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Kuckucksuhr

Bereits Mitte des 17. Jahrhunderts war der mechanische Kuckuck allgemein bekannt. Ein Jahrhundert später tauchen erste Kuckucksuhren im Schwarzwald auf. Eingebaut in Häuschen mit geschnitzten Vorderseiten wurde die Kuckucksuhr ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum populären Souvenir.

Zudem ist die Kuckucksuhr im Ausland, insbesondere in den USA, ein typisches Symbol für Deutschland. Denn vor allem Amerikaner verbringen ihren Aufenthalt (oftmals Besuch noch stationierter GIs) in Deutschland vorwiegend im Süden (z.B. Schwarzwald).

Inhaltsverzeichnis

Die ersten Kuckucksuhren

Die Ursprünge der Kuckucksuhr liegen im Dunkeln.

1629 erwähnte der Augsburger Patriziers Philipp Hainhofer auf einer Reise nach Dresden erstmals eine Kuckucksuhr. Sie gehörte Kurfürst August von Sachsen.

1650 beschrieb Athanasius Kircher in dem weit verbreiteten Handbuch zur Musik Musurgia Universalis (1650) eine mechanische Orgel mit verschiedenen Figurenautomaten, darunter auch eine mechanische Kuckucksfigur. Dieser Kuckuck öffnet automatisch den Schnabel und bewegt Flügel und Schwanzspitze. Gleichzeitig ertönt der Kuckucksruf, erzeugt von zwei Orgelpfeifen, die auf eine kleine oder große Terz gestimmt sind.

1669 schlug Domenico Martinelli in seinem Buch Horologi Elementari vor, den Kuckucksruf für die Anzeige der Stunden zu verwenden. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war der Mechanismus für eine Kuckucksuhr bekannt.

Die ersten Schwarzwälder Kuckucksuhren

Wer die ersten Schwarzwälder Kuckucksuhren konstruiert hat, ist umstritten. Bereits die beiden ersten Geschichtsschreiber über die Schwarzwälder Uhrmacherei widersprechen sich in dieser Frage. Markus Fidelis Jäck behauptete 1810, dass Franz Anton Ketterer aus Schönwald zu Beginn der 1730er Jahre als erster Kuckucksuhren gefertigt habe. Franz Steyrer hingegen berichtet in seiner Geschichte der Schwarzwälder Uhrmacherkunst (1796), dass Michael Dilger in Neukirch und Matthäus Hummel 1742 anfingen, Kuckucksuhren zu bauen. Wolfgang Altendorff schreibt die erste Schwarzwälder Kuckucksuhr dagegen Franz Anton Ketterers Vater Franz Ketterer zu. Zu weiteren frühen Kuckucksuhrmachern zählen die beiden Brüder Andreas und Christian Herr, geb. 1812 und 1814, die in einem kleinen Bauernhaus in der Nähe von Triberg im Schwarzwald die Herstellung von Kuckucksuhren betrieben.

Im 19. Jahrhundert fand sich der Kuckuck ebenso in Lackschilduhren als auch in Rahmenuhren, bevor die Bahnhäusleuhr alle anderen Formen der Kuckucksuhr innerhalb weniger Jahre vom Markt verdrängte.

Das Unternehmen der Familie Weisser wurde 1889 durch Ernst Weisser gegründet. Seit dieser Zeit wird das Unternehmen mit leichten Unterbrechungen in der 5. Generation geleitet und ist heute spezialisiert auf den Handel mit Kuckucksuhren.

Die Bahnhäusle-Uhr, ein Jahrhundertdesign aus Furtwangen

Im September 1850 rief Robert Gerwig, der Direktor der Großherzoglich Badischen Uhrmacherschule in Furtwangen, zu einem Wettbewerb für ein zeitgemäßes Uhrendesign auf.

Der folgenreichste Entwurf stammt von Friedrich Eisenlohr, der als Architekt für die meisten Bauten entlang der badischen Staatseisenbahn verantwortlich war. Eisenlohr versah die Fassade eines Bahnwärterhäuschens mit einem Zifferblatt. Das Urbild der heute noch als Souvenir beliebten Kuckucksuhr war geboren.

Um 1860 entfernte sich die Bahnhäusleuhr deutlich von der ursprünglich eher strengen grafischen Form. 1862 bot Johann Baptist Beha aus Eisenbach zum ersten Mal reich verzierte Kuckucksuhren mit geschnitzten Beinzeigern sowie Gewichten in Form von Tannenzapfen an.

Seit dieser Zeit ist die Bahnhäusleuhr mit üppigen dreidimensionalen Pflanzen- und Tierschnitzereien ein Dauerbrenner als Souvenir aus dem Schwarzwald. Noch heute wirbt der Tourismus im Land der dunklen Wälder und Bauernhäuser gezielt mit der Kuckucksuhr, denn die Bahnhäusleuhren gelten als „Wahrzeichen“ des Schwarzwaldes, das man in aller Welt versteht.

Die weltgrößte Kuckucksuhr steht (laut Guinness-Buch der Rekorde) in Schonach im Schwarzwald, der größte Kuckuck außerhalb des Schwarzwalds in Gernrode im Harz. Am Ortsausgang des südfranzösischen Sospel in Richtung Italien befindet sich ein modernes französisches Kuckuckshaus, wobei der Kuckuck besonders durch sein gelbes Gefieder überrascht.

Bedeutung in der populären Kultur

Die Kuckucksuhr ist in zahlreichen Comics und Zeichentrickfilmen verwendetes Requisit, wobei der Kuckuck fast immer - im Unterschied zu den handelsüblichen Kuckucksuhren - an einem Pantograph befestigt ist und ein Stück aus der Uhr herausschnellen kann.

Literatur

Siehe auch