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Frauenfußball in Deutschland

Frauenfußball ist auch in Deutschland eine der am schnellsten wachsenden Sportarten. Nicht zuletzt dank der Erfolge der Nationalmannschaft und der Vereinsmannschaften hat sich der deutsche Frauenfußball von einer belächelten Randsportart zu einem gesellschaftlich akzeptierten Sport gemausert.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Anfänge

In Deutschland spielten Frauen um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert eine Art Fußball, bei dem sie sich im Kreis stehend den Ball gegenseitig zukickten. Das Spiel galt jedoch als moralisch verwerflich.

Als der Frauenfußball in anderen europäischen Ländern in den 1920er Jahren einen ersten Höhepunkt erreichte, wurde der Sport in Deutschland verboten. Turnvereine akzeptierten keine Frauen, weshalb sportbegeisterte Frauen anfingen, sich in eigenen Vereinen zu organisieren. In den 1920er Jahren spielten auch die deutschen Frauen Fußball. Das „Sportgirl“ kam in Mode, wurde jedoch stehenden Fußes von Gynäkologen zurückgepfiffen, die vor der drohenden Vermännlichung der Sportlerinnen und der Ablenkung von ihrer eigentlichen Bestimmung, der Mutterschaft, warnten.

Als das deutsche Männerteam 1954 die Fußball-Weltmeisterschaft gewann, kam die Diskussion um den Fußball der Frauen erneut auf. 1955 kam es in Essen zu einem Länderspiel zwischen einer deutschen und einer niederländischen Auswahl. Die Partie endete mit einem 2:2-Unentschieden.

1955 beschloss der DFB auf seinem Verbandstag das Fussballspielen mit Damenschaften zu verbieten. In der damaligen Begründung hieß es: „... dass diese Kampfsportart der Natur des Weibes im wesentlichen fremd ist.“, „... Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden...“, das „Zuschaustellen des Körpers verletzte Schicklichkeit und Anstand...“). Am 30. Juli 1955 kam es dabei zu einem Zwischenfall, als der niederrheinische Fußballverband beim Spiel zwischen DFC Duisburg-Hamborn und Gruga Essen den Sportplatz zwangsweise räumen ließ. In den Sechziger Jahren wurde über die Gründung eines Frauenfußballverbandes diskutiert. Zu einer Gründung kam es allerdings nicht.

Die Siebziger Jahre: Neuanfang und deutsche Meisterschaft

Bereits Ende der sechziger Jahre bildeten sich in der Bundesrepublik Frauenmannschaften innerhalb der dem DFB anschlossenen Vereine. Am 30. Oktober 1970 hob der DFB auf seinem Verbandstag in Travemünde das Frauenfußballverbot wieder auf. Es gab jedoch einige Auflagen: So mussten die Frauenteams wegen ihrer "schwächeren Natur" eine halbjährige Winterpause einhalten, Stollenschuhe waren verboten und die Bälle waren kleiner und leichter. Das Spiel selbst dauerte nur 70 Minuten. Später wurde die Spielzeit auf 80 Minuten erhöht.

Schnell bildeten sich erste Ligen auf lokaler Ebene. In Berlin wurde 1971 der erste Verbandsmeister ermittelt. Sieger wurde Tennis Borussia Berlin. Die anderen Landesverbände zogen schnell nach und schon 1973 wurde die erste, wenn auch inoffizielle deutsche Meisterschaft ausgespielt. Inoffiziell, weil nicht jeder Landesverband einen Meister ermittelt hat. Ein Jahr später war es dann endlich soweit: Am 8. September 1974 standen sich in Mainz die Mannschaften vom TuS Wörrstadt und DJK Eintracht Erle gegenüber. Vor 3.800 Zuschauern gewann Wörrstadt mit 4:0 und durfte sich als erster deutscher Frauenfußballmeister feiern lassen. Bärbel Wohllebens Treffer zum 3:0 wird von den Zuschauern der ARD-Sportschau zum Tor des Monats gewählt.

