und christliche Freizeiten und trifft damit den Nerv von Menschen, die nach Jahren der politisch-kulturellen Fehlleitung das Interesse am Musizieren und Singen nicht verloren hat.

Im Zeichen von Papierknappheit und rationierten Zuteilungen von der englischen Besatzungsmacht, sahen die ersten Veröffentlichungen klein aus und die Papierqualität war eher minderwertig. Doch Johannes Holzmeister sammelte einen Kreis von Autoren um sich, animierte sie zu Neukompositionen und versah diese mit seinen eigenen Illustrationen und einem handgeschriebenen Notenbild. Seine Lebensfreude, Musikalität und Gläubigkeit spiegelten sich im verlegerischen Programm des Fidula-Verlages und prägten es noch weit über die ersten Tage hinaus. Seine Frau Lieselotte unterstützte die verlegerische Arbeit mit eigenen Texten zu Liedkompositionen und erfolgreichen Übersetzungen von Volks- und Kinderliedern vorrangig aus Frankreich und anderen Ländern Europas. Mit ihr hatte er zwei Kinder, Mechthild und Georg. Der Sohn übernahm 1991 die verlegerische Alleinverantwortung.

Als geselliger sowie sing- und tanzfreudiger Verleger, der gerne direkten Kontakt mit seinen Autoren und Kunden hatte und zu denen er oft freundschaftliche Verbindungen pflegte, lag es nahe, sich mindestens einmal jährlich in schöner Umgebung zu treffen. Aus diesem Gefühl heraus initiierte Johannes Holzmeister 1952 die 1. Fidula-Tagung in Ochsenhausen. Bis heute ist die Tagung - im Juli oder August - ein festes Angebot an Lehrer, Erzieher und Dozenten.

Die Jahre von 1958 bis 1991 in Boppard und Salzburg

Mit dem Umzug nach Boppard-Buchenau zum 1. Oktober 1958 begann für den Verlag eine neue Ära. Der gewachsene Wohlstand hatte auch dazu geführt, dass in vielen Schulen, Vereinen und Gruppen Plattenspieler die Arbeit unterstützten. Johannes Holzmeister reagierte darauf mit Schallplattenproduktionen, die von Anfang der 60er Jahre bis heute bei Pallas in Diepholz hergestellt werden. 1961 erschien die erste Schallplatte „Lieder aus dem Zündschlüssel“ mit der Bestellnummer FF (FidulaFON) 1111.

Dazu schrieb die Deutsche Tagespost am 6. September 1963:

Auf seinem Sektor der Schulmusik, der verkündenden Musik, der Kantaten für Chor und kleines Orchester, der Musiksatire usw. ist der Fidula-Verlag in Boppard nicht ein Gernegroß, sondern ein rechter Herr geworden. Was hier an LPs vorliegt, muss man ernst nehmen, auch wenn Heiteres geboten wird wie im Falle der „Lieder aus dem Zündschlüssel“, dessen erstes, „Der Sitz-Boogie-Woogie“ von Hans Poser, ein echter Schlager, groß gelungen ist.

20 Jahre später, 1981, umfasste die FidulaFON-Liste über 100 verschiedene Schallplatten, zu denen oft noch Partituren oder Tanzbeschreibungen separat angeboten wurden. Ab Anfang der 80er Jahre wurden viele Musikstücke statt auf Schallplatte auf Musikkassette eingespielt, wiederum rund 10 Jahre später wurden die meisten Musikstücke nur noch auf CDs produziert.

1979 erschien zudem bei Fidula die erste Ausgabe der Zeitschrift für Lehrerinnen und Lehrer.

Die Jahre nach 1991

Nach mehr als 40 Jahren verabschiedete sich der Verlagsgründer ganz aus der Geschäftsführung des Verlages und verblieb an seinem Wohnort Salzburg, wohin er bereits 1977 mit seiner Frau Lieselotte übersiedelt war. Er verstarb dort 2002, seine Frau bereits 1994. Sohn Georg Holzmeister (Jahrgang 1947) übernahm 1991 die alleinige Geschäftsführung; bereits seit 1977 war er Mit-Geschäftsführer. Seit 1997 existiert auch ein Fidula-Internetshop.

Verlagsprogramm

Bei Fidula gibt es über 600 verschiedene Noten, Bücher und Tonträger in folgenden Kategorien:

Zudem erschienen bereits über 20 Reihenveröffentlichungen.

