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Heidefriedhof (Dresden)

Der städtische Heidefriedhof in Dresden ist ein Friedhof mit mehreren Gedenkstätten und Ehrenhainen. Der Friedhof ist ein Waldfriedhof am Stadtrand von Dresden. Auf dem Heidefriedhof findet alljährlich die offizielle Kranzniederlegung für die Opfer des Bombenangriffs des 13./14. Februar 1945 statt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das Gelände des städtischen Heidefriedhof an der Moritzburger Landstraße wurde 1927 nach Dresden eingemeindet. Nachdem erste diesbezügliche Überlegungen bereits 1913 bestanden, wurde hier ab 1934 ein Waldfriedhof angelegt. Ein nach einigen Verhandlungen im Jahre 1928 genehmigtes Areal für einen jüdischen Begräbnisort konnte im Zuge der Machtergreifung der Nationalsozialsisten jedoch nicht eingerichtet werden. Die Friedhofsgebäude stammen von dem im Stadtbauamt beschäftigten Architekten Pohl, für die Anlagen war der Stadtgartendirektor Heinrich Balke zuständig. Ursprünglich waren für den Friedhof eine Fläche von 75 ha geplant, allerdings musste die Fläche des Friedhofes durch den Bau der Reichsautobahn 4 auf etwa 53 ha verringert werden. Der Baumbestand wurde größtenteils belassen und der Charakter einer Heidelandschaft sogar noch verstärkt, unter anderem durch die Anpflanzung zehntausender Erika-Pflanzen aus der Lüneburger Heide. Die erste Urnenbeisetzung erfolgte 1936, die erste Erdbestattung im Jahr darauf. Bestandteil des Friedhofes war eine Gedenkstätte an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges in Form eines altgermanischen Thingplatzes, wie sie im beginnenden Nationalsozialismus an zahlreichen Orten in Deutschland entstanden (siehe Thingbewegung der Nazis). Während des Zweiten Weltkrieges konnte die Gedenkstätte nicht fertiggestellt werden.

Nach den Luftangriffen auf Dresden am 13./14. Februar 1945 wurden die Toten der Bombardements überwiegend auf dem Heidefriedhof bestattet. 1951 begann der Bau einer Gedenkstätte für die Opfer des Faschismus. 1989 konnte eine weitere Erinnerungsstätte an die in Dresden verstorbenen sowjetischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter eingeweiht werden.

In den 1960er Jahren war der Aufbau eines neuen Krematoriums direkt hinter der Feierhalle geplant. Als die Vorbereitungen der Bauarbeiten bereits begonnen hatten, wurde die Planung wieder eingestellt.

Anlage

Ehrenhain für die Opfer des Faschismus

Den Eingang zum Ehrenhain markiert gegenüber der Feierhalle ein 1964 errichteter hoher Obelisk mit dem Zeichen der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR – Fédération Internationale des Résistants). Die daneben errichtete Mauer trägt die Inschrift: Zum Höchsten der Menschheit emporgestrebt.

Gemeinschaftsanlage der Verfolgten des Nationalsozialismus

Im Ehrenhain stehen auf beiden Seiten eines breiten Weges Stelen und Blöcke, auf denen die Namen und Lebensdaten Hunderter Gegner des Nationalsozialismus aus Dresden verzeichnet sind, die in der Zeit von 1933 bis 1945 ermordet wurden oder später verstorben sind. Einzelne Ur­nengräber von Antifaschisten und Persönlichkeiten des öffent­lichen Lebens Dresdens nach 1945 liegen im Übergang zum zentralen Rondell.

Rondell

1965 wurden der „Thingplatz“ zum Ehrenhain umgestaltet und ein Rondell mit zentraler Opferschale und umgebenden 14 Sandsteinstelen errichtet, auf denen die Namen von Konzentrationslagern wie Auschwitz, Bergen-Belsen, Buchen­wald, Dachau, Ravensbrück, Sachsenhausen und Theresienstadt, durch die deutsche Wehrmacht zerstörte Städten wie Coventry, Leningrad, Rotterdam und Warschau sowie Orte von Massakern der Wehrmacht und SS wie Lidice und Oradour-sur-Glane. Einzige Ausnahme in dieser Aufzählung bildet Dresden selbst. Insbesondere von linker Seite wird in jüngster Zeit kritisiert, dass mit dieser Aufzählung in perfider Weise die Bombardierung von Dresden als Teil der Niederringung des Nationalsozialismus durch die alliierten Truppen in eine Reihe mit von Deutschen verübten Verbrechen gestellt wird.