1977 ernannte der DFB Hannelore Ratzeburg zur Referentin für den Frauenfußball. Auf ihre Initiative hin wurden mit dem Länderpokal und dem DFB-Pokal neue Wettbewerbe eingeführt. Zwei Jahre später begann die große Ära der SSG 09 Bergisch Gladbach, die auch heute noch deutscher Rekordmeister im Frauenfußball ist.

Die Achtziger Jahre: Länderspiele und der große Durchbruch

1981 wurde erstmals ein deutscher Pokalsieger ermittelt. Das Finalspiel findet grundsätzlich unmittelbar vor dem Männerfinale statt. So bietet sich für die Frauenmannschaften die Möglichkeit, sich vor einem großen Publikum zu präsentieren. Erster Pokalsieger wurde die SSG 09 Bergisch Gladbach durch einen 5:0-Sieg über den TuS Wörrstadt.

Am 10. November 1982 fand das erste offizielle Länderspiel der Frauen-Nationalmannschaft statt. Gegner war traditionsgemäß die Schweiz. Die deutsche Auswahl, die von Gero Bisanz trainiert wurde, gewann das Spiel in Koblenz mit 5:1. Doris Kresimon erzielte dabei das erste Tor. Im gleichen Spiel wurde die damals 18jährige Silvia Neid eingewechselt und erzielte zwei Tore. Über 20 Jahre später sollte sie selber Nationaltrainerin werden. Bei den ersten zwei Europameisterschaften kam die deutsche Auswahl nicht über die Qualifikation hinaus.

Im Vereinsfußball kristallisierten sich das Rheinland und Hessen als Hochburgen hinaus. Neben der SSG 09 Bergisch Gladbach tauchte Mitte der Achtziger Jahre der KBC Duisburg und der FSV Frankfurt in der Spitzengruppe auf. Nebenbei machte sich ein Leistungsgefälle zwischen den Verbänden, aber auch innerhalb der Verbände bemerkbar. Die o.g. Spitzenvereine wurden in ihren Verbandsligen kaum bis wenig gefordert. Andere Vereine waren für ihre Verbandsligen zu stark, aber auf Bundesebene zu schwach. Um das sportliche Niveau zu erhöhen führte der Westdeutsche Fußballverband 1985 mit der Regionalliga West die erste verbandsübergreifende Spielklasse ein. Norddeutschland zog ein Jahr später mit der Oberliga Nord nach. 1986 fasste der DFB auf seinem Verbandstag in Bremen den Entschluss, eine Bundesliga im Frauenfußball einzuführen. Es sollten jedoch noch einige Jahre vergehen, bis diese Liga Wirklichkeit wurde. Ende der 1980er Jahre begann die Ära des TSV Siegen, der bis Mitte der Neunziger Jahre Titel in Serie sammeln sollte.

1988 schaffte die deutsche Nationalmannschaft erstmals die Qualifikation für die Europameisterschaft. Der DFB bewarb sich erfolgreich um die Ausrichtung des Finalturniers 1989. Im Halbfinale wurde Italien nach Elfmeterschießen ausgeschaltet. Dieses Spiel war das erste Frauenspiel, welches im deutschen Fernsehen live übertragen wurde. Am 2. Juli 1989 stand die deutsche Mannschaft in Osnabrück der favorisierten Mannschaft aus Norwegen gegenüber. 23.000 Zuschauer sorgten für ein ausverkauftes Stadion. Durch einen 4:1-Sieg holte die deutsche Auswahl zum ersten Mal die Europameisterschaft. Dieser Erfolg bedeutete den großen Durchbruch für den deutschen Frauenfußball, der zu dieser Zeit immer noch vielfach belächelt wurde. Kurios: Als "Siegprämie" erhielt jede Nationalspielerin ein Kaffeeservice.

