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Friedrich-Carl von Savigny

Friedrich-Carl von Savigny (* 3. Juli 1903 in München; † 15. März 1944 bei Tarnopol[1]) war ein deutscher Jurist und Widerstandskämpfer. Savigny wurde vor allem bekannt als Mitglied der „jungkonservativen“ Widerstandsgruppe um Edgar Julius Jung in der Kanzlei von Hitlers Vizekanzler Franz von Papen in den Jahren 1933/34.

Leben und Wirken

Savigny studierte nach dem Abitur an der Universität in München Rechtswissenschaften. Sein Studium in der bayerischen Landeshauptstadt, wo er sich auch dem Jungakademischen Klub anschloss, beendete er schließlich mit beiden Staatsexamina sowie mit der Promotion zum Dr. jur. Vom Juli 1928 bis Januar 1929 war er als Volontär bei der Deutschen Bank in Chemnitz tätig, danach von Februar 1929 bis 31. Januar 1930 als Justitiar bei der Direktion der Deutschen Bank in Berlin. Von 1930 bis 1933 war er als Rechtsanwalt beim Kammergericht in Berlin beschäftigt.

Ab 1932 fungierte von Savigny als persönlicher Berater des damaligen Reichskanzlers Franz von Papen.[2] Diesen beriet er vor allem in Rechtsfragen, so im Zusammenhang mit dem als „Preußenschlag“ bekannten Unternehmen vom Juli 1932 in dessen Zuge die Reichsregierung die preußische Landesregierung absetzte, sowie im Zusammenhang mit Papens mit der juristischen Formel vom Reichsnotstand umkleideten Staatsstreichüberlegungen vom Herbst 1932. Als aktiver Katholik und aufgrund seiner engen Verbindungen zur kirchlichen Organisation stand Savigny, der sich als Jurist ursprünglich auf das Kirchenrecht spezialisiert hatte, dem gläubigen Papen dabei sehr nahe.[3]

Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten kam von Savigny im April 1933 als persönlicher Referent in die Kanzlei von Papen, nachdem dieser im Januar Vizekanzler in der sogenannten „Regierung der Nationalen Konzentration“ geworden war, der Hitler als Kanzler vorstand.

In der Vizekanzlei war Savigny vor allem als Sachbearbeiter für juristische Fragen sowie für kulturpolitische Angelegenheiten tätig. In diesem Zusammenhang bearbeitete er für Papen die von anderen Ministerien vorgelegten Gesetzentwürfe und informierte diesen über ihre Inhalte. Sein Kollege Fritz Günther von Tschirschky charakterisiert Savigny für diese Zeit in seinen Erinnerungen als einen „begabten Jurist“, als „mutig und von hohen Idealen beseelt“, aber auch als „eher unpolitisch und mit geringer Menschenkenntnis“.[4]

In der Vizekanzlei gehörte von Savigny außerdem, neben Hans von Kageneck, Wilhelm Freiherr von Ketteler, Herbert von Bose , Kurt Josten, Walter Hummelsheim und Fritz Günther von Tschirschky, zum Kern der „jungkonservativen“ Widerstandsgruppe um Papens Berater Edgar Julius Jung. Die Gruppe beabsichtigte, gemäß ihrem elitären Selbstverständnis, die politische Stellung der Vizekanzlei als Ausgangspunkt für eine „konservative Revolution“ der alten Eliten zu benutzten, die der „Revolution der Masse“ – als die man die „Machtergreifung“ durch die NS-Bewegung wertete – nachfolgen und, gestützt auf Reichswehr und Beamtenschaft, bestimmte „Kurskorrekturen“ durchsetzen wollte. Diese sollten namentlich den jungen NS-Staat im Sinne der „Oberklassenrechten“, d. h. der rechten Intellektuellen und der alten Führungsschicht des Kaiserreiches reformieren. In der Tendenz sahen diese Pläne vor, die nationalsozialistischen Neuerungen teilweise beizubehalten, teilweise jedoch zugunsten der Restauration von Elementen des „alten Staates“ zurückzunehmen. Im ganzen sollte der als „plebejisch“ empfundene NS-Staat – gleichermaßen durch Erneuerung alter Merkmale des kaiserlichen Deutschlands und durch Integrierung neuer, jungkonservativer Konzepte – durch eine Neuverteilung der Macht zugunsten der traditionellen Eliten umgebaut werden.

Diese Bestrebungen brachten die Gruppe schließlich in Gegensatz zur nationalsozialistischen Führung. Diese nutzte die politische Säuberungsaktion vom 30. Juni 1934 („Röhmputsch“) – in deren Rahmen Hitler vor allem seine Gegner in den eigenen Reihen, und dort vor allem in der SA, der Parteiarmee der NSDAP, aus dem Weg räumen ließ – um auch den Jung-Kreis zu zerschlagen. Während Bose und Jung von Angehörigen von SS beziehungsweise Gestapo ermordet wurden, wurde Savigny am 30. Juni „nur“ verhaftet und vorübergehend in einem KZ inhaftiert.

Nach seiner Freilassung war er ab November 1935 als Justitiar bei der kirchlichen Treuhand AG tätig, danach wurde er Abteilungsleiter bei der Reichsstelle für Häute und Leder in Berlin. Im Oktober 1940 kam er als Bevollmächtigter des Reiches für die Lederwirtschaft in die Niederlande. 1943 wurde er auf eigenen Wunsch zur Wehrmacht eingezogen.

Einzelnachweise

  1. Lebensdaten nach: Schubert, Werner/ Schmid, Werner/ Regge, Jürgen: Akademie für deutsches Recht, 1933-1945. Protokolle des Ausschüsse, 1986, S. 50.
  2. Franz Müller: Ein „Rechtskatholik“ zwischen Kreuz und Hakenkreuz. Franz von Papen als Sonderbevollmächtigter Hitlers in Wien 1934-1938, 1990, S. 56.
  3. Franz von Papen: Der Wahrheit eine Gasse, S. 311.
  4. Fritz Günther von Tschirschky: Erinnerungen eines Hochverräters, 1972, S. 102.
Personendaten
Savigny, Friedrich-Carl von
deutscher Jurist und Widerstandskämpfer
3. Juli 1903
München
15. März 1944
Tarnopol