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Alert-Dienst

Als Alert-Dienst, Selective Dissemination of Information (SDI) oder Current-Awareness-Dienst werden Informationsdienste bezeichnet, bei denen nach dem Publish-Subscribe-Modell Anfragen angemeldet werden können, deren Antworten dann als regelmäßige Meldungen zugeschickt werden. Bei den Meldungen kann es sich beispielsweise um Treffer einer Suchmaschine, Beiträge in einem Weblog oder um Inhaltsverzeichnisse von Fachzeitschriften handeln. Während in Suchmaschinen nach bereits gesammelten Dokumenten gesucht werden kann, wobei die Ergebnis-Anzeige durch die Suche eines Benutzers ausgelöst wird, ermitteln Alert-Dienste kontinuierlich ob ein neu hinzugekommenes Dokument zuvor definierte Abfragekriterien erfüllt und senden gegebenenfalls eine entsprechende Meldung an den Benutzer. Die Meldung enthält entweder die vollständigen Treffer oder einen Verweis oder eine Zusammenfassung.

Im Allgemeinen findet bei Current-Awareness-Diensten die Benachrichtigung in regelmäßigen Abständen (zum Beispiel monatlich) statt, während bei einem Alert-Dienst neu hinzukommende Datensätze die Benachrichtigung auslösen. Die Terminologie ist jedoch nicht einheitlich, so dass verschiedene Bezeichnungen für gleiche Arten von Diensten verwendet werden.

Im Internet bieten eine steigende Zahl von Anbietern Alert-Dienste als hauptsächlichen oder zusätzlichen Dienst an. Die Mitteilungen können dabei per RSS oder E-Mail empfangen werden.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte, Technik und Verbreitung

Eine Vorform von Alerting-Diensten bilden Referateorgane, die neue Publikationen rezensieren. Computergestützte Alert-Dienste sind etwa seit Anfang der 1970er Jahre bekannt.

Ungefähr ab 1999 gewannen Weblogs als neue Publikationsform im Internet an Bedeutung. Weblogs verfügen typischerweise über einen RSS-Feed, der alle Beiträge unmittelbar zusammen mit der Publikation auch in maschinenlesbarer Form zugänglich macht. Blog-Pings sorgen dafür, dass interessierte Weblogs, aber eben auch z.B. Alert-Dienste, sofort automatisiert von der Publikation jedes neuen Beitrags erfahren. Im Jahr 2002 entstand der Weblog-Alert-Dienst Technorati. Technorati berichtete über neue Beiträge in Weblogs, die benutzerdefinierte Abfrage-Kriterien erfüllen. Bereits ein Jahr später entstanden zahlreiche ähnliche Dienste (z.B. PubSub, Blogpulse, Feedster, Blogdigger und Plazoo.com), und seit 2004 integrieren selbst die großen, etablierten Internet-Suchmaschinen Google, Yahoo! und MSN Alert-Dienste in ihr Angebot. Seit 2003, und besonders deutlich seit 2004, ist jedoch eine Diffusion der Konzepte sowohl von RSS als auch von Alert-Diensten in weitere Bereich des Publizierens und Suchens im Internet zu beobachten. So bieten die großen Suchmaschinen heute beispielsweise auch Alert-Dienste speziell für traditionelle Nachrichtenquellen an, also für Agenturticker, Online-Ausgaben von Zeitungen und ähnliche Quellen; und mit IngentaConnect ist 2004 ein Alert-Dienst für Inhaltsverzeichnisse wissenschaftlicher Journale entstanden. (Ähnliche Dienste bietet z.B. SpringerLink an.)