Die Neunziger Jahre: Durch die Bundesliga an die Weltspitze

Nach dem Erfolg bei der Europameisterschaft 1989 gab der DFB grünes Licht für die Gründung der Bundesliga. 1990 nahmen 20 Mannschaften, eingeteilt in zwei Gruppen, den Spielbetrieb auf. Während es auf der einen Seite relativ professionell arbeitende Vereine wie den TSV Siegen oder den FSV Frankfurt gab so gab es auch andere Vereine, die teilweise nur zweimal in der Woche trainierten. Schnell trennte sich die Spreu vom Weizen, was allerdings auch zur Folge hatte, das die Pioniervereine wie Bergisch Gladbach und Duisburg nicht mehr mithalten konnten und in der Versenkung verschwanden. Dafür mischten Emporkömmlinge wie Grün-Weiß Brauweiler, der FC Rumeln-Kaldenhausen oder die SG Praunheim (heute: 1.FFC Frankfurt) die Liga auf. Dennoch waren die Leistungsunterschiede immer noch zu groß, so dass der DFB die Bundesliga 1997 auf eine eingleisige Staffel mit zwölf Vereinen verkleinerte. Durch die Verkleinerung bzw. dessen Folgen verschwanden Traditionsvereine wie Fortuna Sachsenroß Hannover oder der SC Klinge Seckach von der Bildfläche. Dennoch war eine Leistungssteigerung nicht zu übersehen und auch der (zeitliche) Trainingsaufwand für die Spielerinnen wurde immer größer.

Die Nationalmannschaft sammelte in den 1990er Jahren fleißig Titel. Der Europameistertitel wurde 1991 verteidigt und bei der erstmals ausgespielten Frauenfußball-Weltmeisterschaft belegte die Mannschaft einen respektablen vierten Platz. 1993 war bei der Europameisterschaft bereits nach dem Halbfinale Endstation. Zwei Jahre später wurde die Mannschaft nach einem packenden 3:2-Sieg in Kaiserslautern über Schweden zum dritten Mal Europameister. Bei der Weltmeisterschaft in Schweden erreichte die Mannschaft das Finale, musste sich aber Norwegen mit 2:0 geschlagen geben. 1996 war Frauenfußball zum ersten Mal olympische Sportart. Die deutsche Auswahl schied unglücklich nach der Vorrunde aus. Nach dem Turnier übergab Gero Bisanz das Traineramt an seine langjährige Assistentin Tina Theune-Meyer.

Bereits ein Jahr später feierte Theune-Meyer mit der Mannschaft die vierte Europameisterschaft durch einen 2:0-Sieg über Italien. 1999 fand die dritte Weltmeisterschaft in den USA statt. Im Viertelfinale musste die deutsche Auswahl gegen den Gastgeber und späteren Weltmeister bereits die Segel streichen. Ein Jahr später holte die deutsche Mannschaft die erste olympische Medaille. Durch einen 2:0-Sieg über Brasilien gewann das Team Bronze. Für den DFB war es die erste olympische Medaille seit 1988.

Ende der 1990er Jahre war Frauenfußball in Deutschland zwar immer noch eine Randsportart, dennoch wuchs die Akzeptanz ebenso wie die Zuschauerzahlen langsam, aber stetig. Auch die Medien räumten den Frauenfußball mehr Raum ein: ARD und ZDF übertragen zum Beispiel seit Mitte der 1990er Jahre das Finale des DFB-Pokals live.

Das 21. Jahrhundert: Weltmeister und Boomsport

Im Jahre 2001 wurde wieder eine Europameisterschaft in Deutschland ausgetragen. Die deutsche Mannschaft erreichte das Finale, welches in Ulm ausgetragen wurde. Gegner war der Erzrivale Schweden. Bei strömenden Regen erzwangen die Skandinavierinnen eine Verlängerung. Claudia Müller erzielte per Golden Goal den Siegtreffer für Deutschland. Ihr Torjubel (sie zog sich das Trikot über den Kopf) brachte sie auf die Titelseite der Bild-Zeitung. „So schön kann Fußball sein!“ titelte das Boulevardblatt.

