Heim

Chuck Taylor All Star

Chuck Taylor All Stars, kurz auch „Chucks“, „Cons“ oder „Connies“[1] genannt, waren ursprünglich nur als Basketballschuhe gedacht, entwickelten sich aber bis heute zu einer der erfolgreichsten Schuhmoden der Welt. Seit 1917 hat die mittlerweile zum Nike-Konzern gehörende Firma Converse weltweit über 600 Millionen Exemplare dieser Textilschuhe verkauft. Damit sind die Converse-Chucks das bislang erfolgreichste Schuhmodell der Geschichte. Im Jahre 2008 wird der Verkauf des einmilliardsten Paares erwartet.[2]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

fünf verschiedenfarbige Chucks

Die ersten Schuhe mit Gummisohlen und Leinenschaft („Canvas“) wurden ab etwa 1860 produziert. Ab 1892 produzierte eine Abteilung der United States Rubber Company unter verschiedensten Markennamen solche Schuhe und brachte ab 1917 mit den Keds die ersten in Massenproduktion gefertigten Sportschuhe heraus.

1908 gründete Marquis Converse in den USA die Converse Rubber Shoe Company welche zuerst winterfeste Schuhe erzeugte und später auch Sportschuhe (Basketball, Tennis, Angeln, Football, Ringen) und andere. Die ersten Basketballschuhe der Marke All Star kamen 1917 in schwarz auf den Markt. Basketball war erst 1891 erfunden worden, wurde oft in Tanzsälen mit Parkettfußboden gespielt und steckte quasi noch in den Kinderschuhen.[3] 1921 begann Chuck Taylor, Basketballspieler und Converse-Mitarbeiter, für seinen Sport und die All-Star-Schuhe zu werben. Er selbst hatte seine ersten Chucks im Jahre 1918 getragen.[1] 1923 erhielten sie einen runden Aufnäher auf der Innenseite, beim Knöchel, mit seinem Namen und nannten sich nun Converse All Star Chuck Taylor, woraus später die Bezeichnung Chucks entstand. Der Aufnäher war in den 1950ern einfärbig blau auf weiß, wurde in den 1960ern mit rot oft zweifärbig und gilt als erste Signatur auf einem Basketballschuh[4]. Später erhielten auch für andere Sportarten produzierte Schuhe den Namenszug Chuck Taylors am Schuh und/oder auf der Packung.

Die Erfolgsgeschichte der Chucks begann, nachdem die amerikanische Basketballmannschaft sie zu ihren offiziellen Schuhen machte. 1936 war Basketball erstmals olympische Disziplin, das amerikanische Team gewann gegen Kanada und eroberte die Goldmedaillie.[1] 1939 wurde das erste NCAA-Meisterschaftsspiel abgehalten, bei dem beide Teams Chuck Taylor All Star trugen.[4] Der Schuh wurde zum Trend, und unter anderem auch deshalb in den USA so beliebt, weil er lange Zeit ausschließlich in den USA hergestellt wurde. Während des 2. Weltkriegs (USA ab 1942) wurden neben speziellen Fliegerstiefeln auch Chuck Taylor All Stars für die Grundausbildung produziert[4] und sind auch heute noch in den Listen des militärischen Bestellwesens angeführt.[5] Chuck Taylor war während dieser Zeit Fitness-Berater bei der Army.[5] Als sich 1949 die Basketball Association of America und die National Basketball League zur National Basketball Association zusammenschließen tragen zu dieser Zeit fast alle Spieler Chuck Taylor All Stars.[1] Zur Zeit der Saison 1955/56 sind die Chucks die Nummer eins unter den Basketballschuhen.[1] In den 1950ern wurden allgemein preisgünstige und pflegeleichte Sportschuhe, vor allem in Nordamerika ganz allgemein „Sneakers“ genannt, zu Alltagsschuhen der Jugend.[6] Ab Ende der 1950er[1] oder Anfang der 1960er[7] wurden auch kleinere Größen für Kinder produziert. Converse führte ab 1962[4] (offizielle Firmengeschichte, nach anderen Angaben 1957[8]) die niedrig geschnittenen Chuck Taylor All Star Oxford ein, welche bald Erfolg hatten. Nachdem bis 1966 nur schwarze und weiße Chucks produziert wurden, erweiterte man das Sortiment um sieben zusätzliche Farben[4] (Regenbogen). Davor wurden manchmal für Farbwünsche der Basketball-Teams Schuhe mit farbigen Schuhbändern ausgestattet oder auch nachträglich gefärbt. Später kamen andere Farben dazu, manche nur über einen gewissen Zeitraum. Bis Ende der 1960er hält Converse 90 % des Basketballschuh-Marktes.[7] 1974 tragen in den großen Colleges und Junior Colleges acht von zehn Spielern Converse-All-Star-Schuhe.[1] Ausgehend von den Profispieler ging die Schuhentwicklung indes weiter, besonders vom orthopädischen Standpunkt für Sportler und durch Lederschuhe. Im Jahre 1988 erwirtschaftet Converse jeweils ein Drittel seines Umsatzes mit Chucks, Basketball-Schuhen und der Performance-Kategorie.[7]