Alert-Dienste zur Suche mit Web-Suchmaschinen und Nachrichten-Portalen

Neben Alert-Diensten zur Suche in Weblogs wird heute (siehe oben) zunehmend auch von Suchmaschinen prospektive Recherche angeboten. Suchmaschinen haben sich aufgrund der oft großen Ergebnismassen bei retrospektiven Suchen nach Dokumenten im Web auf Relevanzbewertung spezialisiert. Was die Suche mit Google nicht zuletzt populär gemacht hat ist Googles PageRank-Mechanismus, der selbst bei sehr allgemein gehaltenen Suchanfragen dafür sorgt, dass sich unter den zehn ersten Ergebnissen oft viele brauchbare Ergebnisse befinden. Eine solche Gewichtung ist bei Alert-Diensten nicht vorhanden, denn der Alert-Dienst soll ja gerade sicherstellen, dass einem keine Publikation entgeht, die ein zuvor definiertes Kriterium erfüllt. Prospektive Suche mit Suchmaschinen meldet Positionsveränderungen in den Top-Ergebnissen einer gegebenen Suchanfrage. Damit wird ein recht spezieller Informationsbedarf gedeckt: zum Beispiel kann eine Firma beobachten, ob ihre eigene Website unter den Spitzen-Ergebnissen bei der Suche nach dem Gattungsnamen des vermarkteten Produkts liegt. Ein anderer Fall wäre ein so scharf gefasste Suchanfrage, dass dabei zunächst weniger als zehn oder zwanzig Ergebnisse erzielt werden – in diesem Fall würde die prospektive Suchanfrage auch über gänzlich neue Fundstellen berichten.

Beispiele für RSS-Feeds von Alert-Diensten für das Web und für Nachrichtenquellen

Alert-Dienste, die Aktualisierungen einer gegebenen Website melden

Die bisher skizzierten Alert-Dienste beobachten Informationsquellen im Internet, um Veränderungen zu melden, die ein vom Benutzer definiertes Abfragekriterium erfüllen. Daneben gibt es auch Dienste, die eine einfachere Funktion erfüllen: Sie melden schlicht jede Veränderung einer vom Benutzer ausgewählten Website, gleich welcher Art und welchen Inhalts. Zu den Diensten dieser Gattung zählen beispielsweise blogarithm, Bloglet, ChangeDetection, Watchcat und WatchThatPage. Da auch bei diesen Diensten die Meldungen ereignisgesteuert sind können sie sicherlich ebenfalls als Alerts bezeichnet werden. In einem stark erweiterten Sinne wird der Begriff Alert zudem auch für Dienste verwendet, bei denen es sich lediglich um Abonnements periodisch erscheinender Publikationen handelt. So nennen manche Journal-Herausgeber die Abonnements digitaler Inhaltsverzeichnisse ebenfalls "Alerts".

Alert-Dienste in Abgrenzung zu Social-Bookmarking-Diensten

Social-Bookmarking-Dienste wie del.icio.us machen eher der Relevanz-Bewertung der Suchmaschinen Konkurrenz als den Alert-Diensten. Alerts werden durch eine Publikation ausgelöst, die ein vorab bestimmtes Kriterium erfüllt, während Lesezeichen sehr oft retrospektiv auf längst Veröffentlichtes gesetzt werden. Beim Tagging werden statt einer automatisierten Relevanzbewertung themenbezogene Quellen intellektuell von Einzelnen ausgewählt. Anders ist es, wenn man die Postings der del.icio.us-Benutzer selbst als das prospektiv zu durchsuchende Material betrachtet. Durl benachrichtigt zum Beispiel, wenn eine bestimmte URL getaggt worden ist. Durl ist ein – wenngleich recht spezieller – "echter" Alert-Dienst, der mit den del.icio.us-Daten arbeitet. Eine andere Rolle spielen Tags übrigens dann, wenn Autoren ihre Publikationen selbst mit Tags ausstatten. Nach Tags dieser Art lässt sich durchaus prospektiv, d.h. für den Augenblick einer zukünftigen Veröffentlichung, filtern. Technorati bietet das an, macht diese Suche aber nicht per RSS o.ä. abonnierbar.

Dauerrecherchen in kommerziellen Datenbanken

Kommerzielle Datenbankanbieter bieten die Möglichkeit der Dauerrecherchen mit eigenen themenbezogenen Abfragen in auszuwählenden Datenbanken. Die Inhalte der Datenbanken sind meist Fachpublikationen, Patente etc. Die Abfragen müssen in der vom Datenbankanbieter zur Verfügung gestellten Suchsprache erstellt werden. Die Dauerrecherchen sind kostenpflichtig, bei der Abfrage können viele Parameter wie Inhalt der Ausgabe (Datenbankfelder), Laufzeit, Menge der Publikationen etc. vorgegeben werden.

Siehe auch

Literatur