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Leonard Bloomfield

Leonard Bloomfield (* 2. April 1887 Chicago, † 18. April 1949 New Haven) war ein US-amerikanischer Linguist, der eine behavioristische, sog. mechanistische Sprachanalyse betrieb.

Inhaltsverzeichnis

Lebenslauf

Leonard Bloomfield in wurde in Chicago als Sohn von Sigmund und Carola Buber Bloomfield geboren. Sein Onkel war Maurice Bloomfield, Professor des Sanskrit und der "Comparative Philology" an der Johns Hopkins University in Baltimore. Bloomfield immatrikulierte 1903 im Harvard College in Boston. 1906 graduierte er zum "A.B. Assistant in German" an der Universität in Wisconsin. Nachdem er bei Eduard Prokosch studiert hatte, entschied er sich für eine linguistische Laufbahn.

1908 wurde Leonard Bloomfield zum "Assistant in German und Graduate Studies" an der Universität in Chicago ernannt. Ein Jahr später promovierte er unter Francis A. Wood mit "A semasiologic differentiation in Germanic secondary ablaut". Im selben Jahr heiratete er Alice Sayers.

In den Jahren 1909/1910 war er als „Instructor in German“ an der Universität in Cincinnati tätig. Bis 1913 arbeitete er in der Deutschen Abteilung der Universität von Illinois.

Da für Mitarbeiter dort ein Studienaufenthalt in Deutschland eine wesentliche Voraussetzung für die Beförderung war, ging Bloomfield nach Deutschland. Im Wintersemester 1913/14 begann Leonard Bloomfield mit Studien der historisch-vergleichenden Sprachwissenschaft junggrammatischer Art bei August Leskien und Karl Brugmann in Leipzig, im Sommersemester 1914 mit Studien der historisch-vergleichenden Sprachwissenschaft bei Jacob Wackernagel, der Indologie bei Hermann Oldenberg und der Iranistik bei Friedrich Carl Andreas in Göttingen.

Von 1913 bis 1921 war Bloomfield „Assistant Professor of Comparative Philology and German“ an der Universität von Illinois. In dieser Zeit begann er seine ersten Studien der Algonkin-Sprachen.

Im Sommer 1920 folgte seine erste Feldforschung bei den Menomini in Wisconsin. Die zweite folgte im Jahr darauf. Seine Aufzeichnungen dienten als Basis für die posthum publizierte Grammatik „The Menomini Language“, die bis heute als Standardwerk zu dieser Sprache gilt.

Von 1921 an arbeitete Bloomfield als Kollege des Behavioristen Albert P. Weiss als „Professor of German and Linguistics“ an der Ohio State University.

Bloomfield gehörte 1924 mit George M. Bolling und Edgar H. Sturtevant zum Gründungskomitee der „Linguistic Society of America“.

1927 ging er nach Chicago , wo er bis 1940 im Bereich der Gemanischen Philologie an der University of Chicago tätig war.

1933 erschien sein bekanntestes Werk „Language“.

1935 wurde er zum Präsident der LSA ernannt. Als Nachfolger von Edward Sapir wurde Leonard Bloomfield 1940 „Sterling Professor of Linguistics“ an der Yale University in New Haven, Connecticut.

Lehren

Bloomfield wurde mit seinem Werk Language (1933) Begründer des amerikanischen Strukturalismus. Er verband „die Tradition der vergleichenden Sprachwissenschaft mit dem Strukturalismus ... und dem ethnolinguistisch fundierten Deskriptivismus“ (Franz Boas)[1]. „Bloomfields Strukturalismus ist geprägt von der behavioristischen Psychologie, die nur untersucht, was der direkten, intersubjektiven Beobachtung zugänglich ist; die Vorgänge des menschlichen Gewusstseins werden als mentalistisch aus der Betrachtung ausgeschlossen.“[2]

Dies führt bei Bloomfield und nachfolgend im amerikanischen Strukturalismus zu einer „meaning-Feindlichkeit“[3]. „Meaning“ lässt sich nach Bloomfield nicht intersubjektiv nachvollziehen[4].

Wenn „meaning“ als „Inhalt einer sprachlichen Form“ verstanden[5] und damit auf den mentalistischen Zeichenbegriff von Ferdinand de Saussure Bezug genommen wird, erscheint dies zutreffend. Wie Frege betonte, ist die subjektive Vorstellung des einzelnen Menschen eine je höchst individuelle. Die damit einhergehende Überwindung des Psychologismus, die die moderne Logik ermöglichte, dürfte dem amerikanischen Strukturalismus jedoch fremd sein. Er ist insofern ein radikalisierter linguistischer Empirismus.

Bloomfield reduzierte stattdessen die sprachliche Bedeutung in behavioristischer Weise auf ein stimulus-response-Schema. Für ihn ist die „Bedeutung“ eines Zeichens sprachextern, „nämlich als Reaktion auf den Sprechakt und somit als Sprachexternum“ zu bestimmen [6]-

Dadurch soll er "Wegbereiter der Sprachpragmatik" geworden sein [7]

Im Gegensatz zur Kopenhagener Schule des Strukturalismus arbeitet der amerikanische Strukturalismus induktiv, d.h. von der konkreten parole ausgehend, und deskriptiv.

Werke

Literatur

Quellen

  1. Dürr/Schlobinski, Deskriptive Linguistik (2006), S. 82
  2. Pelz, Linguistik (1996), S. 67
  3. so Pelz, Linguistik (1996), zu 4.6, S. 67
  4. so Pelz, Linguistik (1996), zu 4.6, S. 67
  5. so Pelz, Linguistik (1996), zu 4.6, S. 67
  6. Ernst, Pragmalinguistik (2002), S. 78
  7. Ernst, Pragmalinguistik (2002), S. 78 f.


Personendaten
Bloomfield, Leonard
US-amerikanischer Sprachwissenschaftler
1. April 1887
Chicago
18. April 1949
New Haven