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Sengoku-Zeit

Die Sengoku-Zeit (jap. 戦国時代 sengoku-jidai, dt. Zeit der streitenden Reiche) ist eines der bewegtesten Zeitalter in der japanischen Geschichte. Der Beginn der Sengoku-Zeit wird auf etwa 1477 (Ōnin-Krieg) und das Ende auf das Ende des Ashikaga-Shōgunats datiert. Die Sengoku-Zeit ging 1573 in die Epoche der drei Reichseiniger (Azuchi-Momoyama-Zeit) über.

Inhaltsverzeichnis

Historische Einordnung

Das Ashikaga-Shōgunat hatte im Verlauf der Muromachi-Zeit ständig Macht eingebüßt. Mit dem Ōnin-Krieg (146777) verlor das Ashikaga-Shōgunat seine Bedeutung und mit ihm der letzte Rest einer zentralen Staatsgewalt. In den folgenden etwa 100 Jahren, die als Sengoku-Zeit bekannt geworden sind, rangen neue Männer um die Herrschaft in Japan.

Unter der Herrschaft der Ashikaga waren die Provinzen von Lokalherren regiert worden, die zumindest formal noch Shugo, also bestellte Provinzgoverneure waren. Mit dem Ende der Zentralstaatlichkeit trat ein neuer Typ Feudalherr auf, der Sengoku-Daimyō. Er legitimierte sich nicht mehr über die Berufung durch eine Zentralregierung, sondern durch Landbesitz und militärische Macht. Japan war in zahllose Territorien zersplittert, deren Herrscher Kriege gegeneinander führten und Bündnisse schlossen.

Die Zersplitterung wurde erst durch drei Männer, Oda Nobunaga, Toyotomi Hideyoshi und Tokugawa Ieyasu beendet. Sie befriedeten Japan mit militärischer Gewalt und Ieyasu gelang die Errichtung eines neuen Shōgunats. Mit der Einigung Japans endete die Zeit der streitenden Reiche Anfang des 17 Jahrhunderts.

Die streitenden Reiche

Mit Ende des Ashikaga-Shōgunats entstanden schätzungsweise 200 Territorien mit autonomen Herrschern. Um im Kampf um die Herrschaft eine Rolle zu spielen, waren etwa 30 dieser Sengoku-Daimyō mächtig genug. Mitte des 16. Jahrhunderts hatten sich durch Eroberungen und Bündnisse die Kontrahenten um die Herrschaft über die japanischen Inseln herauskristallisiert.

Mōri Motonari, Hōjō Ujitsuna, Imagawa Yoshimoto, Oda Nobunaga, Takeda Shingen und Uesugi Kenshin traten zum Kampf um die Herrschaft an, später stritten sich Akechi Mitsuhide, Hashiba Hideyoshi und Tokugawa Ieyasu um die Macht.

Takeda Shingen und Uesugi Kenshin bekriegten einander heftig. Bei Kawanakajima kämpften die beiden 4 unentschiedene Schlachten. Imagawa Yoshimoto marschierte im Jahr 1560 gegen Oda Nobunaga. Obwohl seine eigene Armee 20.000 Mann zählte, griffen die Oda (die nur 3000 Krieger in die Schlacht führten) sein Hauptlager an und töteten Yoshimoto in der Schlacht von Okehazama. 1568 gelang es Oda Nobunaga dann Kyōto zu erobern, Ashikaga Yoshiaki als Marionettenshōgun einzusetzen und mit dieser Legitimation die Eroberung ganz Japans anzustreben. Oda schloss ein Bündnis mit Tokugawa Ieyasu, einem ehemaligen General Imagawa Yoshimotos. Dann marschierte er gegen die bedeutendsten buddhistischen Klöster des Landes, da deren militante Mönchssoldaten (Sōhei) seine Feinde unterstützt hatten. Als Beispiel für Oda Nobunagas Grausamkeit und Härte wird häufig der Angriff auf das Kloster Enryaku-Ji im Jahr 1571 genannt, das er umzingeln und in Brand setzten ließ. Auch in den Kämpfen gegen die Sekten von Osaka kannte er keine Gnade. 1573 entmachtete er Ashikaga Yoshiaki wieder und war praktisch Herr über Japan.


Gesellschaftliche Auswirkungen

Trotz der unruhigen Zustände war die Endphase der Sengoku-Zeit eine Zeit bedeutsamer Entwicklungen für Japan. Oda Nobunaga reformierte die Verwaltung der Dörfer, die Landvermessung und die Steuererhebung. Eine Reform und Vereinheitlichung von Maßen und Gewichten, sowie eine Befreiung des Handels legten den Grundstein für den Aufstieg der Kaufleute (chōnin), der später prägend für die Edo-Zeit sein sollte. Toyotomi Hideyoshi installierte mit dem System der Daimyō als Provinzherren, die dem Regenten gegenüber zu Lehnstreue verpflichtet waren, die Basis für das Baku-Han-System der Tokugawa-Shōgune. Er setzte Oda Nobunagas Reformen fort, teilte ganz Japan neu auf und führte eine Steuer in Form von Reis ein. Sein bedeutendster Reformansatz war aber die Einführung von Ständen. Gerade er, der sich vom Bauern zum Kriegsherrn hochgedient hatte, zwang die Menschen nun entweder Bauern oder Krieger (Samurai) zu sein. Dieser Reformschritt gestaltete sich schwierig, da in den langen Kriegsjahren der Sengoku-Ära riesige Heere aus Bauern aufgestellt worden waren. Bis zum Onin-Krieg hatten allein die Bushi, von alters her Japans Kriegerelite, gekämpft. Für die Massenschlachten der folgenden Jahre waren auch die Bauern bewaffnet worden. Nach Toyotomi Hideyoshis Gesellschaftsreform mussten sie in sogenannten Schwertjagden (katana-gari) wieder entwaffnet werden. Diese Teilung der Gesellschaft bildete die Grundlage für das spätere Gesellschaftsmodell der Edo-Zeit mit seinen vier Ständen. Tokugawa Ieyasu schließlich vervollkommnete die Ansätze seiner beiden Vorgänger und installierte ein politisches System von bemerkenswerter Stabilität.

Filme

Literatur