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Faust. Der Tragödie zweiter Teil

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Faust. Der Tragödie zweyter Theil in fünf Acten, bekannt auch als Faust II, ist die Fortsetzung von Johann Wolfgang von Goethes Faust I und wurde im Sommer 1831 vollendet. Nachdem Goethe seit der Fertigstellung des ersten Teils im Jahr 1805 zwanzig Jahre lang nicht mehr am Fauststoff gearbeitet hatte, erweiterte er ab 1825 frühere Notizen zu einem zweiten Teil seiner Tragödie. Das Werk wurde 1832, einige Monate nach Goethes Tod, veröffentlicht.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Das Drama besteht aus fünf Akten, die für sich abgeschlossene Inhalte haben. Erst der Bezug auf die gesamte Tragödie der Teile I und II stellt den Sinnzusammenhang her. Im Unterschied zum ersten Teil steht nicht mehr das Seelen- und Gefühlsleben des einzelnen Menschen im Mittelpunkt, sondern die Person Faust entwickelt sich stetig weiter, wird zum sozial und geschichtlich handelnden Unternehmer, scheitert auch in dieser Rolle und vollendet sich in der politischen Vision einer freiheitlichen Weltordnung.

Faust nimmt im zweiten Teil verschiedene Tätigkeiten an. Damit entspricht er einem Ideal der Klassik: Der Mensch soll alle seine Fähigkeiten ausprägen. Als Künstler schafft er im ersten Akt ein Schauspiel, scheitert aber daran, es in die Wirklichkeit zu überführen. Im dritten Akt begibt sich Faust auf eine Zeitreise durch die Epochen. Dabei wird der Künstler Faust mit Helena, dem Sinnbild der Schönheit in der Antike, verheiratet. Zusammen bekommen sie ein Kind, Euphorion, das für die Deutsche Klassik steht. Damit erklärt Goethe, wie es zur deutschen Klassik gekommen ist: Durch eine Rückbesinnung der deutschen Künstler auf die Antike. Der Tod Euphorions lässt Faust außerdem zu der Erkenntnis kommen, dass die Poesie, die Euphorion als Sohn der Schönheit und der Kraft darstellt, die Welt nicht verändern kann, sondern nur flüchtige Eindrücke hinterlässt.

Drei Hauptthemen sind im Faust 2 zu unterscheiden:

1. Faust und Kaiser: der 1. und 4. Akt. Kultur, Macht, Schuld.
2. Faust und Helena: der 2. und 3. Akt. Natur, Sehnsucht, Trieb.
3. Fausts Tod und Gnade: der 5. Akt. Sinn, Vergebung.

Erster Akt

Anmutige Gegend (Verse 4613-4727)

Der Luftgeist Ariel weist die Elfen an, dem schuldig gewordenen Faust (die Gretchentragödie in Faust I) den Heilschlaf des Vergessens zu bereiten. Vom Schlaf erquickt, will Faust sofort wieder nach dem höchsten Dasein streben - wie schon im ersten Teil der Tragödie. Während ihn aber in seiner Studierstube der Erdgeist blendete, verhindern nun die grellen Strahlen der Sonne den Blick auf das, was die Welt im Innersten zusammenhält, auf alle Wirkenskraft und Samen. Er wendet sich der Erde zu und erkennt in ihr das farbige Abbild des Lebens - im zwischen Klarheit und Zerfließen wechselnden Regenbogen sieht Faust den Spiegel des menschlichen Strebens. Faust hat in diesem Augenblick einen Moment der Bescheidenheit, der allerdings später u.a. durch Mephisto wieder vollkommen aufgehoben wird. Goethe zeigt dadurch gleich am Anfang, dass Erkenntnis des Lebens nicht möglich ist - weder auf natürlichen noch geistigen Weg. In der aufgehenden Sonne umschlingt Faust das allumfassende Flammenmeer des Lebens, ihn, der nur seine eigene - des Lebens Fackel - entzünden wollte. Vorerst gilt es das diesseitige Leben zu leben. Erst jenseitige Gnade wird Faust zu höhern Sphären führen.

