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Kleinbahn Tangermünde–Lüderitz

Die Kleinbahn-AG Tangermünde–Lüderitz wurde am 30. April 1902 mit Sitz in Tangermünde gegründet. Wichtigste Aktionäre waren der Preußische Staat und die Provinz Sachsen. Außerdem waren beteiligt der Landkreis Stendal, die Stadt Tangermünde sowie weitere Gemeinden und Privatpersonen.

Auf der anfangs 16,2 km langen Strecke in der Spurweite 750 mm wurde der Betrieb am 10. Oktober 1903 aufgenommen. Sie begann am Bahnhof Tangermünde-Neustadt und führte in westlicher Richtung 7,2 km weit nach Demker, wo sie die Hauptbahn Stendal–Magdeburg kreuzte. Dann ging es noch 9 km weiter bis zum Endpunkt Lüderitz. Ab 25. Februar 1904 begannen die Züge im Bahnhof Tangermünde der Stendal-Tangermünder Eisenbahn-Gesellschaft, so dass die Strecke nun eine Länge von 17,8 km aufwies. Dazu kamen noch Anschlussgleise zum Elbhafen in Tangermünde, denn die Hauptaufgabe der Bahn war der Transport landwirtschaftlicher Produkte zum Schiffsanschluss.

Im Jahre 1914 verkehrten drei Zugpaare, die zwei Stunden Fahrzeit brauchten; dazu kam meistens ein halbstündiger Aufenthalt in Demker. Jedoch konnte die Bahn die bald darauf einsetzenden Krisen in der Kriegs- und Nachkriegszeit nicht bestehen, obwohl – oder gerade weil - sie äußerst sparsam erbaut worden war und die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet war. So stand schon auf der Tagesordnung der Gesellschafter-Versammlung vom 11. Januar 1917 der Antrag: „Beschlussfassung über Außerbetriebsetzung der Bahn und Verkauf der Altmaterialien. Besprechung über den Bau einer normalspurigen Bahn von Tangermünde nach Lüderitz und Weiterführung nach Vinzelberg.“ In Vinzelberg an der Hauptbahn Stendal–Oebisfelde hätte der Anschluss an die „Altmärkische Kleinbahn“ nach Klötze hergestellt werden können.

Dieser Antrag fand zunächst keine Mehrheit. Bereits am 7. Oktober 1917 wurde jedoch der Abschnitt Tangermünde–Demker stillgelegt. Der Rest folgte am 17. Juni 1920. Die Gesellschaft versuchte immer noch, die Bahn normalspurig zu erneuern und zu verlängern. Als keine Aussicht auf Realisierung dieser Pläne mehr bestand, beschloss man am 21. November 1920 die Liquidation der Gesellschaft. In den ersten dreizehn Jahren des Bestehens der Bahn war nur zwei Mal eine Dividende von je einem Prozent bezahlt worden.

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