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Alpini

Als Alpini bezeichnet man die italienischen Gebirgsjäger, die als die älteste Gebirgsjägertruppe der Welt gelten. Nicht zu verwechseln sind sie mit den „Alpenjägern“, einer Freischartruppe, die während des Risorgimento 1859 unter Garibaldi kämpfte und 1861 in die italienische Linieninfanterie eingegliedert wurde.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Gründung 1872

1872 wurden zunächst 15 Alpinikompanien zur Verteidigung der Alpengrenze aufgestellt. 1878 bestanden bereits 10 Bataillone, ab 1882 wurden die ersten Regimenter gebildet. Im Gegensatz zur Linieninfanterie wurden die Alpini lokal rekrutiert, was nachhaltigen Einfluss auf ihren Korpsgeist und ihre Leistungsfähigkeit hatte. Die (traditionellen 8 bzw. 9) Alpini-Regimenter bzw. die Alpini-Bataillone sind bis heute fest mit ihren Stationierungsgebieten verwurzelt.

Erster Weltkrieg

Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges gab es 50 Bataillone, welche im Verlaufe des Krieges auf 88 erhöht wurden. Die Alpini operierten dem Gelände und den hochalpinen Schwierigkeiten entsprechend in Form kleiner Angriffstruppen. Doch obwohl sie einige siegreiche Gefechte durchführten, konnten sie keinen Durchbruch im Alpenraum erkämpfen. Berühmt ist das Alpini-Skibataillon am Adamello, doch auch bei den Isonzo- und Piaveschlachten wurden Alpini-Regimenter eingesetzt.

Zweiter Weltkrieg

Im Zweiten Weltkrieg schlugen sich die in Alpini-Divisionen organisierten Alpini-Regimenter im Gegensatz zu den meisten anderen italienischen Verbänden trotz der oft tragischen Umstände recht gut. Im desaströsen Feldzug gegen Griechenland zeichnete sich die Alpini-Division „Julia“ (Friaul, Julische Alpen) besonders aus. Auf Wunsch Mussolinis wurde 1942 ein ganzes Alpini-Armeekorps als Teil der ARMIR Armee in die russische Steppe geschickt, wo es Anfang 1943 in einer Kesselschlacht am Don von der Roten Armee von den eigenen Linien abgeschnitten wurde und bei starkem Frost zwei Wochen hinter der Front kämpfte, bis es sich, stark dezimiert, wieder deutschen Truppen anschließen konnte.

1945-1991

In der Nachkriegszeit wurden fünf Alpini-Brigaden aufgestellt (z.T mit den alten Divisionsnamen: „Taurinense“ (Turin), „Orobica“ (Meran), „Tridentina“ (Brixen), „Cadore“ (Belluno) und „Julia“ (Udine) und dem IV. (Alpini-)Korps (Bozen) unterstellt. Die Alpini-Brigade „Taurinense“ stellte lange Jahre der NATO ein Bataillon für die „Allied Mobile Force - Land“ (AMF-L) zur Verfügung, das häufig in Norwegen übte.

Seit 1991

Ab 1991 verloren die Alpini nach und nach einige ihrer Brigaden, zunächst die „Orobica“ in Meran, dann die „Cadore“ in Belluno. Alle Alpini-Regimenter haben nur noch Bataillonsstärke. Im Zug der Abschaffung der Wehrpflicht und der Verkleinerung der italienischen Streitkräfte blieben nur mehr zwei Brigaden übrig, die „Taurinense“ in Turin (2., 3. und 9. Alpini-Regiment) und die „Julia“ in Udine (5., 7., und 8. Alpini-Regiment). In Südtirol verbleiben neben dem 5. Alpini-Regiment in Sterzing („Julia“-Brigade) nur noch das 6. Regiment (teilaktiver Ausbildungsverband, betreut die Übungsplätze im Pustertal), sowie das den Spezialkräften zugeordnete 4. Alpini-Fallschirmjägerregiment in Bozen. Ebenfalls in Bozen (Gries-Quirein) befindet sich das Gebirgstruppenkommando (Comando Truppe Alpine, Nachfolger des IV. Korps) mit dem für Auslandseinsätze vorgesehenen Divisionsstab „Tridentina“. Neben einigen anderen Ausbildung- und Unterstützungsverbänden untersteht dem Kommando in Bozen auch das Gebirgs- und Winterkampfausbildungszentrum in Aosta. (Stand 2005)

Alpini in der Berufsarmee

Seit Abschaffung der Wehrpflicht im Jahr 2005 können sich Freiwillige (Mannschaften) zunächst für eine einjährige Dienstzeit verpflichten und dann ggf. um weitere vier Jahre verlängern. Die Professionalisierung der italienischen Streitkräfte brachte zunächst Probleme für die Alpini mit sich, da nicht genügend Freiwillige aus den Alpentälern zur Verfügung standen. Die Regelung, nach der Bewerber nur dann zu den Carabinieri und zu anderen Polizei- und Zivilschutzkräften zugelassen werden, wenn sie sich zuvor „freiwillig“ bei der Armee verpflichten, brachte Abhilfe, wie auch eine „Soldzulage“ für die Gebirgstruppen. Von vielen ehemaligen Angehörigen der Alpini wird heute beklagt, dass die neuen Bewerber nicht mehr vorwiegend aus Norditalien kommen und somit der traditionelle Korpsgeist ausgehöhlt werde. Durch die ständigen Auslandseinsätze mit ihren oftmals eher polizeiähnlichen Anforderungen werde auch der eigentliche Charakter der Alpini als Hochgebirgstruppe immer mehr verwischt und de facto letztlich eine beliebige leichte Infanterietruppe geschaffen. Andere verweisen darauf, dass diese Argumente vorwiegend von der einflussreichen Associazione Nazionale Alpini vorgebracht werden, weil diese um ihre Basis fürchte. Das Militär und auch die Alpini müssten den Anforderungen der heutigen Zeit gerecht werden und die Ausbildungspraxis zeige, dass man nicht als Gebirgsjäger geboren werde, sondern die Ausbildung über den Wert der Truppe entscheide. Die Ausbildung habe sich nach dem Ende des Kalten Krieges an der neuen asymmetrischen Bedrohungslage auszurichten.

Literatur

Siehe auch