Ebenfalls 2001 wurde erstmals ein Europapokalwettbewerb für Vereinsmannschaften, der UEFA Women’s Cup ausgespielt. Erster Titelträger war der 1.FFC Frankfurt durch einen 2:0-Sieg über den schwedischen Meister Umeå IK. In der Bundesliga dominierten die Frankfurter die ersten Jahre des 21. Jahrhunderts. Mit dem 1.FFC Turbine Potsdam wuchs allerdings ein ernstzunehmender Rivale heran. Beide Vereine gehören mit dem FCR 2001 Duisburg und zuletzt auch dem SC 07 Bad Neuenahr und SG Essen-Schönebeck zu den stärksten deutschen Vereinsmannschaften.

2003 fand die vierte Weltmeisterschaft in den USA statt. Die deutsche Auswahl nahm im Halbfinale erfolgreich Revanche an den USA und zog zum zweiten Mal ins Finale ein. Gegner war wieder einmal die Auswahl Schwedens. Die schwedische Mannschaft ging in Führung, die deutsche Mannschaft schaffte aber den Ausgleich. Das Spiel ging in die Verlängerung. Nach einem Freistoß von Renate Lingor erzielte Nia Künzer per Kopfball das entscheidende Tor. Dieses Tor wurde später zum Tor des Jahres gewählt. Somit wurde Deutschland das erste Land, das sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen die Weltmeisterschaft gewinnen konnte. Bei der Heimkehr wurde die Mannschaft vor zehntausenden begeisterten Fans am Frankfurter Römer gefeiert.

Ein Jahr später holte die deutsche Auswahl zum zweiten Mal die Bronze-Medaille bei den Olympischen Spielen. 2005 gewann die deutsche Mannschaft zum vierten Mal in Folge und zum sechsten Mal überhaupt die Europameisterschaft. Beim Turnier in England wurde im Finale die norwegische Auswahl mit 3:1 geschlagen. Es war das letzte Turnier für Tina Theune-Meyer, die das Traineramt an ihre bisherige Assistentin Silvia Neid übergab. Unter Neid gewann die deutsche Mannschaft den prestigeträchtigen Algarve-Cup und qualifizierte sich für die Weltmeisterschaft 2007. Für die erfolgreiche Qualifikation bekam die Mannschaft eine Prämie in Höhe von 200.000 Euro.

2005 konnte der 1.FFC Turbine Potsdam als zweite deutsche Mannschaft den UEFA Women’s Cup gewinnen. Ein Jahr später standen sich die „Torbienen“ und der 1.FFC Frankfurt im Finale gegenüber. Zum ersten Mal standen damit zwei Mannschaften aus dem gleichen Land im Finale. Frankfurt gewann durch zwei Siege den Pokal. Das Rückspiel in Frankfurt fand vor ca. 13.000 Zuschauern statt und bedeutete einen neuen Europarekord für Vereinsspiele. Das Rückspiel wurde live im ZDF übertragen. Seit 2006 zeigt die ARD im Rahmen der Sportschau in unregelmäßigen Abständen Zusammenfassungen der Bundesliga-Topspiele.

Am 24. Mai 2008 fand das UEFA Women´s Cup Spitzenspiel zwischen dem 1.FFC Frankfurt und Umeå IK statt. Beide Vereine hatte die Chance sich mit einem Sieg an die Spitze des europäischen Frauenfußballs zu setzten. Der 1.FFC Frankfurt gewann das Spiel mit 3:2 durch hervorragenden Leistungen von Conny Pohlers. Durch den Sieg ist der 1.FFC Frankfurt mit 3 UEFA Women´s Cup Siegen der erfolgreichste Frauenfußballclub in Europa.

Am selben Tag wurde der Zuschauerrekord im deutschen Frauenvereinsfußball (22000), sowie der europäische Rekord im Frauenvereinsfußball (24560) auf 27460 Zuschauer geschraubt.

Die Weltmeisterschaft 2011 findet in Deutschland statt.

