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Ufologie

Ufologie bezeichnet im allgemeinen die Bemühungen diverser UFO-Organisationen und Einzelforscher in vielen Ländern, vor allem den USA, Großbritannien und Frankreich – seit den späten 1970er Jahren in vergleichsweise begrenztem Umfang auch in Deutschland –, die seit 1947 ins öffentliche Bewusstsein gerückten UFO-Meldungen zu recherchieren, um diejenigen Sichtungen, die nicht auf Missinterpretationen natürlicher oder konventioneller Objekte oder mutwilligen Fabrikationen beruhen, einer wissenschaftlichen Untersuchung und Erklärung zugänglich zu machen.

Von dieser grenzwissenschaftlichen Tätigkeit ist der religiöse Ufoglaube zu unterscheiden.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte (USA)

Der Begriff UFO sollte den umgangssprachlichen Ausdruck Fliegende Untertasse (engl. flying saucer) ersetzen. Dessen Ursprung war ein Zeitungsinterview nach einer Schlagzeilen machenden Sichtung am 24. Juni 1947, in dem der US-amerikanische Pilot Kenneth Arnold das Bewegungsmuster der von ihm gesichteten Flugobjekte mit den Worten beschrieb: „Die Dinger flogen wie Untertassen, wenn man sie flach übers Wasser springen lässt“. Diese Äußerung verkürzte ein Journalist zu dem Begriff „Fliegende Untertasse“. Der Geheimdienst der US-Luftwaffe (damals noch "Luftstreitkräfte der US-Armee") übernahm diesen Ausdruck zunächst, wechselte jedoch 1951 zum Begriff UFO. Urheber der Umbenennung der "Fliegenden Untertasse" in "UFO" war damals Captain Edward J. Ruppelt, der von 1951 bis 1953 Leiter einer UFO-Untersuchungskommission der US-Luftwaffe mit dem Namen Project Blue Book, dem Nachfolger des Projektes Grudge, gewesen war. Allerdings heißt "UFO" zudem "Unidentified Flying Objekt", also zunächst einmal "nicht identifiziertes fliegendes Objekt" – in heutigen Zeiten können dies neben identifizierten Rundflugzeugen auch "Drohnen" sein, unbemannte Flugobjekte jedweder Größe.

Untersuchungskommissionen der US Air Force (1947–1969)

Schon im Zweiten Weltkrieg hatte es durch amerikanische Militärpiloten UFO-Sichtungen gegeben, die sie "Foo-Fighter" oder "Kraut-Feuerbälle" nannten. Angeblich hatten diese Lichtkugeln die Kampfflieger umrundet und begleitet, so dass sie manchmal für Beobachtungsflugkörper des Feindes gehalten wurden. Dem damaligen Hobby-UFO-Forscher und späteren NICAP-Direktor Donald E. Keyhoe wurde angeblich 1949 von ehemaligen Kollegen in der Presseabteilung des Pentagon bestätigt, dass diese Vorfälle damals in Fort Worth (Texas) untersucht worden waren[1].

Am 28. Oktober 1947 ließ der Kommandant der US Air Force, Brigadegeneral F. Schulgen, den Geheimdienst der Air Force Informationen über mögliche sowjetische Flugkörper einholen, die auf der Basis gekaperter deutscher Pläne – möglicherweise der Horten-Brüder – gebaut worden sein sollten ([2]). Hier tauchen bereits zahlreiche der heute in Augenzeugenberichten als typisch angesehenen UFO-Merkmale auf.

Nachdem der Leiter des Luftwaffenmaterialkommandos an der Wright-Patterson Air Force Base (siehe unten FOIA-Dokumente) Schulgen von zahlreiche Sichtungen von fliegenden Scheiben in verschiedenen Landesteilen berichtet hatte, wurde im Januar 1948 eine Untersuchungskommission der US Air Force über dieses Phänomen eingerichtet. Im April 1949 veröffentlichte die Air Force einen vorläufigen Bericht, der eine erste offizielle Einschätzung des UFO-Phänomens gab. Im Dezember 1949 gab sie dann den endgültigen Bericht heraus, in dem die UFOs als reales Phänomen, allerdings nicht für extraterrestrisch eingestuft wurden. Rund achtzig Prozent der betrachteten Sichtungen seien mit bekannten Tatsachen zu erklären. Die restlichen zwanzig Prozent wurden als unbekannt eingestuft. Der Untersuchungsausschuss hatte nach diesem Bericht seinen Zweck erfüllt und wurde aufgelöst, später aber mit dem Projekt Grudge mit anderer Zielsetzung weitergeführt.