Kaiserliche Pfalz (Verse 4728-6656)

Mephisto wird neuer Narr des Kaisers. Der hört sich, bereits in Karnevalslaune, die Sorgen und Nöte von Kanzler, Heermeister, Schatzmeister und Marschalk an: Es fehlt überall an Geld. Mephisto spricht alle Bodenschätze und Schatzfunde dem Kaiser zu und erfindet die Golddeckung des Papiergelds, was nach dem Mummenschantz deutlich wird.

Karneval:
Erste Abteilung- Gärtnerinnen, Ährenkranz, Phantasiestrauß, Fischer, Vogelsteller,...
Zweite Abteilung- Holzhauer, Naturdichter, Hofsänger, Rittersänger, Satiriker,...
Dritte Abteilung- Grazien, Parzen, Furien.
Vierte Abteilung- Fortitudo- Wagen: Furcht, Hoffnung, Klugheit,...
Fünfte Abteilung- Plutus- Wagen: Knabe Lenker, Plutus, Geiz,...
Sechste Abteilung- Wildgesang: Faune, Satyr, Gnome, Riesen, Nymphen, Pan.

Diese Szene beginnt mit dem Bericht des Kaisers, wie er die vergangenen Feierlichkeiten erfahren hat. Kurz darauf erscheinen die Berater des Kaisers und preisen das von Mephisto eingeführte Papiergeld. Faust versucht kurz die Anwesenden vor einer möglichen Inflation zu warnen, wird aber von Mephisto daran gehindert. Der Kaiser beginnt das Papiergeld zu verstehen und beginnt ebenso wie seine Berater das Geld zu verprassen.

Mephisto erklärt dem Faust die „Mütter“ als das tiefste Mysterium: Göttinen thronen her in Einsamkeit, um sie kein Ort, noch weniger eine Zeit. Faust begibt sich daraufhin ins Reich der Mütter, um die Urbilder der Schönheit (Helena und Paris) zu holen, wie es ihm der Kaiser auftrug.

In dieser Szene wird Mephisto vom Hofvolk bedrängt, welches ihn bittet, sich ihrer persönlichen Problemen anzunehmen. Allerdings erscheinen ihre Probleme recht banal (Sommersprossen, steifer Fuß). Diese Szene ist erneut wie der Saal des Thrones eine reine Gesellschaftsszene und steht im Kontrast zur vorherigen Szene.

Hier folgt ein illusionäres Flammengaukelspiel für den Kaiser, der sich das Urbild der Schönheit in Form von Helena und Paris wünschte . Deren Geister erweisen sich jedoch als Flüchtige Erscheinung. Im Rittersaal selber entbrennt eine Diskussion über die antike Schönheit, da die männliche Gesellschaft Helena als vollkommen schön, jedoch Paris als triviale Gestalt ansehen, wohingegen es sich beim weiblichen Publikum umgekehrt verhält. Als Faust bemerkt, dass es sich bei der dargestellten Szene um den "Raub der Helena" handelt, will dieser Helena bewahren und greift in die Gespenster-Inszenierung ein, womit diese sich auflöst, Faust jedoch paralysiert zurücklässt. Zitat aus: [1]. Diese Szene ist sowohl aufgrund ihrer Selbstbezüglichkeit (Theater auf dem Theater) als auch aufgrund des Gemischs aus Persiflage, Ernst und kulturphilosophischen Gedanken eine Schlüsselszene für den gesamten Faust II.

Zweiter Akt

Hochgewölbtes, enges, gotisches Zimmer,(Verse 6566-6818)

Mephisto tritt in Faustens alte Stube und erkennt die Feder- womit Faust sich dem Teufel verschrieb- wieder. Er legt sich Faustens alten Mantel an- um sich als Dozent zu verkleiden- und empfängt so den neuen Famulus, der an Wagners stelle getreten ist. Wagner - mittlerweile selbst praktizierender Naturwissenschaftler- soll an einem großen, geheimnisvollen Werk arbeiten. Mephisto fordert den Famulus auf Wagner herbeizuschaffen. Nun folgt die Weiterentwicklung der „Schülerszene“ aus dem Faust I: Der nun zum Bakkalaureus herangereifte ehemalige Schüler, der von sich selbst behauptet nun akademischen Ruten entwachsen zu sein, erdreistet sich gegen Mephisto, der hier in der bekannten Rolle des Prinzipals auftritt.

