Heim

Blue Streak

Dieser Artikel behandelt eine Mittelstreckenrakete; zu anderen Bedeutungen siehe Blue Streak (Begriffsklärung).

Die Blue Streak war eine britische Mittelstreckenrakete. Die Blue Streak wurde nie in die Truppe eingeführt, diente aber später als Startstufe der „Europa“-Rakete.

Inhaltsverzeichnis

Hintergrund

Großbritanniens nukleare Bewaffnung nach dem Zweiten Weltkrieg war ursprünglich auf den Abwurf von Bombern aus ausgelegt. Aber schon bald wurde deutlich, dass für eine wirkungsvolle Abschreckung eine ballistische Rakete unumgänglich war. Es gab den politischen Wunsch nach einer unabhängigen Abschreckung, so dass Großbritannien weiterhin eine bedeutende Großmacht bleiben konnte. Die Indienststellung von amerikanischen Raketen hätte den Anschein erwecken können, dass Großbritannien die Kontrolle an die USA abgäbe.

Im April 1954 schlugen die Amerikaner eine gemeinsames Programm zur Entwicklung einer ballistischen Rakete vor. Das Programm sah vor, dass die USA eine Interkontinentalrakete (ICBM) mit einer Reichweite von 9.300 km entwickeln, während die Briten mit amerikanischer Unterstützung eine Mittelstreckenrakete (MRBM) von 3.700 km Reichweite entwickeln würden. Dieser Vorschlag wurde als Teil des Wilson-Sandys Agreement, bei dem es um die Kooperation, den Austausch von Informationen und der gemeinsamen Entwicklung von Programmen ging, im August 1954 akzeptiert. Beeinflusst wurde die Entscheidung von dem zu erwartendem Wissensgewinn der britischen Raketenentwicklung durch die längere amerikanische Erfahrung in der Raketentechnik.

De Havilland gewann die Ausschreibung zum Bau der Rakete. Diese wurde mit einem verbesserten Rolls-Royce S3D Flüssigkeitstriebwerk, dem RZ2, angetrieben. Zulieferer waren unter anderem die Sperry Gyroscope Company, die das Leitsystem bauten, während der Sprengkopf von dem Atomic Weapons Research Establishment in Aldermaston hergestellt wurde.

Das Programm kam in die Kritik, als die Kosten von geplanten 50 Millionen Pfund Anfang 1955 auf 300 Millionen Pfund Ende 1959 stiegen. Im Vergleich zu den schnellen Fortschritten bei amerikanischen oder sowjetischen Raketenprogrammen kroch das britische Raketenprogramm geradezu dahin.

Streichung des Programms

Schließlich wurde das Blue Streak-Programm wegen der von ihr ausgehenden mangelnden Abschreckung gestrichen. Dies wurde von einigen nicht nur als Schlag gegen die britischen Anstrengungen gesehen, sondern auch gegen den Verbündeten Australien, der seine eigenen Interessen an dem Projekt hatte.

Die Blue Streak benutzte tiefgekühlte Treibstoffe, die nur für kurze Zeit in der Rakete gelagert werden konnten, ohne dass Vereisungen zum Problem wurden. Das Betanken der Rakete dauerte 15 Minuten, womit sie für einen schnellen Gegenschlag unbrauchbar war. Es wurde beabsichtigt, die Raketen in unterirdischen Silos zu stationieren, die einer atomaren Explosion von einer Megatonne in einem Abstand von 800 m (0,5 Meilen) widerstehen sollten. Diese Raketensilos hätten die Raketen vor einem Erstschlag geschützt, während sie betankt wurden. Jedoch stellt sich die Suche nach geeigneten Plätzen zum Bau dieser Silos also extrem schwierig heraus und nur in der RAF-Basis Spadeadam in Cumbria wurde mit dem Bau begonnen.

Da keine Gegend in Groß-Britannien genug Platz für einen Testflug der Rakete bot, wurde ein Startgelände in Woomera, Australien errichtet. Allerdings wuchs der politische Widerstand im britischen Parlament und schließlich wurde das Projekt aus dem angeblichen Grund gestrichen, dass die Blue Streak als Erstschlagwaffe zu verletzlich sei. Bis dahin waren schon etwa 84 Millionen Pfund in das Projekt geflossen.

Die britische Regierung setzte ihre Hoffnung auf die anglo-amerikanische Skybolt-Rakete, bis die USA, als ihr ICBM-Programm ausgereift war, das Programm strichen. Die Briten erwarben statt dessen das Polaris System der Amerikaner für den Einbau in britische Unterseeboote.

Ziviles Programm

Nach der Streichung des militärischen Projekts Blue Streak wollte man wegen der schon hohen investierten Summen nicht das komplette Programm aufgeben. Blue Streak sollte daher als erste Stufe des geplanten britischen Satellitenträgers „Black Prince“ dienen. Die zweite Stufe sollte dabei eine von der „Black Knight“ Testrakete abgeleitete Version sein und der für den Einschuss in eine Umlaufbahn benutzte Motor sollte Wasserstoffperoxid und Kerosin verbrennen. Das Black Prince Projekt kam aber nie über die Planung hinaus.

Im Rahmen des bald folgendem ELDO-Programms (European Launcher Development Organisation) wollte man eine Rakete entwickeln, die die Blue Streak ebenfalls als Erststufe verwendete, die zweite und dritte Stufe hingegen sollten aus Frankreich und Deutschland stammen. Als Teil des ELDO-Programms wurde die Blue Streak drei mal erfolgreich auf dem Testgelände in Woomera, Australien getestet.

Trotz acht Startversuchen mit der kompletten Mehrstufenrakete erwiesen sich die französischen und deutschen Komponenten als zu unzuverlässig, und so wurde auch dieses Programm abgebrochen. Der letzte Start erfolgte in Kourou, das in Französisch-Guayana liegt.

Daten

Siehe auch