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TKS-Raumschiff

Das TKS (Abkürzung für russisch Транспортный корабль снабжения/ Transportny Korabl Snabschenija, übersetzt Transportschiff für Versorgungszwecke; GRAU-Index 11F72) wurde ab 1969 von der Sowjetunion als bemanntes, schweres Zubringerraumschiff für Saljut-Raumstationen konstruiert. Es wog vollbeladen 20 Tonnen, hatte eine Länge von 17,51 Metern, einen maximalen Durchmesser von 4,15 Metern und mit ausgefahrenen Solarzellen eine Breite von 17 Metern.

TKS bestand aus der Orbitalsektion FGB (Funktionalno-grusowoj Block; GRAU-Index 11F77) und der abtrennbaren Rückkehrkapsel WA (Woswraschajemyj Apparat; GRAU-Index 11F74). Die wiederverwendbare (für mehrfache Einsätze ausgelegte) Rückkehrkapsel WA konnte eine Besatzung von drei Mann aufnehmen, verfügte für Notfälle über einen Rettungsturm und ähnelte mit ihrer kegelförmigen Form der amerikanischen Apollo-Kommandokapsel.

Neben der Besatzung konnte das TKS 12,6 Tonnen Nutzlast mit in den Orbit nehmen. Als Startrakete war die Proton-K vorgesehen.

Von 1976 bis 1979 wurden zunächst die Rückkehrkapsel bei verschiedenen Flügen getestet. Am 15. Dezember 1976 erfolgte der erste Start, bei dem eine Proton-Rakete zwei WA-Kapseln, getarnt als Kosmos 881 und 882, in den Orbit trug. Dieser Start diente dem Test des Wiedereintritts und der Landung, wobei zwei Kapseln gleichzeitig gestartet wurden, um die Datenausbeute zu erhöhen und die Nutzlastkapazität der Proton besser auszuschöpfen. Die Kapseln wurden übereinander angeordnet, so dass nur die obere Kapsel über einen Rettungsturm verfügte. Weitere ähnliche Starts folgten am 4. August 1977 (Fehlstart), 30. März 1978 (Kosmos 997 und 998, erfolgreich), 20. April 1979 (Triebwerke der Proton schalteten sich kurz nach der Zündung ab, die Rakete blieb unbeschädigt, das Rettungssystem wurde jedoch ausgelöst und brachte die obere Landekapsel weg von der Rakete) und am 22. Mai 1979 (Kosmos 1100 und 1101, erfolgreich).

TKS 1 wurde am 17. Juli 1977 unbemannt als Kosmos 929 gestartet, ohne jedoch eine Raumstation anzufliegen. Nach Tests und mehreren orbitalen Manövern wurde die Rückkehrkapsel abgetrennt und anschließend am 17. August 1977 zurück zur Erde gebracht.

TKS 2 wurde am 25. April 1981 unbemannt als Kosmos 1267 gestartet und koppelte am 19. Juni 1981 an die Raumstation Saljut 6. Die Rückkehrkapsel kehrte schon am 24. Mai 1981 zur Erde zurück.

TKS 3 wurde am 2. März 1983 unbemannt als Kosmos 1443 mit 4 Tonnen Treibstoff und 2,7 Tonnen sonstiger Nutzlast gestartet und koppelte 2 Tage später mit der Raumstation Saljut 7. Am 14. August löste sich das Raumschiff von der Station und die Landekapsel brachte am 23. August 1983 350 kg Fracht von Saljut 7 zurück zur Erde.

TKS 4 sollte der erste bemannte Flug werden, aber Schwierigkeiten mit der Raumstation Saljut 7 oder politische Gründe verhinderten dies. Nach dem Ende des TKS-Programms für bemannte Missionen baute man das Landesystem, die Sitze und die Bordkontrollen für die Besatzung aus, und versah das Raumschiff statt dessen mit Foto-Aufklärungs-Ausrüstung des Verteidigungsministeriums, um als Raumstationsmodul an der Saljut 7 Raumstation verwendet zu werden. TKS 4 wurde schließlich unbemannt am 27. September 1985 als Kosmos 1686 gestartet und dockte an die Raumstation Saljut 7. Es blieb bis zum Verglühen der Raumstation in der Erdamtmosphäre am 5. Februar 1991 mit dieser verbunden und diente militärischen Experimenten.

TKS 5 und 6 wurden schließlich überarbeitet und für andere Aufgaben eingesetzt. Das FGB-Modul des TKS 5 beförderte 1987 das Modul Kwant zur Raumstation Mir und das FGB-Modul des TKS 6 wurde bei dem Technologie-Prototyp für Systeme der Raketenabwehr Poljus, der am 15. Mai 1987 mit der ersten Energija-Rakete gestartet wurde, verwendet.

Später diente die Technologie der TKS-Raumschiffe als Grundlage für die Konstruktion der meisten Module der Raumstation Mir sowie der Module Sarja und Multipurpose Laboratory Module der ISS.

 Commons: TKS-Raumschiff – Bilder, Videos und Audiodateien