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Tarnmuster

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Tarnmuster sind durch verschiedene Farben und Formen hervorgerufene Muster, die geeignet sind, die Konturen eines Tieres, Gegenstandes oder Menschen vor einem Hintergrund aufzulösen.

Inhaltsverzeichnis

Tarnmuster im Tierreich

Tarnung ist im Tierreich weit verbreitet. Tarnmuster können einerseits fleischfressende Tiere (Carnivoren, Prädatoren und Insekten) vor einer verfrühten Entdeckung durch ihre Beutetiere schützen und andererseits eine gejagte Tierart für den Fressfeind „unsichtbar“ machen oder ihn zumindest verwirren. Einige Tierarten sind Perfektionisten der Tarnung und können sekundenschnell ihre Muster den jeweils vorgegebenen natürlichen Gegebenheiten und Hintergründen anpassen. Dazu zählen Chamäleons und die meisten Tintenfischarten. Andere besitzen neben einem natürlichen Tarnmuster auch ein konturauflösendes Aussehen, z. B. manche Arten der Tigerung.

Im Gegensatz zur reinen Mimikry, dem Nachahmen von Form und Erscheinung unauffälliger Objekte (siehe Stabheuschrecke) oder gefährlicher Tiere durch harmlose Arten, geht es bei Tarnmustern um die rein optische Verschmelzung des Tieres mit seiner Umgebung, die zumeist nur bei Bewegungslosigkeit funktioniert und durch Bewegung aufgelöst wird. Eine Besonderheit sind Muster, die wie beim Zebra hauptsächlich auf Irritation ausgelegt sind. Einige Tarnmuster im Tierreich sind auch auf Sehorgane spezialisiert, die andere Licht- und Farbfrequenzen wahrnehmen, als der Mensch.

Tarnmuster beim Menschen

Seit Urzeiten nutzten die Menschen natürlich vorhandene Tarnelemente um Beute oder Feinde auszuspähen und sich anzuschleichen. Die Idee, mit tarnenden Mustern zu experimentieren ist jedoch historisch gesehen sehr neu und nahm ihren Ausgang bei den Armeen der Entente im Ersten Weltkrieg. Dort waren Tarnmuster erstmals an den klobigen, weithin sichtbaren Tanks der Briten - und kurze Zeit später bei denen der Franzosen zu sehen. Diese Muster folgten noch keinen standardisierten Vorgaben, sondern wurden individuell mit verschiedenen mehr oder minder deckenden Farben aufgepinselt. Ziel war es die optische Aufklärung zu erschweren.

Bis 1918 waren auch Tarnmuster beim deutschen Militär improvisiert. Erst im Juli 1918 wurden in Deutschland offiziell das erste standardardierte Tarnmuster, der Buntfarbenanstrich, in der kaiserlichen Armee und für die Luftwaffe eingeführt. Diese Tarnung fand ausschließlich bei Großgerät (u.a. Panzer, Flugzeuge, Kanonen) und Ausrüstungsgegenstände (u.a. Munitionskisten, Helme, LKW-Planen) Verwendung. Sie bestand aus scharfeckigen Tarnflecken in den Farben Rostbraun, Grün und Ockergelb, welche mit dicken schwarzen Strichen voneinander abgegrenzt wurden.

Amerikanische, britische und teilweise auch deutsche Kriegsschiffe wurden während des ersten Weltkriegs mit unregelmäßigen eckigen hell-dunkel-Mustern („Dazzle“) versehen, was weniger die Entdeckung an sich verhindern sollte, sondern das Erfassen von Typ, Größe (und damit auch der Entfernung), Kurs und Geschwindigkeit durch optische Instrumente erschweren sollte.

Das erste auf Stoff gedruckte Tarnmuster, das Telo Mimetico, das wie der deutsche Buntfarbenanstrich Rostbraun, Grün und Ockergelb verwendete, wurde 1929 beim italienischen Militär für die Zeltbahnen eingeführt. Mit diesem Muster bedruckte Stoffe wurden ab 1937 erstmals auch für Uniformen verwendet: Die italienische Luftwaffe rüstete damit ihre Fallschirmjäger aus. Ab 1943 wurden auch Einheiten der Waffen-SS mit diesem Muster bekleidet. Das Telo Mimetico ist das bis heute am längsten getragene Tarnmuster und wurde in Italien erst 1992 abgeschafft.

