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Gleichstellung (Behinderte Menschen)

Unter der Gleichstellung von behinderten Menschen versteht man die Erreichung der Gleichstellung und der faktischen Chancengleichheit von behinderten und nicht behinderten Menschen.

Inhaltsverzeichnis

Deutschland

In Deutschland sind hierzu folgende Gesetze erlassen worden: Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen, Landesgleichstellungsgesetze. Diese Gesetze gelten jedoch nur für die Träger öffentlicher Gewalt in den Bundes- bzw. Landesbehörden. Seit dem 18. August 2006 ist die Diskriminierung von Behinderten auch bei privaten Verträgen, insbesondere Arbeitsverträgen grundsätzlich verboten. [1]

Der „Deutsche Behindertenrat“ fasst seine Forderungen an die Politik folgendermaßen zusammen:

„Wir fordern die Bundesregierung daher auf, die UN–Konvention über die Rechte behinderter Menschen schnellstmöglich zu ratifizieren. Die Konvention, die am 13. Dezember 2006 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet wurde, fordert beispielsweise gleiche Chancen für eine integrierte Bildung für behinderte Menschen als Menschenrecht ein. Neben einer inklusiven Bildung tritt der Deutsche Behindertenrat unter anderem dafür ein, dass die Barrierefreiheit verbessert, die Rechte behinderter Frauen gestärkt, ein selbstbestimmtes Leben und die Teilhabe am Leben der Gemeinschaft ermöglicht wird und die Instrumente der Arbeitsförderung stärker als bisher für behinderte Menschen eingesetzt werden“. [2]

Gemeinte Zielgruppe

Als schwerbehindert gelten alle Personen mit einem Grad der Behinderung von mindestens GdB 50, der vom Versorgungsamt oder dem Amt für Soziale Angelegenheiten festgestellt wird. Bei einem Behinderungsgrad von mindestens GdB 30 kann man unter bestimmten Voraussetzungen durch die Agentur für Arbeit gleichgestellt werden. (SGB IX §2)

Gleiche Teilhabe als konkretes Gleichstellungsziel

Insbesondere gilt es bei der Gleichstellung behinderter Menschen, ihren Ausschluss von der Teilhabe an der Arbeit und am „Leben in der Gemeinschaft“ (vorbeugend) zu verhindern. Die Erreichung dieses Ziels wird in Deutschland durch Maßnahmen im Rahmen der Leistung zur Teilhabe nach dem Sozialgesetzbuch (SGB IX) angestrebt.

Richtlinie für Maßnahmen zur Förderung der Teilhabe ist die „Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF)“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom Oktober 2005. [3] Demzufolge bedeutet „Gleichstellung behinderter Menschen“ die Beseitigung der Beeinträchtigung der „Partizipation [Teilhabe], definiert als Wechselwirkung zwischen dem gesundheitlichen Problem (ICD) einer Person und ihren Umweltfaktoren“. [4]

Praktisch umgesetzt wird diese Klassifikation vor allem in der medizinischen Rehabilitation: Bislang wurden dort Therapieziele vor allem anhand von Symptomen oder Defiziten definiert. Mit Unterstützung der ICF wird die Sichtweise um die soziale Dimension Teilhabe systematisch erweitert. Ein Beispiel für eine an Funktionen orientierte Zielsetzung ist die Behandlung einer Person mit einer Knieverletzung. Als Ziel wird definiert, das Bewegungsausmaß in einem Kniegelenk zu verbessern. Dies ist ein in der kurativen Versorgung übliches Ziel. Aus der Perspektive des Betroffenen steht das Bewegungsausmaß des Gelenks allerdings weniger im Vordergrund, sofern es sich nicht mehr vollständig herstellen lässt. Den Patienten selbst interessiert dann viel mehr, ob er ohne Schmerzen wieder Einkaufen gehen oder die Gartenarbeit verrichten kann. [5]

Frankreich

In Frankreich gilt das Loi pour l’égalité des droits et des chances, pour la participation et pour la citoyenneté des personnes handicapées, kurz Loi handicap vom 11. Februar 2005, no 2005-102 (JO n° 36 vom 12 Februar 2005, S. 2353)

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. § 1 AGG
  2. http://www.deutscher-behindertenrat.de/ID60910
  3. http://www.dimdi.de/dynamic/de/klassi/downloadcenter/icf/endfassung/icf_endfassung-2005-10-01.pdf
  4. ICF, S.5
  5. Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR), ICF-Praxisleitfaden 2 vom Februar 2008, S.19
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