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Heddesdorf

Heddesdorf ist eine ehemals selbstständige Gemeinde, die 1904 per Vereinigungsvertrag mit der Stadt Neuwied in diese eingemeindet wurde.

Die beiden Teile der sog. „alten Stadt Neuwied“ (die ursprüngliche Stadt Neuwied wird heute als Innenstadt bezeichnet) werden heute politisch und juristisch nicht als Stadtteile geführt, da sie über keine eigenen politischen Vertretungen verfügen. In Heddesdorf wohnen heute 11.268 Einwohner (Innenstadt 11.459, Stand 30. Juni 2006).

Inhaltsverzeichnis

Lage

Heddesdorf wird begrenzt im Osten durch die Wied und den Neuwieder Stadtteil Irlich, im Norden durch die Stadtteile Niederbieber und Torney, im Osten durch die Stadtteile Block und Heimbach und im Süden durch die Innenstadt, die Heddesdorf etwa zwei Kilometer vom Rheinufer trennt.

Das Gebiet besteht im wesentlichen aus:

Geschichte

Siehe auch die Hauptartikel

Wie von der gesamten Umgebung im Neuwieder Becken kann auch von Heddesdorf angenommen werden, dass es schon im Magdalénien als Siedlungsbereich genutzt wurde.[1] Die erste Besiedlung in geschichtlicher Zeit erfolgte durch das Römische Imperium um etwa 90 n. Chr. bis vermutlich 190 n. Chr., als in der heutigen Heddesdorfer Gemarkung ein Kohortenkastell existierte.[2]. Grabfunde aus der Merowingerzeit sind unter anderem am Platz der heutigen evangelischen Heddesdorfer Kirche und des früheren römischen Kastells nachgewiesen.

Gründung

Keimzelle Heddesdorfs war wohl ein reichsfreier fränkischer Salhof mit einer später hinzukommenden Eigenkirche. Am 25. Dezember 962 schenkte Bruno, Erzbischof von Köln, Bruder und Reichskanzler Ottos des Großen dem Kölner Cäcilienkloster diese Kirche in Hedenesthorp im Engersgau . Die Namensendung -dorf verweist auf eine Gründung der fränkischen Siedlungszeit des 7./8. Jahrhunderts, der Teil „Hedenes-„ ist wohl auf den Namen des Gründers zurückzuführen.

Das Geschlecht derer von Heddesdorf tauchte erstmals am 30. Juni 1218 in einer Schenkungsurkunde des Heinrich von Isenburg auf, als Crafto de Hetensdorff als Urkundszeuge genannt wird. Hier ist auch erstmals das Heddesdorfer Wappen belegt, das auf blauem Grund einen weißen Diagonalstreifen abwärts mit drei roten Jakobsmuscheln als vermutlichen Verweis auf Pilgerfahrten zeigt.

Neuzeit

Mindestens seit 1564, wahrscheinlich aber schon lange vor 1487, beginnt die Tradition der Heddesdorfer Pfingstreiter.

Im Wiedtal entstand das Hüttenwerk Rasselstein, 1655 erstmals erwähnt. Es stellte 1835 die Schienen für die erste deutsche Eisenbahnstrecke Nürnberg-Fürth her. 1784 wurden die Grafen zu Wied-Neuwied, der sog. Unteren Grafschaft Wied, in den Reichsfürstenstand erhoben, verloren aber schon in Folge des Reichsdeputationshauptschlusses 1803 ihre Herrschaftsrechte, so auch in Heddesdorf. Nach dem Sturz Napoleons und dem Wiener Kongress 1815 kam Heddesdorf an die spätere Rheinprovinz. Auf den 15. April 1817 datiert die Gründung der „Bürgermeisterei Heddesdorf“, zu der auch Niederbieber gehörte. 1851 wurde Eduard Justus von Runkel zum Landrat ernannt, der sein Wohnhaus, den Isenburger Hof, zur Landratur erkor. 1852 erhielt Friedrich Wilhelm Raiffeisen die Ernennung zum Bürgermeister der Amtsbürgermeisterei Heddesdorf.

