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Schlacht bei Gibraltar

Schlacht bei Gibraltar
Teil von: Achtzigjähriger Krieg
Datum 25. April 1607
Ort Bucht von Gibraltar
Ausgang Sieg der Vereinigten Provinzen
Konfliktparteien
Republik der Sieben Vereinigten Niederlande Königreich Spanien
Befehlshaber
Jacob van Heemskerk Juan Alvarez d'Avila †
Truppenstärke
26 Kriegsschiffe 21 Kriegsschiffe
Verluste
mind. 100 Tote 14 Kriegesschiffe

Die Schlacht bei Gibraltar fand am 25. April 1607 während des Achtzigjährigen Krieges statt, als eine niederländischer Verband ein spanisches Geschwader in der Bucht von Gibraltar überraschte. Die Schlacht, in der zwei Drittel der spanischen Schiffe versenkt wurden, endete mit einem niederländischen Sieg.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Die Republik der Vereinigten Niederlande befand sich seit Jahrzehnten in einem Unabhängigkeitskrieg (1568–1648) gegen das Königreich Spanien. Dabei stellte es ein großes Problem dar, dass die jährlichen Handelskonvois der Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC) bei ihrer Rückkehr aus den Kolonien oft durch spanische Geschwader bedroht wurden, welche von der Küste der Iberischen Halbinsel aus operierten. Im Jahre 1607 drängte die Leitung der VOC nun dazu, die Gefahr durch diese Geschwader zu beseitigen, um den Handelsschiffen eine sicher Fahrt in die Niederlande zu ermöglichen. Es wurde deshalb eine Flotte bestehend aus 26 kleineren Kriegsschiffen und vier Tendern unter dem Kommando von Admiral Jacob van Heemskerk (1567–1607) zusammengestellt und in spanische Gewässer entsandt.[1]

Der Verband stach Anfang April 1607 in See und ankerte ab dem 10. April vor der Mündung des Flusses Tagus. Hier erfuhr er durch Spione und Informationen von neutralen Kaufleuten, dass die portugiesische Gewürzflotte in den nächsten Wochen noch nicht in See gehen würde und, dass auch keine Geleitzüge aus Übersee erwartet wurden. Allerdings erfuhr er auch, dass ein spanisches Geschwader von Kriegsschiffen in der Straße von Gibraltar lag. Dort wäre sie in der Lage alle niederländischen Handelskonvois aus der Levante, ins Mittelmeer oder aus dem südlichen Atlantik abzufangen. Heemskerk beschloss diesen spanischen Verband anzugreifen und segelte umgehend nach Gibraltar, wo er am Morgen des 25. April eintraf.[1]

In der Bucht von Gibraltar lag das spanische Geschwader unter Don Juan Alvarez d'Avila mit insgesamt 10 Galeonen und 11 Karacken und kleineren Kriegsschiffen. An Bord der Schiffe befanden sich neben den Seelauten auch 4.000 Soldaten, von denen allein 900 auf dem Flaggschiff, der San Agustin und 750 an Bord der großen Galleone Nuestra Senora de la Vega (das Schiff des spanischen Vizeadmirals) waren. Admiral Heemskerk hielt einen Kriegsrat an Bord seines Flaggschiffes, der Æolus, ab und wies sie in seine Pläne ein. Die niederländischen Schiffe waren zwar kleiner, aber seiner Ansicht nach, waren sie deshalb auch beweglicher und effektiver, während die spanischen Schiffe schwer zu manövrieren wären. Sein Plan sah vor, dass er sein Flaggschiff längsseits des spanischen Flaggschiffs legen würde, während die Tiger (Kapitän Lambert) sich auf die andere Seite legen sollte. Vizeadmiral Laurenz Alteras und Kapitän Bras sollten das gleiche Manöver gegen die Nuestra Senora de la Vega durchführen. Die übrigen niederländischen Schiffe sollten direkt hinter den Spitzenschiffen folgen. Nur einige wenige Schiffe ließ er am Ausgang der Bucht zurück, um eine Flucht von spanischen Schiffen zu verhindern. Als die Spanier die Niederländer bemerkten bereiteten sie sich umgehend auf deren Angriff vor.[1]

Schlachtverlauf

Insgesamt war der Verlauf des Kampfes sehr unübersichtlich, da er in dichtem Pulverqualm und auf engstem Raum stattfand. Trotzdem lassen sich einige Hauptlinien rekonstruieren. Um 13.00 Uhr waren die niederländischen Schiffe trotz schwachen Windes an das spanische Geschwader herangekommen und um 15.30 Uhr begann die Schlacht. Heemskerk wies seine Besatzung an, nicht eher zu feuern, als bis die Schiffe aneinander liegen würden. Um eine Kollision zu vermeiden, ließ Admiral d'Avila die Ankertaue der San Agustin kappen, sodass das Schiff hinter die anderen spanischen Schiffe abtrieb. Heemskerk verfolgte das spanische Flaggschiff dennoch weiter, bis er es eingeholt hatte. Sobald die Æolus und die Tiger am Rumpf des spanischen Flaggschiffes lagen begann der Austausch von Breitseiten und Musketenfeuer. Dabei zertrümmerte eine Kanonenkugel das linke Bein des niederländischen Admirals, der kurz darauf starb. An seiner Stelle übernahm Kapitän Verhoef das Kommando. Im weiteren Verlauf des Kampfes wurde auch Admiral d'Avila an Bord der San Agustin getötet.[1]

