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Shaw-Alphabet

Shaw-Alphabet
Schrifttyp Alphabet
Sprachen Englisch
Erfinder Ronald Kingsley Read
Verwendungszeit seit 1960
Abstammung
Shaw-Alphabet
Abgeleitete Quikscript
Unicode-Block U+10450..U+1047F
ISO 15924 Shaw

Das Shaw-Alphabet (en.: Shavian alphabet) ist ein phonologisches Alphabet für die englische Sprache, das nach dem irischen Dramatiker und Literaturnobelpreisträger George Bernhard Shaw benannt wurde.

Shaw war mit der englischen Schriftsprache sehr unzufrieden und forderte häufig eine völlige Revision der bestehenden englischen Schreibweise. 1958, acht Jahre nach Shaws Tod, wurde in seinem Namen ein Wettbewerb für ein neues Alphabet ausgeschrieben, das einen direkten Bezug zur Aussprache herstellen, möglichst verschieden vom lateinischen Alphabet und möglichst einfach zu schreiben sein sollte. Der Engländer Ronald Kingsley Read gewann den Wettbewerb gegen 467 Mitbewerber.

Trotz einiger Bemühungen, das Alphabet bekannt zu machen, wurde eine offizielle Einführung in die englische Sprache nie ernsthaft in Erwägung gezogen. Das einzige Buch, das jemals in Shaws Alphabet veröffentlicht wurde, war seine Komödie „Androcles and the Lion“ (dt.: „Androklus und der Löwe“).

Inhaltsverzeichnis

Aufbau

Das Shaw-Alphabet besteht aus 40 Buchstaben. Zusätzlich gibt es noch acht häufig vorkommende Ligaturen. Diese Buchstaben sind jeweils aus möglichst wenigen Komponenten aufgebaut. Sie repräsentieren ihrerseits genau ein Phonem der englischen Sprache, zu denen auch Affrikaten und Diphthonge gezählt werden.

Große (hohe und tiefe) Buchstaben:
 
Buchstabe:
Aussprache:
/p/ /b/ /t/ /d/ /k/ /g/ /f/ /v/ /θ/ /ð/
Name/Beispiel: peep bib tot dead kick gag fee vow thigh they
 
 
/s/ /z/ /ʃ/ /ʒ/ /ʧ/ /ʤ/ /j/ /w/ /ŋ/ /h/
so zoo sure measure church judge yea woe hung ha-ha

Kleine Buchstaben:
 
/l/ /ɹ/ /m/ /n/ /ɪ/ // /ɛ/ // /æ/ //
loll roar mime nun if eat egg age ash ice
 
/ə/ /ʌ/ /ɒ/ /əʊ/ /ʊ/ // // /ɔɪ/ /ɑː/ /ɔː/
ado up on oak wool ooze out oil ah awe

Ligaturen:
 
  /ɑ˞/ /ɔ˞/ // /ɝ/ /əɹ/ /ɪɚ/ /ɪə/ /juː/
  are or air err array ear Ian yew

Im Shaw-Alphabet wird nicht zwischen Groß- und Kleinschreibung unterschieden. Bei Namen wird jedoch ein Punkt (·) vor das Wort gestellt. Satzzeichen werden genauso wie in der englischen Rechtschreibung verwendet.

Die Schreibung in Androkolus und der Löwe basierte auf der sogenannten „Received Pronunciation“, einer Art Standardaussprache des britischen Englisch. Jedoch würden sich eine große Menge unterschiedlicher Schreibungen ergeben, wenn man berücksichtigt, dass in verschiedenen englischsprachigen Regionen sehr verschiedene Realisierungen der englischen Phoneme existieren. Das ist auch einer der Hauptkritikpunkte an dem Alphabet. Ein weiterer ist, dass das Alphabet keine Möglichkeit bietet Betonung anzuzeigen. Dies geschieht jedoch häufig über den Umweg, dass unbetonte Vokale zentralisiert werden.

Unicode

Mittlerweile ist das Shaw-Alphabet in den Schriftstandard Unicode aufgenommen worden. Der Bereich von U+10450 bis U+1047F ist dafür reserviert.

Weiterentwicklungen

Quikscript

Kingsley Read, der selbst das Shaw-Alphabet entwickelte, verarbeitete es 1966 zu Quikscript, einem Alphabet, das auf einfache Handschreibung ausgelegt ist.

Ŝava alfabeto

Ĝan Ŭesli Starling (John Wesley Starling) entwickelte 1996-1997 eine Adaption für die Plansprache Esperanto.

Revised Shavian Alphabet

Paul Vandenbrink schlug 2000 eine vereinfachte Version des Alphabets vor, sodass unter anderem weniger Vokale verwendet werden müssen. Diese Version ist auch jene, die unter www.shawalphabet.com vorgestellt wird.

Siehe auch