Wettbewerbe

Deutsche Meisterschaft

Wichtigster Wettbewerb ist die 1990 gegründete Bundesliga. Zunächst bestand die Liga aus zwei Gruppen zu je zehn Vereinen. Seit 1997 besteht die Liga aus einer Gruppe mit zwölf Mannschaften. Der deutsche Meister qualifiziert sich für den UEFA Women’s Cup, dem Europapokalwettbewerb. Die zwei letztplatzierten Mannschaften müssen in die 2004 gegründete 2. Bundesliga absteigen. Die zweite Liga besteht aus zwei Gruppen zu je zwölf Mannschaften. Im Gegensatz zur 2. Bundesliga der Männer dürfen bei den Frauen auch die zweiten Mannschaften der Bundesligisten mitwirken. Unter der 2. Bundesliga existieren fünf Regionalligen.

Die deutsche Ligenpyramide sieht wie folgt aus:

Stufe Liga
1 1. Bundesliga
12 Vereine
2 2. Bundesliga Nord
12 Vereine
2. Bundesliga Süd
12 Vereine
3 Regionalliga Nord
12 Vereine
Regionalliga Nordost
12 Vereine
Regionalliga West
12 Vereine
Regionalliga Südwest
12 Vereine
Regionalliga Süd
10 Vereine
4 Niedersachsenliga Ost
Niedersachsenliga West
Verbandsliga Bremen
Verbandsliga Hamburg
Verbandsliga Schleswig-Holstein
Landesliga Sachsen
Landesliga Thüringen
Verbandsliga Berlin
Verbandsliga Brandenburg
Verbandsliga Mecklenburg-Vorpommern
Verbandsliga Sachsen-Anhalt
Verbandsliga Mittelrhein
Verbandsliga Niederrhein
Verbandsliga Westfalen
Verbandsliga Rheinland
Verbandsliga Saarland
Verbandsliga Südwest
Bayernliga
Oberliga Baden-Württemberg
Oberliga Hessen

Pokal

Seit 1980 wird der DFB-Pokal der Frauen ausgespielt. Bis zur Einführung der Bundesliga spielten die Pokalsieger der 16 Landesverbände den Pokalsieger aus. Nach Einführung der Bundesliga waren die Erstligavereine automatisch qualifiziert und mussten sich nicht mehr über den Landespokal qualifizieren. Gleiches gilt für die Vereine der 2. Bundesliga mit der Ausnahme, das zweite Mannschaften nicht am DFB-Pokal teilnehmen dürfen.

Das Finale findet traditionell im Berliner Olympiastadion, unmittelbar vor dem Finale der Männer statt. Seit Mitte der Neunziger Jahre übertragen ARD und ZDF das Finale live. Rekordsieger mit sechs Pokalsiegen ist der 1.FFC Frankfurt.

DFB-Hallenpokal

Der DFB-Hallenpokal der Frauen wurde erstmals 1994 ausgetragen. Seit dem Jahr 2000 findet das Turnier, an dem alle zwölf Mannschaften der Bundesliga teilnehmen, in Bonn statt. Während der Männerwettbewerb 2001 eingestellt wurde, erfreut sich der Frauenwettbewerb großer Beliebtheit. Die Karten für die Veranstaltung werden in der Regel komplett im Vorverkauf abgesetzt. Der Westdeutsche Rundfunk überträgt die Veranstaltung ab dem Viertelfinale live in seinem dritten Fernsehprogramm. Rekordsieger ist der 1.FFC Frankfurt mit sechs Turniersiegen.

Vereine

Die Frauenfußball betreibenden Vereine lassen sich grob in drei Gruppen einteilen. Zum einen gibt es Mehrspartenvereine, wo die Frauenfußballabteilungen neben anderen Sportarten koexistieren. Bis in die 1990er Jahre hinein kamen diese Vereine vorwiegend aus kleinen Städten oder gar Dörfern. So kommt der TuS Niederkirchen (Deutscher Meister 1993) aus einer Gemeinde mit 2.000 Einwohnern. In den letzten Jahren sind viele dieser Vereine in untere Klassen verschwunden, da sie sportlich und finanziell nicht mehr mithalten konnten. Heute kommen die Mehrspartenvereine eher aus großen und mittelgroßen Städten. Beispiele hierfür sind die SG Essen-Schönebeck oder der VfL Sindelfingen.

