Heim

Christian Schultz-Gerstein

Christian Schultz-Gerstein (* 1946 in Hamburg; † März 1987 in Hamburg) war ein deutscher Journalist. Weil sein Vater ein Nazi-Richter war, legte er sich als zweiten Namen den des verschiedentlich als Widerstandskämpfer bezeichneten Kurt Gerstein zu.

Schultz-Gerstein absolvierte an den Universitäten von Hamburg und Tübingen ein Studium der Germanistik und Theologie. Ab 1970 arbeitete er als Mitarbeiter der Zeit und als Tennislehrer. 1976 wurde er Kulturredakteur des Spiegels.

1979 veröffentlichte er den Band „Der Doppelkopf“. Dieser enthielt im Wesentlichen ein Interview mit dem österreichischen Schriftsteller Jean Améry, in dem es um Amérys Buch Hand an sich legen ging und einen Essay, den er aus Anlass der Ernennung seines Vaters zum Senatspräsidenten geschrieben hatte. (Der Vater hatte mit seiner Ernennung sein Karriereziel erreicht. Er hatte mit seinem Vater, dem Großvater von Schultz-Gerstein, der ebenfalls Senatspräsident war, gleichgezogen. Sein Engagement in der Nazi-Zeit hatte sich nicht als ein Hindernis erwiesen.)

Die Zeitungsbeiträge Schultz-Gersteins zeichneten sich durch eine besondere Meinungsfreudigkeit des Verfassers aus. Besonderen Respekt gegenüber den großen Namen der Kulturszene zu zeigen war seine Sache nicht. In Erinnerung bleiben seine Entgegnungen auf kulturkritische Äußerungen von Botho Strauß:

„In der Kultur-Moral der 1950er Jahre stehengeblieben, als das Fernsehen und die Rockmusik noch des Teufels waren, des Menschen wahre Bestimmung aber darin lag, ein gutes Buch zu lesen und klassische Musik zu hören. Wie der selige Süsterhenn mit der Aktion Saubere Leinwand einst, so tritt uns jetzt Botho Strauß als Anwalt der reinen Seele mit Abitur, Allgemeinbildung und Belesenheit entgegen und kämpft den alten Kampf gegen ihre Verunreinigung durch neumodische Belanglosigkeit. Der Ungeist des Fernsehens, die böse Reklame, die banalen Magazine - die ganze verbotene jugendgefährdende Welt des pfäffischen Bildungskleinbürgertums der Adenauer-Ära breitet Strauß noch einmal aus.“

Die Lebensgeschichte von Schultz-Gerstein zeigt Parallelen zum Leben von Bernward Vesper. Beide stammten von Männern ab, die Unterstützer des Nazi-Regimes waren, beide zeigten eine große Begabung für Literarisch-Feuilletonistisches, und beide schieden freiwillig aus dem Leben.

Literatur

PND: kein individualisierter Datensatz vorhanden (Stand: 23. November 2007)

Nicht individualisierter Eintrag zum Namen Christian Schultz-Gerstein im Katalog der DNB

Personendaten
Schultz-Gerstein, Christian
deutscher Journalist
1946
Hamburg
März 1987
Hamburg