Der Bakkalaureus symbolisiert den unbeschränkten Zukunfts- aber auch Jugendglaube:

Des Menschen Leben lebt im Blut, uns wo
Bewegt das Blut sich wie im Jüngling so?

Während Mephisto im Proszenium verkündet:

Wie würde dich die Einsicht kränken
Wer kann was Dummes, wer was kluges denken
Das nicht die Vorwelt schon gedacht

Laboratorium (Verse 6819-7004)

Mephistopheles hat den bewusstlosen Faust in seine alte Studierstube versetzt. Im Laboratorium nebenan trifft er Wagner, der gerade dabei ist, eine wissenschaftliche Großtat zu vollbringen: Er schafft einen künstlichen Menschen, den Homunculus. Das zarte Kunstgebilde vermag aber nur in seiner Phiole zu existieren. Sinnigerweise ist bei seiner Herstellung der Teufel anwesend. Homunculus begrüßt ihn mit: Du aber, Schalk, Herr Vetter, bist du hier? Im rechten Augenblick, ich danke Dir. Humunculs, Faust erblickend, sieht in seinem Gedankenspiegel liebliche Frauen- darunter Helena. Homunculus beschließt zur klassischen Walpurgisnacht nach Griechenland aufzubrechen. Mephisto, der nur wegen der Aussicht auf dort gastierende thessalische Hexen einwilligt, folgt Humunculus, Faust tragend.

Klassische Walpurgisnacht (Verse 7005-8487)

Am Beginn der Szene erscheint die thessalische Hexe Erichtho auf den Pharsalischen Feldern als Vorbotin der Klassischen Walpurgisnacht. Die düstere Berichterstatterin der Geschichte verwirrt, indem sie die vorolympische Epoche, die römische Zeit und den griechischen Befreiungskampf aus Goethes Zeit miteinander vermischt. Sie flüchtet beim Herannahen der Luftfahrer Faust, Mephisto und Homunkulus.

Faust erwacht nach der gescheiterten Helena-Beschwörung auf dem antiken Schlachtfeld, auf dem Pompeius von Caesar besiegt wurde. Ihm fließen neue Kräfte zu, als er den Boden fühlt, auf dem die Gottheiten und Heroen der klassischen Antike zu Hause sind. Der mittelalterliche, nordische Teufel fühlt sich dagegen fehl am Platze. Doch zu seiner Verwunderung erkennt er in einigen der antiken Schreckgestalten Nahverwandte.

Am obern Peneios-mit Greife, Sphinxe, Ameisen, Arimaspen und Sirenen.
Am untern Peneios- mit Peneios, Nymphen, Chiron und Manto.

Faust sucht hier Helena bei den Sphinxen und Chiron, halluziniert Leda und wandelt am Fluss. Der Kentaur Chiron, der Lehrer Herakles´s, Arzt und der Erzieher von Kastor und Pollux, der Halbbrüder Helenas, bringt Faust zu Manto, die mit ihm in die Unterwelt steigt und damit Fausts Irren durch die Klassische Walpurgisnacht beendet.

Der ein galantes Abenteuer suchende, aber schon bei den Sphinxen abgeblitzte, völlig erregte Mephisto wird durch die Lamien bezirzt, aber durch seine Mühmichen Empuse, der Trauten mit dem Eselsfuße - und dem, seine Menschwerdung und Vervollkommnung bei Anaxagoras und Thales suchenden, Phiolen- Homunkulus in seinen nun direkten sexuellen Ambitionen gestört. Anaxagoras und Thales tragen zwei philosophische Gedanken zur Lebensentstehung mit sich. Während ersterer glaubt, dass lebendiges im Feuer entstanden sei, ist Thales ebenso überzeugt das im Wasser der Ursprung alles Lebens zu finden ist. Mephisto gelangt schließlich zur Bergeshöhle der drei Phorkyaden, von denen er sich Zahn und Auge leiht, und im folgenden Akt als Phorkyas auftritt.