Unterdessen war Vizeadmiral Alteras nicht dazu gekommen die Nuestra Senora de la Vega anzugreifen, da er zunächst selbst von zwei spanischen Galeonen unter Druck gesetzt wurde. Drei andere niederländische Schiffe führten deshalb seinen Auftrag aus und kämpften die Nuestra Senora de la Vega schließlich nieder. Das spanische Schiff geriet in Brand und sank schließlich. Doch auch die niederländischen Schiffe hatten Feuer gefangen und mussten gelöscht werden. Vizeadmiral Alteras driftete während seines Kampfes mit den spanischen Galeonen in Richtung der Festung von Gibraltar ab, versenkte dabei jedoch eines der spanischen Schiffe. Das andere wurde von seiner Mannschaft schwer beschädigt auf den Strand gesetzt. Zeitgleich war auch das Schiff des Kapitäns Henry Janszoon in den Kampf verstrickt worden und hatte eine weitere spanische Galleone in Brand gesetzt.[1]

Am frühen Nachmittag explodierte schließlich die Pulverkammer einer großen spanischen Galeone, vermutlich durch den Treffer einer erhitzten Kanonenkugel in ihr Pulvermagazin. Durch die aufgewirbelten brennenden Wrackteile gerieten noch andere Schiffe in Brand, was wiederum zur Explosion von zwei weiteren Galeonen führte. Die spanischen Besatzungen gerieten zunehmend in Panik. Kurz vor Sonnenuntergang hisste auch die San Agustin die Weiße Flagge. Da sie aber im Pulverqualm nicht zu sehen war, wurde das Schiff schließlich von den Niederländern geentert und die Besatzung zum größten Teil getötet. Allgemein begann am Ende der Schlacht ein Massaker an den spanischen Überlebenden sowohl der im Wasser treibenden, als auch derer an Bord der Schiffe.[2]

Folgen

Auch am folgenden Tag blieb das niederländische Geschwader in der Bucht von Gibralter und versuchte einen Angriff auf die Festung selbst, der allerdings misslang.[3] Die niederländischen Seeleute begannen deshalb mit dem Plündern der Vororte, aus denen die Bevölkerung bereits geflohen war. Zwei niederländische Schiffe wurden wieder in die Heimathäfen geschickt. An Bord hatten sie 60 Verwundete und die Leiche des gefallenen Admirals, der in Amsterdam auf Staatskosten beigesetzt wurde. Neben diesen Verlusten geben die zeitgenössischen Quellen nur noch weitere 100 Tote, aber keine Schiffe an.[1] Diese Zahl scheint jedoch angesichts der Heftigkeit der Kämpfe stark untertrieben zu sein. Die spanischen Verluste beliefen sich auf 14 versenkte, verbrannte oder gekaperte Schiffe.[4] Unter diesen befand sich auch die San Agustin, welche, von den Niederländern aufgegeben, an den Strand trieb und dort von einigen spanischen Seeleuten verbrannt wurde.[1]

Die Niederländer verließen Gibraltar schließlich und kreuzten auf der Suche nach Prisen bei den Azoren, den Kanarischen Inseln und entlang der portugiesischen Küste, bevor sie sich wieder in die Vereinigten Provinzen begaben.[1]

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h John Lothrop Motley: History of the United Netherlands from the Death of William the Silent to the Twelve Year's Truce 1609, Bd.IV, London 1867.
  2. Angeblich hatten die Spanier zuvor niederländische Gefangene an Bord ihre Schiffe umgebracht, was die Niederländer nun in Rage versetzte. Auch sollen in den Unterlagen des spanischen Admirals Anweisungen gefunden worden sein, die schärfste Strafen gegen niederländische Seeleute vorsahen. Siehe: John Lothrop Motley: History of the United Netherlands from the Death of William the Silent to the Twelve Year's Truce 1609, Bd.IV, London 1867.
  3. Hauptmann Schwarz: Gibraltar, in: Bernhard von Poten (Hrsg.): Handbuch der gesamten Militärwissenschaften, Bd.IV, Leipzig/ Bielefeld 1878, S.116
  4. Ulrich Israel/ Jürgen Gebauer: Segelkriegsschiffe, Berlin (Ost) 1982, S.26

Literatur

Zeitgenössische Quellen
Neuere Literatur