Der Abschlussreport dieses Projekts kam ebenfalls zu dem Schluss, dass UFOs keine technologisch hoch entwickelten Objekte und daher nicht als Bedrohung einzustufen seien. Auf die Empfehlung, künftig das Ausmaß der Untersuchungen zu reduzieren, war das Nachfolgeprojekt mit dem Codenamen Blue Book deutlich knapper gehalten worden als sein Vorgänger.

Die Aufgabe des Projektes bestand darin, Anhaltspunkte für die unkonventionelle Technologie zu finden, die man in den UFOs mit ihrem ungewöhnlichen Flugverhalten vermutete, und die Analyseergebnisse diversen Behörden und Forschungseinrichtungen zugänglich zu machen. 1956 veröffentlichte Edward Ruppelt, der das Projekt drei Jahre geleitet hatte, eine erweiterte Version seines Buches mit dem Titel "Report On Unidentified Flying Objects" (Bericht über unidentifizierte fliegende Objekte), um nachträglich einige seiner Ansichten klar zu stellen, die von der offiziellen Version abwichen.

Die "Washington Nationals" im Juli 1952

Nachdem die Untertassen publik geworden waren, gab es im Juli 1952 die erste UFO-Welle, bei der täglich zahlreiche Berichte über angebliche Sichtungen bei den Behörden eingingen. Diese UFO-Welle wurde in den USA als "Washington Nationals" berühmt, da sie sich in den USA vor allem über dem Washington National Airport abspielte. Edward Ruppelt berichtete von circa zwanzig bis dreißig Sichtungen pro Tag.

Autorisierte Veröffentlichung geheimer UFO-Meldungen (Keyhoe)

Als sich 1953 für kurze Zeit Kreise im Pentagon stark machten, die eine rückhaltlose Aufklärung der Öffentlichkeit über die UFO-Problematik für erforderlich hielten, wurde Donald E. Keyhoe vom Leiter der Presseabteilung der Air Force (Pentagon) – unter Mitwirkung von Cpt. Edward Ruppelt (dem Leiter des Luftwaffen-Projekts 'Bluebook'), Major Dewey Fournet und Albert Chop, dem Pressesprecher im Pentagon – autorisiert, einundzwanzig bisher geheim gehaltene UFO-Berichte von Project Blue Book zu veröffentlichten.

Robertson Panel

Ende 1953 schaltete sich die CIA in die UFO-Kommission der Air Force ein. Sie bildete ein Wissenschaftlergremium, das sogenannte "Robertson Panel", das sich mehrere Tage lang mit dem UFO-Problem befassen sollte. Die Aufgabe des Gremiums war es, die Bedrohung der nationalen Sicherheit durch die Sichtungen von UFOs zu beurteilen und Verfahrensempfehlungen hinsichtlich des Vorgehens in Sachen UFOs zu erarbeiten. Das Gremium kam u.a. zu dem Schluss, dass das allgemeine Interesse an UFOs durch eine gezielte PR-Kampagne der "Entlarvung" ("debunking") verringert werden sollte.

Condon Committee

1966 bis 1968 untersuchte im Auftrag der US Air Force ein als unabhängig bezeichnetes Forschungsteam unter Leitung des bekannten Quantenphysikers Edward U. Condon das UFO-Phänomen an der Universität von Colorado auf der Basis eines 500.000 Dollar-Vertrages. In dem Abschlussbericht kam Condon zu dem Schluss:

In den vergangenen 21 Jahren hat die UFO-Forschung nichts zu unserem wissenschaftlichen Wissensschatz beigetragen ... Daher kann eine Fortsetzung der UFO-Forschung wahrscheinlich nicht mit der Erwartung gerechtfertigt werden, dass sie wissenschaftliche Fortschritte bringt.