Die Reichswehr hatte 1931 ein eigenes Tarnmuster (Splittertarn), ebenfalls nur für Zeltbahnen eingeführt. Dieses später international erfolgreiche Tarnmuster wurde bis Ende der 1950er Jahre beim Bundesgrenzschutz auch für andere Ausrüstungsgegenstände weiterverwendet. Splittertarn war zudem u.a. in der Wehrmacht, der Bundeswehr der Schweizerischen Armee und in einigen Ostblockstaaten in Verwendung. Etliche Varianten und Unterarten des Musters sind über die Jahrzehnte entwickelt worden. Ab 1952 wurde beim Bundesgrenzschutz zudem eine überarbeitete Variante des 1943/44 bei der Wehrmacht eingeführen Sumpftarn getragen.

Das weltweit ersten im großen Stil produzierte Uniformtarnmuster war das bis heute weitverbreitete Flecktarn der Waffen-SS, mit dem diese nationalsozialistische Elitetruppe erstmals 1938 ausgerüstet wurde. Das erste dieser Tarnmuster („Platanen“) war von dem Direktor der 1935 aufgebauten Abteilung „T“ („Tarnung“), Professor Johann Georg Otto Schick, entwickelt worden, während der damalige Sturmbannführer Wim Brant die Richtlinien zu den einzelnen Ausrüstungs- und Bekleidungsteilen entwarf. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit war so erfolgreich, daß heute so gut wie jede Armee Flecktarn-Bekleidung trägt, die auf diesen Überlegungen basiert. Im Zweiten Weltkrieg wurden dann schnell Tarnmuster bei allen Truppen weitverbreitet eingesetzt, da man durch die gemachten Erfahrungen von ihren Vorzügen überzeugt wurde. Bald gab es ziemlich detaillierte Vorschriften hinsichtlich der verwendeten Farben (siehe RAL-Farben) und der Tarnmuster. Allerdings zwang der Kriegsverlauf und die Knappheit an Material oft zu Improvisationen und der Benutzung von erbeuteter Farbe, so dass den ausführenden Soldaten oft reichlich Raum zur künstlerischen und individuellen Gestaltung blieb.

Die 1955 gebildete Bundeswehr führte nach den seit Oktober 1950 laufenden Vorarbeiten der Dienststelle Blank einen Kampfanzug in leicht abgewandeltem Splittertarn M31 der Reichswehr bzw. Wehrmacht ein. Bereits 1960 wurde dieses Tarnmuster jedoch durch eine Oliv-Variante im Farbton RAL 6014 (Gelboliv) ersetzt. Ziel war es nun, die Bundeswehr optisch an das einfarbige Erscheinungsbild der NATO-Partner anzugleichen.

Einige Streitkräfte blieben hingegen beim bewährten Tarnmuster, meist jedoch beschränkt auf Elite- und Spezialeinheiten. Dies änderte sich erst ab den 1970er Jahren. Immer neue Varianten wurden entwickelt oder den örtlichen Gegebenheiten angepasst; es wurden viele Experimentalmuster vorgestellt. Einige Besonderheiten sind die Verwendung von Kunstrasen als Tarnbeschichtung in Dänemark, mit rechteckigen weissen und grauen Flächen versehene britische Panzer für den Häuserkampf in Berlin, und das australische Verfahren, die Fahrzeuge mit einer Mischung aus Dieselöl und dem örtlichen Boden zu bewerfen.

In den späten 70er Jahren wurden von der US Air Force „Counter-Shadowing“-Tarnmuster für Flugzeuge entwickelt, die die Sichtbarkeit durch gezieltes Entgegenwirken gegen die üblichen Schattenwürfe verringern sollten, aber auch ähnlich der historischen „Dazzle“-Tarnung die Beurteilung des gesichteten Objektes erschweren sollten.

Mit Einführung eines Flecktarnmusters auf Basis der Arbeiten von Johann Georg Otto Schick hat die Bundeswehr 1990 erneut ein Tarnmuster eingeführt, das heute weiteste Verbreitung gefunden hat. Durch Unterlagendiebstahl hat beispielsweise die chinesische Volksbefreiungsarmee ein identisches Bundeswehr-Muster bei ihren Gebirgsjägern eingeführt und auch die russische Armee hat typähnliche Muster eingeführt.

Verschwunden sind mittlerweile im militärischen Bereich Netz- und „Batik“-(ME262)-Tarnmuster, in erster Linie wegen der aufwendigen Erstellung.

Die Entwicklung von Tarnmustern wird nicht zuletzt dank der modernen Großrechner vorangetrieben. Sowohl die USA als auch Kanada und andere Staaten (z.B. Jordanien) statten ihre Streitkräfte mit digital verpixelten Mustern aus, sogenannten Digitaltarnmustern. Auch die italienische Armee nutzte für die Erstellung ihres "Vegetato"-Musters Computerprogramme, jedoch ist das Muster nicht digitalisiert.


Literatur

Siehe auch