Thales, noch immer bemüht Homunkulus bei seiner Menschwerdung zu helfen, versucht bei Nereus, dem Greiß des Meeres, das Geheimnis des Entstehens zu ergründen. Dieser, ein ausgesprochener Hasser des Menschenvolkes, weiß keinen Rat, verweist jedoch auf Proteus, der die Kunst des Verwandelns kenne. Proteus, sich in vielfältigen Formen verwandelnd, weißt Homunculs dem Weg zum Zug des Muschelwagen der Galatee. Homunkulus besteigt den Proteus-Delphin und zerschellt am Muschelwagen der Meeresgöttin Galatee der Tochter Nerues. Es entsteht ein Meeresleuchten. Der Akt endet mit einem Lobgesang des allmächtigen Eros und der vier Elemente.

Dritter Akt

Vor dem Palaste des Menelas zu Sparta (Verse 8488-9126)

Hier geht es um Fausts Beziehung zu Helena, mit der er einen Sohn- Euphorion- hat, der am Ende des Aktes zu Tode stürzt, woraufhin auch Helena verschwindet. Die Verbindung Fausts mit Helena symbolisiert die Verbindung von klassischer Antike und romantischem, germanischem Mittelalter.

Menelaos kehrte mit Helena aus dem Krieg um Troja zurück und schickte Helena voraus, um eine Opferzeremonie vorzubereiten. Er sagte jedoch nicht, was geopfert werden solle. Helena ahnt, dass sie das Opfer sein wird, und beklagt ihr Schicksal, doch ein Chor von Trojanerinnen muntert sie wieder auf. Helena will nach der Rückkehr die Diener und den Palast inspizieren, trifft jedoch auf leere Gänge und auf Mephisto in Gestalt ...

..die den Palast und Hof während ihrer Abwesenheit verwaltete. Diese sagt Helena, dass sie das Opfer sein wird, da Menelaos fürchte, sie noch einmal zu verlieren oder nicht ganz besitzen zu können, und bietet ihr und dem Chor an, sie mit auf eine mittelalterliche und angeblich uneinnehmbare Burg zu nehmen, welche während der zehn Jahre des Krieges um Troja und der anschließenden Irrfahrten des Menelaos bis Ägypten nicht weit von Sparta errichtet wurde. Sie stimmen zu und flüchten, umhüllt von Nebel, vor dem anrückenden König.

Innerer Burghof, (Verse 9127-9573)

Nach dem Sieg über Menelaos führt Faust Helena in das von ihm geschaffenen Arkadien ein. Ein Hort des Glück und der Harmonie. In seiner mittelalterlichen Burg angekommen, wirbt Faust um Helena. Begeistert nimmt sie seine unbekannte, nordische Form des Sprechens- den gereimten Vers- auf:

Helena: ...

Und hat ein Wort zum Ohre sich gesellt,
Ein andres kommt, dem ersten liebzukosen.
[...]
So sage denn, wie sprech' ich auch so schön?

Faust:

Das ist gar leicht, es muß von Herzen gehn.
Und wenn die Brust von Sehnsucht überfließt,
Man sieht sich um und fragt..

Helena:

Wer mitgenießt.