Die zweite große Gruppe umfasst Vereine, die vorwiegend durch den Männerfußball bekannt sind. In der laufenden Bundesligasaison gibt es mit dem Hamburger SV, Bayern München und dem VfL Wolfsburg drei Vereine, die sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen in der ersten Liga spielen. Darüber hinaus findet man in der ersten und zweiten Liga bekannte Namen wie den SC Freiburg, den Karlsruher SC oder den 1.FC Lokomotive Leipzig. Die meisten dieser Vereine subventionieren die Frauenfußballabteilungen mit finanziellen Mitteln. Teilweise sind die Frauen aber auf sich alleine gestellt und müssen sich selber finanzieren. In der Regel haben die Frauenfußballabteilungen dieser Vereine einen eigenen Internetauftritt.

Ende der 1990er Jahre kam mit den reinen Frauenfußballvereinen die dritte große Gruppe hinzu. Den Anfang machte 1998 der FFC Heike Rheine, die sich aus der Frauenfußballabteilung des FC Eintracht Rheine gründete. In vielen Fällen wurde auch der Ort im Vereinsnamen ausgetauscht. So wurde zum Beispiel aus dem Stadtteilclub FC Rumeln-Kaldenhausen der FCR Duisburg oder aus der SG Praunheim der 1.FFC Frankfurt. Durch die Verselbständigung der Vereine und die Änderung des Ortsnamens wollen die Clubs den Mief des Provinziellen ablegen und bessere Vermarktungsmöglichkeiten erschließen. Eine Ausnahme von dieser Regel bildet der FFC Brauweiler Pulheim, der trotz seiner Erfolge als Grün-Weiß Brauweiler im Verein nur geduldet war.

Die erfolgreichsten deutschen Vereine

Erfolgreichster deutscher Verein ist der 1. FFC Frankfurt mit 21 nationalen und internationalen Titeln. Bei der Aufstellung der Tabelle werden auch Erfolge in der ehemaligen DDR berücksichtigt.

Rang Verein Titelgewinne UEFA Women's Cup Meisterschaft DFB-Pokal DFB-Hallenpokal DDR-Meisterschaft DDR-Pokalsieg
1 1. FFC Frankfurt 21 3 6 6 6
2 1. FFC Turbine Potsdam 14 1 2 3 2 6
3 SSG 09 Bergisch Gladbach 12 9 3
Sportfreunde Siegen 12 6 5 1
5 FSV Frankfurt 9 3 5 1
6 FC Erzgebirge Aue 5 2 3
FFC Brauweiler Pulheim 5 1 3 1


Nationalmannschaft

siehe Hauptartikel: Deutsche Fußballnationalmannschaft der Frauen

Teilnahme an Frauenfußball-Weltmeisterschaften

Jahr Gastgeber Ergebnis S U N Tore
1991 China Platz 4 4 0 2 13:10
1995 Schweden Vize-Weltmeister 4 0 2 13:6
1999 USA Viertelfinale 1 2 1 12:7
2003 USA Weltmeister 6 0 0 25:4
2007 China Weltmeister 5 1 0 21:0

Teilnahme an Frauenfußball-Europameisterschaften

Jahr Gastgeber Ergebnis S U N Tore
1984 Schweden/England Qualifikation
1987 Norwegen Qualifikation
1989 Deutschland Europameister 3 0 0 8:3
1991 Dänemark Europameister 4 0 0 12:2
1993 Italien Platz 4 1 1 1 8:1
1995 Deutschland Europameister 5 0 0 14:4
1997 Norwegen Europameister 3 2 0 6:1
2001 Deutschland Europameister 5 0 0 13:1
2005 England Europameister 5 0 0 15:2
2009 Finnland - - - - -

Nachwuchsarbeit

Der Gewinn der Weltmeisterschaft 2003 löste einen regelgerechten Boom im Frauen- und Mädchenfußball aus. Alleine in der Saison 2005/06 waren 60% der neuen DFB-Mitglieder weiblichen Geschlechtes.

