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Schloss Jindřichův Hradec

Das Schloss Jindřichův Hradec (deutsch: Neuhaus; wörtlich übersetzt: Heinrichsburg) in der gleichnamigen Stadt Jindřichův Hradec gehört zum Okres Jindřichův Hradec in Tschechien.

Geschichte

Die ursprüngliche Burg entstand vermutlich im 10. Jahrhundert auf einem Wall über dem Fluss Nežárka. Sie wurde 1220 erstmals erwähnt und als „Novum castrum“ bezeichnet. Besitzer war Heinrich von Neuhaus (Jindřich z Hradce), der Begründer der Neuhauser Linie der Witigonen. Auf ihn geht das ab 1410 verwendete tschechische Ortsnamenattribut Jindřichův zurück.

Die ältesten Teile der Burg (Bergfried, romanisch-gotischer Palas mit der Heilig-Geist-Kapelle) wurden bis 1259 errichtet. Die deutsch beschrifteten Wandmalereien entstanden 1338. Zu sehen sind ein umfassender Zyklus zur Georgslegende sowie der Stifter Ulrich III. von Neuhaus und der Neuhauser Komtur. Auf einer Wappengalerie werden 19 adelige Herren dargestellt, die 1322–1337 an den Ordenskreuzzügen nach Preußen und Litauen teilgenommen haben.

Im 16. Jahrhundert wurde die Burg unter Joachim von Neuhaus und dessen Sohn Adam II. von Neuhaus zu einem repräsentaitiven Renaissance-Schloss umgebaut sowie um den Neuen Bau erweitert. Der spätgotische Palas wurde Teil des sogenannten Spanischen Flügels. Besonders sehenswert sind die Arkaden, die die Gebäudeteile miteinander verbinden, sowie das 1596 vollendete Rondell, das mit seinem prunkvollen Gewölbe und der vergoldeten Reliefdekoration zu den Hauptwerken der böhmischen Renaissance gehört. Der Umbau erfolgte nach Plänen der italienischen Architekten Antonio Ericer und Baldassare Maggi.

Nachdem die Herren von Neuhaus ausgestorben waren, gingen Schloss und Herrschaft 1604 in den Besitz von Wilhelm Slawata von Chlum und Koschumberg über, der seit 1602 mit Lucia Ottilia von Neuhaus-Rosenberg verheiratet war. 1688–1696 wurde im Innenhof ein Barockbrunnen errichtet.

1693 gingen Schloss und Herrschaft im Erbgang an die Herren Czernin von Chudenitz. 1773 vernichtete ein Brand weite Teile des Schlosses. Verdienste um die Wiedererrichtung und Erhaltung des Schlosses erwarb sich Eugen Czernin von Chudenitz, der 1838 den Georgszyklus wiederentdeckte. Er verlegte das Czernin-Archiv in das Neuhauser Schloss, das auch die Archive der Familien von Neuhaus und Slawata beherbergt. Es ist das zweitgrößte Adelsarchiv Böhmens.

1945 wurde die Familie Czernin enteignet. Schloss, Gut und Archiv gingen in Staatsbesitz über. 1976–1993 wurde das Schloss umfassend renoviert. Mit seiner Architektur und der wertvollen Inneneinrichtung, zu der auch eine Gemäldegalerie gehört, zählt es zu den interessantesten Besichtigungsobjekten Südböhmens.

Literatur

7Koordinaten: 49° 8′ 31″ N, 15° 0′ 5″ O