Auf dieser Grundlage beendete die Air Force 1969 Project Blue Book und stellte fest, dass

nach zweiundzwanzig Jahren der Ermittlung... keine der bekanntgegebenen und untersuchten unbekannten Objekte eine Gefahr für unsere nationale Sicherheit darstellten.

Allerdings endete die Untersuchung in einem kleinen Skandal wegen der Veröffentlichung des sog. 'Low-Memorandums' in der Presse. Die Aktennotiz von Robert Low, eines Mitarbeiters von Condon, beschrieb den Plan, die UFO-Untersuchung nur zum Schein objektiv durchzuführen, aber letztendlich zu einem von vornherein feststehenden Ergebnis zu gelangen.

Condons Zusammenfassung stand also in einem gewissen Widerspruch zu den im Bericht enthaltenen Daten. Der Meteorologe Joachim Küttner schrieb dazu in 'Aeronautics and Astronautics': "Man ist froh, das Urteil eines so erfahrenen Mannes zu lesen ... aber man findet keine Unterstützung dafür in dem Bericht" (A&A, Nov 1970, S.49); D. Greenberg bezeichnete die Untersuchung als "himmlische Schweinebuchtlandung" (Science, vol. 162, 25. Oct 1968).

Kritik an den Untersuchungen (Hynek; Kongress-Anhörung)

1972 veröffentlichte J. Allen Hynek, der von 1947 bis 1968 astronomischer Berater von Project Blue Book gewesen war, das Buch "The UFO Experience – A Scientific Inquiry" (Die UFO-Erfahrung – eine wissenschaftliche Untersuchung), in dem er vollkommen andere Schlüsse als Edward Condon zog und scharfe Kritik an der Untersuchungskommission übte. Hynek gilt auch heute noch als eine der Leitfiguren der UFOlogen-Szene.

Ähnliche Kritik übte bereits zuvor der Meteorologe James McDonald, der sich auch in der UFO-Forschung einen Namen gemacht hatte, in einer Anhörung des US-Kongresses.

Herkunftshypothesen

Als die US Air Force ihre UFO-Untersuchungskommission Project Blue Book (1947–1969) beendete, schnitt sie das Thema der Realität der UFOs nicht mehr öffentlich an. Die Frage der extraterrestrischen Herkunft stellte sie in Abrede mit der Verlautbarung, dass es dafür keine Indizien gibt. Die amerikanischen UFO-Forscher haben sich in den 1970er Jahren – als sich in Deutschland die ersten kleinen UFO-Organisationen bildeten – bezüglich der möglichen Herkunft der UFOs in zwei Lager geteilt: die einen halten an der Hypothese der extraterrestrischen Herkunft fest, die anderen ziehen Plasma-Phänomene (MoD-Memorandum 55/2/00, siehe weiter unten) oder extradimensionale Phänomene bzw. eine multikausale Erklärung (Vallée, Hynek) in Betracht.

Britische UFO-Untersuchungskommission des MoD

Eine britische UFO-Untersuchungskommission wurde nach den Angaben von Nick Pope, ihrem Leiter in den Jahren 1991 bis 1994 (siehe Weblink), im Jahr 1950 gegründet, als vom Verteidigungsministerium (Ministry of Defense, MoD) auf Drängen des obersten wissenschaftlichen Beraters und renommierten Radarwissenschaftlers Sir Henry Tizard eine UFO-Studie in Auftrag gegeben wurde. Sie trug die Bezeichnung Flying Saucer Working Party ("Arbeitsgruppe Fliegende Untertassen"). Das Wissenschaftlerteam kam zu dem Ergebnis, dass es sich bei UFO-Sichtungen um Fehlidentifikationen konventioneller Objekte oder um Scherze handelte, und empfahl, die Untersuchung zu beenden. Als jedoch 1952 eine Serie brisanter Meldungen von UFOs einging, die von RAF-Piloten gesichtet und per Radar erfasst worden waren, ordnete das MoD an, UFO-Meldungen zu sammeln und zur Analyse zu übermitteln. Gemäß den Angaben von Nick Pope gingen seitdem über 10.000 UFO-Meldungen, wovon der größte Anteil konventionell aufgeklärt werden konnte. Pope ist der Auffassung, dass das MoD darum bemüht sei, die Öffentlichkeit über die UFO-Meldungen von Belang zu informieren, und keine Unterlagen geheimhalte. Die UFO-Meldungen sind auf der Website des MoD online einzusehen (siehe Weblink). Als interessantesten und berühmtesten Vorfall bezeichnet Pope die aber widerlegte UFO-Landung in Rendlesham vom Dezember 1980.

