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VW Iltis

Der VW Iltis (Typ 183) ist ein Geländewagen des Herstellers Volkswagen, der von Ende der 1970er bis gegen Ende der 1990er Jahre Teil des Bundeswehr-Fuhrparks war. Vereinzelt ist er auch heute noch bei PATRIOT-Verbänden als Funk-Iltis anzutreffen. Dieses Fahrzeug löste den VW Typ 181 ab, dessen Vorläufer wiederum der DKW Munga war.

Der Iltis, bei der Bundeswehr offiziell als LKW 0,5 t tmil gl (0,5 Tonnen Zuladung, teilmilitarisiert, geländegängig) geführt, wurde als allgemeines Kleinfahrzeug in einer Reihe von Aufgaben eingesetzt, z. B. als Führungs- und Fernmeldefahrzeug, zum allgemeinen Transport von Personen, als Träger-Kfz für Panzerabwehrwaffen und zum behelfsmäßigen Verwundetentransport.

Das Planenverdeck sowie die herausnehmbaren (Planen-)Türen ermöglichen den Einsatz im offenen wie im geschlossenen Zustand. Die Sanitätsausführung wurde mit einem verlängerten Verdeck ausgeliefert, um einen liegenden Transport von Verwundeten zu ermöglichen.

Zu erwähnen ist noch, dass das Quattro-Prinzip von Audi vom Allradsystem des Iltis inspiriert wurde.

Der Iltis wurde von Volkswagen auch für den zivilen Markt produziert, erreichte jedoch wegen überhöhter Preise nie eine größere Käuferschaft.

Nach Einstellung der Produktion bei Volkswagen wurde die Fertigungsstraße an die kanadische Firma Bombardier verkauft, die den Iltis in minimal modifizierter Form u. a. für die kanadischen Streitkräfte herstellte. Die belgische Armee bezog ebenfalls den Iltis von Bombardier, jedoch wurden die belgischen Fahrzeuge mit kanadischen Teilen in Belgien montiert und sind dem deutschen Ur-Iltis in vielen Punkten ähnlicher als der kanadische.

Inhaltsverzeichnis

Karosserie

Die Karosserie war eine Weiterentwicklung des DKW Munga. Der Iltis ist ein offener Geländewagen mit folgenden Außenabmessungen:

Länge Breite Höhe
Standardausführung: 3.972 mm 1.520 mm 1.837 mm
Sanitätsausführung (verlängertes Verdeck): 4.540 mm 1.720 mm 1.855 mm

Der Radstand beträgt nur 2.017 mm, damit ist die Gefahr des Aufsetzens beim Überfahren von kleineren Hügeln sehr gering. Jedoch leidet der Fahrkomfort darunter, auf kurz aufeinanderfolgende Bodenwellen reagiert das Fahrzeug mit starken Nickbewegungen.

Das Fahrzeugleergewicht beträgt 1.340 kg.

Motor

Angetrieben wird der Iltis entweder von einem wassergekühlten Vierzylinder-Ottomotor in Reihenbauweise mit 1,7 Liter Hubraum und 55 kW (75 PS) oder von 1987 - 1988 von einem Turbodiesel mit 1,6 Liter Hubraum und 52 kW (70 PS). Das maximale Drehmoment liegt bei 140 Nm bei 3.000 U/min. Diese Diesel-Motorvariante wurde bei VW in Belgien ausschließlich für das deutsche Heer in rund 880 Einheiten gefertigt. Die parallel dazu in Belgien produzierten Iltis waren ausnahmslos Benziner.

Antrieb

Der Iltis ist mit Heckantrieb und zuschaltbarem Vorderradantrieb ausgestattet. Die Differentialsperren hinten und vorne sind manuell zuschaltbar, die vordere Achse kann jedoch nur bei zugeschaltetem Vorderachsantrieb (Allradantrieb) gesperrt werden. Das Zuschalten des Allradantriebes und der Differentialsperren kann bei Fahrt und bei jeder beliebigen Geschwindigkeit erfolgen. Das Fahrzeug verfügt über kein sonst übliches Verteilergetriebe, sondern einen im Schaltgetriebe integrierten Vorderradantrieb. Es handelt sich um ein modifiziertes Getriebe des Audi 100 mit 4+R+G (Geländegang) Gängen. Der Geländegang und der Rückwärtsgang sind nicht synchronisiert. Des weiteren kann der Geländegang nur bei zugeschaltetem Vorderachsantrieb (Allradantrieb) eingelegt werden.

Fahrleistungen

Der VW Iltis beschleunigt in 21 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h. Die geringen Fahrleistungen sind nicht zuletzt auf das relativ hohe Fahrzeuggewicht zurückzuführen.

Aufgrund des hohen Fahrzeugschwerpunktes und der in der Bundeswehrversion üblichen Bereifung neigt das Fahrzeug dazu, in engen Kurven zu rutschen oder zu kippen. Aus diesem Grund empfiehlt die Bundeswehr ihren Fahrern, das Fahrzeug nur mit zugeschaltetem Vorderachsantrieb (Allradantrieb) zu fahren.

Sonstiges

Der VW Iltis wurde nicht bei Volkswagen in Wolfsburg, sondern bei der Volkswagen-Tochter Audi in Ingolstadt entwickelt und unter anderem auch dort produziert. Vor seiner Markteinführung wurde ein Iltis-Prototyp zusammen mit Limousinen aus dem Hause Audi unter winterlichen Verhältnissen in Skandinavien bei Fahrzeugtests als Begleitfahrzeug eingesetzt.

Jörg Bensinger, damaliger Testleiter und gedanklicher Vater des Audi Quattro fuhr den Iltis bei diesen Tests und legte danach dem damaligen Vorstand der Fahrzeugentwicklungsabteilung von Audi, Ferdinand Piëch nahe, ein allradangetriebenes Straßenfahrzeug zu bauen.

Eine Besonderheit des bei der Bundeswehr eingesetzten Iltis ist sein Bordnetz von 24 Volt. Damit verbunden sind vereinzelt hohe Preise für Ersatzteile wie Anlasser oder Zündsystem. Vor dem Montageplatz der Batterien unter den Rücksitzen ist ein Abdeckblech angebracht, dieses wird als Schwallblech bei Gewässerdurchfahrten vor den Kühlergrill gesteckt.

Versionenvergleich zwischen Bombardier und Volkswagen

Die Unterschiede vom frühen deutschen Modell zum belgischen: (manche Details wurden beim in Belgien gebauten Turbodiesel übernommen)

Motorsport

1980 erzielten alle vier bei der zweiten Rallye Oasis (der heutigen Rallye Dakar) gestarteten VW Iltis sensationelle Platzierungen. Den ersten Platz belegte das Team Kottulinsky/Löffelmann, deren Siegerfahrzeug mit der Startnummer 137 im Originalzustand im Automuseum Wolfsburg ausgestellt ist. Die anderen drei Mannschaften belegten die Plätze 2, 4 und 9. Diese Ergebnisse sind auch deshalb besonders erwähnenswert, da es sich weitestgehend um Serienfahrzeuge handelte.

Literatur

 Commons: VW Iltis – Bilder, Videos und Audiodateien