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Stele Giustiniani

Die sogenannte Stele Giustiniani ist die antike griechische Grabstele eines jungen Mädchens. Sie wurde um 460 v. Chr. vermutlich auf Paros gefertigt und befindet sich heute in der Antikensammlung Berlin[1].

Die Stele Giustiniani wurde nach ihren Vorbesitzern, der venezianischen Familie Giustiniani benannt. Teile der Sammlung und damit auch die 1,43 Meter hohe Stele kamen 1897 nach Berlin in die Antikensammlung. Die Stele ist aus grauweißem, großkristalinen Marmor gefertigt. Sie verjüngt sich leicht von unten nach oben und verändert ihre Breite von 46 cm zu 40 cm. Bekrönt wird das Werk von einer großen Volutenpalmette.

Das Relief zeigt ein ernstes, in sein Tun versunkenes Mädchen. Teile der Darstellung waren, wie in der Antike üblich, in gemalter Form ausgeführt. Der Blick der jungen Frau geht zu einem Kästchen (Pyxis) in ihrer Hand, dem sie einen unbekannten, vormals aufgemalten Gegenstand, entnimmt. Der Deckel des zylindrischen Gefäßes steht auf dem Boden, direkt zu Füßen des Mädchens. Das Relief zeigt ein gängiges Motiv der griechischen Kunst. Verstorbene Mädchen wie das dargestellte, das der Kindheit schon entwachsen aber noch nicht verheiratet war, wurden besonders stark betrauert, wie aus Inschriften und Epigrammen überliefert ist. Somit ist die Schönheit der Dargestellten auch sinnbildlich für das gerade erblühte, aber auch wieder früh beendete Leben zu verstehen.

Aus unbekannten Gründen sind aus der Zeit zwischen 500 und 430 v. Chr. aus Athen keine Grabreliefs überliefert. Deshalb wird das Relief, dessen genaue Herkunft unbekannt ist, in den ostgriechischen Raum, wohl Paros, lokalisiert. Datiert wird die Stele aus stilistischen Gründen um 460 v. Chr., wofür auch die Kleidung der Verstorbenen als Argument dient. Sie trägt nicht mehr die reiche, aus der Archaik bekannte Bekleidung, die aus Chiton, Mäntelchen und Schleier bestand, sondern ein schlichtes, schweres Wollgewand, den Peplos. Er ist seitlich offen und zeigt einen bis an die Hüften herunter fallenden Überschlag. Die Bewegung des Körpers zeichnet sich nur wenig unter dem Peplos ab. Obwohl das Relief nicht sehr tief gearbeitet ist, suggerieren die schweren Falten des Gewandes eine größere räumliche Tiefe. Ein wenig kündigt sich in diesem Werk, etwa in der Neigung des Kopfes, schon der spätere Strenge Stil der klassischen Kunst an, der großen Wert auf die Ponderation (Körperbewegung, Spiel- und Standbein) legte.

Dazu gehört auch die dargestellte Tätigkeit des Mädchens, der sie mit allem gebotenen Ernst nachgeht. Sie legt ihren Hochzeitsschmuck an, da sie als unverheiratete junge Frau im heiratsfähigen Alter nun als Braut des Gottes der Unterwelt, Hades, galt. In stiller Versunkenheit bereitet sie sich nun auf ihre zukünftige Rolle vor. Möglich ist auch eine dargestellte Weihrauchspende. Bis auf einzelne Fehlstellen ist die Säule nahezu komplett überliefert, doch fehlen einige Accessoirs. So sind keine Reste der Bemalung erhalten. Ebenso fehlt ein Ohrring, für den ein Loch im Ohr vorhanden ist, und eine bronzene Fibel an ihrem Peplos, für die noch das Halteloch erkennbar ist.

Literatur

Anmerkungen

  1. Inventarnummer Berlin SK 1482 (K 19)

Koordinaten: 52° 31' 15" N, 13° 23' 47" O