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Leinefelde-Worbis

Wappen Deutschlandkarte
Koordinaten: 51° 23′ N, 10° 20′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Eichsfeld
Höhe: 320 m ü. NN
Fläche: 96,55 km²
Einwohner: 20.223 (31. Dez. 2007)[1]
Bevölkerungsdichte: 209 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 37327, 37339
Vorwahlen: 03605, 036074
Kfz-Kennzeichen: EIC
Gemeindeschlüssel: 16 0 61 115
Stadtgliederung: 9 Stadtteile
Adresse der Stadtverwaltung: Rathaus „Rentamt“ Rossmarkt 1
37339 Leinefelde-Worbis
Webpräsenz:
www.leinefelde-worbis.de
Bürgermeister: Gerd Reinhardt (CDU)

Leinefelde-Worbis ist eine Stadt im thüringischen Landkreis Eichsfeld. Sie entstand am 16. März 2004 aus der Zusammenlegung der bis dahin selbständigen Städte Leinefelde und Worbis mit den Gemeinden Breitenbach und Wintzingerode.

Leinefelde-Worbis ist sowohl nach Größe als auch nach Einwohnerzahl die größte Gemeinde im Landkreis Eichsfeld und außerdem funktionsteiliges Mittelzentrum für den östlichen Teil des Kreises.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Leinefelde-Worbis liegt im Eichsfeld in einer hügeligen Landschaft, die im Norden vom Ohmgebirge und im Süden vom Dün begrenzt wird. Während die Quellen der Leine in Leinefelde liegen und sie diesen Ortsteil durchfließt, entspringt in Worbis die Wipper, die durch Worbis fließt. Damit liegt die Stadt Leinefelde-Worbis sowohl im Wassereinzugsgebiet der Elbe (Wipper; im Osten), als auch der Weser (Leine; im Westen).

Stadtgliederung

Geschichte

Leinefelde-Worbis wurde 2004 durch die Vereinigung der Städte Leinefelde und Worbis mit einigen Umlandgemeinden gegründet.

Das Gebiet war bereits seit dem 8. Jahrhundert dem Bistum Erfurt bzw. dem Erzbistum Mainz untergeordnet. Im Zuge der Säkularisierung während der napoleonischen Zeit fiel es an Preußen. Dort wurde 1816 der Landkreis Worbis gebildet, der alle Ortsteile umfasste und bis 1952 bestand. Das Gebiet fiel 1944 an das Land Thüringen. Jenes wurde 1952 in Bezirke aufgeteilt. Das Gebiet der heutigen Stadt wurde dem Kreis Worbis im Bezirk Erfurt unterstellt. Es zählte zu den wenigen katholischen Gebieten in der DDR und lag im Grenzgebiet zu Westdeutschland.

Leinefelde

Koordinaten: 51° 23′ N, 10° 19′ O Lage und Name des Ortes lassen darauf schließen, dass er schon im 9. Jahrhundert bestand. Leinefelde wurde 1227 erstmals urkundlich erwähnt. Leinefelde war jahrhundertelang nur ein kleines Dorf mit wenigen hundert Einwohnern. Mit dem Bau der großen Rheinstraße Köln–Berlin 1826 (heute Bundesstraße 80) und der Reichsstraße von Mühlhausen nach Duderstadt 1834 (heute Bundesstraße 247) begann die Entwicklung Leinefeldes zum Verkehrsknotenpunkt. Fortgesetzt wurde dieses mit dem Bau der Bahnstrecke Halle–Nordhausen–Leinefelde–Eichenberg–Kassel/Göttingen im Jahr 1867. Als der Ort wenig später (1870) mit der Bahnstrecke Gotha–Leinefelde noch eine zweite Hauptbahnstrecke erhielt, wurde der Bahnhof zum Zentralbahnhof des Eichsfeldes und der Ort wuchs rasch heran. Die Kanonenbahn durch Leinefelde wurde 1880 durch einen Bahnanschluss von Leinefelde nach Eschwege in Hessen fertiggestellt (stillgelegt 1998). 1897 folgte die Bahnstrecke Leinefelde–Wulften, auf der allerdings ab Teistungen nach 1945 auf Grund der deutschen Teilung der Betrieb eingestellt wurde.

Das etwa 2.500 Einwohner zählende Dorf sollte nach Plänen der DDR-Regierung von 1949 zum industriellen Zentrum des Obereichsfelds ausgebaut werden. Damit wurde auch das Ziel verfolgt, die bestehenden Strukturen aus Landwirtschaft, Kleinhandwerk und Katholischem Glaube zu zerstören. Durch Ansiedlung von Arbeitern aus anderen Teilen des Landes sollte die Gesellschaft „sozialistischer“ werden. Somit war der Entschluss, Leinefelde zu einem Industriezentrum auszubauen, nicht nur aus wirtschaftlichen, sondern auch aus politischen Gründen gefällt worden. Am 10. April 1961 wurde mit dem Bau der Baumwollspinnerei begonnen. Hier arbeiteten in der Blütezeit bis zu 4.500 Beschäftigte. In der Folgezeit wurden in Leinefelde viele Plattenbaugebiete angelegt und die Einwohnerzahl stieg innerhalb von 15 Jahren von 6.658 Ende 1970 auf 15.526 Ende 1985 an. Am 7. Oktober 1969 erhielt Leinefelde die Stadtrechte. Zur Wiedervereinigung Deutschlands ist Leinefelde mit 16.500 Einwohnern der größte Ort im Obereichsfeld.

