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Horeb

Der Horeb (hebr. חורב ‎ „Ödland, Wüstengebiet“) ist in der Bibel der „Gottesberg“, an dem Mose dem Gott JHWH erstmals begegnete (Ex 3). Sein Name wird in der biblischen Geschichtsschreibung alternativ zum Berg Sinai - dem höchsten Berg der heute nach diesem benannten Sinai (Halbinsel) - verwendet. Die Nabatäer nannten diesen Berg um 100 v. Chr. Dschebel Mussa (Moseberg).

Hebräische Bibel

Ob der Horeb ursprünglich mit dem Sinai identisch war oder später mit ihm gleichgesetzt wurde, ist ungewiss. Die Bibelforschung vermutet, dass hinter der Geschichte vom brennenden Dornbusch ein Bergheiligtum der Midianiter stand, die dort einen Vulkan- oder Wettergott mit Namen JHWH anbeteten. Mose könnte diese Gottheit dann von Jitro, deren Priester, als Gott seines Volkes erfahren und mit den namenlosen Vätergöttern der Hebräerstämme identifiziert haben (Ex 18,10-12). Nach dem Bekanntwerden der Tora am Sinai könnte dieser Berg mit dem Ort der Offenbarung Gottes an Mose verknüpft worden sein. Eventuell trug der Gottesberg der Midianiter aber auch gar keinen bestimmten Namen, und der Horeb war einfach ein anderer Name für den Berg, an dem die Israeliten später die Gesetze empfingen.

Am Horeb (hebräisch: „Dürre") soll Mose Wasser aus dem Felsen herausgeschlagen haben:

Und der HERR antwortete Mose: Geh dem Volk voran und nimm einige von den Ältesten Israels mit dir. Auch deinen Stab, mit dem du [auf] den Nil geschlagen hast, nimm in deine Hand und geh hin! Siehe, ich will dort vor dich auf den Felsen am Horeb treten. Dann sollst du auf den Felsen schlagen, und es wird Wasser aus ihm hervorströmen, so dass das Volk [zu] trinken [hat]. (Ex 17,5f.)

In der späteren prophetischen Tradition des Nordreichs Israel erscheint der Horeb dann nach dem Gottesurteil gegen die Baalspriester auf dem Karmel (1 Kön 18) als Fluchtort Elijas vor der rachsüchtigen Königin Isebel (1 Kön 19). Hier wird im bewussten Kontrast zur Sinai-Offenbarung gesagt, dass Gott weder im Sturm noch im Erdbeben noch im Feuer erscheint, sondern in der unsichtbaren, leisen inneren Stimme, die den Propheten dann erneut zum Eingreifen in die reale Politik seines Volkes bewegt. Erstmals soll er einen fremden König zum Werkzeug Gottes zur Demütigung seines abtrünnigen Volkes salben (1 Kön 19,11-18).

So wurde der Horeb ein Symbol für die Berufung des einsamen Propheten Gottes, der notfalls auch gegen die Herrscher auftrat, die ihre Legitimation aus den überlieferten Gesetzen vom Sinai her bezogen.

Neues Testament

Das Johannesevangelium (Joh 4,10) erzählt von Jesus als Quelle des lebendigen Wassers. Dieses "lebendige Wasser" wird kirchengeschichtlich später mit dem Heiligen Geist identifiziert und auf die christliche Taufe bezogen.

In typologischer Anknüpfung an die Prophetie wurde später im Neuen Testament auch die endzeitlichen Lehren Jesu als Verkündigung für ganz Israel auf einen unbekannten Berg in Galiläa situiert (Bergpredigt Mt 5-7).

Im Galaterbrief wird in Kap. 4 eine Allegorie zwischen dem Berg Horeb oder Sinai und dem Berg Zion, also dem Tempelberg in Jerusalem, hergestellt, in dem die Tora am Sinai dem Volk Israel gegeben wurde, aber die Befreihung von der Tora in Jerusalem mit dem Menschenopfer Jesu, d.h. durch dessen Kreuzigung durch die Römer erkauft wurde.

Siehe auch