... während der Chor die Frivolität der Frauen besingt. (siehe Bild rechts)

Schattiger Hain (Verse 9576-10038)

Phorkyas berichtet dem Chor von der Geburt Euphorions, der aus der Verbindung Fausts mit Helena- der schönen personifizierten Destruktivkraft der Sexualität- hervorgeht. Euphorian stirbt kurzer Zeit später bei einem übermütigen Flugversuch. Seine letzten Worte

Laß mich im düstern Reich,
Mutter, mich nicht allein!

schallen nach, womit Helena Persephone auffordert sie und den Knaben aufzunehmen. Während sich die Chorführerrin Panthalis ebenfalls zum Hades aufmacht, verweilen die Chormitglieder in Arkadien- verwandeln sich jedoch in Naturgeister. Am Ende des Schlussgesanges nachdem der Vorhang gefallen ist, sieht man wie sich Phorkyas im Proszenium riesenhaft aufrichtet und sich als Mephisto zu zeigen gibt, um, insofern es nötig wäre, im Epilog das Stück zu kommentieren.

Vierter Akt

Hochgebirg (Verse 10039-10344)

Faust- Monolog.

Faust der aus Arkadien weggetragen wurde, phantasiert beim betrachten einer Wolke. Bei ständiger Veränderung derselben glaubt er einmal Helena darin zu erkennen, ein anderes mal treten Bilder aus seiner Kindheit und Jugend wieder hervor.

Mephistopheles, der zur Fortbewegung einen Siebenmeilenstiefel nutzt ("Das heiß ich endlich vorgeschritten!"), beginnt ein Diskurs über die Entstehung der Erdoberfläche, speziell des Hochgebirges, welches durch teuflische Gase geformt und geprägt worden sei. Faust wiederum äußert das Verlangen, folglich keine weltliche Macht oder die Liebe einer Frau zu erlangen, vielmehr zeigt er das Verlangen, die Macht der Natur kontrollieren zu wollen. Dies soll in Form von Landgewinnung, durch Einsatz von Dämmen und Kanälen durchzuführen sein. Allerdings herrscht im Lande Krieg, womit dieses Ziel nicht durchzuführen ist.

Mephisto stellt Faust die drei Gewaltigen vor: Raufebold, Habebald und Haltefest, die den Sieg für den Kaiser erlangen sollen und Fausts ehrgeizige Pläne der Landgewinnung verwirklichen sollen.

Auf dem Vorgebirg (Verse 10345-10782)

Mephistopheles und Faust treten ins Kriegsgeschehen ein und werden davon unterrichtet, dass nun ein polarisierender Gegenkaiser Krieg gegen den eigentlichen Kaiser führt und dessen Land zu erobern sucht. Die Schlacht, die zu Gunsten des Gegenkasiers auszugehen scheint, wird mit der Hilfe Mephistos und der drei Gewaltigen gewendet.

Des Gegenkaisers Zelt (Verse 10783-110042)

Kurz nach dem Sieg über den Gegenkaiser betreten die beiden Plünderer Habebald und Eilebeite das Zelt des besiegten Gegenkaisers, mit dem Ziel die reichen Schätze,die sich dort befinden zu raffen. Beide werden allerdings bald von den vier Trabanten des Kaisers verjagt. Der Kaiser tritt mit vier Fürsten auf, die er für ihre Verdienste belohnt, indem er das gewonnene Land unter ihnen aufteilt und sich somit von einem absoluten dynastischen Prinzip der Staatsführung abwendet. Nach ihnen folgt der Erzbischof, der Gaben für die Kirche einmahnt. Dem Erzbischohof, der erkannte, dass der vorausgegangene Sieg über das Heer des Gegenkaisers nicht mit frommen rechten Dingen zugegangen ist, steht es nun frei übermäßige Forderungen an den Kaiser zu stellen. Allerdings kann er nicht verhindern, dass Faust ein Bezirk am Strand zugesprochen bekommt. Der mittelalterlich-frühneuzeitliche Wissenschaftler und Suchende, mit liebevoll-bewunderndem Hang zur griechischen Phantasie und Schönheit, wird ins Staats- und Herrschaftsleben gesetzt und muss jetzt, zum Tatmensch gewandelt und zwischen Gemeinwohl und Eigennutz abwägend, handeln.