Punk am Ring mit mehreren Chucks-Trägern (2006)

Bis zum 75-jährigen Jubiläum 1992 wurden weltweit etwa 500 Millionen Paar Chucks verkauft[4], davon etwa die Hälfte auf den Märkten außerhalb der USA.[7] Im Jahre 2000 waren es 570 Millionen Paare.[9] Laut Kleiderordnung der römisch-katholischen Saint Benedict's Preparatory School in Newark (New Jersey) soll man während des Turnunterrichts nur „Chuck Taylor sneakers“ tragen, ausgenommen Athleten während des Trainings oder bei Wettkämpfen.[10]

2001 musste das Unternehmen Converse Konkurs anmelden, alle amerikanischen Fabriken wurden daraufhin geschlossen. Es kam zu Hamsterkäufen und die Chucks waren schwer zu bekommen.[5] Da aber in den Jahren davor Produktionsstätten in Asien (China, Indonesien und Vietnam) entstanden, werden die Schuhe dort weiterhin hergestellt. 2003 nahm Converse dann ein Übernahmeangebot von Nike an. Für 305 Millionen Dollar wurde das Unternehmen verkauft.

Image/Mode

Das modische Image der Schuhe kommt aus der Richtung Rebellion und Individualität. Sie haben einen gewissen Kult-Status, wurden über Jahrzehnte von mehreren Generationen immer wieder „neu entdeckt“ und sind auch immer wieder bei Stars der Musikszene zu sehen.

Als Sneakers in den 1950ern immer mehr zu einem Alltagschuh der Jugend wurden, auch aus Gründen der Rebellion, vollzog sich der Wandel auch mit den beliebten Chucks.[3] Unter anderem gibt es Fotos von James Dean und Elvis Presley in diesen Schuhen.[11] Vor allem James Dean trug zur Popularisierung der Sneakers bei. Als die Chuck Taylor All Star Oxford herauskamen wurden sie unter anderem von den Beach Boys gerne getragen.[7] Das Segeltuch und der Gummi lassen sich gut mit Kugelschreiber, Filz- oder Lackstift bearbeiten. Viele Jugendliche verzierten ihre Chucks mit Sprüchen, Bandnamen oder Zeichnungen. Während der Flower-Power-Bewegung verzierte man die Schuhe mit Peace-Zeichen oder steckte Blumen in die Schuhbandösen. In den 1970er Jahren erlebten die Chucks ihr erstes Revival. Mick Jagger heiratete 1971 in einem grünen Anzug und weißen Chucks.[8] Neben den Dr. Martens wurden sie auch in der Punk-Szene beliebt. Ein Magazin schrieb, dass Chucks die einzige tragbare Turnschuhmarke für einen Punk sei.[3] Es scheint kein Foto zu geben auf dem beispielsweise Joey Ramone keine Chucks trägt. Die Anhänger der Punk-Szene bemalten die Schuhe mit Anarchie-Symbolen und flickten die maroden Teile mit Klebeband und Sicherheitsnadeln, bis sie endgültig das Zeitliche segneten.[11][3] Auch das tragen von unterschiedlichen Farben war beliebt.Manche Menschen haben ihre Chucks, vor allem weiße, mit kunstvollen Mustern verziert. Die Firma griff dies auf und bietet neben den Standardfarben auch immer verschiedene Muster an. Nachdem die Mainstream-Modewelle bald wieder abflaute wurden sie im Zuge der Grunge-Alternativ-Welle Anfang der 1990er Jahre erneut von vielen Leuten getragen. Durch den Retrotrend des Jahres 2004 erhielt er neuerdings eine wiedererstarkte Bedeutung in der Mode.[12][7] Sie sind auch gruppenspezifisch bei Emos recht beliebt. Seit 2005 kann man sich auf der amerikanischen Webseite von Converse mit vorgegebenen Farben selbst Schuhe zusammenstellen, auch mit unterschiedlichen Farben auf einem Schuh für die beiden Seitenteile und die Zunge. Inzwischen werden sie auch zu Businesskleidung getragen, etwa von Ursula Plassnik eine schwarz/weiße Kreuzworträtselversion zu einem schwarzen Hosenanzug. Im Sommer 2007 trug Carine Roitfeld, Chefredakteurin der Vogue, bei Modeschauen in Mailand goldene Chuck Taylor All Star.[11]