Worbis

Koordinaten: 51° 25′ N, 10° 22′ O

Worbis wurde 1162 erstmals urkundlich erwähnt. Seit dem 13. Jahrhundert besaß Worbis das Marktrecht und wurde zwischen 1238 und 1255 zur Stadt erhoben, eine genaue Datierung ist nicht möglich, da die Urkunde der Stadterhebung im Dreißigjährigen Krieg vernichtet wurde. Zwischen 1816 und 1994 war Worbis bis auf kurze Unterbrechungen nach dem Zweiten Weltkrieg Kreisstadt des ehemaligen Landkreises Worbis (bis 1952) bzw. des Kreises Worbis (ab 1952). Bis in die 1960er-Jahre war Worbis die größere der beiden Städte.

Beuren

Urkundliche Ersterwähnung fand Beuren im Jahre 1128 in einer Gerichtsurkunde. In dieser Zeit gab es hier einen befestigten Herrensitz, um den sich das Dorf bildete. Um 1200 wurde in Niederbeuren („Buren inferior“) durch Konrad von Bodenstein ein Zisterzienserinnenkloster gegründet. Es ist das älteste Kloster dieses Ordens auf dem Eichfeld. Durch Zoll- und Geleiteinnahmem entwickelte sich Beuren von einem Marktdorf (1238 „forensi Buren“) zu einer Stadt (1269 „in civitate Buren“). Es setzte eine Stadtentwicklung ein, zu erkennen an Toren, städtischer Straßenführung und Wehranlagen. Mit der Verlagerung der Zollstelle im Jahre 1294 nach Heilbad Heiligenstadt verlor Beuren sein Stadtrecht. Von 1870 bis 1873 wurde die Kirche „St. Pankratius“ erbaut. Der „Alte Turm“, der ursprünglich als Zoll- und Wohnturm errichtet wurde, wurde beim Neubau der Kirche zum Kirchturm umgewidmet. Das Kloster Beuren bestand bis 1809; heute dienen die noch exisitierenden Gebäude als Alters- und Pflegeheim.

Birkungen

Die erste urkundliche Erwähnung von Birkungen fällt ins Jahr 1191. Der Bau einer Kirche fand um 1516 statt.

Breitenbach

Breitenbach wurde 1227 erstmals urkundlich erwähnt in einen Landtausch mit Leinefelde. 1373 kam Breitenbach durch einen Ankauf unter Adolf von Nassau zum Mainzer Erzbistum. Viele Einwohner von Breitenbach waren als Handlungsreisende und Weber bekannt. Eine Spezialität des Dorfes sind die als „Füßlinge“ bekannten Hausschuhe. 1991 war Breitenbach eine Gründungsgemeinde der Verwaltungsgemeinschaft „Am Ohmgebirge“ Worbis. 2004 erfolgt die endgültige Eingemeindung in die neu entstandene Doppelstadt Leinefelde-Worbis.

Breitenholz

Breitenholz fand seine urkundliche Ersterwähnung im Jahr 1544. Vermutlich hat es aber schon vorher existiert und lag längere Zeit wüst. Der Name („breites Holz“ = ausgedehnter Wald) stammt von einen Waldgebiet, dessen Reste noch heute südlich des Dorfes in Richtung Birkungen zu finden ist. Breitenholz ist ein Angerdorf, mit Kirche und Anger mit Linde als Zentrum. Die Kirche wurde 1695 errichtet und der Turm wurde später angebaut. Der Altar stammt aus der Franziskaner-Klosterkirche in Worbis. Breitenholz ist seit 1655 Wallfahrtsort (Gnadenbild „Maria mit dem Kinde“ aus den 15. Jahrhundert).

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde im Birkunger Wald zwischen Birkungen und Breitenholz eine V2-Abschussbasis errichtet.[2]

Kaltohmfeld

Die erste urkundliche Erwähnung fand 1418 statt. Im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts war Kaltohmfeld eine Wüstung. Unter Anna von Wintzingerode wurde eine Neubesiedlung begonnen. 1573 kamen die Bewohner Kaltohmfelds unter die Mainzer Verwaltung, behielten aber wegen der engen Bindungen an die spätere Grafenfamilien von Wintzingerode den protestantischen Glauben bei. 1588 wurde eine evangelische Kirche („Johannes der Täufer“) am Rande des Dorfes erbaut, die 1655 abgerissen und neu errichtet wurde. Später wurde Kaltohmfeld Ortsteil von Kirchohmfeld.