Fünfter Akt

Offene Gegend (Verse 11043-11142)

Ein durch eine offene Gegend ziehender Wanderer erkennt eine kleine, von Linden umstandene Hütte, deren freundliche Bewohner ihn vor langer Zeit aufnahmen, als er, in Seenot geraten, Hilfe benötigte. Früher lag die Hütte der beiden Alten am Meer, heute ist das Meer nur noch in der Ferne an den Segeln der Schiffe zu erahnen. Der Wanderer tritt ein und erkennt Baucis wieder, die, mittlerweile uralt, ihn seinerzeit freundlich aufnahm und pflegte. Auch ihr Gatte Philemon lebt noch. Er erzählt von den seltsamen Vorgängen, die sich seit dem ersten Besuch des Wanderers hier an diesem Ort zugetragen haben. In der Schilderung des Philemon und der anschließenden Wechselrede der beiden Alten erfährt der Wanderer, und mit ihm der Leser, dass der neue Herr des Landes - Faust, der aber ungenannt bleibt - vom Kaiser als Lohn für den Kampf gegen den Gegenkaiser mit dem Strand belehnt worden ist. Kaum im Besitz dieses Landes ging man daran, dem Meer Land abzutrotzen. Während die Arbeit tagsüber kaum vorankam, sah man des Nachts Flammen umherirren, wo am anderen Morgen bereits ein Damm stand. Die Erschaffung neuen Landes war offensichtlich nur mit Hilfe von Zauberei möglich. Die Hütte ist das letzte Gebäude aus alter Zeit, und selbst dies möchte der neue Herr des Landes für sich haben, weshalb er die beiden Alten unter Druck setzt. Mit der Aufforderung Philemons, sich in die nahe Kapelle zum Gebet an den Gott der alten Zeit zurückzuziehen, endet die Szene.

Palast (11143-11843)

Lynkeus der Türmer beschreibt das neue, dem Meer entrissene Land, als Idylle. Doch der Klang des Glöckchens in der Kapelle von Philemon und Baucis lässt Faust auffahren. Für ihn ist sein dem Meer entrissenes Land keine Idylle, solange die beiden Alten in ihrem kleinen Häuschen mit den alten Linden auf der Düne leben. Über dieses kleine Fleckchen Erde hat er kein Recht. Es ist seinem Zugriff entzogen. Dieser kleine Makel nagt an ihm so sehr, dass er sich seines neuen Landes nicht erfreuen kann. Nicht einmal die schönen Worte des Türmers mindern Fausts Verdruss, als Mephisto mit den drei gewaltigen Gesellen - den dreieinigen, nicht zu trennenden: Krieg, Handel und Piraterie - auf einem vollbeladenen prächtigen Kahn in den künstlichen Kanal einläuft. Mephisto erzählt von der erfolgreichen Fahrt, die aber weniger eine friedliche Handelsunternehmung als vielmehr eine mit kalter Rücksichtislosigkeit durchgeführte Kaperfahrt war. Enttäuscht von der unfreundlichen Begrüßung durch ihren Herrn schaffen die Drei die reiche Beute beiseite und lassen sich von Mephisto beschwichtigen, der ihnen ein großes Flottenfest in Aussicht stellt. Mephisto tadelt Fausts Ärger über Philemon und Baucis angesichts des bisher Erreichten. Schließlich verlangt Faust von Mephisto die Umsiedlung der beiden:

So geht und schafft sie mir zur Seite!

Auf ihrem Grundstück möchte er sich zwischen den alten Linden einen „Luginsland“ errichten lassen, um von dort aus seinen „Welt-Besitz“ zu genießen:

Dort wollt ich, weit umher zu schauen,
Von Ast zu Ast Gerüste bauen,
Dem Blick eröffnen weite Bahn,
Zu sehn was alles ich getan,...

Lynkeus singt auf seinem Turm sein Lied Zum Sehen geboren, Zum Schauen bestellt. Er preist darin die Schönheit der Natur und die Vollkommenheit der Schöpfung und all das, was er je sah. Mit einiger Selbstgefälligkeit rühmt er nicht nur seine besondere Fähigkeit alles zu sehen, sondern auch sich selbst:

So seh ich in allen
Die ewige Zier
Und wie mir's gefallen
Gefall ich auch mir.