Bis zum 12., manchmal auch bis zum 14. Lebensjahr dürfen Jungen und Mädchen in gemischten Mannschaften spielen. Danach müssen sich die Spielerinnen Mädchenmannschaften anschließen. Dieser Übergang wird vielfach kritisch angesehen. Maren Meinert (Bundestrainerin der U-19-Nationalmannschaft): „In den gemischten Mannschaften sind die Mädchen ein gewisses Niveau gewöhnt. Kommen die Spielerinnen dann in reine Mädchenmannschaften sind viele vom Niveauabfall schockiert. Nicht wenige hören deswegen auf.“ Im Bereich der B-Juniorinnen gibt es nur in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen eine verbandsübergreifende Liga.

Große Vereine wie z.B. der 1.FFC Turbine Potsdam haben ihre Konsequenzen hieraus gezogen und gehen eigene Wege. Die B-Juniorinnen des Vereins spielen seit 2005 in der C-Junioren Kreisliga Havelland ausschließlich gegen Jungenmannschaften. In der ersten Saison belegte die Mannschaft den zweiten Platz und konnten dabei teilweise zweistellige Siege einfahren. Ebenso spielen die Mädchenmannschaften des 1. FFC Frankfurt in der Kreisliga Hochtaunus gegen Jungenmannschaften.

Der DFB unterhält vier Nationalmannschaften im weiblichen Nachwuchsbereich. Am erfolgreichsten ist die U-19-Nationalmannschaft, die bisher einmal Weltmeister und viermal Europameister wurde. Trainiert wird die Mannschaft von den ehemaligen Nationalspielerinnen Maren Meinert und Bettina Wiegmann.

Die U-23 und die U-17-Nationalmannschaft nehmen am Nordic Cup, der inoffiziellen Europameisterschaft der jeweiligen Altersklasse, teil.

Die U-15-Nationalmannschaft trägt nur Freundschaftsspiele aus. Im Herbst 2006 nahmen die U-15-Juniorinnen am U-20-Länderpokal teil. Dabei düpierte die Mannschaft die teilweise vier Jahre ältere Konkurrenz und wurde punktbeste Mannschaft.

Finanzen

Auch heute noch ist Frauenfußball in Deutschland reiner Amateursport. Die Etats der Bundesligavereine bewegen sich zwischen 150.000 und 325.000 Euro. Die Spitzenvereine wie der 1.FFC Frankfurt (700.000 Euro) und der 1.FFC Turbine Potsdam (500.000 Euro) brechen nach oben aus, da zu ihren Sponsorenkreis renommierte Unternehmen wie die Commerzbank, die Volksfürsorge (beide Frankfurt) bzw. Chevrolet (Potsdam) gehören.

Aufgrund der begrenzten finanziellen Mittel reisen die Vereine per Bus zu den Auswärtsspielen. Selbst bei großen Entfernungen wie zwischen Hamburg und Freiburg wird auf eine Übernachtung verzichtet; die Spielerinnen schlafen während der Fahrt im Bus. Zum Vergleich: Einige Vereine der Männer-Oberliga Nord übernachten bei einigen Auswärtsspielen am Spielort.

In der laufenden Bundesligasaison gehen ungefähr die Hälfte aller Spielerinnen entweder zur Schule oder sind Studentinnen. Die andere Hälfte geht einer regulären Arbeit nach um den Lebensunterhalt zu finanzieren. Einige Nationalspielerinnen wie z.B. Inka Grings, Conny Pohlers oder Silke Rottenberg sind von Beruf Zeitsoldat. Lediglich Steffi Jones kann dank lukrativer Werbeverträge vom Fußball leben.

Besondere Spiele

2006 fand in Teheran das erste Frauenfußballspiel der Iranischen Nationalmannschaft in einem Stadion seit der Revolution 1979 statt. Gegner war das Frauenteam des Berliner Vereins BSV Al-Dersimspor (homepage: [1]). Das Ergebnis des Spiels war 2:2. Ein Rückspiel war für 2007 in Berlin geplant (Kreuzberg vs. Iran II), ist aber ausgefallen (Iranischer Fußball zu technisch?).