Aussehen/Varianten

Das Aussehen der Chucks hat sich in den Jahren zwischen 1923 und heute kaum verändert, allerdings hat sich die Vielfalt deutlich vergrößert. Es gibt grundsätzlich drei Varianten:

Die Schuhe bestehen meistens aus einem Leinenstoff („Canvas“) (auch in Leder und anderen Materialien erhältlich), einer Gummisohle, Schnürsenkeln und dem oben erwähnten runden Aufnäher sowie einer (weißen) Gummikuppe an den Zehen. Auf der Innenseite sind noch zwei mit Nieten versehene Luftlöcher angebracht. Sie sind daher sehr leicht, luftig und lassen sich in warmer und trockener Umgebung bequem tragen. Chucks gibt es in sehr vielen unterschiedlichen Farben und von Größe 17 (etwa 6 Monate alte Babys) bis 53.

Imitate und Rip-Offs der Converse-Chucks

Die Beliebtheit der Chucks führte dazu, dass viele Firmen ähnliche Produkte zu deutlich günstigeren Preisen herstellen. Das Aussehen dieser Schuhe ist oft nahezu identisch mit den Converse All-Stars, bis hin zu einer Imitation des typischen runden Aufnähers (heute je nach Modell nur noch ein Aufdruck), allerdings befindet sich dieser im Gegensatz zum Original teilweise an der Außenseite.

Quellen

  1. a b c d e f g Converse: Converse History, insidehoops.com, 5. August 2005
  2. Susanne Kaloff: 100 Jahre Chucks - Zur Schau getragenes Understatement, stern.de, 22. Mai 2008
  3. a b c d Erin Ailworth: Pros and Cons, The Boston Globe, 2. März 2008
  4. a b c d e f CONVERSE TIMELINE, nikebiz.com, Februar 2008
  5. a b c Charles L. Perrin: Chucks - Known and Worn for Generations, Charlie's Sneaker Pages, Abruf 5. April 2008
  6. The Sneaker: A History, sneakerhead.com, Abruf: 5. April 2008
  7. a b c d e f Converse: Converse Schuhe - All Star Chucks, sincityonline.de, Abruf: 6. April 2008
  8. a b Alec Bilmes, Courrier-Mail, Australien: Star Power, chucksconnection.com, 2003, Abruf: 5. April 2008
  9. Charles L. Perrin: Converse - Classic Sneakers, Charlie's Sneaker Pages, Abruf: 5. April 2008
  10. St. Benedict's Preparatory School Student Handbook (*.doc), sbp.org, 2001, Abruf: 5. April 2008, Seite 6
  11. a b c Romy Uebel: Der Schuhrebell, Der Standard, 4. April 2008 & Leserreaktionen
  12. Norbert Knapp: Product Placement in der Modebranche, GRIN Verlag, 2007, ISBN 3-638-84959-7, S. 81