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Charles Henri Sanson

Charles Henri Sanson, eigentlich Chevalier Charles Henri Sanson de Longval (* 1739 in Paris; † 1806 ebenda) wurde als Scharfrichter der Französischen Revolution bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Charles Henri Sanson wurde als ältester Sohn von Charles Jean-Baptiste Sanson sowie dessen Ehefrau Madeleine Tronson geboren und entstammt einer Henkersfamilie, die seit 1688 das Scharfrichteramt ausübte. Er wurde zunächst in der Klosterschule von Rouen erzogen, bis er als Vierzehnjähriger durch die Indiskretion des Vaters eines anderen Schülers, der den Henker, seinen Vater, bei einem Besuch erkannte, die Schule verlassen musste, um ihren guten Ruf nicht zu gefährden. Charles Henri erhielt fortan Privatunterricht und ging an die Universität Leiden, um Arzt zu werden. Er hegte eine besondere Abneigung gegen das erbliche Gewerbe seiner Familie.

Henker als Beruf

Einer schweren Lähmung seines Vaters und dem Durchsetzungsvermögen von Madame Sanson, der Großmutter väterlicherseits, ist es zuzuschreiben, dass Charles Henri sein Medizinstudium abbrach und den verhassten Beruf des Henkers zur Existenzsicherung seiner Familie antrat. Er wurde bekannt als „Monsieur de Paris“ - der Henker von Paris. 1766 heiratete Sanson die sechs Jahre ältere Marie Anne Jugier, die seine zweite Ehefrau wurde. Sie hatten zusammen zwei Söhne, Henri (1767-1830), der sein Nachfolger wurde, und Gabriel (1769-1792), der bei den Hinrichtungen aushalf, allerdings bei dem Versuch, der Menge den abgeschnittenen Kopf eines Verurteilten zu zeigen, vom Gerüst fiel und verstarb.

1757 assistierte Charles Henri Sanson seinem Onkel Gaston bei der extrem grausamen Hinrichtung und Verstümmelung des Königattentäters Robert François Damiens. 1778 bekam er schließlich den blutroten Mantel, das Zeichen des Henkermeisters, von seinem Vater Charles Jean-Baptiste und war bis 1795 38 Jahre in diesem Amt, bis er, von Krankheit gezeichnet, von seinem Sohn Henri abgelöst wurde. Die überwiegende Mehrzahl der Hinrichtungen wurden von seinen bis zu sechs Henkersknechten ausgeführt. Charles Henri Sanson ließ exakt 2.918 Köpfe rollen, darunter die von Ludwig XVI. und dessen Gattin Marie Antoinette, obgleich er selbst ein Anhänger der Monarchie war und sich anfangs dagegen gesträubt hatte, den König zu exekutieren. Später folgten auf der Guillotine eine Reihe prominenter Revolutionäre wie Georges Danton, Camille Desmoulins, Maximilian de Robespierre oder Antoine de Saint-Just, deren Verurteilung er mit Genugtuung zur Kenntnis nahm.

Befürworter der Guillotine

Sanson war ein eifriger Befürworter des Vorschlags des Arztes Joseph-Ignace Guillotin, der einen simplen Mechanismus zum Köpfen für eine humanere Art der Hinrichtung hielt. Er argumentierte damit, dass der Henker nach mehreren abgeschlagenen Köpfen rasch ermüde, das Richtschwert sich abnütze und Anschaffungs- und Erhaltungskosten enorm seien.

Zu Sansons Hobbys zählten die anschließende Sezierung seiner Opfer und die Herstellung von Medikamenten mittels Heilkräutern, die in seinem Garten wuchsen. In seiner freien Zeit spielte er gern Violine sowie Cello, hörte Christoph Willibald Gluck und traf an den Musizierabenden öfters mit dem Cembalo-Hersteller und Musikfreund Tobias Schmidt, einem Deutschen, zusammen, der als tüchtiger Handwerker später die Tötungsmaschine bzw. Guillotine nach dem Konzept von Antoine Louis, dem Leibarzt des Königs, erstellen sollte.

Eine Anekdote berichtet, dass Sanson nach seinem Rücktritt Napoléon auf der Straße begegnete. Napoléon fragte den ehemaligen Henker, ob er noch ruhig schlafen könne, nachdem er dreitausend Menschen hingerichtet habe. Sanson antwortete darauf lakonisch: „Wenn die Kaiser, Könige und Diktatoren ruhig schlafen können, warum soll's nicht auch der Henker können?“


Quellen

Familie Sanson, französisch

Literatur

Personendaten
Sanson, Charles-Henri
Chevalier Charles-Henri Sanson de Longval
Revolutionshenker der Französischen Revolution
1739
Paris
1806
Paris