Die Zeitschrift „musikpraxis“

Seit 1979 erscheint im Fidula-Verlag die Zeitschrift „musikpraxis – Arbeitshilfen für Musik in Kindergarten und Grundschule“. Prof. Hermann Große Jäger wurde bis 1997 mit der Herausgabe betraut. Seine insgesamt 76 erschienenen Hefte waren und sind gedacht als eine aus der Praxis entstandene und für die Praxis formulierte Unterstützung für Erzieherinnen und Lehrern. In den Folgejahren (ab 1998) übernahmen fünf Jahre lang Klaus Holthaus und Brigitte Schmitter-Wallenhorst die herausgeberische Verantwortung, und seit 2003 leitet Prof. Werner Beidinger das Autorenteam.

Zur musikpraxis-„Philosophie“ (von Werner Beidinger, aus dem musikpraxis-Portrait in Heft 2/2007):

Keinesfalls darf man die spielerischen, emotional-bildhaften und körperbezogenen Ansätze bei Grundschulkindern auf Kosten einer ausschließlich kognitiven Ausrichtung vernachlässigen. Solche Kategorien kommen immer nur ergänzend hinzu, lösen bisher funktionierende Lernsysteme aber nicht ab. [...]
Bestimmte Praxisimpulse aus unseren Beiträgen richten sich auch nicht speziell an eine festgelegte Altersgruppe. Oft versuchen wir durch Hinweise auf variantenreichen Umgang mit den Materialien, diese für unterschiedliche Zielgruppen anwendbar zu machen, oder aber die Umsetzbarkeit ist eher von den bisher gemachten Vorerfahrungen der Kinder denn vom Lebensalter abhängig. [...]
Mit der gegenseitigen Durchdringung von Musik und Bewegung ist ein zentrales Grundprinzip moderner Musikpädagogik benannt, welches sowohl eine künstlerische als auch didaktische Dimension beinhaltet. [...] Nicht ein Ausdrucksmedium fungiert als Diener des anderen, sondern beide Ausdrucksformen ermöglichen einen vielschichtigen Zugang zu einzelnen Themen und Parametern. [...] Sie geben unterschiedlichen Lerntypen und Charakteren die Möglichkeit, sich schöpferisch-gestaltend einzubringen. [...]
Wir bieten regelmäßig Einzelthemen aus der Musik- und Bewegungserziehung an, die besondere Materialien und Inhalte (Lieder, Verse, Tänze, Bewegungsspiele, Bilderbücher, Hörbeispiele oder Stimmbildungsübungen) ins Zentrum stellen. Parallel dazu haben und hatten wir einige Themen in Serie geschickt (z.B. Pentatonik, Instrumentenbau, InFlagranti: Musikgeschichte), die eine vertiefende Beschäftigung mit einigen Inhaltsbereichen ermöglichen. [...]
Die musikpraxis wird ihren Fokus auch weiterhin auf lebendige Praxisbeispiele richten. Ein lustbetonter Umgang soll sowohl die Musikalisierung der Kinder unterstützen als auch kommunikative und kreative Fähigkeiten entwickeln helfen. Ich finde es weiterhin reizvoll, dass wir keine ausschließliche Kindergarten- oder Grundschulzeitschrift sind. Unsere Anregungen sollen überwiegend für beide Altersgruppen anwendbar bleiben, wenn auch die Herangehensweisen bzw. die Ebenen der Gestaltungsmöglichkeiten sich unterscheiden werden. [...]

Autoren bei Fidula

Zu den Autoren / Komponisten der ersten 25 Jahre gehören:

Die Liste der neueren Autoren ist lang: Wolfhard Bartel, Kurt Brüggemann, Verena Brunner, Susanne Cistecky, Hans-Werner Clasen, Jörg Ehni, Ingrid Engel, Sandra Engelhardt, Charlotte Fröhlich, Uli Führe, Michel Hepp (Sohn von Hannes Hepp), Thomas Holland-Moritz, Klaus Holthaus, Regula Leupold, Herby Neumann, Gerhard A. Meyer, Waltraud Meusel, Benjamin Mgonzwa, Johanna Niegl (Tochter von Hans Poser), Corina Oosterveen, José Posada, Werner Rizzi, Andreas Schmittberger, Mechthild von Schoenebeck, Martin Schulte, Christoph Studer, Wilhelm Torkel, Eckart Vogel, Ute Walther, Manuela Widmer (Tochter von Wilhelm Keller), Michel Widmer, Christiane Wieblitz, Hans Zimmer, Jürgen Zimmermann – um nur einige zu nennen.

Insgesamt hat Fidula bisher Werke von über 160 Autoren veröffentlicht.