Heim

Revidiertes General-Privileg

Der „Erlaß eines Revidierten General-Privilegiums und Reglements für die Judenschaft im Königreich Preußen“ (1750) gliederte die Juden in sechs Klassen mit unterschiedlichem Niederlassungsrecht. Zur ersten Klasse zählten die Wohlhabendsten, die mit einem persönlichen Privileg (Schutzbrief) versehen wurden, das sie faktisch christlichen Bürgern gleichstellte. Sämtliche legitimen Kinder dieser wenigen, in der jüdischen Gemeinde „Hausväter“ genannten „Generalprivilegierten“ waren niederlassungsberechtigt, ebenso ihre zahlreiche jüdische „Bedientenschaft“. Die Schutzjuden der zweiten Klasse durften sich nur in dem ihnen zugewiesenen Ort aufhalten; dieses Wohnrecht war auf ein Kind vererbbar, zwei weitere konnten gegen Nachweis von 1000 Talern „angesetzt“ werden. Die Rechte der „außerordentlichen“ Schutzjuden waren nicht vererbbar, aber gegen 1000 Taler auf ein Kind übertragbar. Zu dieser dritten Klasse gehörten die freien Berufe – Ärzte, Anwälte, Künstler. Die vierte Klasse stellten Rabbiner und Gemeindebeamte, deren Wohnrecht an die Amtsdauer gekoppelt war. Zur fünften Klasse gehörten die „geduldeten“ Juden, die als Kinder von Juden der zweiten, dritten und vierten Klasse kein eigene Wohnerlaubnis erworben hatten. Sie waren rechtlos, die Heirat war ihnen verboten. Darin gleich waren ihnen die Dienstboten und kaufmännischen Angestellten der Schutzjuden, die die sechste Klasse bildeten. Die Zahl der „Schutzjuden“ wurde auf 203 ordentliche und 63 außerordentliche festgelegt. Die drei obersten Klassen hafteten gemeinsam für die Abgabenentrichtung der jüdischen Gemeinde. Diese Kollektivhaftung wurde später auf Bankrotte und Wechselbetrug ausgedehnt.

Dieses Generalprivileg führte dazu, dass nur einige wenige reiche Familien, die die merkantilistische Politik des preußischen Königs unterstützten, in größeren Städten leben durften. Die Masse der Juden lebte auf dem Land oder in Städtchen. Nachdem das Judenedikt von 1812 auch ihnen Freizügigkeit gewährte, strömten sie in die Städte wie Berlin oder Breslau.

Judengesetzgebung vor Amtsantritt Friedrich II.

Schon Friedrich Wilhelm I. (König von 1713-40) zielte auf eine Begrenzung der Judenzahl in seinen Landen, unter gleichzeitiger Ausnutzung ihrer Wirtschaftskraft. Seit 1713 war der Schutzbrief nur an den ältesten Sohn vererbbar, zwei weitere Söhne konnten ihn gegen hohe Summen erlangen. Die übrigen Söhne mussten unverheiratet, und damit kinderlos, bleiben, oder auswandern. Außerdem waren von der Gemeinde jährlich 15.000 Taler abzuführen und an den Zollschranken der erniedrigende, weil sonst nur für Vieh übliche Leibzoll zu entrichten. Das General-Reglement von 1730 beschränkte die Zahl der jüdischen Familien in Berlin auf 100. Trotz der Restriktionen wuchs die Zahl der in Brandenburg lebenden jüdischen Familien weiter an. Als 1750 das Generalprivileg erging, lebten in Brandenburg 4716 Juden, davon allein 2188 in Berlin, das entsprach 1,93 Prozent der Stadtbevölkerung. Davon waren schätzungsweise die Hälfte Unvergleitete ohne eigenes Aufenthaltsrecht. Bis zum Jahr 1800 wuchs die Zahl der brandenburgischen Juden auf 7637 Personen. Davon wohnte knapp die Hälfte in Berlin. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts sollte die Zahl der preußischen Juden auf rund 220.000 Personen ansteigen, wovon 180.000 in den 1772, 1792 und 1795 annektierten polnischen Gebieten ansässig waren.