Er unterbricht sein Lied, denn er erkennt im Dunklen Funkenflug und Feuer. Das Häuschen von Philemon und Baucis steht in Flammen. Eindringlich beschreibt Lynkeus, wie die alten Linden, das Häuschen, die Kapelle und schließlich die Alten selbst ein Raub der Flammen werden:

Das Kapellchen bricht zusammen
Von der Äste Sturz und Last.
Schlängelnd sind, mit spitzen Flammen,
Schon die Gipfel angefaßt.

Hatte er sich noch vor Kurzem seines großen Könnens stolz gerühmt, so bedauert er nun angesichts des schlimmen Unglücks so weitsichtig zu sein. Faust hört das Jammern des Türmers, tritt auf den Balkon hinaus und entdeckt ebenfalls das brennende Grundstück von Philemon und Baucis. Er bedauert den Brand nur insofern, als auch die Linden in Mitleidenschaft gezogen wurden, die ihm ja für seinen geplanten Aussichtsposten dienen sollten. Vom Balkon aus erkennt er auch das neue Haus, das er Philemon und Baucis großmütig als Ersatz zugedacht hat und in dem er die beiden, von seiner Großmut erfüllt, ihre Tage glücklich beschließen glaubt. Von Mephisto erfährt er allerdings eine andere Geschichte. Er und die Dreie ( = die drei Gewaltigen = drei gewaltige Gesellen = Raufebold, Habebald, Haltefest = Krieg, Handel, Piraterie) drangen gewaltsam in das Haus der Alten ein und drohte ihnen. Da sie ihr kleines Häuschen nicht aufgeben wollten, wurden die beiden mit Gewalt weggeräumt. Vor Schreck starben sie. Der ebenfalls anwesende Wanderer, dem man in der Szene Offene Gegend begegnete, wehrte sich, konnte aber der Gewalt nichts entgegsetzen und fiel. Im Getümmel fing das Haus Feuer:

Von Kohlen, ringsumher gestreut,
Enflammte Stroh. Nun lodert's frei,
Als Scheiterhaufen dieser drei.

Wütend fährt Faust Mephisto und seine Gesellen an:

War't ihr für meine Worte taub!
Tausch wollt ich, keinen Raub.

Er schiebt die Veranwortung für den Tod der drei Mephisto und den drei Gewaltigen zu. Allerdings hatte Faust in seinem Befehl zur Umsiedlung von Philemon und Baucis nicht von „Tausch“ gesprochen. So geht und schafft sie mir zur Seite., waren seine Worte. Rauch und Dunst steigen von den noch schwelenden Resten des Brandes auf und schweben hinan zu Faust.

Vier graue Weiber treten auf – Hier wird die Handlung von Außen nach Innen verlagert und Faust will sich von der Magie lösen: Nimm dich in Acht und sprich kein Zauberwort. Die Begegnung mit den alten Weibern Mangel, Not und Schuld beeindruckt Faust nicht, sein Bund mit Mephisto garantiert ihm Wohlstand und Gesundheit. Nur die Sorge kann ihn erreichen, lässt ihn erblinden und reduziert ihn auf seine Innenwelt.

Mittlerweile hundert Jahre alt und blind, hält er die lärmenden Lemuren, die sein Grab schaufeln, für seine Arbeiter beim Deichbau zur Landgewinnung - durch die Erblindung ist Faust auf seine Innenwelt reduziert. Schließlich erfüllt sich sein Schicksal, erkennt er doch den Augenblick, zu dem er sagen könnte: Verweile doch, Du bist so schön! Dies bezieht er nämlich nicht auf seine tatsächliche Situation, sondern vielmehr auf die Vision einer künftigen, freiheitlichen Gesellschaft. Er greift die alte Schwurformel wieder auf, doch sein letzter Augenblick ist nicht von dem Gedanken an Besitz und Genuss erfüllt, sondern von einer Zukunftsvision, deren Realisierung er anstrebt:

Solch ein Gewimmel möcht’ ich sehn,
Auf freiem Grund mit freiem Volke stehn.
Zum Augenblicke dürft’ ich sagen:
Verweile doch, du bist so schön!
Es kann die Spur von meinen Erdetagen
Nicht in Äonen untergehn.
Im Vorgefühl von solchem hohen Glück
Genieß’ ich jetzt den höchsten Augenblick.