Das britische Verteidigungsministerium MoD (Ministry of Defence) veröffentlichte 2006 das "Wissenschaftlich-Technische Memorandum Nr. 55/2/00" vom Dezember 2000, ehedem streng geheim, das sich mit den britischen Meldungen von UFOs (das MoD verwendete den Begriff Unidentified Aerial Phenomena, UAP) des Zeitraums von 1959 bis 1997 befasste. Gemäß der diesem Bericht vorangestellten Zusammenfassung war es die Aufgabe der Untersuchung, a) einen statistischen Überblick zu erstellen, b) die Frage einer etwaigen Relevanz für die Verteidigung zu beantworten und c) die "atmosphärischen und terrestrischen Bedingungen" des Auftretens von UFOs, wo immer möglich, festzustellen. Eine weitere Aufgabe bestand in der Untersuchung aller unerklärbaren Flugzeugabstürze hinsichtlich der Möglichkeit ihrer Verursachung durch UFOs. Der Untersuchung wurde fast ausnahmslos das der Behörde vorliegende eigene Material zugrunde gelegt, um eine unbeeinflusste Analyse zu gewährleisten, d. h. Medienberichte oder Veröffentlichungen von UFO-Forschern wurden nicht berücksichtigt. Die Autoren brachten zum Ausdruck, dass jede auch noch so kleine Einzelheit von Belang für eine Analyse sei, und bedauerten, dass eine detaillierte Untersuchung der UFO-Meldungen durch die zuständige Stelle (DI55) seit 1967 nicht mehr durchgeführt wurde, so dass sich die vorliegende Analyse daher ausschließlich auf die eingereichten UFO-Berichte stützen musste.

Der Bericht kam zu dem Schluss, dass UFO-Meldungen maßgeblich auf Verwechslungen natürlicher oder konventioneller Phänomene beruhen (eine Tabelle für den Zeitraum von 1959 bis 1967 nennt Satelliten, Ballons, Himmelskörper, Meteorologisches, Flugzeuge, Sonstiges), ferner dass kein Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen irgendeiner Nation und den UFOs bestand und dass es keinen Hinweis auf feindliche Absichten gab. Es wurde die Schlussfolgerung gezogen (Abs. 9), dass ein "signifikantes Interesse" für die Verteidigung nicht vorhanden war. Jedoch wurde eine Anzahl von technologischen Aspekten entdeckt, die von potentiellem Interesse für die Verteidigung sein konnte.

Breiter Raum (Abs. 13–14) wurde den Effekten der "nahen" Präsenz von UFOs gewidmet: Verbrennungen menschlicher Haut bzw. Materialien wie Holz etc. sowie das vorübergehende Ausfallen von Automotoren, Radios, Navigationsinstrumenten von Flugzeugen etc.. Sowohl für diese als auch andere bizarre Beobachtungen im Zusammenhang mit UFOs zog der Bericht die neuere Plasma-Forschung (d. h. aufgeladenes, ionisiertes Gas mit ungewöhnlichen Eigenschaften) als möglichen Weg zur Erklärung heran, betonte jedoch zugleich die Unausgereiftheit der Plasma-Theorie.

Die Tabellen weisen für die Jahre 1959 bis 1968 insgesamt 796 UFO-Meldungen aus, von denen 10,4 % (83 Meldungen) unerklärt blieben. Im Zeitraum von 1959 bis 1996 gingen insgesamt 10.189 UFO-Meldungen ein.

UFO-Forschung und bekannte Buchautoren

Deutschsprachige Organisationen

Deutschsprachige Forscher und Autoren

Englischsprachige Organisationen

Englischsprachige Forscher und Autoren

Literatur

Einzelnachweise

  1. Keyhoe 1950, Kap. IV
  2. roswellfiles.com: Schulgen Memo
 Commons: UFO – Bilder, Videos und Audiodateien

FOIA-Dokumente (Freedom of Information Act)

Videodokumente

Organisationen