Kirchohmfeld

Die erste urkundliche Erwähnung Kirchohmfelds (Warmohmfeld, Kirchenohmfelde) stammt aus dem Jahre 1217. Seit 1448 unterstand Kirchohmfeld denen von Wintzingerode. Der wüste Ort wurde um 1539 wieder besiedelt. Durch die Zugehörigkeit zum Herrschaftsbereich derer von Wintzingerode wurde der Ort evangelisch. Im Ort befindet sich eine evangelische Kirche. Zu Kirchohmfeld gehörten bis zum Zusammenschluss der Gemeinde am 1. Juli 1994 mit der Stadt Worbis die Ortsteile Kaltohmfeld, Adelsborn und Bodenstein.

Wintzingerode

1209 wird der Ort Wintzingerode erstmals erwähnt. Die Stammväter der späteren Grafen von Wintzingerode haben hier ihren Wohnsitz. Oberhalb des Dorfes befindet sich die Burg Bodenstein. Die erste Erwähnung einer Kirche stammt aus dem Jahre 1389. Im 16. Jahrhundert nahm der Ort wie ihre Herrschaft den evangelischen Glauben an. Um 1530 war Wintzingerode eine wüste Dorfstätte. Durch einen Vergleich der Bauern aus fünf Dörfern mit Hans von Wintzingerode im Jahre 1580 wurde eine Wiederbesiedlung begünstigt. 1633 wurde durch Heinrich von Wintzingerode eine Freischule für die Kinder der Lehnspflichtigen eingerichtet.

Religionen

Die Herren von Wintzingerode nahmen im 16. Jahrhundert die Lehre Luthers an und hielten auch nach der Gegenreformation an der evangelischen Religion fest. Entsprechend der Festlegungen im Augsburger Religionsfrieden von 1555 blieb diese Änderung der Religionszugehörigekeit auch nach der Gegenreformation auf dem Eichsfeld erhalten. Durch die Zugehörigkeit zum Herrschaftsbereich derer von Wintzingerode bilden die Ortsteile Kirchohmfeld, Kaltohmfeld und Wintzingerode eine protestantische Insel im sonst katholischen Eichsfeld.

Eingemeindungen

Politik

Stadtrat

Der Stadtrat besteht aus 30 Mitgliedern:

Wappen

In der Stadtratssitzung am 11. Dezember 2007 wurde nach der Genehmigung des Thüringer Verwaltungsamtes für die Stadt ein neues gemeinsames Wappen beschlossen.

Blasonierung: „In Rot mit silbernen Zinnenflanken ein dreifach gespaltener Wellenpfahl.“

Flagge

Die Stadt Leinefelde-Worbis führt eine Flagge. Die Flagge ist in Rot mit weißen Flanken (Teilung 1:2:1) und trägt das Stadtwappen.

Wappen der Ortsteile

Städtepartnerschaften

Nach der Städtefusion 2004 sind bis jetzt (2007) die Partnerschaften noch nicht auf die Stadt Leinefelde-Worbis übertragen worden, sondern bestehen mit den einzelnen Stadtteilen fort.

Leinefelde:

Worbis:

Beuren:

Breitenholz:

Breitenbach:

Sehenswürdigkeiten

Museen

Haus „Gülden Creutz“, Heimatmuseum mit einer Schuhmacherwerkstatt aus den 1920er-Jahren.

Bauwerke

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Bahn

Leinefelde ist Knotenpunkt der überregional bedeutenden Eisenbahnstrecke Halle (Saale)Kassel (Halle-Kasseler Eisenbahn) und der Strecke Göttingen-Erfurt (Bahnstrecke Gotha-Leinefelde). Hier halten die Regional-Express-Linien 1 (Göttingen–Leinefelde–Erfurt–Chemnitz/Zwickau) und 9 (Kassel–Leinefelde–Nordhausen–Halle) sowie verschiedene Regionalbahnen.

Die Strecke Halle–Kassel wurde als Verkehrsprojekt Deutsche Einheit bis 1994 zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert.

Autobahn und Bundesstraßen

Die Bundesstraßen 247 (DuderstadtMühlhausen) und 80 (HeiligenstadtNordhausen) kreuzen sich in Leinefelde-Worbis. Die Bundesautobahn 38, ebenfalls ein Verkehrsprojekt Deutsche Einheit, grenzt unmittelbar an die Stadt Leinefelde. Die A 38 wurde am 20. Dezember 2006 für den Verkehr (Strecke: Breitenworbis bis Friedland) freigegeben.


Medien

In Leinefelde hat der regionale TV-Sender Offener Kanal Eichsfeld seinen Sitz.

Öffentliche Einrichtungen

Bildung

In Leinefelde-Worbis bestehen folgende Schulen:

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Einzelnachweise

  1. Einwohnerzahlen
  2. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 40, ISBN 3-88864-343-0