Gedenkstätte für die Opfer des 13. Februar 1945

Hinter dem Rondell führt ein langer Weg zu einer Gedenkstätte für die Toten der Luftangriffe auf Dresden im Februar 1945. Mehr als 20.000 Opfer liegen hier entlang des Weges begraben. Hinzu kommen die ungezählten Toten, die wegen der Seuchengefahr mithilfe von Flammenwerfern verbrannt wurden. Links und rechts dieses Weges liegen jeweils vier Steinplatten mit folgenden Inschriften:

Hinter dem Massengrab steht eine Sandstein-Wand mit einer Inschrift des Dresdner Schriftstellers Max Zimmering:

Wie viele starben? Wer kennt die Zahl? An Deinen Wunden sieht man die Qual Der Namenslosen die hier verbrannt Im Höllenfeuer aus Menschenhand

Dem Gedenken der Opfer des Luftangriffs auf Dresden am 13.-14. Februar 1945

Gedenkstätte für Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion

Am 8. Mai 1989 wurde die von der Bildhauerin Thea Richter geschaffene Gedenkstätte für Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion eingeweiht. Es zeigt fünf überlebensgroße liegende menschliche Körper auf einer großen Betonfläche, die mit steinernen Tüchern bedeckt sind. Zwei Metallplatten davor erläutern den Kontext:

„Zum Gedenken an hunderte Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion, die in den Jahren 1941 bis 1945 fern ihrer Heimat in Dresden starben.“
„Ihnen zur Ehre und uns zur Mahnung ist hier Erde bewahrt von ihren Gräbern, dem Äußeren Matthäus-Friedhof, dem Johannisfriedhof, dem Urnenhain, der Feuerbestattungsanstalt Tolkewitz“.

Kleiner Ehrenhain

Bereits in den 1950er Jahren war im Grabfeld 22 ein provisorischer Ehrenhain eingerichtet worden, bevor im September 1965 der heutige Ehrenhain eingeweiht wurde. Den Mittelpunkt bildet eine Stele mit der Inschrift:

„Ihr Leben war Kampf gegen den Faschismus“

Darum gruppiert wurden Gräber griechischer Patrioten, die in der Zeit der faschistischen Militärdiktatur in Griechenland (1967-1974) Exil in Dresden fanden, ein Gedenkstein für Rosa Menzer und die Grabstätte der Dresdner Künstler und Widerstandskämpfer Hans Grundig (19. Februar 1901 - 11. September 1958) und Lea Grundig, geb. Langer (23. März 1906 - 10. Oktober 1977).

Ein weiterer Stein gedenkt italienischer Soldaten, die nach der Kapitulation Italiens 1943 entwaffnet, interniert und zur Zwangsarbeit ins „Reich“ verschleppt wurden. Die italienischen Militärinternierten (IMI) blieben bis zum Kriegsende eine der am schlechtesten behandelten Gruppe unter den westeuropäischen Zwangsarbeitern.

Dieser Stein trägt die Inschrift:

QUI RIPOSANO MIUTARI ITALIANI

HIER RUHEN ITALIENISCHE SOLDATEN

Des weiteren sind im kleinen Ehrenhain das Grab von Familienangehörigen von Hanns Rothbarth, der am 11. Oktober 1944 zusammen mit Ernst Schneller und weiteren 25 Opfern von der SS im KZ Sachsenhausen erschossen worden ist, und Grabsteine für (vermutlich) Menschen aus Nordkorea aufgestellt.

Jährliches Gedenken an die Toten der Luftangriffe

Am Morgen des 13. Februars findet alljährlich die offizielle Feierstunde zum Gedenken an die Toten der Luftangriffe statt. Während Rechtsextremisten und Neonazis die Teilnahme an den offiziellen Kranzniederlegungen eine Zeitlang verwehrt geblieben war und sie ihre Aktionen erst nach dem Ende der offiziellen Feier entfalten konnten, steht der NPD mit ihrem Einzug in den Sächsischen Landtag nun auch die Teilnahme am offiziellen Protokoll zu.

Literatur

Koordinaten: 51° 6′ 12" n. Br., 13° 42′ 30" ö. L.