Als er dies ausspricht, bricht er tot zusammen.

Phantastisch-flügelmännische Beschwörungsgebärden –Lemuren - Der gräuliche Höllenrachen – Dickteufeln vom kurzen, graden Horne – Dürrteufeln vom langen, krummen Horne – Glorie – Kampf um Fausts Entelechie

Die Himmlischen Heerscharen erscheinen und beginnen Rosen als Symbol für Liebe über den Teufeln auszustreuen. Diesen sind die Rosenblätter höchst unangenehm und Mephistopheles muss sein Gefolge zurechtweisen;

Was duckt und zuckt ihr? ist das Höllenbrauch?
So haltet stand und laßt sie streuen.
An seinen Platz ein jeder Gauch!

Doch die Teufel verschwinden trotzdem wieder in dem Höllenschlund. Auch Mephistopheles spürt die Pein der Rosen.

Fausts Seele wird, trotz Teufelspakt, von Gottes Engeln – die sein ewig strebendes Bemühen verzeihen lässt - gerettet und in Richtung Himmel geführt. Mephisto trollt sich enttäuscht:

Du bist getäuscht in deinen alten Tagen,
Du hast’s verdient, es geht dir grimmig schlecht.
Ich habe schimpflich missgehandelt,
Ein großer Aufwand, schmählich! Ist vertan;
Gemein Gelüst, absurde Liebschaft wandelt
Den ausgepichten Teufel an.
Und hat mit diesem kindisch-tollen Ding
Der Klugerfahrne sich beschäftigt,
So ist fürwahr die Torheit nicht gering,
Die seiner sich am Schluss bemächtigt.

Bergschluchten (Verse 11844-12111)

Fausts Seele wird durch die Mithilfe der anderen Figuren, die seine Gedanken aussprechen, gereinigt und es folgt der Aufstieg der Seele Fausts, geleitet von der Büßerin – ehemals Gretchen – zu höheren Sphären. Die Struktur des Prologs Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten..kehrt wieder in: .. Waldung, sie schwankt heran und Welch ein Morgenwölkchen schwebet, Durch der Tannen schwankend Haar . Schlussverse des Chorus Mysticus:

Alles Vergängliche
ist nur ein Gleichnis;
das Unzulängliche,
hier wird's Ereignis;
das Unbeschreibliche,
hier ist's getan;
das Ewig-Weibliche,
zieht uns hinan.

Bedeutende Inszenierungen von Faust 2

Ausgaben

Sekundärliteratur

Vertonungen

Referenzen

  1. Seite 137 (Probentagebuch), Peter Stein inszeniert Faust von Johann Wolfgang von Goethe: Das Programmbuch. Faust I und II. / hhrsg. von Roswitha Schieb unter Mitarbeit von Anna Haas, Köln: DuMont 2000 ISBN 3-7701-5418-5
  2. Aus: Peter Stein inszeniert Faust von Johann Wolfgang von Goethe: Das Programmbuch. Faust I und II. / hhrsg. von Roswitha Schieb unter Mitarbeit von Anna Haas, Köln: DuMont 2000 ISBN 3-7701-5418-5
  3. Aus: Peter Stein inszeniert Faust von Johann Wolfgang von Goethe: Das Programmbuch. Faust I und II. / hhrsg. von Roswitha Schieb unter Mitarbeit von Anna Haas, Köln: DuMont 2000 ISBN 3-7701-5418-5
  4. Artikel des ORF vom 27.12.2007: [1]
 Wikiquote: Faust II – Zitate

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