20. Jahrhundert

Einschneidendes Ereignis war und bleibt die Eingemeindung Heddesdorfs in die Stadt Neuwied. Die Lage Neuwieds war flächenmäßig durch die großzügige Gemarkung Heddesdorf beengt und so war der Versuch, Heddesdorf einzugemeinden, nur folgerichtig. Am 20. Mai 1904 ließ Landrat Runkel bekannt machen:

„Durch allerhöchste Cabinetordre Seiner Majestät vom 14. Mai 1904 ist die Eingemeindung des Dorfes Heddesdorf in die Stadt Neuwied genehmigt worden. Die Eingemeindung geschieht mit rückwirkender Kraft vom 1. April 1904 an.“ Kaiser Wilhelm II. hatte entschieden.

Ein Auseinandersetzungsvertrag und ein Vereinigungsvertrag sorgten schließlich für einen geordneten Übergang der Gemeinde Heddesdorf nach Neuwied.

Teil der neuen Stadt Neuwied seit 1904

1957 wurde das Amt Heddesdorf, den wirklichen Verhältnissen entsprechend, in Amt Niederbieber-Segendorf umbenannt. 1960 beginnt der Bau der Raiffeisenschule, die 1962 eingeweiht wird und wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung des anliegenden Neubaugebiets Raiffeisenring war. Ebenfalls 1962 eröffnet das Freibad an der Andernacher Straße und im Folgejahr erstmals die Mittelrheinische Industrie-, Handels- und Gewerbeausstellung (IHAGA) ihre Pforten. Mit einem großen Festumzug feiert im selben Jahr die Heddesdorfer Bürgerschaft das 1000. Jubiläum der Ortsgründung.

Nach Bildung der neuen Stadt Neuwied 1969/70 beginnt 1971 der Bau der kaufmännischen Schulen auf dem Heddesdorfer Berg. 1974 wird die Ahl Schull an der Ecke Schmandtstraße/Grabenstraße abgetragen und im Freilichtmuseum Bad Sobernheim wiedererrichtet. 1977 wird in Nachbarschaft zum heutigen Raiffeisen-Stadion die Eissporthalle eröffnet. 1979 stirbt August Welker, Lehrer an der Raiffeisenschule und bekannter Neuwieder Sprachforscher und Mundartdichter.

1977–80 wurde durch zahlreiche Umbauten und auch Abrisse traditionsreicher Häuser die Grundlage für die heutige Verkehrsführung im Bereich Andernacher Straße/Heddesdorfer Straße/Hofgründchen gelegt. 1984 verließ die Raiffeisendruckerei ihren Standort an der Bahnunterführung Heddesdorfer Straße, wo sie seit ihrer Gründung 1904 bestand, und zog in neue Gebäude in Segendorf.

2001 wurden in den Neuwieder Stadtteilen Ortsbeiräte eingerichtet: Heddesdorf wurde dabei übergangen. Im Folgejahr feierte Heddesdorf den 150. Jahrestag der Ernennung Raiffeisens zum Heddesdorfer Bürgermeister mit einem Straßenfest. 2005 wurde das Prof.-Hueppe-Stadion in Raiffeisen-Stadion umbenannt, da Ferdinand Hueppe aufgrund seiner Beiträge zur „Rassenhygiene“ als Namensgeber nicht mehr tragbar war. 2007 wird die IHAGA als größte Verbrauchermesse im nördlichen Rheinland-Pfalz in REGIONARA umbenannt.

Sehenswürdigkeiten

Veranstaltungen

Vereine

Mit Heddesdorf verbundene Personen

Literatur

Weblinks und Quellen

  1. Magedalénienzeitlich Funde in Gönnersdorf
  2. Welterbe Limes

Koordinaten: 50° 26' N, 7° 28' O